Datenanalyse Warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich auf die vierte Welle einzustellen

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Die Corona-Inzidenz bleibt aktuell niedrig und nur wenige Menschen liegen auf Intensivstationen. Das Robert Koch-Institut warnt aber schon vor der vierten Welle. Im Herbst könnte es soweit sein. Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser sollten sich jetzt darauf vorbereiten. Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Blick in ein leeres Impfzentrum in Sachsen
Gähnende Leere in einem Impfzentrum in Sachsen. In Deutschland lassen sich immer weniger Menschen pro Tag impfen. Bildrechte: dpa

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Deutschland befindet sich zurzeit in einer ruhigen Phase der Pandemie. Der richtige Moment, um nach vorne zu schauen, denn im Herbst könnte die vierte Welle kommen.

Prognose: Im Herbst beginnt die vierte Welle

Das Robert Koch-Institut veröffentlichte am Donnerstag eine Einschätzung für kommenden Herbst und Winter. Darin stellt das Institut mehrere Prognosen vor und empfiehlt, dass sich Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser auf eine vierte Welle vorbereiten.

In allen berechneten Modellen steigt die Inzidenz bis Oktober langsam und ab dann schnell an. Je nachdem, wie hoch die angenommene Impfquote liegt und ob sich das Verhalten der Menschen ändert, könnte die Inzidenz bei weniger als 100 bleiben oder im Dezember auf mehr als 400 ansteigen.

Um bereits jetzt vorzubeugen, empfiehlt das Robert Koch-Institut weiter zu impfen. "Die Immunität in der Bevölkerung ist der beste Schutz vor einer erhöhten Infektionsdynamik", schreibt das RKI. Zurzeit bekommen in Deutschland rund 500.000 Menschen täglich eine Impfung. Doch die Bereitschaft sich impfen zu lassen sinkt.

Impfquote in Sachsen am niedrigsten

Aktuell haben mehr als 60 Prozent der deutschen Bevölkerung bereits eine Impfdosis bekommen und mehr als 48 Prozent gelten als vollständig geimpft. Ähnlich hoch ist auch die deutschlandweite Impfquote in der Altersgruppe von 18 bis 59 Jahre. In den Modellen geht das RKI aber mindestens von einer Impfquote von 75 Prozent in der Altersgruppe aus, die erreicht werden muss. Doch selbst Bremen, das Bundesland mit der höchsten Impfquote, ist noch nicht auf diesem Niveau.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt die Impfquote insgesamt noch deutlich darunter. Am niedrigsten in Deutschland liegen die Impfquoten Sachsen. Nur bei den unter 18-Jährigen liegt Sachsen auf dem zweitletzten Platz – vor Sachsen-Anhalt.

Länder versuchen Impfbereitschaft zu erhöhen

Die Skepsis gegenüber den Impfstoffen scheint in Sachsen besonders groß zu sein. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) appellierte wiederholt an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. Es soll mehr bürgernahe Impfangebote geschaffen werden.

In Thüringen schließen in den kommenden Wochen gleich drei Impfzentren, lediglich eins bleibt bestehen. Unverändert bleiben hingegen die 29 wohnortnahen Impfstellen geöffnet, wie das Gesundheitsministerium in Thüringen mitteilt. Zudem sollen mobile Teams unterstützen, die anfangs Impfungen in Pflegeheimen verteilten. Sie sollen in kleine und mittelgroße Firmen ohne Betriebsarzt gehen, um so der Impfmüdigkeit entgegenzuwirken.

In Sachsen-Anhalt sollen die Impfzentren Ende September schließen. Danach sollen die Impfungen nur noch in den Arztpraxen erfolgen. Das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt will die Sommerferien nutzen, um möglichst vielen Menschen ein "Impfen um die Ecke" anzubieten.

