Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Corona-Variante Delta bei neun von zehn Fällen nachweisbar

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
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Jeder Zweite in Deutschland ist nun voll geimpft, doch seit drei Wochen steigt die 7-Tage-Inzidenz Tag für Tag. Bei den 10- bis 34-Jährigen ist das am deutlichsten zu sehen. Die sehr ansteckende Corona-Variante "Delta" ist nun bei 9 von 10 Infektionen nachweisbar. Warum die Inzidenz mittlerweile anders zu bewerten ist und wie die Lage, in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen aussieht, das und mehr im Corona-Daten-Update.

Eine junge Frau steht mit einer Schutzmaske in der U-Bahn und blickt auf ihr Smartphone.
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Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Die Unbedarftheit dieser Sommerwochen könnte ein frühes Ende finden. Seit drei Wochen steigt die 7-Tage-Inzidenz, die das Robert Koch-Institut (RKI) täglich vermeldet. Mittlerweile liegt sie bei 16,5 neuen Fällen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich zur letzten Woche liegt sie um 3,3 höher. In absoluten Zahlen bedeutet die Inzidenz: Bundesweit wurden 13.733 Infektionen in der vergangenen Woche nachgewiesen.

Auch in jedem der Bundesländer stieg die Inzidenz, verglichen mit vergangener Woche. Die drei Länder mit den niedrigsten Inzidenzen sind Sachsen (6,7), Thüringen (5,9) und Sachsen-Anhalt (4,6). Am höchsten liegt die Inzidenz in Hamburg, bei 28,9. Hier stieg sie auch am stärksten, nämlich um 10,4.

Verglichen mit den Infektionswerten aus den vergangenen zwei Wellen sind die aktuellen Zahlen niedrig. Blicken wir zum Vergleich noch einmal kurz zurück: Das RKI meldete am 22. Dezember für die zurückliegenden sieben Tage insgesamt 164.378 Neuinfektionen. Auf 100.000 Einwohner gerechnet, entsprach das einer Sieben-Tage-Inzidenz von 197,6. Doch wie sich die aktuelle Infektionslage entwickelt ist unklar. Das Robert Koch-Institut geht zurzeit davon aus, dass die Infektionen weiter steigen.

Eine veränderte Situation

Im vergangenen Jahr waren es zur Sommerzeit deutlich weniger Fälle – aber die Situation auch eine andere. Auf der einen Seite sind mittlerweile 50 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig geimpft. Das mildert die Situation. Auf der anderen Seite lässt sich bei neun von zehn Infektionen die Delta-Variante des Coronavirus nachweisen. Vor zwei Monaten dagegen war noch einer von zehn Fällen auf die Delta-Variante zurückzuführen. Das Verhältnis hat sich also verkehrt.

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte, Ute Teichert, warnte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass sich die Verbreitung der Delta-Variante negativ auf die Lage in Deutschland auswirken könnte. Noch seien nicht genügend Menschen geimpft. Bei mehr Infektionen könnten auch die Gesundheitsämter wieder überlastet sein.

Im aktuellen Wochenbericht des RKI heißt es: "Der derzeitige Anstieg der Inzidenz ist vor allem in den Altersgruppen der 10- bis 36-Jährigen zu beobachten." Teilt man die Bevölkerung in Deutschland in Gruppen je fünf Jahre auf, dann ist die Inzidenz unter den 20- bis 24-Jährigen bereits bei mehr als 44. Am niedrigsten ist sie hingegen bei den 75- bis 79-Jährigen: 1,68.

Gerade umgekehrt ist es bei den Impfungen: Die Impfquote ist bei älteren Menschen deutlich höher. Während insgesamt mehr als 50 Prozent voll geimpft sind, haben bereits acht von zehn Menschen über 60 die zweite Impfung erhalten. Jedoch unterschieden sich die Quoten in den Bundesländern.

Impfdosen verfallen

Problematisch ist: Immer weniger Menschen lassen sich impfen, obwohl genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Mittlerweile verfallen sogar die Impfdosen in den Arztpraxen – vor wenigen Wochen, als Menschen kaum einen Impftermin bekamen, wäre das noch undenkbar gewesen. Doch nun verlangsamt sich das Impftempo nicht mehr wegen des mangelnden Stoffs, sondern der mangelnden Bereitschaft.

