Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Warum die Inzidenz wieder sinkt – und wie sich andere Corona-Kennzahlen entwickeln

Manuel Mohr
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Gleich mehrere Gründe könnten für die aktuell rückläufigen Corona-Inzidenzen verantwortlich sein. Welche das sind und wie sich Hospitalisierung, Impfungen und Intensivzahlen entwickelt haben – das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Computergenerierte Illustration des Coronavirus SARS-CoV-2
Die vierte Corona-Welle in Deutschland ebbt momentan etwas ab. Ob das Absinken der 7-Tage-Inzidenz von Dauer ist, ist aber unklar. Bildrechte: MDR/Unsplash/Viktor Forgacs

Die aktuelle Corona-Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen hat sich in weiten Teilen Deutschlands der bereits Anfang Juli eingesetzte Anstieg der 7-Tage-Inzidenz nicht weiter fortgesetzt. Ausgenommen davon sind Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Infektionszahlen – womöglich aufgrund des späten Ferienendes – zuletzt weiter angestiegen bzw. konstant geblieben sind. Dennoch sind die Werte weiterhin unter dem deutschlandweiten Durchschnitt:

Das muss bei der 7-Tage-Inzidenz beachtet werden

Anhand des Inzidenzwerts kann abgelesen werden, wie stark das momentan Infektionsgeschehen einer Region ist. Allerdings ist an dem Wert allein nicht ablesbar, welche Infektionsgeschehen für einen hohen Wert verantwortlich ist. 50 Fälle in einem eingrenzbaren Cluster – beispielsweise einem Pflegeheim oder einer Feiergesellschaft, die im gleichen Ort wohnt und nicht sehr mobil ist – sind anders zu beurteilen als 50 Fälle, die sich über den gesamten Landkreis verteilen und diffuse oder nicht nachvollziehbare Infektions- und Kontaktketten nach sich ziehen. Noch mehr Informationen dazu finden Sie in diesem Artikel:

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) könnte das aktuell rückläufige Infektionsgeschehen mit folgenden Punkten begründet werden:

  • Rückgang des Sommerreiseverkehrs,
  • Abnahme der im Rahmen des Schulanfangs diagnostizierten Infektionen,
  • erreichte Impfquote,
  • Einführung der 2G- bzw. 3G-Regeln in vielen Bereichen.

Laut RKI werden deutschlandweit weiterhin in den Altersgruppen der 5- bis 14-Jährigen die höchsten 7-Tage-Inzidenzen registriert. Exemplarisch wird das beim Betrachten der aufgeschlüsselten Fallzahlen in Sachsen-Anhalt deutlich. Während in den jungen Altersgruppen überdurchschnittlich viele Infektionen gemeldet werden, ist es in den übrigen Altersgruppen genau umgekehrt:

Hospitalisierungsrate momentan konstant

Die Hospitalisierungsrate ist der neue wesentliche Maßstab für etwaige Corona-Schutzvorkehrungen. So hat es der Bundesrat am 10. September 2021 beschlossen. Hintergrund dafür ist, dass mittlerweile die Mehrheit der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz gegen eine Covid-19-Erkrankung besitzt. Die Impfung schützt zwar nicht vollständig vor einer Infektion, das Risiko für einen schweren und sogar tödlichen Krankheitsverlauf sinkt allerdings sehr deutlich.

Vergleichsweise hohe Fallzahlen, sprich positive PCR-Tests, haben also nicht mehr wie bislang zwangsläufig eine erhöhte Belastung des Gesundheitssystems zur Folge. Um eben dieses vor möglichen Überlastungen zu schützen, rückt künftig die Hospitalisierungsrate in den Fokus. In Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen liegen die Werte momentan unterhalb des deutschlandweiten Durchschnitts:

Problematisch an den RKI-Angaben zur Hospitalisierungsrate ist die Art der Berechnung. Die vergangenen 14 Tage sind daher nur eingeschränkt aussagefähig und geben kein aktuelles Bild der Belastung des Gesundheitssystems wider.

Mehr Informationen zu den Problemen der Hospitalisierungsrate als neuer Kennziffer für das Infektionsgeschehen finden Sie in dem folgenden Überblick.

Impfungen verlieren weiter an Tempo

Trotz weitreichender Bemühungen verliert die Impfkampagne in Deutschland weiter an Tempo. Auch die kürzlich veranstaltete Aktionswoche zum Impfen konnte die Situation nicht nachhaltig ändern. Die durchschnittliche Zahl der Erstimpfungen (schwarze Linie im folgenden Diagramm) ist nach einem kurzen Anstieg aktuell wieder spürbar rückläufig.

Die Gesamtzahl aller täglich verabreichten Corona-Schutzimpfungen in Deutschland ist aktuell konstant. Grund dafür ist allerdings, dass momentan die Zahl der Auffrischungsimpfungen noch von Tag zu Tag zunimmt.

Die erfreuliche Entwicklung sinkender Fallzahlen zeigt sich – wieder einmal zeitversetzt um zwei bis drei Wochen – bei der Auslastung der Intensivstationen in Deutschland. Seit einer Woche sinken auch hier, wenn auch langsam, die Zahlen wieder:

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
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MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. September 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

DermbacherIn vor 2 Wochen

Der Medizinstatistiker Gerd Antes am 31.07.2021 im Deutschlandfunk-Interview:

"Die Ministerpräsidenten, die befinden sich permanent und wirklich chronisch im Bereich ihrer eigenen Inkompetenz ..."

DermbacherIn vor 3 Wochen

Ich finde auch, dass es hier sehr, sehr schwer ist, mit rationalen Argumenten eine ebenso rationale Antwort zu bekommen. Irgendwann sollte man wohl aufhören, eine Verständigung zu suchen, denn zur Verständigung gehören immer mindestens zwei. Damit allein schon die Voraussetzungen einer Verständigung erfüllt sind, muss man als Erstes darin übereinstimmen, was Tatsachen sind. Und dann auch darüber, was die vollständigen, ungekürzten und unverfälschten Aussagen von wissenschaftlichen Studien sind. Solche Untersuchungen dürfen natürlich niemals über jede Kritik erhaben sein, im Gegenteil, sie fordern sie im Interesse der Erkenntnis geradezu heraus. Aber diese Kritik muss wiederum wissenschaftlichen Kriterien entsprechen. Das ist anspruchsvoll, vielen zu hoch, aber diese Messlatte muss man überspringen können, Darunter-Hergehen ist keine wissenschaftliche, erkenntnisfördernde Methode.

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