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Während Karl Lauterbach zuversichtlich beim Corona-Winter ist, warnt Christian Drosten vor Nachlässigkeit. Bildrechte: dpa

Corona-WinterDrosten erwartet hohe Inzidenzen noch vor Dezember – Lauterbach nicht

von MDR AKTUELL

Stand: 10. September 2022, 10:58 Uhr

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, rechnet mit einer starken Corona-Welle noch vor Dezember. Um dem zu entgehen, müssten präventiv Schutzmaßnahmen erlassen werden – mehr als das neue Infektionsschutzgesetz beinhaltet.

Der Virologe Christian Drosten rechnet mit einer "starken Inzidenzwelle" von Corona-Infektionen "noch vor Dezember". Neue Virusvarianten sorgten immer noch für viele neue Krankheitsfälle, warnte der Direktor der Virologie an der Berliner Charité in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Bevor so viele krank werden, dass die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren, muss man Maßnahmen ergreifen.

Christian Drosten | Virologe

Bildrechte: IMAGO/Sabine Gudath

Selbst bei leichten Krankheitsverläufen werde dies wahrscheinlich zu erheblichen Arbeitsausfällen führen. "Infizierte kommen vielleicht nicht ins Krankenhaus, aber sehr viele sind eine Woche krank. Wenn es zu viele auf einmal sind, wird es zum Problem", so Drosten. Deshalb müsse die Politik bessere Vorbereitungen treffen.

"Bevor so viele krank werden, dass man nichts mehr einkaufen kann, dass die Krankenhäuser nicht mehr funktionieren oder kein Polizeibeamter auf der Wache sitzt, muss man Maßnahmen ergreifen", sagte Drosten der "SZ". Er forderte die Politik auf, schon jetzt auf einen Konsens hinzuarbeiten, bei welchen Signalen man wie handeln wolle. Drosten erwartet unter anderem, dass das Maskentragen in Innenräumen wieder notwendig wird.

Unternehmen könnten vorübergehend schließen

Auch der Wirtschaft riet er, sich mit Stellvertreterregelungen und Team-Bildung auf eine Krankheitswelle vorzubereiten. "Ich gehe auch davon aus, dass es durchaus auch Firmen geben wird, die mal für zwei Wochen schließen müssen."

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet ebenfalls mit einer Herbstwelle, aber lediglich mit einer "mittelschweren". In der "Rheinischen Post" zeigte sich der SPD-Politiker zuversichtlich, dass die Regierung auf alle Szenarien sehr gut vorbereitet sein werde.

Wir werden die Corona-Welle in diesem Jahr im Griff behalten.

Karl Lauterbach | Bundesgesundheitsminister

Man werde die kommende Corona-Welle unter Kontrolle behalten, sagte Lauterbach mit Blick auf das neue Infektionsschutzgesetz, das unter anderem das Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen, im Fernverkehr, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie den Arztpraxen vorsieht.

Auf Twitter wies er am Samstagmorgen auf Drostens Interview hin und erwähnte dabei als Schutzmaßnahme auch "Obergrenzen im Innenraum", die die Länder bei Bedarf festlegen können.

Lauterbach: Lockdowns sind nicht mehr vertretbar

"Schließungen von Schulen oder des Gastgewerbes brauchen wir nicht mehr", sagte der Minister weiter. Auch Lockdowns seien nicht mehr vertretbar, es sei denn es gebe wieder eine pandemische Lage. Diese Gefahr sehe Lauterbach aber nicht.

dpa (amu)

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 10. September 2022 | 08:00 Uhr