Inzidenzen und Intensivfälle So stark sind die Corona-Fallzahlen zuletzt gestiegen

Manuel Mohr
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Innerhalb von nur zwei Wochen hat sich mancherorts nicht nur die Corona-7-Tage-Inzidenz verdoppelt, sondern auch die Anzahl der Intensivfälle. Die höchsten Werte werden aktuell in Thüringen und Sachsen verzeichnet, doch auch einzelne Regionen in Sachsen-Anhalt sind momentan besonders betroffen.

Zwei junge Frauen und ein junger Mann laufen mit jeweils mit einem Mund-Nasen-Schutz durch eine Einkaufspassage.
Parallel zu sinkenden Temperaturen steigen die Corona-Fallzahlen in Deutschland wieder sprunghaft an und erreichen in einigen Regionen bereits Rekordwerte. Bildrechte: MDR/unsplash/matteo jorjoson

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen hat sich das Wachstum der 7-Tage-Inzidenz weiter fortgesetzt. Deutschlandweit liegt die Inzidenz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Freitag bei 139,2. Innerhalb einer Woche ist der Wert damit um 46 Prozent gestiegen, im Vergleich zur Inzidenz vor zwei Wochen (68,7) hat sich der Wert sogar mehr als verdoppelt:

Die aktuellen Infektionszahlen liegen weiterhin deutlich höher als im Vorjahreszeitraum. Welche Punkte allerdings bei Vergleichen mit der Entwicklung im Herbst 2020 zu beachten sind, können Sie im Corona-Daten-Update der vergangenen Woche noch einmal nachlesen:

Corona-Infektionen bei alten Menschen nehmen zu

Dem aktuellen Corona-Wochenbericht des RKI ist zu entnehmen, dass "die 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zur Vorwoche in allen Altersgruppen deutlich angestiegen" ist. Den höchsten Wert verzeichnet die Gruppe der Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 14 Jahren. Doch auch bei den Menschen über 90 liegt die Inzidenz wieder bei mehr als 100:

Das überdurchschnittliche Inzidenzwachstum, das mittlerweile auch die oberen Altersgruppen erreicht hat, schlägt inzwischen auf die Intensivstationen durch. Das wöchentliche Wachstum der mit Covid-19-Fällen belegten Intensivbetten ist inzwischen auf fast 20 Prozent gestiegen, insgesamt werden aktuell rund 1.800 Menschen in Deutschland aufgrund einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch behandelt:

Entscheidend wird in den kommenden Monaten sein, wie lange die aktuelle Wachstumsphase der registrierten Infektionen anhalten wird. Steigt sie über einen längeren Zeitraum, kann es schnell zu einer Überlastung des Gesundheitssystems kommen. Grund dafür ist unter anderem auch, dass im Vergleich zum Januar 2021 deutschlandweit rund 4.300 Intensivbetten weniger zur Verfügung stehen, da Pflegepersonal aufgrund von schlechten Arbeitsbedingungen den Beruf verlassen hat.

Sachsen-Anhalt: Konstanter Anstieg der Corona-Infektionen

In Sachsen-Anhalt liegt die 7-Tage-Inzidenz mit aktuell 117,9 zwar weiterhin unterhalb des deutschlandweiten Durchschnitts, steigt aber ähnlich schnell an. Innerhalb einer Woche stieg der Wert um 41 Prozent, im Zwei-Wochen-Zeitraum beträgt der Zuwachs 98 Prozent und hat sich damit nahezu verdoppelt.

Regional betrachtet sind die Unterschiede immens. Den höchsten Inzidenz-Wert verzeichnet mit fast 350 momentan der Altmarkkreis Salzwedel, der benachbarte Landkreis Börde hingegen liegt noch bei knapp unter 60:

Die Dynamik des Infektionsgeschehens ist von Region zu Region ebenfalls recht unterschiedlich. Im Vergleich zum vergangenen Freitag ist die Inzidenz im Burgenlandkreis, im Salzlandkreis und in Magdeburg sogar leicht gesunken, wohingegen sich die Werte in Halle, im Jerichower Land, im Altmarkkreis Salzwedel und im Landkreis Börde innerhalb Wochenfrist verdoppelt haben – auch wenn auf recht unterschiedlichem Niveau.

Die Hospitalisierungsrate sowie die Anzahl der Intensivfälle ist ebenfalls gestiegen – die Impfquote hingegen kaum. Gösta Heelemann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt, sieht aktuell aber noch keine Überlastung des Gesundheitssystems, wie er MDR SACHSEN-ANHALT mitteilt:

Natürlich sind auch wir besorgt, wie sich die Infektionslage weiter entwickeln wird, wenngleich wir aktuell für Sachsen-Anhalt noch keine akute Gefahr der Überlastung der Krankenhäuser Sachsen-Anhalt sehen. Zwar steigt der Anteil der COVID-Patienten auf den Intensivstationen wieder, die Zahlen des täglichen Meldeberichts aus dem Sozialministerium belegen jedoch, dass wir von einer Überlastung des stationären Gesundheitssystems noch entfernt sind.

Dr. Gösta Heelemann | Krankenhausgesellschaft Sachsen-Anhalt

Da aber unklar ist, wie sich die Zahlen weiterentwickeln, hält Heelemann es für absolut notwendig, die bisherigen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung wie Impfen, Testen, Abstand, Hygiene und Maskenpflicht beizubehalten, was politisch weiterhin durch entsprechende Gesetze und Verordnungen gestützt werden müsse. 

