Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-Inzidenz in Deutschland steigt so stark in einer Woche wie noch nie

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
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Seit vergangenem Freitag ist die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland um 49,5 gestiegen – so stark wie noch nie. Doch das liegt auch an einer Schwäche der Inzidenz, die durch Ostern wieder klar wurde. Wenn weniger Menschen zum Arzt gehen und die Labore weniger Tests auswerten, dann sinkt auch die 7-Tage-Inzidenz. Mit anderen Kennzahlen, wie die Positivquote der Corona-Tests oder die Auslastung der Intensivbetten, zeichnet sich ein genaueres Bild. Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Mann mit Atemschutzmaske beim Einkaufen
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Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Am Freitag blieb die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zwar wie am Vortag auf 160,1. In der Woche davor lag sie jedoch bei 129,4. Mit 49,5 in absoluten Zahlen ist das der höchste Anstieg der Inzidenz in einer Woche seit Beginn der Pandemie im Februar 2020. Die Inzidenz ist die Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner umgerechnet.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stieg die Inzidenz im selben Zeitraum noch stärker: In Thüringen liegt sie nun bei 256, in Sachsen bei 229,5 und in Sachsen-Anhalt bei 188,3. In keinem anderen Bundesland ist die Inzidenz aktuell so hoch.

Allerdings vermutet das RKI in seinen Lageberichten, dass in der Vorwoche wegen "der Ferienzeit weniger Personen einen Arzt aufsuchten". Das habe den Wert vergangenen Freitag noch nach unten gedrückt und entsprechend stärker wirkt der aktuelle Anstieg. Dieses Phänomen ist nicht neu: Schon über Weihnachten und Silvester 2020 sank die Inzidenz für mehrere Tage. Aber auch verglichen mit den Werten vor 14 Tagen stiegen die aktuellen Inzidenzen deutlich.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) appellierte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag an die Bundesländer, sie sollten sofort weitere Maßnahmen ergreifen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Auf die sogenannte "Notbremse" im neuen Infektionsschutzgesetz der Bundesregierung zu warten, würde zu viel Zeit verschwenden.

Probleme der 7-Tage-Inzidenz

An diesem Freitagmorgen ging das geplante Infektionsschutzgesetz durch die erste Lesung im Bundestag. Aber bereits davor kritisierten Landesregierungen und die Opposition den Entwurf. Unter anderem, dass sich die "Notbremse" auf die 7-Tage-Inzidenz konzentriere. Sie allein könne das reale Pandemie-Geschehen in nicht voll abbilden.

Der Inzidenz-Wert gibt an, wie viele nachgewiesene Corona-Fälle es in einem bestimmten Gebiet – etwa in einem Landkreis oder in einem Bundesland – in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. Die errechnete Summe der neuen Fälle wird auf 100.000 Einwohner umgerechnet. Dadurch sind die Regionen besser vergleichbar und die Inzidenz schwankt weniger stark als die tägliche Anzahl der neuen Infektionen. Die Inzidenz ist aktuell der dominante Wert in der Pandemie. Auch im Corona-Daten-Update nimmt sie regelmäßig eine zentrale Position ein.

Zwei Quellen, zwei Werte

Jedoch: Die Inzidenz-Werte unterscheiden sich je nach Quelle - teilweise erheblich. Das liegt an einem Meldeverzug, der sich besonders bei den Zahlen des RKI zeigt. Durch Nachmeldungen können sich die Zahlen rückwirkend noch mal ändern. In anderen Fällen liegt es an der Berechnungsart, ob zum Beispiel der aktuelle Tag mit einbezogen wird oder nicht. Dieser Tendenz will das sogenannte "Risklayer"-Projekt entgegenwirken

Es gibt allerdings noch weitere Kennzahlen, die dabei helfen die Infektionslage einzuschätzen. Dazu gehört die Positivquote, also der Anteil positiver Tests an allen Tests. Nach dem die Quote im Januar deutlich sank, ist sie in den vergangenen sieben Wochen stetig gestiegen. Mittlerweile sind wieder 12 Prozent der beim RKI gemeldeten Tests positiv.

Wie das RKI im an diesem Mittwoch berichtete, ist für die vergangenen zwei Wochen "ein Rückgang der übermittelten durchgeführten PCR-Testungen im Vergleich zu den Vorwochen zu verzeichnen". Das Institut vermutet, dass auch dies an den geschlossenen medizinischen Praxen über Ostern liegt.

Eine Analyse des SWR weist darauf hin, dass sich der Anstieg der Positivquote auch nicht mit den zunehmend verbreiteten Schnelltests erklären lässt. In Baden-Württemberg waren nur 6,9 Prozent der registrierten Infektionsfälle auf Schnelltests zurückzuführen.

