Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Wie die 7-Tage-Inzidenz mit ausgelasteten Intensivstationen und Sterbefällen zusammenhängt

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Seit mehr als zwei Wochen steigt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland. Mittlerweile liegt sie wieder über 100. Das hat Folgen für die Intensivstationen: wenn die Inzidenz steigt, müssen sie mehr Menschen behandeln. Durch die Corona-Varianten könnten die Zahlen noch schneller steigen. Doch auch so kommen Modellierungen zu dem Ergebnis: In zwei Wochen könnte die Inzidenz in Deutschland höher sein als je zuvor.

Auf dem Foto zu sehen ist ein medizinischer Mitarbeiter, der in seiner OP-Kleidung auf einem Flur hockt. Der Hintergrund ist sehr dunkel, der Mann selbst wird vom Sonnenlicht durch ein Fenster angestrahlt. Im Vordergrund steht der Schriftzug "Corona-Daten-Update".
Bildrechte: MDR/Unsplash/mullyaddi

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland steigt – anders lässt es sich nicht beschreiben – drastisch an. In der vergangenen Woche lag sie laut dem Robert Koch-Institut (RKI) bei 95,6. Heute stieg sie auf 119,1. Bis Mitternacht übermittelten die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI 21.573 neu registrierte Fälle. Das sind rund 4.000 Neuinfektionen in 24 Stunden mehr als am vergangenen Freitag.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte in einer Pressekonferenz am Freitagmorgen, die Lage sei aktuell durch die Virusvarianten besonders gefährlich. Das Gesundheitssystem könne schon im April an seine Grenzen kommen, wenn die Zahlen weiter so ansteigen.

RKI-Präsident Lothar Wieler mahnte auf der gleichen Pressekonferenz eindringlich: "Bisher sind 75.000 Mitmenschen in Deutschland gestorben". Wieler forderte die Bevölkerung auf, sich an die Hygiene-Regeln zu halten. Nur das könne den Anstieg mildern, den vor allem die Corona-Variante B.1.1.7 verursache.

Steigt Inzidenz, steigen auch Intensiv- und Sterbefälle

Wenn die Infektionen steigen, dann folgten auch mehr Corona-Fälle auf der Intensivstation und "wir müssen auch davon ausgehen, dass die Todesfälle wieder ansteigen werden", ergänzte Wieler. Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang zwischen steigender Inzidenz, steigender Anzahl an Menschen, die mit Corona auf der Intensivstation behandelt werden und steigenden Todesfällen.

Im Oktober 2020 stieg zuerst die Inzidenz, dann die Anzahl der Intensivpatienten und danach die Sterbefälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Mitte Januar sank wiederum zuerst die Inzidenz und zeitverzögert aber parallel dazu sanken die Intensiv- und Todesfälle.

In der folgenden Grafik sehen Sie die Entwicklung von 7-Tage-Inzidenz, Intensiv- und Sterbefällen im Zeiverlauf. Über das Menü "Kategorie wählen" können Sie die drei Werte beliebig miteinander kombinieren:

Noch offen ist, wie sich die zuletzt steigenden Inzidenz-Werte auf die Sterbefälle auswirken werden. Denn die Auslastung auf den Intensivstationen nimmt bereits seit kurzer Zeit wieder spürbar zu.

Entwicklung in Ihrer Region

Nach RKI-Angaben liegt die 7-Tage-Inzidenz in Thüringen bei 221,5 und damit weiterhin am höchsten in Deutschland. Darauf folgen Sachsen (169,1) und Sachsen-Anhalt (134,8) auf den Plätzen zwei und drei. Innerhalb der Länder ist die Lage regional zwar höchst unterschiedlich, jedoch liegt kein Inzidenzwert mehr unter 50.

In Sachsen-Anhalt ist der Wert im nördlich gelegenen Altmarkkreis Salzwedel mit 50,5 am niedrigsten. Aber auch er ist gestiegen. Im Süden Sachsen-Anhalts, an der Grenze zu Thüringen, liegt die 7-Tage-Inzidenz im Burgenlandkreis erneut bei mehr als 200.

