Fallzahlen in der Bevölkerung Corona-Infektionen: Diese Altersgruppen sind besonders betroffen

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren vor allem ältere Menschen stark betroffen. Danach verlagerten sich die Infektionen auch in immer jüngere Jahrgänge. Wie sich die Fälle in den Altersgruppen bislang verteilt haben: das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Eine Gruppe Jugendliche geht auf verlassenen Bahngleisen spazieren.
Bildrechte: MDR/Unsplah/Anthony intraversato

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Auch in dieser Woche setzt sich der Anstieg der Corona-Fälle in Deutschland unvermindert fort. In Sachsen liegt die 7-Tage-Inzidenz deutlich über dem Wert von 1.000. Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichnen ebenfalls nahezu täglich neue Höchstwerte:

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, verwies am Freitag in einer Pressekonferenz auf bundesweit rund 4.300 Covid-19-Intensivpatienten in den Kliniken. Etwa die Hälfte davon müsse invasiv beatmet werden. Etwa jedes fünfte verfügbare Intensivbett sei mittlerweile von Covid-19-Patienten belegt.

Laut Wieler sind nicht nur Covid-Patienten von der dramatischen Lage in den Krankenhäusern betroffen. Auch andere, dringend nötige operative Eingriffe müssten verschoben werden. Das RKI wies im aktuellen Wochenbericht erneut darauf hin, dass insbesondere den noch nicht grundimmunisierten Personen dringend empfohlen wird, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und hierbei auf einen vollständigen Impfschutz zu achten.

Sachsen: Zwei Altersgruppen besonders betroffen

In der Corona-Berichterstattung steht fast immer die 7-Tage-Inzidenz im Fokus. Damit gemeint ist die Summe aller Fälle in den vergangenen sieben Tagen, umgerechnet auf 100.000 Einwohner. In einer Datenbank des RKI wird aber auch fortlaufend die Gesamt-Inzidenz für Corona-Fälle verzeichnet. Gemeint ist damit die Summe aller bislang registrierten Infektionen seit Pandemiebeginn, ebenfalls wieder umgerechnet auf 100.000 Menschen.

In Sachsen beträgt die Gesamt-Inzidenz mit Stand Freitag, 26.11.2021, 11.145. Das bedeutet: Umgerechnet auf 100.000 Einwohner wurden in Sachsen bislang 11.145 Corona-Fälle gemeldet. Oder anders ausgedrückt: Rund 11,1 Prozent aller Menschen in Sachsen haben sich seit Pandemiebeginn mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert.

Die Gesamt-Inzidenz ist beim RKI aber nicht nur für die Gesamtbevölkerung eines Bundeslands abrufbar, sondern lässt sich auch nach Altersgruppen aufschlüsseln:

Den bislang höchsten Wert in Sachsen verzeichnet die Altersgruppe "80+", also Menschen in einem sehr hohen Alter, die bedingt durch ihr weniger gut reagierendes Immunsystem auch anfälliger für schwere und tödliche Krankheitsverläufe sind. Ebenfalls stark betroffen – immer bezogen auf die jeweilige Größe der Altersgruppe – sind Kinder und Jugendliche im Schulalter, die Gesamt-Inzidenzen deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung aufweisen.

Aus den RKI-Daten geht nicht hervor, welche Rolle gerade in den jungen Altersgruppen die regelmäßigen Tests in den Schulen spielen. Denkbar ist, dass dadurch mehr Fälle erkannt werden, die symptomfrei verlaufen und die ohne die regelmäßigen Tests nicht bemerkt worden wären. Die Dunkelziffer könnte in dieser Altersgruppe also kleiner sein als in den übrigen Gruppen, in denen nicht regelmäßig und systematisch getestet wird.

Sachsen-Anhalt: Zehn- bis 14-Jährige verzeichnen höchste Inzidenz

In Sachsen-Anhalt zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Sachsen, allerdings auf deutlich niedrigerem Zahlen-Niveau: Die Gesamt-Inzidenz in der Bevölkerung liegt bei 6.322 – rund 6,3 Prozent der Sachsen-Anhalter haben sich bislang also nachweislich infiziert.

Auch hier verzeichnen die Schulkinder und die Menschen über 80 die meisten Infektionen bezogen auf die Größe ihrer Altersgruppe. Ein weiterer wesentlicher Grund für diese Verteilung dürfte neben der Testhäufigkeit in Schulen auch der verfügbare Impfstoff sein.

Während im Jahr 2020 noch kein Impfstoff zugelassen war und insbesondere ältere und alte Menschen sich infizierten, verlagerten sich die Fälle mit Beginn der Impfkampagne im Jahr 2021 nach und nach auch in die jüngeren Jahrgänge. Die zuletzt wieder steigenden Fallzahlen in den hohen Altersgruppen sind wiederum auf den nachlassenden Impfschutz zurückzuführen, der nun durch die Booster-Impfungen wieder hergestellt werden soll.

Thüringen: Höchste Inzidenz bei über 80-Jährigen

In Thüringen ist die Verteilung der bislang registrierten Corona-Fälle ein wenig anders. Zwar verzeichnen auch hier die Kinder und Jugendlichen im Schulalter überdurchschnittlich hohe Gesamt-Inzidenzen, der mit Abstand höchste Wert stammt aber aus der höchsten Altersgruppe "80+":

Aufgrund des aktuell sehr hohen Infektionsdrucks in der Bevölkerung sind Menschen in den höheren Altersgruppen laut RKI immer stärker von neuen Infektionen betroffen. Das wiederum zieht einen deutlichen Anstieg der schweren Krankheitsverläufe und der Todesfälle nach sich.

