Corona - und dann? Epidemiologe rechnet mit Freigabe der Corona-Impfung für alle Kinder

Der Epidemiologe Hajo Zeeb rechnet bereits in wenigen Monaten mit einer Zulassung von Corona-Impfstoffen für kleine Kinder. Eine höhere Durchimpfung der Bevölkerung könnten für weniger Corona-Einschränkungen sorgen, mutmaßt der Forscher.

Ein Mädchen bekommt eine Corona-Impfung
Kommt bald die Zulassung von Corona-Impfstoffen für Kinder? Bildrechte: imago images/Sven Simon

Der Bremer Epidemiologe und Gesundheitsforscher Hajo Zeeb rechnet mit einer Zulassung von Corona-Impfstoffen für kleine Kinder in wenigen Monaten. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte er, eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission sei im Lauf des Winters wahrscheinlich.

Zeeb sagte, für die Kinder sei der "individuelle Gesundheitsgewinn" im Vergleich zu Erwachsenen zwar geringer. Schließlich würden Kinder in der Regel an Covid-19 kaum schwer erkranken. Auch sei, so sagte Zeeb, von Forschungsseite noch unklar, welchen Einfluss die Anzahl der geimpften Kinder auf das allgemeine Infektionsgeschehen haben werde. Dafür seien noch zu wenige Kinder und Jugendliche geimpft.

Statistiken zufolge liege der Anteil in einigen Altersklassen bei rund 30 Prozent. Insgesamt stiegen jedoch durch eine höhere Durchimpfung der Bevölkerung die Chancen, dass verordnete Corona-Einschränkungen schrittweise fallengelassen werden.

Zeeb: Spaltung als Problem der Gesamtgesellschaft

Als problematisch sieht der Epidemiologe, dass in Deutschland "viele Millionen Menschen" die Impfungen ablehnten oder auch auf Zweitimpfungen verzichteten. Eigentlich sei Deutschland "ganz gut in der Lage", die Infektionssituation einzugrenzen und zu verringern.

Das Problem für die Gesamtgesellschaft sei mittlerweile eher die soziale Spaltung. Zeeb sagte, das betreffe Fragen "unseres Gemeinwesens, der demokratischen Verfasstheit, der Diskussion, die wir untereinander führen. Da sehe ich fast eher größere Schwierigkeiten als jetzt in dem rein virologischen epidemiologischen Geschehen".

Überhaupt sei das Auseinanderdriften von Lagern in der Gesellschaft ein Risiko der Pandemie. Corona zeige deutlich, dass es "Gläubige und Nichtgläubige" gebe - also Leute, die sich mit wissenschaftlichen Aspekten der Pandemie beschäftigten und darauf ihr Verhalten ausrichteten, und andererseits Menschen, die etwa alles "bösen Mächten" zuschrieben. Dieses gesellschaftliche Problem müsse für künftige Pandemien gelöst werden.

Mann mit Brille 1 min
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Sa 11.09.2021 06:20Uhr 01:17 min

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Ende der Corona-Pandemie Anfang 2022?

Ein "intensives Impfen" sieht der Forscher als Voraussetzung für ein baldiges Ende der Pandemie. Zeeb sagte, er rechne mit einem Auslaufen der Seuche im nächsten Jahr unter der Voraussetzung, dass nicht wieder neue Varianten des Coronavirus auftauchten.

Hoffnungen auf ein Ende in Deutschland noch in diesem Herbst sieht der Forscher kritisch. Derartige Hoffnungen ließen außer Acht, dass das Infektionsgeschehen global noch nicht genügend eingedämmt sei.

Jugendlicher 14 Jahre alt vor Impfung 23 min
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MDR FERNSEHEN Sa 11.09.2021 06:40Uhr 23:16 min

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Infektionsschutz in Schulen

Hinsichtlich der Schulen forderte Zeeb, dass hier weiter der Infektionsschutz durchgesetzt werden sollte. Auch wenn Erkrankungen unter Schülern milde abliefen, sollten sie grundsätzlich verhindert werden. Für die Schüler sei wichtig, dass sie nun kontinuierlich lernen könnten und nicht etwa wegen Quarantäne aus dem Unterricht herausgenommen werden müssten.

Im Vordergrund müsse stehen, dass Schulen nicht mehr geschlossen würden. Insofern befürworte er, dass Schüler Masken tragen. "Natürlich" sei ein Maskentragen an Schulen mit Einschränkungen verbunden - bei der Kommunikation oder dem sozialen Lernen jedoch halte er diese für vergleichsweise gering.

Kritisch sei weiter, dass viele Schulen nicht ausreichend mit Luftfiltern ausgestattet seien. Das sei jedoch jetzt kaum noch zu ändern. Als günstig betrachtet Zeeb, dass ein großer Anteil von Lehrern inzwischen geimpft sei. Damit sei die Situation im neuen Schuljahr besser als in den vergangenen zwei Jahren.

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Anke Langner, Erziehungswissenschaftlerin der TU Dresden
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. September 2021 | 06:40 Uhr

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