In den folgenden Grafiken sehen Sie die Inzidenz-Entwicklung Ihrer Region für die vergangenen 30 Tage. Aus Gründen der Vergleichbarkeit sind die einheitlichen Angaben des RKI abgebildet:

In Sachsen ist die 7-Tage-Inzidenz nur in der Stadt Leipzig (80) unter der Grenze von 100. Vergangenen Freitag waren es noch weitere Region. Besonders betroffen ist aktuell der Vogtlandkreis an der Grenze zu Tschechien. Dort liegt die Inzidenz mittlerweile mehr als 400:

Im Landkreis Greiz in Thüringen liegt die Inzidenz weiter über 500 und ist damit die am schlimmsten betroffene Region in Deutschland. In der kreisfreien Stadt Weimar liegt die Inzidenz nach RKI-Angaben nun bei 84,3 und damit am niedrigsten in Thüringen. Vergangene Woche lag Weimar noch unter 50:

Die RKI-Zahlen eignen sich für rückblickende und überregionale Vergleiche, allerdings sind sie aufgrund von Meldeverzug und Übermittlungsfehlern immer mit einem zeitlichen Verzug von durchschnittlich ein bis zwei Tagen behaftet. Diese Lücke will das sogenannte "Risklayer"-Projekt schließen, das am Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) angesiedelt ist.

Das Team, das beim Zusammentragen der Daten von zahlreichen Freiwilligen deutschlandweit unterstützt wird, greift auf offizielle Statistiken der Kreise und Städte, ihrer Gesundheitsämter, des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Gesundheitsministerien zurück und versucht damit, einen so aktuell wie möglichen Stand der Zahlen zu gewährleisten. Deutschlandweit ist die Lage demnach wie folgt:

Wie sich die Lage weiter entwickeln könnte

RKI-Chef Wieler warnte in der Bundespressekonferenz außerdem, dass im April 100.000 Neuinfektionen pro Tag vorstellbar seien. Doch das Infektionsgeschehen vorherzusagen ist ein schwieriges Vorhaben. Die Annahmen beruhen auf aktuellen oder vergangenen Entwicklungen und sollen dabei helfen, die Zukunft abzuschätzen.

Ein Mathematikprofessor der Universität in München, Christian Fries, errechnet zum Beispiel regelmäßig für die Bundesländer, in wie vielen Tagen die 7-Tage-Inzidenz über 200 liegt. Als Basis nimmt er die das Wachstum der vergangenen drei Tage.

Mit dem aktuellen Wachstum hat Fries berechnet, dass die Inzidenz in Deutschland in ungefähr zwei Wochen über 200 liegen würde. Das wäre ein neuer Höchststand. Bisher lag die höchste Inzidenz laut RKI bei 197,6 am 22.12.2020:

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR, David Muschenich, Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR S-ANHALT | MDR um 11 das Ländermagazin | 26. März 2021 | 11:00 Uhr

3 Kommentare

Mediator vor 36 Wochen

Wo wird denn hier Panikmache betrieben?
So locker und flapsig wie sie kann man das Thema aber auch nicht angehen.

Zwar landet nicht jeder Infizierte auf der Intensivstation, aber er kann andere Mitmenschen anstecken.

Zwar stirbt nicht jeder Infizierte, aber er kann langfristige gesundheitliche schäden bis zur Berufsunfähigkeit davon tragen.

Wenn man die Inzidenz nicht durch geeignete Maßnahmen in ihrer Steigerung begrenzt, dann hat man recht schnell ein Infektionsgeschehen, dass man nicht mehr im Griff hat und dann füllen sich sehr schnell [wieder] die Intensivstationen und Krematorien.

pepe79 vor 36 Wochen

Ein Virus kennt keine Feiertage, trotzdem wird yostersamstag früh und Osterdonntag in Thüringens größten Impfzentren nicht geimpft

Pflegeheime machten in den ersten Wellen 14 der Ausbrüche aber über60% der Patienten aus.
1. Diese sind nun weitestgehend durchgeimpft.
2. Momenzan gibt es mehr Kinder und Jugendliche mit Infektionen die eigentlich so gut wie nie in einer Klinik landen.
Beides zussmmen führt dazu das die Auslastung der Intensivbetten viel langsamer erreicht wird als in den anderen Wellen.
Die Intendivbetten füllen sich, aber der weitaus größte Teil der Intensivbetten ist mit NichtCovid Pstienten belegt.
Laut DiVI Register behandelte die Uniklinik Jena am 13.3. 14 CovidPatienten auf ITS, gestern den 26.3. waren es 17. War Thüringen überhaupt mal unter einer 100er Inzidenz? Die Klinik hat 107 ITS-Betten und ist Level 1 Klinik die viele Patienten aus Ostthüringen aufnimmt, also immer viele Covidpatienten hat.
Das Klinikum Weimar hatte gestern 1 Intensiv Covidpatienten.

eeee vor 36 Wochen

Alles hängt mit allem zusammen. Was soll die Panikmache? Nicht jeder der infiziert ist kommt auf die Intensivstation und nicht jeder stirbt daran🤮

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