Obwohl die Impfquoten bei den über 80-jährigen deutlich höher liegen als im Schnitt, erwartet das RKI auch bei ihnen weitere akute Atemwegserkrankungen im Herbst. Alters- und Pflegeheime könnten wieder verstärkt betroffen sein. "Ein denkbares Szenario ist, dass bei hochbetagten Menschen mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Impfung vermehrt Impfdurchbrüche auftreten können". Daher empfiehlt das RKI stärkere Personalressourcen aufzubauen, die technischen Mittel zu prüfen und die Betroffenen eventuell ein weiteres Mal zu impfen, wenn herauskommen sollte, dass die Immunität nachlässt.

Aus den Berechnungen des RKIs geht außerdem hervor, dass wieder mehr Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen behandelt werden müssten. Je nach Impfquote oder Verhalten prognostiziert das RKI von weniger als 1.000 bis mehr als 6.000 Patienten auf einmal. Letzteres läge über dem bisherigen Höchststand.

Krankenhäuser gut vorbereitet

Zurzeit ist die Lage in den deutschen Krankenhäusern vergleichbar ruhig. Sie waren in der zweiten und dritten Welle einer Dauerbelastung ausgesetzt. Das Robert Koch-Institut fordert, mehr in das Personal der Krankenhäuser zu investieren. Der Bedarf an Behandlungen und Eingriffen müsse berücksichtigt werden, die zuletzt immer wieder verschoben wurden.

Laut Gösta Heelemann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, sind die Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt gut vorbereitet und haben aus den vergangenen Wellen gelernt. "Zudem sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahezu vollständig geimpft und damit auch geschützt", sagt Heelemann. Auch sie sieht in den verschobenen Operationen ein Problem, denn sie bedeuten für die Krankenhäuser, dass Geld ausfalle. Die Regierung müsse das absichern.

91.492 Tote in Deutschland

In ganz Deutschland wurden aktuell 91.492 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Corona-Virus gezählt. 10.128 davon in Sachsen, 3.447 davon in Sachsen-Anhalt und 4.362 in Thüringen.

Immer wieder werden Fälle noch nachgemeldet. Am Donnerstag waren es zwölf Fälle, die in Sachsen-Anhalt hinzukamen, obwohl die Menschen dahinter zwischen März und Mai gestorben waren. Das Sozialministerium antwortete dem MDR SACHSEN-ANHALT, dass Informationen verzögert übermittelt würden, wenn die Gesundheitsämter unter hoher Belastung stehen – wie während der Pandemie.

Die aktuelle Inzidenz-Lage

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz liegt laut RKI bei 13,2. Damit ist sie um 4,6 seit vergangener Woche gestiegen. Am höchsten liegt sie in Berlin, bei 21,8. Die niedrigste Inzidenz hat hingegen Sachsen-Anhalt, mit 2,9. In Sachsen (3,8) und Thüringen (4,8) ist die Inzidenz in der vergangenen Woche zwar gestiegen, aber deutlich weniger als im Bundesschnitt.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR, David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Juli 2021 | 05:00 Uhr

15 Kommentare

wo geht es hin vor 8 Wochen

Als erstes müsste man mal die Definition "Welle" klar formulieren, ehe wir hier weiter spekulieren. Ist damit ein Tsunami oder die sanft an den Strand plätschernde "Welle" gemeint?
Ich würde Wetten annehmen, daß auch diese Prognose (wie alle anderen vorher) wieder nicht eintritt. Aber wie gesagt: es kommt auf die Definition "Welle" an. Was sagt eigentlich Karl Lauterbach dazu? Interessiert mich in dem Zusammenhang, da man alles, was er in dieser Hinsicht so von sich gibt, einfach ins Gegenteil übersetzen muss und schon hat man eine einigermaßen verlässliche Aussage.

MDR-Team vor 8 Wochen

Hallo Critica! Hier lesen Sie Informationen zur Delta-Variante: https://www.mdr.de/brisant/delta-variante-symptome-100.html
Viele Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Critica vor 8 Wochen

Hier haben Sie unbedingt Recht, Dermbacherin. Wo kann man eigentlich erfahren, was Delta eigentlich wirklich "macht", außer dass es sich verbreitet? Vielleicht beim mdr?

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