Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-7-Tage-Inzidenzen sinken vielerorts weiter, Impfungen nehmen Fahrt auf

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Bis auf wenige regionale Ausnahmen gehen die wichtigen Corona-Kennzahlen aktuell weiter zurück. Gleichzeitig nimmt das Tempo der Covid-19-Schutzimpfungen weiter zu. Welche Zahlen zur Zeit immer noch Sorgen bereiten: das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Ein junger Mann bekommt ein Pflaster auf den Oberarm, nachdem ihm eine Ärztin eine Corona-Schutzimpfung verabreicht hat. Im Vordergrund des Bildes steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
Bildrechte: MDR/Unsplash/CDC

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Das Infektionsgeschehen ist in den vergangenen Tagen vielerorts zurückgegangen. In Sachsen-Anhalt sank die 7-Tage-Inzidenz innerhalb einer Woche nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von 170,1 (29.04.2021) auf 130,8 (06.05.2021), das entspricht einem Rückgang von rund 23 Prozent.

Das bedeutet die 7-Tage-Inzidenz: Der Inzidenz-Wert verdeutlicht, wie stark Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung in einer bestimmten Region verbreitet sind. Dazu wird die Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner umgerechnet. So lässt sich das Infektionsgeschehen in verschiedenen Regionen vergleichen.

In Sachsen lag der Rückgang bei rund 16 Prozent (214,3 auf 179,9), das entspricht in etwa auch der deutschlandweiten Entwicklung. Thüringen liegt als einziges Bundesland weiterhin bei einem Inzidenzwert über 200, der Rückgang von 215,4 auf 206,7 fiel mit rund vier Prozent auch deutlich niedriger aus als in allen anderen Bundesländern.

Grund dafür ist unter anderem die Situation im Saale-Orla-Kreis, in dem die 7-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 545 lag – mit Abstand der höchste Werte aller Städte und Landkreise in Deutschland.

Impftermine für Menschen aus der Priogruppe 3

Deutschlandweit wurden seit Ende Dezember 2020 bislang über 32,5 Millionen Corona-Schutzimpfungen verabreicht. Mehr als 30 Prozent der Bevölkerung haben damit bereits ihre erste Impfung erhalten, etwa 8,5 Prozent besitzen schon den vollen Impfschutz. Regional variieren die Werte allerdings:

Mittlerweile sind die Impfungen soweit fortgeschritten, dass in Sachsen-Anhalt und Thüringen demnächst die komplette Prioritätengruppe 3 impfberechtigt ist – in Sachsen ist dies bereits jetzt der Fall.

Ein Mann steht vor der Messe in Erfurt, um sich für die Impfung anzumelden
Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Aufgrund steigender Impfstofflieferungen können in Deutschland pro Tag immer mehr Menschen geimpft werden. Zuletzt wurden zum zweiten Mal mehr als eine Million Impfdosen innerhalb eines Tages verabreicht:

Intensivstationen nach wie vor stark ausgelastet

So schnell, wie die 7-Tage-Inzidenzen sinken – und der Trend ist deutlich sichtbar – so schnell werden Rufe nach Lockerungen der Maßnahmen laut. Sachsen-Anhalt will beispielsweise am Freitag eine neue Verordnung vorstellen – die für Kreise und kreisfreie Städte mit einer stabilen Inzidenz unter 100 konkrete Öffnungen in Aussicht stellt. Viele Gastwirte oder Ferienhausbetreibende warten sehnsüchtig auf diese Signale. Die Einnahmen fehlen ihnen.

Doch wie geht es denjenigen, die direkt mit Covid-19-Patienten und -Patientinnen zu tun haben? Karsten zur Nieden leitet den Rettungsdienst in Halle und was er dem MDR sagt, zeigt seine Zerrissenheit:

Als Mensch bin ich natürlich sehr froh, wenn wir wieder öffnen können. Als Arzt, der jeden Tag schwerstkranke Covid-Patienten betreut, bin ich nicht sicher, ob es jetzt schon der richtige Zeitpunkt ist.