Intensivbetten werden knapp

Auf den Intensivstationen zeigt sich ebenfalls, dass wieder mehr Menschen infiziert sind. Die Deutsche Interdiziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) meldet, es gäbe immer weniger freie Betten auf Intensivstationen. Laut den Zahlen der DIVI liegen auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen immer mehr Menschen mit Covid-19 Infektionen in Intensivbetten. Um die Betroffenen zu versorgen, müssen Kliniken zum Teil andere Operationen aussetzen.

Sachsen

In Sachsen liegen aktuell 394 Menschen mit Covid-19 auf der Intensivstation. Christoph Josten, Vorstand des Leipziger Universitätsklinikums, äußerte gegenüber dem MDR, die Lage sei besonders bedenklich. Aktuell wären auch in den Nachbarbundesländern die Intensivstationen so ausgelastet, dass die sächsischen Krankenhäuser ihre Patienten nicht einfach verlegen könnten.

Sachsen-Anhalt

Auch das medizinische Personal im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt blickt besorgt auf die mangelnden Ausweichmöglichkeiten. Wie der Referent für Medizin, Gerd Burkhard, MDR am Donnerstag sagte, haben die Kliniken in Sachsen-Anhalt die Situation zwar noch im Griff. Es sei aber nur ganz wenig Luft nach oben.

Thüringen

Anfang der Woche erreichte Thüringen seinen Höchststand in der Pandemie: Am Dienstag lagen 233 Personen mit Covid-19 auf der Intensivstation. Mittlerweile sind es 217. Derzeit müssen Operationen abgesagt werden, weil so viele Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt sind, wie Kliniksprecher Stephan Breidt MDR THÜRINGEN erklärte.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
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MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. April 2021 | 19:00 Uhr

43 Kommentare

Kritiker vor 32 Wochen

+...In Sachsen liegen aktuell 394 Menschen mit Covid-19 auf der Intensivstation....+
Waren es da nicht am 23.12.2020 eine Intensiv-Bettenbelegung von 594?

Da sieht es in Thüringen doch schlimmer aus bemessen an die Bereitstellung von Intensivbetten. 233 am 12.04.2021. Sinkend per 16.04.2021 auf 217.

Sachsen-Anhalt per 05.01.2021 von 211 auch sinkend per 16.04.2021 auf 139 Betten.

Wo also steigt die Anzahl der Intensivbetten-Belegung außer in Sachen zum letzten Datum 16.04.2021 lt. Diagramm?

Kritiker vor 32 Wochen

Impfungen sofern diese mal ein wenig zulegen würden tun ihr Übriges. Wer dafür jedoch verantwortlich ist wissen Sie wie ich bestimmt sehr gut.
Die Diskussion (und da schließe ich mal an) das Geimpfte mehr Freizügigkeiten haben sollen kann ja weiter gehen. Falls diese Diskussion (aus welchem Hintergrund auch immer) die Bevorzugung entsprechender Menschen festschreibt dann kommt sicher umgehend auch die Feststellung negativ getesteter Bürger, genesender Bürger und die bisher ja große Anzahl der Mitmenschen die nicht einmal getestet wurden, nach genau so freizügigeren Möglichkeiten, denn auch Impfungen bedeuten keine 100%ige Sicherheit wieder zu erkranken. Wie weit es da dann mit der Ansteckungsgefahr von diesen Menschen ausgehen wird ist nach wie vor nicht bewiesen. Das Virus verändert sich ja offensichtlich und aus der Quelle "Wissen" weiß bisher (ja begründbar wegen der bisher vergangenen Zeit) niemand wie es weiter gehen wird, ob stetiger Schutz bestehen wird oder nicht usw.

Kritiker vor 32 Wochen

@goffman:
1.) Regional ALLE TEST ERFASSEN. (wird ja auch gemacht ? oder)
2.) Positive Tests, alle! Davon JEDOCH, die mit PCR-Test erfolgten Ergebnisse einzeln erfassen. Trennt zumindestens erst einmal positive Ergebnisse und nachgewiesene Erkrankungen = Ansteckungsgefahren.
3.) Kontakte in entsprechenden Größenordnungen per Gesetz durch zu bringen, !OHNE! darauf angewiesen zu sein, wie im privaten Bereich, die wirkliche Infektionszahl erfassbar ist, macht den Menschen die Akzeptanz entsprechender Schritte immer schwerer. Sicher die Betroffenen würden es für richtig ansehen, NUR DER WEITAUS GRÖSSERE TEIL, welcher wegen seinem Gesundheitszustand (gesund und fit) solche Einschränkungen mit zu tragen hat verliert an Verständnis.
In meinen früheren Kommentaren führte ich immer wieder aus das die Selbsttest den Bürgern in ausreichender Menge verfügbar sein müssten >> daraus ergibt sich, ob man infiziert ist, auch wenn dies bei Selbsttest nur mit sehr vielen Test möglich ist festzustellen.<<

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