Fragen & Antworten Mehr Geimpfte infiziert: Wann kommt die Booster-Impfung?

Die Zahl der Menschen, die trotz Impfung an Corona erkranken und sogar sterben steigt. Experten überrascht das nicht. Sie verweisen auf den Schutz der Vakzine gegen schwere Verläufe und raten zu Auffrischungsimpfungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu:

Die Stadt Köln wirbt auf Plakattafeln für ihr Impfangebot.
Laut Robert-Koch-Institut haben bisher 1,9 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Unter ihnen ist auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Bildrechte: imago images/Future Image

Warum kommt es zu Durchbruchinfektionen?

Nach Aussagen des Bonner Virologen Hendrik Streeck ist der Schutz vor einer Infektion ein halbes Jahr nach der Impfung nicht mehr so gut gegeben. Der Impfstoffforscher Leif Sander von der Charité in Berlin erklärt: Am besten geschützt sei man ein bis zwei Wochen nach der Zweitimpfung, danach nehme der Schutz vor einer Ansteckung langsam ab. Allerdings blieben Geimpfte deutlich besser geschützt als Ungeimpfte.

Streeck zufolge bleibt der Schutz vor einer schweren Infektion weiter erhalten. Wer sich trotz Impfung infiziert, dürfte Fachleuten zufolge in der Regel mild erkranken oder nichts bemerken. Generell kommen Impfdurchbrüche auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten vor.

Wie groß ist die Gefahr für Geimpfte?

Befürchtet wird, dass Menschen diesen Herbst und Winter wieder mehr Atemwegserkrankungen bekommen. Als Geimpfter sorglos mit Halsschmerzen ins Büro gehen? Keine gute Idee. "Wer im Herbst und Winter Erkältungssymptome hat, sollte sich mittels PCR testen lassen", sagt Streeck.

Auch Geimpfte sollten in solchen Fällen Corona in Betracht ziehen – es ist ein Irrtum zu glauben, dass man es überhaupt nicht bekommen kann.

Virologe Hendrik Streeck

Und was ist nach einem Impfdurchbruch? Aus Sanders Sicht ist dann voraussichtlich keine Auffrischung nötig. Bei Geimpften wirkt die Infektion wahrscheinlich wie ein Booster. Ausreichend Daten dazu lägen aber noch nicht vor.

Wie ansteckend sind Geimpfte?

Das Risiko, das von geimpften und ungeimpften Infizierten ausgeht, unterscheidet sich: "Wenn sich Geimpfte infizieren, haben sie laut einer Studie zwar kurzzeitig eine so hohe Viruslast wie Ungeimpfte", erläutert Streeck. Diese falle aber sehr viel schneller ab. Damit verkürze die Impfung die Zeitspanne, in der das Virus weitergegeben werden könne.

Wie gefährlich sind Impfdurchbrüche?

Heikel kann die Ansteckung insbesondere bei Menschen höheren Alters oder mit Vorerkrankungen werden. Die Immunantwort fällt etwa bei Älteren nach Impfungen geringer aus, sie können dann auch schwerer erkranken. Unter den insgesamt 1.076 gestorbenen Covid-19-Fällen mit Impfdurchbrüchen, die von Anfang Februar bis Ende voriger Woche erfasst wurden, waren laut RKI 782 mindestens 80 Jahre alt. Dem RKI zufolge spiegeln die Daten das generell höhere Sterberisiko – unabhängig von der Wirksamkeit der Impfstoffe – für diese Altersgruppe wider.

Wie gut schützen Auffrischungsimpfungen?

Zur Auffrischungsimpfung für alle Impfwilligen gibt es verschiedene Meinungen: Für Charité-Wissenschaftler Sander würde die Ausweitung der sogenannten "Booster"-Impfungen angesichts der Corona-Entwicklung Sinn ergeben: Die Drittimpfung könne die Immunität wieder deutlich verbessern. Das hätte auch einen dämpfenden Effekt auf die Virusverbreitung in der Bevölkerung. Sander berief sich auch auf Erfahrungen Israels, wo man sich aus der vergangenen Welle "herausgeboostert" habe.

Wir bräuchten jetzt sechs bis acht Wochen lang eine große Kampagne wie zu Beginn des Jahres, mit Impfzentren und mobilen Impfteams.

Berliner Impfstoffforscher Leif Sander

Warum gibt es Kritik an breit angelegter "Booster"-Impfung?

Gegner einer Ausweitung von Auffrischimpfungen, zu denen derzeit auch Streeck gehört, argumentieren etwa mit der weltweiten Knappheit an Impfstoffen. Andere Länder benötigten die Dosen dringender. Hinzu komme: Das Gesundheitssystem würde eher entlastet, wenn Impflücken bei Menschen über 60 geschlossen werden – und weniger mit Drittimpfungen bei Mittzwanzigern.

Aus der Fachwelt ist eine weitere Sorge zu hören: Könnte das Vertrauen in die Impfstoffe leiden, wenn man jetzt breit zum Auffrischen aufriefe? Gleichzeitig ist klar: Eine solche Empfehlung müsste zeitig kommen, nicht erst auf dem Höhepunkt der vierten Welle.

Die Empfehlung der Stiko für Booster-Impfungen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Anfang Oktober ihre Empfehlung zu Auffrischimpfungen ausgeweitet. Sie richtet sich an Menschen ab 70, Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Bewohner von Pflegeheimen, Pflegepersonal und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten. Auch Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben, können ihren Schutz mit einer Dosis mRNA-Impfstoff verbessern. Die Impfverordnung sieht die Möglichkeit zur Auffrischung aber grundsätzlich für alle vor, für die es zugelassene Impfstoffe gibt.

Thüringen hat angesichts drastisch steigender Infektionszahlen Auffrischimpfungen inzwischen für alle Altersgruppen freigegeben, die Sächsische Impfkommission empfiehlt sie für alle ab 18 Jahren.

dpa (kkö)

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 29. Oktober 2021 | 10:00 Uhr

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