Ziel: 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten Die Zahl der täglichen Booster-Impfungen steigt deutlich, die der Erstimpfungen aber auch

Manuel Mohr
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Es kommt Bewegung in die seit Monaten stagnierende Impfkampagne. Dabei sind nicht ausschließlich Boosterimpfungen gefragt, auch bei den Erstimpfungen ist wieder eine erhöhte Nachfrage zu verzeichnen. Um aber das Bund-Länder-Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten tatsächlich zu erreichen, müsste sich das Impftempo augenblicklich verdoppeln.

Ein Arzt füllt einen Impfpass in einer kommunal organisierten Impfstelle aus
Bund und Länder wollen bis Weihnachten bis zu 30 Millionen Erst-, Zweit- und Auffrischimpfungen realisieren. Angesichts des aktuellen Impftempos ist das ein überaus ambitioniertes Ziel. Bildrechte: dpa

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Der starke Anstieg der 7-Tage-Inzidenzen in den vergangenen Wochen hat sich zuletzt nicht flächendeckend fortgesetzt. Einerseits könnte das ein erstes Anzeichen für ein leicht abschwächendes Infektionsgeschehen sein, da die umfangreichen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung Wirkung zeigen.

Andererseits kommen Labore und Gesundheitsämter nicht mehr überall mit Testen und Melden hinterher, sodass die vermeldeten 7-Tage-Inzidenzen das reale Geschehen nicht mehr vollständig abbilden können.

Auf einer Pressekonferenz am Freitag sagte der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass die aktuellen Aussichten noch immer schlecht sind. Die jetzigen Maßnahmen müssten konsequent umgesetzt und kontrolliert werden, um die mittlerweile vierte Corona-Welle in Deutschland in den Griff zu bekommen. Und selbst wenn die zuletzt erneut verschärften Maßnahmen die Infektionszahlen jetzt senken könnten, wird die Lage auf den Intensivstationen laut Spahn "rund um Weihnachten ihren traurigen Höhepunkt erreichen".

Zuletzt mussten nach RKI-Angaben aufgrund von regionalen Kapazitätsengpässen im intensivmedizinischen Bereich mindestens 49 Patientinnen und Patienten über Bundeslandgrenzen hinaus verlegt werden. Spahn betonte außerdem, dass wenn sich alle Erwachsenen in Deutschland hätten impfen lassen, das Land jetzt nicht in einer solchen Situation stecken würde: "Die Inzidenz der Ungeimpften liegt in allen Altersgruppen höher als bei Geimpften." Zudem müssten auf den Intensivstationen wesentlich mehr Ungeimpfte als Geimpfte versorgt werden.

Neue Virusvariante in Deutschland angekommen

Zum jetzigen Zeitpunkt werden nach RKI-Angaben in Deutschland immer noch praktisch alle Corona-Infektionen durch die Delta-Variante verursacht. Die neue, zunächst in Südafrika identifizierte Variante mit der Bezeichnung "Omikron" wurde in Deutschland bis zum 01.12.2021 in vier Fällen nachgewiesen. In acht weiteren Fällen besteht laut RKI bislang der Verdacht auf Omikron. Auswirkungen auf das aktuelle Infektionsgeschehen hat die Variante damit vorerst noch nicht.

Die neue Virusvariante wurde am 26.11.2021 von der Weltgesundheitsorganisation WHO als besorgniserregende Variante eingestuft. Dies geschieht, wenn beispielsweise Hinweise auf eine erhöhte Übertragbarkeit oder einen schwereren Krankheitsverlauf vorliegen. Die in Deutschland bestätigten Fälle waren zuvor geimpft, keine Patientin und kein Patient aus dieser Gruppe musste laut RKI bisher ins Krankenhaus, alle zeigen nur milde Symptome.

Booster- und Erstimpfungen in Sachsen-Anhalt

Sowohl bundesweit, als auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ist in den vergangenen Wochen das Impftempo wieder spürbar angestiegen. Sichtbar wird dies zuerst bei den Booster- bzw. Auffrischimpfungen und den Erstimpfungen. Bei den Zweitimpfungen wird dieser Effekt erst mit einigen Wochen Verzögerung sichtbar, da jede Zweitimpfung ja an die Erstimpfung Wochen zuvor gekoppelt ist.

In Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen sieben Tagen durchschnittlich rund 13.500 Boosterimpfungen pro Tag verabreicht. Ende Oktober lag dieser Wert noch bei 800 bis 1.000. Damit haben bislang 13,4 Prozent der Menschen im Land ihren Impfschutz auffrischen lassen. Deutschlandweit liegt der Wert mit 14,7 Prozent knapp darüber.

Auch bei den Erstimpfungen ist seit Anfang November ein erneuter Anstieg zu beobachten. Lag der 7-Tage-Durchschnittswert Ende Oktober zwischenzeitlich bei unter 600, so sind es aktuell rund 3.000 neue Erstimpfungen pro Tag. In den vergangenen Tagen begann der Wert allerdings erneut leicht zu sinken. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt aber, ob die Nachfrage schon wieder rückläufig ist oder schlichtweg nicht mehr Termine pro Tag realisiert werden können, weil parallel so viele Auffrischimpfungen durchgeführt werden.