Die Skepsis gegenüber den Impfstoffen scheint in Sachsen besonders groß zu sein. Doch die sächsische Impfkommission empfiehlt nun, nachdem sie Daten aus den USA und Israel analysiert hat, auch Kinder ab zwölf Jahren zu impfen. Ab Sonntag (1. August) ist das auch möglich.

In Sachsen-Anhalt wird es Kindern ab zwölf Jahre nun ebenfalls ermöglicht, sich in Impfzentren impfen zu lassen, wie das Sozialministerium dem MDR sagte. Es sei wichtig, dass sich viele Menschen impfen lassen. Die ständige Impfkommission in Deutschland ist da noch zurückhaltender und empfiehlt aktuell nur Kindern mit Vorerkrankungen oder Kontakt zu Risikogruppen eine Impfung.

Wenige Intensivpatienten trotz steigender Inzidenz

Zurzeit liegen in Deutschland 347 Menschen mit Covid-19 auf der Intensivstation. Anfang Mai waren es rund 5.000. Und laut der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin ist aktuell der größte Teil der Patientinnen und Patienten mit Covid-19 zwischen 60 und 69 Jahren alt. Sie machen etwa 30 Prozent der Behandelten aus.

In Sachsen-Anhalt waren es in dieser Woche an zwei Tagen gar keine Patienten, sonst nur vereinzelt. In Sachsen liegen aktuell 16 Personen in Intensivbetten und in Thüringen sind es zurzeit 11.

Eine Annahme von Experten lautet, dass zwar die Infektionen ansteigen, aber weniger Menschen ins Krankenhaus müssen. Entsprechend wäre das Gesundheitssystem weniger belastet und Corona würde ein geringeres Problem darstellen. Ganz klar ist aber noch nicht, ob das der Fall ist. In Großbritannien schien es bislang so zu sein. Die Inzidenz stieg über 370, doch verglichen mit vergangenem Winter und Frühling brauchten weniger Menschen medizinische Versorgung.

Aktuell gibt es zwei weitere Entwicklungen in Großbritannien, die im Auge behalten werden sollten: Auf der einen Seite sinkt die Inzidenz, ohne das Maßnahmen ergriffen wurden. Es gibt Vermutungen, die vierte Welle in Großbritannien sei nur eine Folge der Fußballeuropameisterschaft gewesen, bei der viele Menschen in die Stadien durften. Auf der anderen Seite steigt nun doch ein wenig die Zahl der Menschen, die mit Corona im Krankenhaus landen.

Die höchste Impfquote weltweit hat Israel. Aber selbst da steigen die Zahl der Corona-Fälle. Darum sollen sich Menschen, die älter als 60 sind, ein drittes Mal impfen lassen. Ein sogenannter "Booster", der insbesondere durch den Impfstoff-Hersteller Biontech beworben wird.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags, mittwochs und freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
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MDR/David Muschenich

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13 Kommentare

DermbacherIn vor 7 Wochen

@MDR-Team
Es wird sie erstaunen, man kann an vielen Infektionskrankheiten sterben.
Was bis heute bei MDR. DE immer noch fehlt, ist eine Einordnung von Sars-CoV-2 in die Klassifikation von Infektionskrankheiten!

DermbacherIn vor 7 Wochen

Da hätte ich eine Frage: Warum war es den Impfstoff-Erzeugern so elementar wichtig, jede Haftung ihrerseits für Folgeschäden von vornherein auszuschließen? Es heißt doch immer, die Impfstoffe seien so intensiv erforscht und getestet worden, dass man sich gar keine Sorge machen braucht und bedenkenlos zur Impfung gehen soll. Da stimmt etwas hinten und vorne nicht.

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo goffman,
wir hätten gedacht, dass man an einer Infektion mit SARS-CoV-2 sterben kann, müssen wir nicht explizit erwähnen. Dies sollte nach anderthalb Jahren mit der Pandemie doch eigentlich jedem klar sein. Allerdings ist der Tod kein Symptom, sondern die am schlimmsten mögliche Folge einer Covid-19-Erkrankung..

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