Sachsen: Regionaler Inzidenz-Zuwachs von über 600 Prozent innerhalb einer Woche

Innerhalb der vergangenen 14 Tage hat Sachsen den stärksten Anstieg der Inzidenz aller Bundesländer verzeichnet. Von 98,9 (15. Oktober) stieg der Wert auf 253,9 am Freitag – ein Zuwachs von 157 Prozent. Für den gleichen Zeitraum der vergangenen sieben Tage war das Wachstum in Sachsen am größten, die Inzidenz stieg innerhalb dieses Zeitraums um 78 Prozent.

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nimmt beim Infektionsgeschehen eine besonders besorgniserregende Entwicklung. Vor zwei Wochen lag der Inzidenzwert bereits bei 92,8, sank dann allerdings nach kurzer Steigerung am vergangenen Freitag auf 59,3 ab. Seither sind die Infektionszahlen förmlich explodiert, die Inzidenz stieg um über 670 Prozent auf aktuell 458,1.

Damit gehört die Region aktuell neben einigen Landkreisen im Südosten Bayerns zu den Regionen mit dem höchsten Infektionsgeschehen deutschlandweit.

In Sachsen hat sich innerhalb von zwei Wochen laut sächsischem Sozialministerium die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen verdoppelt und auf den Normalstationen verdreifacht. Die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) schätzt die Entwicklung in den Krankenhäusern als alarmierend ein:

Die Zahlen zeigen, dass die Pandemie aller Pandemiemüdigkeit zum Trotz noch nicht vorbei ist. Die Nachlässigkeit bei Einhaltung der Corona-Regeln und die besorgniserregend niedrige Impfquote rächt sich. Wir haben eine Pandemie der Ungeimpften.

Petra Köpping | Sächsische Gesundheitsministerin

Thüringen: Höchste Inzidenz aller Bundesländer

Thüringen verzeichnet weiterhin die mit Abstand höchste 7-Tage-Inzidenz aller Bundesländer. Am Freitag lag der Wert bei 288,9 und damit 50 Prozent höher als vor einer Woche – und 141 Prozent höher als vor zwei Wochen. Der bislang höchste Inzidenz-Wert im Freistaat wurde laut RKI am 24.12.2020 mit 327,9 festgestellt. Sollte sich die aktuelle Entwicklung in Thüringen weiter fortsetzen, wird der Höchstwert in den kommenden Tagen überschritten.

Der Höchstwert für Neuinfektionen innerhalb eines Tages wurde am Freitag bereits überschritten. "Mit mehr als 1.500 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden haben wir heute einen traurigen Allzeitrekord erreicht. Wir erleben diese Entwicklung trotz der Impfungen, weil die Delta-Variante sehr viel ansteckender ist als der Urtyp des Virus, mit dem wir es im letzten Herbst und Winter zu tun hatten", sagt Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke).

Thüringens Regionen verzeichnen ausnahmslos dreistellige 7-Tage-Inzidenzen. Am höchsten sind die Werte aktuell in Gotha und im Kyffhäuserkreis, die noch niedrigsten Werte verzeichnen Sömmerda und Nordhausen mit rund 150.

Das seit Wochen hohe Infektionsgeschehen und die damit verbundenen Anstiege der Hospitalisierungsrate und der Auslastung der Intensivstationen haben zudem zur Folge, dass in Thüringen mittlerweile fast flächendeckend die Warnstufe 2 gilt, im Ilmkreis und im Kyffhäuserkreis sogar die höchste Warnstufe 3. Zudem tritt am Samstag eine neue Verordnung in Kraft, mit der die Corona-Regeln in Thüringen verschärft werden:

Verlauf der vierten Welle ist unberechenbar

Christian Endt, Datenjournalist bei Zeit Online, hat in einer sehr lesenswerten Analyse (€) zusammengefasst, warum der weitere Verlauf der vierten Corona-Welle nicht vorhersehbar ist. Die Kurzfassung: Einerseits ist zu beobachten, dass die Menschen bei steigenden Fallzahlen ihr Verhalten ändern und ihre Kontakte zu anderen Menschen beschränken.

Auf der anderen Seite sind erst zwei Drittel der Bevölkerung vollständig geimpft und nahezu alle neuen Infektionen sind mittlerweile auf die Delta-Variante zurückzuführen. Diese Kombination führt dazu, dass die Zahl der Neuinfektionen innerhalb kurzer Zeit schnell steigen, aber auch wieder sinken kann. Denn abhängig von Region und Alter werden Infektionen innerhalb eines Personenkreises mal sehr früh durch bestehenden Impfschutz aufgehalten, mal aber auch nicht.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 29. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

6 Kommentare

ElBuffo vor 12 Wochen

Nix Neues. Der Schutz lässt wie bei vielen anderen Impfungen nach. Besonders bei der Risikogruppe. Ob da jemand wegen oder nur mit Corona liegt, geht aus den Zahlen nicht mal hervor. Die Positiven auf der Palliativstation in Schwerin werden jetzt wohl als Coronainfizierte im Krankenhaus gelten und dann auch als Coronatote, obwohl sie ja nun mal schon auf Palliativstation lagen. Insofern sagen wohl nackte Zahlen, zumal nicht in Relation gesetzt, wenig bis nichts aus.
Nach wie vor, ist der größere Teil im KH oder IS jedenfalls nicht geimpft. Das ist doch auch schonmal eine Leustung.

Fakt vor 12 Wochen

@Phoenixada:

Diese Aussage haben vorher bereits auch Mediziner und Virologen getroffen. Scheint wohl so zu sein, oder zweifeln Sie deren Aussage auch an?

Phoenixada vor 12 Wochen

Jeder normal denkenden Mensch wird diese Aussage anzweifeln!

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