Booster- und Erstimpfungen in Sachsen

In Sachsen ist seit Ende Oktober ein deutlicher Anstieg der Auffrischimpfungen zu beobachten. Die Nachfrage ist mittlerweile so hoch, dass die durchschnittliche Zahl der täglichen Boosterimpfungen den Höchststand der Erstimpfungen aus dem Frühjahr übersteigt.

Wie in anderen Bundesländern sank auch in Sachsen die Zahl der Erstimpfungen seit dem Sommer immer weiter ab. Ende Oktober wurde mit knapp 1.300 Erstimpfungen pro Tag der vorläufige Tiefpunkt erreicht. Mittlerweile sind auch hier – möglicherweise bedingt durch das enorm hohe Infektionsgeschehen im Freistaat und die daraus folgenden Einschränkungen vor allem für Ungeimpfte – die Zahlen wieder deutlich gestiegen.

Booster- und Erstimpfungen in Thüringen

In Thüringen ist eine ähnliche Dynamik wie in Sachsen zu beobachten. Die Zahl der Auffrischimpfungen steigt kontinuierlich seit Ende Oktober deutlich an. Die Erstimpfungen wiederum nehmen hingegen erst seit Mitte November merklich zu.

Ob die zuletzt stagnierende Anzahl der durchschnittlichen Erstimpfungen pro Tag auf eine nicht mehr steigende Nachfrage zurückgeht oder ob es schlichtweg an Impfterminen mangelt, lässt sich aus den Zahlen aktuell nicht ablesen und wird erst im Verlauf der kommenden Wochen deutlich.

30 Millionen Impfungen bis Weihnachten in Deutschland geplant

Bund und Länder haben sich am vergangenen Donnerstag nicht nur auf erneute Verschärfungen der Eindämmungsmaßnahmen verständigt, sondern sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis Weihnachten weiteren 30 Millionen Menschen ein Angebot für Erst-, Zweit- oder Auffrischimpfung zu machen. Dazu soll es künftig beispielsweise auch möglich sein, sich in Apotheken impfen zu lassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müsste sich das Impftempo in Deutschland allerdings schlagartig nahezu verdoppeln. Denn in den vergangenen sieben Tagen wurden bundesweit im Schnitt zwar rund 720.000 Impfungen pro Tag verabreicht. Nötig sind in den verbleibenden Tagen bis Weihnachten mit rund 1,36 Millionen Impfdosen aber fast die doppelte Anzahl, um dieses Ziel tatsächlich zu erreichen.

Der scheidende Bundesgesundheitsminister Spahn stellte am Freitag nochmals klar, dass genug Impfstoff vorhanden ist. An der Versorgung würde das von Bund und Ländern gesteckte Ziel demnach nicht scheitern. Offen ist aber, ob überhaupt die dafür nötige Infrastruktur vorhanden ist. Die meisten Impfzentren sind seit Ende September geschlossen, ein Großteil der Impfungen wird aktuell von Haus- und Fachärzten durchgeführt, die nicht beliebig ihre Kapazitäten erweitern können.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelne Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

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MDR (Manuel Mohr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

12 Kommentare

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo REXt,
und woher haben Sie diese Zahl? Selbst wenn sie korrekt sein sollte: ihr gegenüber stünden mehr als 5 Mio. Tote durch Covid19 - Langzeitfolgen der Erkrankung nicht mit eingerechnet. Und Sie schreiben es selber: z.T. (zum Teil) schwere Nebenwirkungen. Das Ganze wohlgemerkt bei Milliarden (!) verabreichten Impfdosen. Die Mehrheit der Menschen entscheidet sich offenbar dann doch für das kleinere Risiko.

MDR-Team vor 7 Wochen

Hallo REXt,
auch die Inzidenz von 1.000 ist eine Falschbehauptung. Aktuell liegt der Wert bei weniger als 700. Betrachten Sie dies bitte als ersten Hinweis einer drohenden Sperre aufgrund des Verstoßens gegen unsere Netiquette. Zweitens: Reichen Sie gerne noch die Hospitalisierungszahlen nach, denn tatsächlich sind diese deutlich aussagekräftiger als Inzidenzzahlen. Denn: es hat niemand behauptet, dass Geimpfte nicht ansteckend seien. Bedenken Sie bitte auch die Bevölkerungsdichte Gibraltars. Die Zahl der schweren Verläufe wird durch die Impfung trotzdem deutlich reduziert, auch wenn Sie dies nicht wahrhaben wollen und vermutlich gleich das nächste Scheinargument anbringen werden.

W.Merseburger vor 7 Wochen

Werte Kommentatoren hier, vielleicht sollten wir etwas Dampf aus der
Diskussion herausnehmen? Ich habe das Alter und gehöre zur Risikogruppe. Meine sehr gründliche und verantwortungsbewusste Hausärztin hat mir vor 5 Wochen die Krippeschutzimpfung gegeben und seit 6 Wochen habe ich von ihr den Termin zur Auffschrischungsimpfung gegen Corona und zwar fast genau nach 6 Monaten Zweitimpfung. Meine Schwester in Erfurt: 3 mal geimpft,mein Bruder im "bösen" Osterzgebirge Sachsen 3 mal geimpft natürlich mit Familie. Die positive Nachricht heute bei ARD.de. FFP 2 Masken schützen bei sachgemässem Tragen extrem gut vor Ansteckung.

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