Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
SachsenSachsen-AnhaltThüringenDeutschlandWeltRatgeber
Bildrechte: MDR/Unsplash/fusion_medical_animation

Inzidenz erstmals seit Mai über 50Corona-Fallzahlen steigen in der vierten Welle rasant an, regional aber unterschiedlich stark

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Stand: 21. August 2021, 13:00 Uhr

Die vierte Corona-Welle in Deutschland wird anhand immer schneller steigender Fallzahlen von Tag zu Tag deutlicher. In welchen Regionen bald Maßnahmen-Verschärfungen drohen und welche Gründe es für langsam wieder steigende Impfzahlen geben könnte, das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Die aktuelle Lage

Guten Tag zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Die vierte Corona-Infektionswelle hat Deutschland erfasst und wird von Tag zu Tag sichtbarer. Das geht aus dem neuesten ausführlichen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom vergangenen Donnerstag hervor. Insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung nimmt die Welle dem RKI zufolge an Fahrt auf:

Alles anzeigen

Deutlich wird diese Entwicklung auch beim Blick auf das zuletzt immer weiter gesunkene mittlere Alter der Menschen, die sich in den vergangenen Wochen infiziert haben und aufgrund schwerer Krankheitsverläufe stationär oder intensivmedizinisch behandelt werden müssen:

Alles anzeigen

Fallzahlen wachsen rasant

Momentan wachsen die Infektionszahlen mit einer Rate von etwa 60 Prozent pro Woche, das ist schneller als noch bei der dritten Welle im Frühjahr. Dieses exponentielle Wachstum wird auch anhand der Reproduktionszahl R deutlich, die nach RKI-Angaben bereits seit Anfang Juli über 1 liegt, aktuell bei etwa 1,3. Das bedeutet umgerechnet, dass 100 infizierte Personen 130 weitere Personen anstecken.

Unverändert hoch ist die Verbreitung der Delta-Variante des neuartigen Coronavirus. Deutschlandweit waren in der vergangenen Woche 98 Prozent der durch Stichproben ermittelten Virus-Mutationen der Delta-Variante zugeordnet.

Laut RKI schützen alle Impfstoffe, die zurzeit in Deutschland zur Verfügung stehen, bei vollständiger Impfung wirksam vor einer schweren Erkrankung. Für vollständig Geimpfte wird die momentane Gefährdung der Gesundheit deswegen aktuell als moderat eingeschätzt, für nicht oder nur einmal geimpften Personen allerdings weiterhin als hoch.

Inzidenzen: Große regionale Unterschiede

In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz am Samstag mit 51,6 erstmals seit dem 25. Mai wieder bei über 50. Die Lage in den Bundesländern ist allerdings äußerst unterschiedlich. Während Nordrhein-Westfalen (91,8), Hamburg (72,8) und Berlin (67,0) die höchsten Werte aufweisen, sind die Werte in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen momentan die niedrigsten aller Bundesländer:

Alles anzeigen

Und auch innerhalb der Bundesländer gibt es teilweise großer Unterschiede. In Sachsen-Anhalt beispielsweise liegt im Landkreis Harz der Inzidenz-Wert aktuell noch bei 5,6 – in Halle hingegen schon bei 27,6:

Alles anzeigen

Sachsen-Anhalt will zur Beurteilung der Pandemiesituation künftig neben der 7-Tage-Inzidenz auch andere Kriterien betrachten. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) teilte am vergangenen Dienstag mit, dass künftig für verschärfte Eindämmungsmaßnahmen auch die Auslastung der Intensivbetten, die Schwere der Verläufe, die Zahl der beatmeten Patientinnen und Patienten sowie die Impfquote in den jeweiligen Landkreisen und Regionen eine Rolle spielen sollen. 

Spürbar mehr Erstimpfungen

Eine neue Entwicklung zeigt sich seit einigen Tagen bei der Anzahl der täglichen Erstimpfungen. Während diese bis zum 10. August auf rund 75.000 pro Tag (7-Tage-Durchschnitt) sank, werden im Schnitt mittlerweile über 90.000 Erstimpfungen pro Tag verabreicht. Insgesamt sinkt das Impftempo in Deutschland momentan aber weiterhin:

Alles anzeigen

Für den neuerlichen Anstieg der Impfrate können mehrere Gründe eine Rolle spielen. So haben Bund und Länder beispielsweise am 10. August beschlossen, dass kostenlose Schnelltests für alle ab 11. Oktober 2021 nicht mehr angeboten werden.

Zudem enden in immer mehr Bundesländern die Sommerferien, sodass möglicherweise mehr Menschen nach der Rückkehr aus dem Urlaub das Impfangebot wahrnehmen werden. Und schließlich empfahl die Ständige Impfkommission Anfang der Woche die Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren.

Dass gerade diese Altersgruppe sowie die Kinder unter zwölf nicht nur von eigenen Impfungen, sondern auch von einer möglichst hohen Impfquote der erwachsenen Bevölkerung profitiert, zeigt eine neue Modellierung des RKI. Je mehr Personen aus der Altersgruppe 18 und älter vollständig geimpft sind, desto größer ist auch der indirekte Schutz für Kinder und Jugendliche, die erst seit Kurzem oder aber auch gar nicht durch eine Impfung geschützt werden können.

Intensivstationen füllen sich wieder

Vor rund einem Monat wurden deutschlandweit rund 350 Menschen infolge einer COVID-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt. Inzwischen sind es wieder rund 650:

Alles anzeigen

Der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) betonte kürzlich in einem Interview mit dem SWR noch einmal, dass das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf für Ungeimpfte weitaus höher ist als für eine geimpfte Person.

So wurden nach neuesten RKI-Zahlen Ende Juli bis Mitte August 309 COVID-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt, lediglich 17 (5,5 Prozent) von ihnen waren geimpft.

Deshalb kann ich nur dringend dazu raten, sich Impfen zu lassen. Wir kommen daran nicht mehr vorbei. Die Delta-Variante ist so infektiös, dass wir entweder geimpft sind, oder irgendwann diese Infektion erleiden.

Christian Karagiannidis, Intensivmediziner | SWR-Interview am 19.08.2021

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelne Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – drei Mal wöchentlich um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Mehr zum Thema

MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. August 2021 | 19:00 Uhr

Kommentare

Laden ...
Alles anzeigen
Alles anzeigen