Covid-19 Corona-Impfung: Was Sie bei unerwarteten Nebenwirkungen tun können

Mehr als die Hälfte der Deutschen – 56,6 Prozent – ist bisher vollständig gegen das Corona-Virus geimpft (Stand: 12.8.). Ob Astrazeneca, Biontech oder Moderna – vor der Zulassung wurde die Wirksamkeit der neuen Impfstoffe wissenschaftlich begleitet und an zehntausenden Probanden untersucht. Über die zu erwartenden Nebenwirkungen weiß man also Bescheid. Doch was ist, wenn man an sich selbst nach dem Impfen andere Reaktionen bemerkt? Wie werden diese erfasst und an wen kann man sich wenden?

Eine Notfallsanitäter der DLRG zieht an der Universität Potsdam den Corona-Impfstoff von Biontech in eine Spritze. Neben den Studierenden haben alle Menschen heute die Möglichkeit, sich ohne Termin an der Uni Potsdam mt Biontech impfen zu lassen.
Was tun bei unerwarteten Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung? Bildrechte: dpa

Auch bei MDR AKTUELL melden sich immer wieder Hörerinnen und Hörer nach der Impfung und fragen nach allerhand Nebenwirkungen, zum Beispiel, ob die Corona-Impfung Einfluss auf die Blutzuckerwerte, den Eisprung oder Zahnschmerzen hat.

Schwere Nebenwirkungen nach einer Impfung beim Hausarzt melden

Der Hausarzt sei auf jeden Fall die richtige Adresse, wenn Patienten Nebenwirkungen von Impfstoffen verspüren, sagt Holger Fischer, stellvertretender Vorsitzender des Hausärzteverbands Sachsen-Anhalt. Allerdings müsse man zunächst unterscheiden zwischen wirklich schwerwiegenden Nebenwirkungen und zu erwartenden Impfreaktionen: "Zu erwartende Impfreaktionen sind Reaktionen des Körpers, der sich auf die Impfung einstellt, also eine Immunantwort gibt."

Das sind zum Beispiel leichtes Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen, Unwohlsein und Übelkeit. Diese Reaktionen treten generell bei Impfungen auf – etwa bei Tetanus oder der Grippe-Impfung – und sind in manchen Fällen sogar erwünscht, sagt Fischer, weil somit eine direkte Immunantwort des Vakzins im Körper nachgewiesen werden kann.

Schwere Nebenwirkungen sind dagegen "ganz selten und sind zu melden durch den Hausarzt. Und der ist per Infektionsschutzgesetz verpflichtet, diese Nebenwirkungen, wenn sie schwerwiegend sind an das zuständige Gesundheitsamt zu melden und die Gesundheitsämter leiten das dann weiter an das Paul-Ehrlich-Institut, was dafür zuständig ist." Bisher sei es dazu jedoch in seiner Quedlinburger Praxis und in den ihm bekannten Praxen noch nicht gekommen, sagt Fischer vom Hausärzteverband Sachsen-Anhalt.

Zahlreiche Meldungen über Nebenwirkungen und Impfkomplikationen

Das Paul-Ehrlich-Institut dagegen hat so einige Meldungen erhalten – von den Gesundheitsämtern, aber auch Arzneimittelbehörden, Impfstoffherstellern sowie Privatpersonen, und zwar über das Portal "Nebenwirkungen.bund.de" und der App "SafeVac".

Seit Beginn der Impfkampagne am 27. Dezember bis zum 30. Juni 2021 zählt das für Impfstoffe zuständige Bundesinstitut insgesamt 106.835 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen. Die anonymisierten Meldungen werden immer ad-hoc ausgewertet, sagt der Präsident des Instituts Klaus Cichutek: "Hier muss dann erst unterschieden werden, ob es sich wirklich um einen ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung oder lediglich um ein zeitliches Zusammentreffen handelt."

Wie mit unerwarteten Nebenwirkungen umgegangen wird

Bei den meisten Meldungen handele es sich um die erwarteten Nebenwirkungen, sagt Cichutek. Das Spontanerfassungssystem filtert aber auch die neuen, unerwarteten Nebenwirkungen heraus: "Wir empfangen hier dann Risikosignale, wenn das so der Fall ist, um dann Maßnahmen im europäischen Maßstab oder auch in Deutschland direkt vom Paul-Ehrlich-Institut vorzusehen."

Eine Maßnahme war zum Beispiel, dass man nach dem Impfpieks gut eine viertel Stunde vor Ort warten soll, um im Falle einer seltenen, anaphylaktischen – also starken allergischen – Reaktion behandelt zu werden. 

Auf lange Sicht wolle das Paul-Ehrlich-Institut darüber hinaus eine Beobachtungsstudie mit Komplettauswertung durchführen. Grundlage hierfür sind die Daten aus der SafeVac-App des Instituts, über die Nutzer selbst melden können, wie sie die Impfstoffe vertragen haben. "Wo dann genau nachgesehen wird, ob sich das, was in den klinischen Prüfungen beobachtet wurde, hier auch im Feld, also den Alltagsdaten widerspiegelt." Die Studie soll aber erst in mehreren Monaten veröffentlicht werden.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 14. August 2021 | 09:18 Uhr

Mehr aus Deutschland