Mehr als eine Million Impfdosen pro Tag Booster- und Erstimpfungen werden weiterhin stark nachgefragt

Manuel Mohr
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In die seit Sommer stagnierende Impfkampagne kommt Bewegung. Dabei sind überwiegend Boosterimpfungen gefragt, doch auch bei den Erstimpfungen ist wieder eine erhöhte Nachfrage zu verzeichnen. Um aber das Bund-Länder-Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten tatsächlich zu erreichen, müsste sich das Impftempo noch deutlich steigern.

Viele Menschen stehen vor weißen Zelten und warten, daneben mehrere Dosen mit Impfstoff
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"Freude am Impfen" statt "Freude am Fahren": Neben BMW haben in den vergangenen Tagen mehr als 150 Unternehmen in Deutschland gemeinsam für die Corona-Schutzimpfung geworben und dafür ihre bekannten Slogans abgeändert. An der Kampagne nahmen unter anderem auch Mercedes, Ritter Sport und Kaufland teil. Der Grund für diese ungewöhnliche Aktion: Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Impfquote in Deutschland und insbesondere in den Neuen Bundesländern nach wie vor zu niedrig.

Schließlich ist die aktuelle Infektionswelle in Deutschland das Resultat einer zu niedrigen Impfquote. Zu dieser Schlussfolgerung kommt das Robert Koch-Institut (RKI) in einer neuen Veröffentlichung. Danach lässt sich die aktuelle Welle auch nur noch durch eine schnelle Kontaktreduzierung brechen, mittelfristig kann eine ausreichend hohe Impfquote dann dafür sorgen, dass es keine fünfte und sechste Welle mehr gibt.

Booster-Impfungen: Später Start, hohes Tempo

Doch auch wenn das RKI bereits im Juli öffentlich darauf hingewiesen hatte, dass die Impfquoten schnellstmöglich erhöht werden sollte, waren von Seiten der Politik lange Zeit nur gut gemeinte Appelle zu vernehmen, die dem schleppenden Impffortschritt keinerlei neues Leben einhauchen konnten. Dass die Impfnachfrage ab Oktober dennoch wieder anstieg, ist auf andere Faktoren zurückzuführen.

Zum einen empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO) Anfang Oktober die Booster-Impfungen für geimpfte Menschen über 70 sowie für bestimmte Berufsgruppen. Mitte November folgte dann die Empfehlung für alle Geimpften über 18. Dass diese Empfehlungen schon deutlich früher hätten ausgesprochen werden müssen, gab STIKO-Chef Thomas Mertens kürzlich in einem Panorama-Interview zu.

Das Sozialministerium in Sachsen-Anhalt verweist auf MDR-Nachfrage ebenfalls auf die STIKO und deren Entscheidungsprozesse. Zwar hätten sich die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder bereits Anfang August in einem Beschluss zu den Auffrischimpfungen positioniert und basierend darauf wären auch schon erste Impfungen durchgeführt worden, doch entscheidend für die meisten Ärzte sei in der Regel die STIKO-Empfehlung.

Da die verabreichten Impfungen pro Tag variieren und gerade am Wochenende deutlich geringer ausfallen als wochentags, ist es an dieser Stelle sinnvoller, die Durchschnittswoche innerhalb eines festgelegten Zeitraums – hier immer jeweils sieben Tage – zu verwenden.

Das Tempo der Booster-Impfungen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen hat sich daher relativ ähnlich entwickelt. Zuerst wurde nur sehr vereinzelt der Impfschutz aufgefrischt, erst ab Mitte Oktober stieg das Tempo leicht, ab Anfang November dann deutlich an. Aktuell werden in Sachsen – bezogen auf die vergangenen sieben Tage – rund 30.160 Booster-Impfungen pro Tag verabreicht. In Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen die Werte auch aufgrund der gegenüber Sachsen geringeren Einwohnerzahl bei etwa 18.200 und 15.350.

Erstimpfungen: Nachfrage wieder deutlich höher als im Sommer

Bei den Erstimpfungen war bereits zu Beginn des Sommers eine stark sinkende Nachfrage zu verzeichnen, die abgesehen von einzelnen Ausreißern bis weit in den Herbst anhielt. Erst als die Infektionszahlen bereits stark gestiegen und nach und nach immer mehr Eindämmungsmaßnahmen beschlossen wurden, die insbesondere für Ungeimpfte größere Einschränkungen bedeuteten – umfassende 2G-Regelungen beispielsweise – stieg die Impfnachfrage wieder an.

Diese Entwicklung deckt sich mit einer Studie, die kürzlich das Ifo-Institut in München vorgestellt hat. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Ausschluss von ungeimpften Menschen aus vielen Lebensbereichen deren Impfbereitschaft erhöhe. Dafür wurde die Entwicklung der Erstimpfungen in Landkreisen und Bezirken an der deutsch-österreichischen Grenze von Anfang Oktober bis Anfang Dezember verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass die frühere Ankündigung und Umsetzung von 2G-Regeln in Österreich dort zu einem schnelleren Anstieg der Impfzahlen führte als in Deutschland.

