Parallelen und Unterschiede So unterscheiden sich die aktuellen Corona-Zahlen vom Herbst 2020

Manuel Mohr
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Inzidenz, Intensiv- und Sterbefälle: Im Corona-Herbst 2020 waren diese Kennzahlen der Pandemie lange Zeit niedrig, bevor sie dann schlagartig in die Höhe schossen. In welchen Punkten sich die Situation im Herbst 2021 unterscheidet oder auch gleicht – und was beim Vergleich der Daten beachtet werden muss: das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Boden und wird von Laub und Blättern teilweise überdeckt.
Die aktuelle Corona-Lage mit der des Vorjahreszeitraums zu vergleichen, ist zulässig, muss aber immer im jeweiligen Kontext betrachtet werden. Bildrechte: MDR/unsplash/Clément Falize

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Das Wachstum der 7-Tage-Inzidenz in Deutschland hat sich in den zurückliegenden Tagen beschleunigt. Fast alle Bundesländer – mit Ausnahme von Bremen und dem Saarland – zeigen inzwischen wieder steigende Fallzahlen. Die deutschlandweit höchste Inzidenz wird aktuell aus Thüringen gemeldet, gefolgt von Bayern und Sachsen:

Insgesamt rechnet das Robert Koch-Institut (RKI) laut aktuellem Wochenbericht damit, "dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird". Die Impfkampagne in Deutschland lahmt dagegen weiterhin. Das gilt auch für die sogenannte "Booster-Impfung".

Diese dient zur Auffrischung eines bereits bestehenden Impfschutzes und wird von der Ständigen Impfkommission inzwischen unter anderem für alle Personen ab 70 Jahren empfohlen, sofern deren vollständiger Impfschutz mindestens ein halbes Jahr zurückliegt. Aktuell ist die Zahl der im Durchschnitt pro Tag durchgeführten Auffrischimpfungen mit knapp 40.000 immer noch recht klein, wächst aber langsam. Die Gesamtzahl der durchgeführten Impfungen geht hingegen weiterhin zurück.

Corona-Fallzahlen höher als im Vorjahreszeitraum

Vergleicht man die Werte der 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen mit den Werten des Vorjahreszeitraums, so lässt sich eine Entwicklung länderübergreifend eindeutig ablesen: Die Fallzahlen sind denen des Vorjahres um mehrere Wochen voraus. Während 2020 die Sommermonate über einen langen Zeitraum von sehr niedrigen Fallzahlen geprägt waren, setzte der Anstieg 2021 deutlich eher ein:

Gleiches gilt für die Intensivfälle. 2020 startete der Sommer auf deutlich niedrigerem Niveau, die Auslastung der Intensivstationen blieb lange Zeit äußerst überschaubar und änderte sich erst mit dem Einsetzen der zweiten großen Infektionswelle zum Ende des Jahres. 2021 hingegen ist die Phase der niedrigen Fallzahlen deutlich kürzer:

In Sachsen ist aber bereits zu beobachten, dass die Fälle auf den Intensivstationen nicht mehr in der Intensität steigen, wie das 2020 der Fall war.

Bei den Sterbefällen ist ein Vergleich der Zahlen von 2020 und 2021 schwieriger. Aktuell liegen die Werte ähnlich niedrig wie im Vorjahr. Allerdings ist beispielsweise in Sachsen-Anhalt die Aussagekraft der Daten eingeschränkt. Während in den vergangenen drei Monaten phasenweise keine Sterbefälle gemeldet wurden, gab es zwischendurch immer wieder Nachmeldungen von zehn bis 15 Fällen, die aber aus der ersten Jahreshälfte stammen und jetzt erst übermittelt wurden.

Insofern werden erst die kommenden Wochen bis zum Jahresende zeigen, wie sich die Zahl der Sterbefälle im Vergleich zum Vorjahr weiterentwickeln wird.

Was beim Vergleich mit Fallzahlen von 2020 beachtet werden muss

Grundsätzlich sind diese vergleichenden Betrachtungen der Fallzahlen zur Einschätzung der aktuellen Situation zulässig, sollten aber immer in ihrem jeweiligen Kontext eingeordnet werden. Denn im Herbst 2020 gab es noch kein flächendeckendes Schnelltest-System oder Selbsttests aus dem Supermarkt. Infektionen, die dieses Jahr bemerkt werden, wären im vergangenen Jahr noch in der Dunkelziffer verschwunden.

Andererseits gab es 2020 noch keine bekannten Mutationen des neuartigen Coronavirus und eben einen Sommer, in dem über viele Wochen nur sehr wenige neue Infektionen registriert wurden. Die Infektionslage Mitte Oktober war also eine andere als heute. Der wohl größte Unterschied zum Vorjahr ist aber, dass mittlerweile 66 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vollständig geimpft sind:

Eine Impfung schützt oftmals – nicht immer – vor einer Infektion. Und sie schützt ebenfalls in sehr vielen – auch wenn nicht allen Fällen – vor einem schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf. Ein mögliches Szenario für die kommenden Wochen und Monate ist also, dass die Infektionszahlen in gleichem Maße weiter steigen könnten wie im Vorjahr – die Zahl der Intensiv- und Todesfälle dagegen nicht.

Denn noch ein Punkt unterscheidet das Jahr 2021 fundamental vom Jahr 2020: Umfassende Einschränkungen des öffentlichen Lebens – Kita- und Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen, Schließungen im Hotel- und Gastgewerbe – wird es im kommenden Winter nicht geben. Demzufolge werden mehr Menschen Kontakte haben und somit anfällig für Infektionen werden.

Die Frage wird sein, ob die Impfquote in Deutschland ausreichend hoch ist, um Infektionsketten früher oder später brechen zu können, weil es genügend Menschen gibt, die den Virus nicht mehr weitergeben können. Die Entwicklung der kommenden Wochen könnte dann auch entscheidend dafür sein, ob Ende November tatsächlich die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" auslaufen wird, wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kürzlich gefordert hat.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 22. Oktober 2021 | 06:00 Uhr

13 Kommentare

DermbacherIn vor 4 Wochen

@Sharis
Ihre Kommentare zeigen mir, an einer ernsthaften Diskussion sind sie offenbar nicht wirklich interessiert, ich ignoriere sie fortan als NutzerIn.

Sharis vor 4 Wochen

>>Der Unterschied ist, dass jeder Geimpfte ein potenzieller Superspreader sein kann, ein Getesteter aber nicht.<<

Von falsch negativen Testergebnissen haben Sie wohl noch nichts gehört?
Falsch positive können wir außer Acht lassen, weil bei denen der folgende PCR-Test zu 99% ein richtiges Ergebnis liefert und auch nur DAS in die Statistiken einfließt.

Sharis vor 4 Wochen

Warum? Die Impfungen sind doch auch kostenlos (für die Patient_innen).
Es hätte sich bisher jede/r, bei der/dem das medizinisch möglich ist, impfen lassen können. Wer das nicht wollte, darf nun die Tests bezahlen- bei Kontraindikationen zur Impfung zahlt man ja auch weiterhin nichts für die Tests.

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