Lage in den Krankenhäusern Höchstwerte bei Corona-Inzidenz und erste Intensivstationen voll

Manuel Mohr
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Die Inzidenzen erreichen täglich neue Spitzenwerte, während in den Krankenhäusern immer mehr Corona-Fälle behandelt werden müssen. Wie die Lage in Ihrer Region ist und wie Bund und Länder die Lage wieder unter Kontrolle bringen wollen – das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Krankenpfleger mit Haarhaube und Mund-Nasen-Schutz blickt ernst in die Kamera.
Erste Intensivstationen sind wegen Corona-Patienten am Limit. (Symbolbild) Bildrechte: MDR/Unsplash/Bermix Studio

Guten Tag zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In den vergangenen Tagen verzeichnete das Robert Koch-Institut (RKI) eine in Deutschland bislang nie da gewesene Menge an neu registrierten Corona-Infektionen.

Seit Montag stieg die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland jeden Tag und lag am Freitag schließlich bei 263,7 – ein neues Allzeithoch. Zum Vergleich: Vor einer Woche lag der Wert noch bei 169,9 und vor einem Monat bei 65,8.

In Sachsen und Thüringen ist die Infektionslage noch weitaus schlimmer als in Sachsen-Anhalt. Beide Bundesländer verzeichneten zuletzt ebenfalls täglich neue Höchstwerte. Die Inzidenzen von 569 in Sachsen und 491,3 in Thüringen am Freitag sind wieder einmal die höchsten aller Bundesländer. In Sachsen-Anhalt wurde am Freitag mit dem Wert von 269,3 der bisherige Höchststand aus dem Januar (243,1 am 15.01.2021) übertroffen.

Was weiterhin auffällt: Der Unterschied in der Inzidenz zwischen geimpfter und nicht bzw. nicht vollständig geimpfter Bevölkerung wird immer größer. Am Donnerstag lagen die Werte in Sachsen nach Angaben des zuständigen Sozialministeriums bei 70,7 (geimpft) und 1.152,5 (nicht vollständig geimpft), in Sachsen-Anhalt nach Ministeriumsangaben bei 75,8 und 572,1.

Corona-Lage in Krankenhäusern spitzt sich zu

Das seit Wochen rasant steigende Infektionsgeschehen wird nun auch bei der Belastung des Gesundheitssystems immer deutlicher sichtbar. Mittlerweile sind deutschlandweit rund 2.800 Intensivbetten mit Covid-19-Fällen belegt. Etwa die Hälfte der Menschen muss invasiv beatmet werden.

Und die Dynamik der Erstaufnahmen auf Intensivstationen verheißt nichts Gutes: Jeden Tag kommen aktuell durchschnittlich 224 Patienten hinzu. Vor einem Monat waren es noch rund 80 Personen pro Tag.

Regional betrachtet ist die Auslastung der Intensivstationen sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede folgen aber im Wesentlichen dem Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen. Das bedeutet, dass die Intensivstationen dort am meisten ausgelastet sind, wo in den vergangenen Tagen und Wochen auch die höchsten Inzidenzen verzeichnet wurden.

Nach Angaben des Science Media Centers liegt die Zahl der täglich durchgeführten Auffrischimpfungen ("Booster") inzwischen bei mehr als 130.000 Impfungen. Die Impfgeschwindigkeit bei der Auffrischungsimpfung wächst demnach weiter, ist aber immer noch viel zu niedrig, um in den nächsten Wochen einen größeren Effekt auf die Infektionszahlen zu haben.

Landkreise melden volle Intensivstationen

Seit Wochen melden nach Angaben des DIVI-Intensivregisters immer mehr Intensivstationen einen teilweise und ganz eingeschränkten Betrieb, weil es beispielsweise an Personal, Räumen und/oder Material mangelt. Jeder dritte Landkreis oder kreisfreie Stadt in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen hatte am Donnerstagnachmittag weniger als zehn Prozent freie Betten bezogen auf alle verfügbaren Intensivbetten. Die Folge: Patienten müssen verlegt und planbare Operationen, beispielsweise bei Krebs-Patienten, verschoben werden.

Eine weitere Folge der seit Wochen steigenden Infektionszahlen: Die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung steigt ebenfalls wieder spürbar an. Deutschlandweit liegt der tägliche Mittelwert momentan bei etwa 140 – im Sommer waren es dagegen nur rund 20 Todesfälle pro Tag.

Drosten: Oberste Ziel ist das Vermeiden von Infektionen

"Wir sind schlimmer dran als vor einem Jahr." So sagt es Christian Drosten in der aktuellen Folge des NDR-Info-Podcasts Coronavirus-Update. Aus Sicht des Leiters des Instituts für Virologie an der Charité Berlin muss es das oberste Ziel sein, Infektionen zu vermeiden. Würde man jetzt nicht mit härteren Maßnahmen reagieren, könnten wie in England mit einer ähnlich hohen Impfquote, aber deutlich mehr natürlichen Ansteckungen und Toten, auch auf Deutschland bis zu 100.000 weitere Todesfälle zukommen. Drosten betonte dabei: "Das ist eine konservative Schätzung."

Kommende Woche sollen Bund und Länder zu einer weiteren Ministerpräsidentenkonferenz zusammenkommen, um über die Corona-Lage zu beraten. Dabei soll über die Umsetzung weiterer Corona-Schutzmaßnahmen gesprochen werden. Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelne Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR/Manuel Mohr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. November 2021 | 19:00 Uhr

120 Kommentare

ElBuffo vor 2 Wochen

Nicht ganz. Sie muss vor allem hoffen, dass jeder richtig zuhört. Nie war die Rede von ewig und 100%. Irgendwelche Politdarsteller vielleicht ausgenommen.

Fakt vor 2 Wochen

@Freiheit...:

Die Frage wurde richtig beantwortet! Entweder sollten Sie Ihre Fragen so formulieren, dass sie verständlich sind, oder Sie müssen an Ihren Textverständnis arbeiten!
Sie stellten eindeutig die Frage, warum sich Geimpfte ohne Symptome testen lassen; "Wessi" und ich haben genau diese Frage beantwortet - auch wenn Sie sich nun winden wie ein Aal.

Wessi vor 2 Wochen

@ Freiheit ...die Positivrate ist niedriger, denn die meisten (s. Testquoten) Geimpften+Genesenen werden Covid19-negativ sein.Man kann dann auch Impfdurchbrüche herausfiltern.Die Impfverweigerer sollten ausserdem nicht auf die Idee kommen, daß sie mit ihrem "a-sozialen" Verhalten durchkommen...auch das ist ein Ergebnis.

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