Aktuell ist in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen allerdings wieder ein leichter Rückgang oder eine Stagnation der Erstimpfungen zu beobachten. Dieser Trend ist auch in anderen Bundesländern sichtbar. Inwiefern das mit sinkendem Interesse in der Bevölkerung oder schlichtweg zu wenigen verfügbaren Impfterminen zusammenhängt, ist noch unklar.

30 Millionen Impfungen bis Weihnachten

Bund und Länder werden gemeinsam daran arbeiten, bis Weihnachten allen, die sich für eine Erstimpfung entscheiden und allen, die fristgerecht eine Zweit- oder Auffrischimpfung benötigen, die Impfung zu ermöglichen.

Bund-Länder-Beschluss vom 02.12.2021

Dieses ambitionierte Ziel formulierten Bund und Länder in ihrem Beschluss vom 2. Dezember. Sollte die Nachfrage in der Bevölkerung hoch sein, "kann das bis zu 30 Millionen Impfungen erfordern." 30 Millionen Impfungen in 22 Tagen, das war das Ziel, das der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine Woche später noch einmal versprach.

Realistisch ist das Ziel momentan nicht. Denn seit dem Beschluss am Donnerstag der vergangenen Wochen hätten im Schnitt rund 1,3 Millionen Impfungen deutschlandweit verabreicht werden müssen. Jeden Tag. Auch am Wochenende. Selbst zu den Hochzeiten der Erstimpfungen im Frühjahr, als der Bund und Länder noch nicht alle Impfzentren wieder hatten schließen lassen und eine ganz andere Infrastruktur vorhanden war als heute, lag der Spitzenwert nur kurzzeitig bei rund 1,4 Millionen Impfungen am Tag.

Tatsächlich lag der Wert in den zurückliegenden sieben Tagen nur bei rund 879.000 Impfungen pro Tag, da vor allem am Wochenende nur ein Bruchteil der wochentags üblichen Impfdosen verabreicht werden konnte. Würde dieses Impftempo jetzt bis Weihnachten gleich bleiben, kämen unterm Strich 20 statt 30 Millionen Impfungen heraus.

Um das Ziel doch noch zu erreichen, müssten ab sofort jeden Tag 1,5 Millionen Impfungen verabreicht werden. Zwar hat der Bundestag am Freitag für eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes gestimmt, wonach zeitweise auch Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen dürfen – ob das ambitionierte Ziel damit noch erreichbar ist, ist aktuell mehr als fraglich.

Deutlich mehr Impfstoff im November geliefert

Neben ausreichend Personal zum Verabreichen der Impfungen muss darüber hinaus natürlich auch genug Impfstoff verfügbar sein, um den Andrang überhaupt bewältigen zu können. Bis Ende November liegen für Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen öffentliche Daten zu gelieferten Impfstoffen vor. Demnach ist besonders in der zweiten Novemberhälfte deutlich mehr Impfstoff an die Länder ausgeliefert worden als noch in der ersten Hälfte.

Nach Informationen des SPIEGEL hat der Bund zur Beschleunigung des Impftempos drei Millionen zusätzliche Impfdosen von Biontech organisiert, die in andere EU-Staaten momentan nicht benötigt werden. Diese Impfdosen sollen den Ländern noch in dieser sowie zu Beginn der kommenden Woche für Impfzentren zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sollen auch mehr Biontech-Dosen an Arztpraxen verteilt werden, sodass in der kommenden Woche insgesamt acht Millionen Dosen Biontech und mehr als zehn Millionen Dosen von Moderna ausgeliefert werden sollen.

Laut Bundesgesundheitsministerium wurden seit Beginn der Impfkampagne bis Ende vergangener Woche 140 Millionen Impfdosen an Impfzentren, mobile Impfteams, Arztpraxen und Betriebsärztinnen und -ärzte geliefert. 94,4 % dieser Dosen wurden davon schon verimpft.

Quelle: MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 10. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

93 Kommentare

Fakt vor 34 Wochen

@O.B.:

Sämtliche Fragen zur Impfung werden eigentlich schon beantwortet, wenn man sich im Netz den Aufklärungsbogen, den man vor der Impfung ohnehin unterschreiben muss, herunterlädt und sich mit dem Inhalt beschäftigt.

Fakt vor 34 Wochen

@Reuter4774:

Dass das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei einer Infektion mit dem Virus wesentlich höher ist als nach einer IMpfung ist Ihnen nicht bekannt? Sie wissen doch sonst alles.

Reuter4774 vor 34 Wochen

Sie entscheiden einfach für Ihr Kind und gut? Welches Problem haben Sie anderen etwas aufzwingen zu wollen? Langeweile? Niemand der Ihnen überhaupt noch zuhört?

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