Deutschlandweit mehr als 100.000 Todesfälle

In dieser Woche erreichte die Corona-Pandemie in Deutschland einen weiteren traurigen Meilenstein. Mittlerweile sind mehr als 100.000 Menschen an oder mit einer Corona-Infektion gestorben, davon bislang rund 10.830 in Sachsen, 4.920 in Thüringen und 3.760 in Sachsen-Anhalt.

Aktuell liegt die tägliche Zahl der Todesfälle im Durchschnitt bei 248 und damit jetzt schon höher als in der ersten und dritten Welle. Und ein weiterer Anstieg in den kommenden Tagen ist absehbar. Denn Corona-Todesfälle treten mit einem zeitlichen Verzug von etwa zwei bis drei Wochen zu ihren ursprünglichen Infektionen auf. Das bedeutet: Allein von den heute neu übermittelten 76.414 Fällen werden in wenigen Wochen einige hundert Menschen sterben.

RKI-Chef Wieler appellierte deshalb am Freitag eindringlich, dass jetzt alles getan werden muss, um die vierte Welle zu brechen. "Wie viele Menschen müssen denn noch sterben?" fragte Wieler. "Was muss denn noch geschehen, damit alle daran mitwirken, das Virus zu bekämpfen?" Weitere Maßnahmen seien nötig, damit Deutschland nicht vor einem düsteren Weihnachten stehe.

Corona-Kennzahlen stoßen an ihre Grenzen

Mit den steigenden Fallzahlen kommt das Gesundheitssystem nach und nach an seine Grenzen. Nach Angaben des Science Media Centers werden dadurch außerdem die zentralen Corona-Kennzahlen immer unzuverlässiger. Bei der 7-Tage-Inzidenz ist das der Fall, wenn aufgrund der hohen Infektionslage die Meldekette nicht mehr richtig funktioniert und Fälle erst verspätet in die Statistik eingehen. Die Folge: Die vermeldete Inzidenz ist zu niedrig und unterschätzt die reale Situation.

Die Hospitalisierungsrate ist grundsätzlich immer zu niedrig. Der Grund: Zur Berechnung wird nicht der Tag der Krankenhauseinweisung, sondern der Tag des positiven Coronatests verwendet. Dadurch gelangen viele Fälle verspätet oder gar nicht in die Statistik. Auch hier führen Verzögerungen in der Meldekette aufgrund einer hohen Infektionslage zu weiteren Ungenauigkeiten, weshalb die Aussagekraft des Werts aktuell stark angezweifelt werden darf.

Die Intensivbettenbelegung ist weiterhin der zuverlässigste Indikator für die Belastung des Gesundheitssystems. Bei der Interpretation der Zahlen aus den Bundesländern ist aber darauf zu achten, dass aktuell Fälle aus den Hotspots in aktuell weniger stark betroffene Bundesländer verlegt werden. Solche Verlegungen können schnell dazu führen, dass die Belegungszahlen langsamer (in Hotspots) beziehungsweise schneller (in weniger betroffenen Bundesländern) steigen, als es die epidemiologische Lage vor Ort erwarten lässt.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelne Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Mehr zum Thema: Corona

Coronavirus 3 min
Bildrechte: Colourbox.de
3 min

MDR AKTUELL Fr 26.11.2021 07:10Uhr 03:01 min

Audio herunterladen [MP3 | 2,8 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 5,5 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/interview/audio-was-wir-ueber-die-neue-corona-virus-variante-wissen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26. November 2021 | 19:00 Uhr

27 Kommentare

Prof.Kukident vor 8 Wochen

Tipp an "eeee": Bändchen am Handgelenk tragen "Sollte ich krank werden und medizinische Hilfe benötigen - bitte darauf verzichten!"

Warum sollte jemand auf seine medizinische Hilfe verzichten nur weil er ein falsches Kommentar geschrieben hat?
Woher wissen Sie das bei dem Kommentar nicht einfach nur eine 0 wegen eines Tippfehlers zu wenig war?

Solche Aussagen wie verzichten auf medizinische Hilfe, macht meiner Meinung nach, ihr Kommentar nicht viel besser!

MDR-Team vor 8 Wochen

Hallo DermbacherIn,
in Anbetracht der Tatsache, dass in der Altersgruppe Ü60 die Impfquote deutlich über 80 Prozent beträgt, ist der vergleichsweise hohe Anteil an Geimpften in den von Ihnen zitierten Gruppen auch logisch. Es zeigt jedoch auch, dass das Risiko von geimpften Ü60-Jährigen, schwer zu erkranken, gegenüber Ungeimpften der gleichen Altersgruppe nach wie vor deutlich geringer ist.
Ihre MDR.de-Redaktion

DermbacherIn vor 8 Wochen

Was sagt denn das RKI so?
Es meldet einzelne Impfdurchbrüche:
- Anteil der symptomatischen Ü60-Geimpften: Anstieg von 62 % auf mittlerweile 71,4 %
- Anteil der Ü60-Geimpften an den Hospitalisierungen: Anstieg von 45 % auf 56,0 %
- Anteil der Ü60-Geimpften an den ITS-PatientInnen: Anstieg von 38 % auf 46,4 %
- Anteil der Ü60-Geimpften an den Corona-Toten: Anstieg von 42 % auf
52,5 %

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-11-25.pdf?__blob=publicationFile

Mehr aus Deutschland