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Omikron-WelleCorona-Expertenrat warnt vor Krankenhaus-Überlastung

von MDR AKTUELL

Stand: 23. Januar 2022, 12:36 Uhr

Angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante hat der Corona-Expertenrat der Bundesregierung vor den Folgen für das Gesundheitssystem gewarnt. Zumindest regional sei mit Einschränkungen in der Versorgung zu rechnen. Um Überlastungen zu vermeiden, schließt der Rat auch Verschärfungen der Corona-Maßnahmen nicht aus. Zudem müsse die Booster-Kampagne wieder an Fahrt aufnehmen.

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hat angesichts der rasanten Ausbreitung der Omikron-Variante vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. "Unter den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen steigen die Inzidenzen weiter und es ist anzunehmen, dass die medizinische Versorgung zumindest regional eingeschränkt sein wird", heißt es in einer vom 19-köpfigen Gremium einstimmig beschlossenen Stellungnahme. Die Überlastung könne "relevante Gefährdungen, zum Beispiel bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit anderen Krankheiten, zur Folge haben."

Niedrige Hospitalisierungsrate trügerisch

Ausdrücklich warnt der Expertenrat davor, sich von der derzeit niedrigen Hospitalisierungsrate täuschen zu lassen. "Die Hospitalisierungsrate wird niedriger als bei der Delta-Variante erwartet, müsste aber eine ganze Größenordnung (etwa Faktor 10) niedriger liegen als im vergangenen Winter, um die erwartete hohe Fallzahl zu kompensieren und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten", schreibt der Rat. Davon sei aber nicht auszugehen.

Die Hospitalisierungsrate gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Wert liegt derzeit bei 3,77 – in der zweiten Welle hatte er zeitweise bei über 15 gelegen.

Verschärfung von Maßnahmen möglich

Neben der Beibehaltung und strikten Umsetzung der aktuellen Maßnahmen schließt der Expertenrat auch eine erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen nicht aus. "Diese sollten daher jetzt so vorbereitet werden, dass sie ohne Verzögerung umgesetzt werden können", heißt es in dem Papier mit Hinblick auf eine mögliche höhere Hospitalisierungsrate.

Zudem sei Wert auf eine Intensivierung der Booster-Kampagne zu legen. Langfristig müssten Immunitätslücken geschlossen werden. Andernfalls sei "zyklisch mit erneuten starken Infektions- und Erkrankungswellen zu rechnen".

Kritik an Datenlage

In einer weiteren Stellungnahme kritisierte der Expertenrat eine zu dünne Datenlage bei der Pandemiebeobachtung. Es benötige "dringende Maßnahmen für eine verbesserte Datenerhebung und Digitalisierung", etwa eine Echtzeitübersicht aller Krankenhausbetten mit aktueller Belegung. In anderen Ländern wie Israel habe "Datenerhebung in Echtzeit auf individueller Fallebene zur effizienten Bewältigung der Pandemie erheblich beigetragen".

Bereits am Donnerstag hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nach Reuters-Informationen gewarnt, dass die Zahl der Neuinfektionen Mitte Februar im optimistischen Fall auf 400.000, im pessimistischen Fall auf 600.000 pro Tag steigen dürfte. Am Montag kommen die Regierungschefs aus Bund und Ländern zusammen, um über das weitere Vorgehen in der Pandemie zu beraten.

Quellen: dpa, Reuters

Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL RADIO | 23. Januar 2022 | 12:05 Uhr

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