Karsten zur Nieden, Leiter Rettungsdienst in Halle

Denn wie bereits in den vergangenen Monaten mehrfach beobachtet, sinkt die Auslastung auf den Intensivstationen erst mehrere Wochen, nachdem bereits die Zahl neuer bestätigter Corona-Fälle gesunken ist. Mit immer noch mehr als 4.700 Covid-Patientinnen und -Patienten in intensivmedizinischer Betreuung ist die Auslastung momentan weiterhin extrem hoch, auch wenn die Zahlen langsam beginnen zu sinken:

Was angesichts sinkender Inzidenzen ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist die Tatsache, dass jeden Tag weiterhin Menschen an oder mit einer Covid-19-Erkrankung sterben. Zuletzt waren es rund 220 Menschen in Deutschland – jeden Tag. Insgesamt liegt die Zahl der Sterbefälle bei über 84.000. In Relation zur Gesamtbevölkerung Deutschlands ist das ein Mensch pro 1.000 Einwohner.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06. Mai 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

DermbacherIn vor 6 Wochen

Es gibt signifikante Unstimmigkeiten und Unmöglichkeiten mit weltweiten Covid-19- Daten, den Definitionen, den Quellen, den Formaten der Erhebung und der Art der Bewertung, der "Verpackung"der Analysen usw..
Die Zahlen, die (nur als Beispiel) die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht, die Zahlen, auf die sich Journalisten und Regierungen auf der ganzen Welt beziehen, sind mit Politik kontaminiert.
Sie sind nicht nutzlos, sie erzählen uns etwas, aber sie malen ein schiefes Bild.
Die WHO (nur als Beispiel) erhält ihre Fallzahlen von Regierungen auf der ganzen Welt. Sie kann diese Zahlen nicht überprüfen oder die Quellen weiter verifizieren und die Regierungen nicht zur Angabe besserer Zahlen verpflichten.
Ein flüchtiger Blick auf die angegebenen Zahlen zeigt, dass einige davon nicht plausibel sind.

DermbacherIn vor 6 Wochen

So viel Unfähigkeit einer Regierung, das kann man nicht erfinden.
15 Monate nach Ausbruch der Pandemie hätte sich die deutsche Regierung ganz genau nach funktionierenden, zumindest besseren Konzepten umsehen können und diese dann umsetzen, in Deutschland zum Beispiel die Städte Tübingen und Rostock, die mit ihren Konzepten die Inzidenzen weit unter dem Bundesdurchschnitt bzw. dem Durchschnitt der angrenzenden Regionen halten können.
Dazu Ausgangssperren, die in anderen Ländern nicht den Erfolg brachten, eher das Gegenteil bewirken, hierzu gibt es Studien aus Frankreich, da die Menschen - statt sich draußen von Infektionen nahezu ungefährdet aufzuhalten, eher in den Innenraum gedrängt werden, wo die Ansteckungsgefahr bekanntlich am höchsten ist.
Stattdessen kopiert man Bayern nun bundesweit.

DermbacherIn vor 6 Wochen

Die Zahlen sinken, weil die Saison zu Ende geht und weil der starke Anstieg in einer einzigen Woche stattfand, wo die Testungen massiv verstärkt wurden. Seit Ende April 2021 ist die Kurve flach - mit einer starken Delle um Ostern, wo die Zahlen erst unrealistisch niedrig waren und die Woche danach dann nachgeliefert wurde.
Die Menschen sind auch keineswegs "vorsichtiger" geworden, im Gegenteil kenne ich niemanden mehr, der sich an alle Regeln hält. Draußen sammeln sich die Massen und die zahlen gehen trotzdem nicht hoch. Und vor allem sinken sie nicht dort stärker, wo es eine Ausgangssperre gibt, die also offensichtlich keinerlei Effekt hat.
Die damaligen Ankündigungen waren wieder mal ein reines Computermodell, das das Verhalten der Menschen nicht wirklich vorhersehen kann. Man kann sich jetzt wieder draußen treffen und tut es reichlich, wie jeder täglich sehen kann. Das mindert das Risiko, das ja vor allem in Räumen besteht.

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