Steigende Inzidenzen Deutsche Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Keine Modellprojekte, keine Lockerung zu oder nach Ostern und für zwei Wochen einen harten Lockdown – das fordert der Deutsche Verband der Intensivmediziner angesichts steigender Infektionszahlen.

Magdeburgische Philharmonie
In Magdeburg sollen auch Konzerte mit bis zu 100 Zuschauern wieder möglich sein. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Die deutschen Intensivmediziner haben die geplanten Öffnungen rund um Ostern scharf kritisiert. Angesichts der kontinuierlich steigenden Infektionszahlen in Deutschland fordern sie einen Verzicht auf Lockdown-Lockerungen, wie sie mehrere Bundesländer planen. Der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sagt der "Rheinischen Post", Deutschland stehe erst am Anfang eines massiven Anstiegs von Intensivpatienten.

Prof. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin
Bildrechte: MDR/Felix Schmitt

Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden.

Christian Karagiannidis Verband Intensivmediziner

Zwei Wochen harter Lockdown

Es brauche eine Mischung aus hartem Lockdown, vielen Impfungen und Tests. Nur so lasse sich ein Überlaufen der Intensivstationen noch verhindern. Wenn jetzt keine Maßnahmen für einen bundesweiten harten Lockdown von zwei Wochen ergriffen würden, müsse bald wieder mit einer historischen Spitzenbelastung der Intensivstationen mit Covid-19 gerechnet werden, so Karagiannidis. Er bat die Politik, das Krankenhauspersonal "nicht im Stich zu lassen."

Spahn für "richtiges Runterfahren"

In einerm Onlinegespräch plädierte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für einen harten Lockdown, der zehn bis 14 Tage andauern solle. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, "im Zweifel auch mehr als die staatlichen Regeln" umzusetzen. Wenn es gelinge, die dritte Welle zu brechen, dann gebe es danach auch die Aussicht auf Öffnungsschritte in Regionen mit niedrigen Infektionszahlen.

Der gleichen Ansicht ist auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der angesichts stark steigender Neuinfektionszahlen mit Blick auf die letzten Bund-Länder-Gespräche rasch erneute Corona-Beratungen fordert.

Ohne einen scharfen Lockdown wird es nicht gehen.

Karl Lauterbach SPD-Gesundheitsexperte

Aus Sicht der Linken-Co-Vorsitzenden Janine Wissler muss zudem die Arbeitswelt stärker in die Anti-Corona-Maßnahmen einbezogen werden. Im Moment endeten die Betriebsbeschränkungen am Betriebstor, nicht aber die Corona-Infektionen.

Thüringen meldet viele belegte Corona-Intensivbetten...

Unterdessen hat Thüringen weiter einen kritisch hohen Anteil von intensivmedizinischen Betten, die mit Covid-19-Patienten belegt sind, gemeldet. Der Wert liegt nach aktuellen Zahlen des Divi-Registers über 20 Prozent. Demnach waren rund 25 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Nach Experten-Meinungen gilt ein Wert von mehr als 20 Prozent in Thüringen als kritisch.

... und will trotzdem lockern

Obwohl Thüringen derzeit bundesweit die höchste Sieben-Tages-Inzidenz aufweist, soll die Kultur in Modellprojekten vereinzelt wieder hochgefahren werden. Wie die Landesregierung mitteilte, habe man das sogenannte "Weimarer Modell" genehmigt. Dabei dürfen in der Stadt nun neben dem Einzelhandel auch Museen, Galerien und Gedenkstätten für eine begrenzte Zeit vom 29. März bis 31. März geöffnet werden – so etwa das Bauhaus-Museum in Weimar. Voraussetzung hier sei ein negativer Antigen-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein dürfe, eine Registrierung und das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes. Sollte sich das Modell als praktikabel erweisen, sei eine Ausweitung auf ganz Thüringen denkbar, so Ministerpräsident Ramelow.

Auch Sachsen-Anhalt öffnet

Trotz der steigenden Infektionszahlen wollen auch mehrere andere Bundesländer die Lockdown-Restriktionen lockern. In Sachsen-Anhalt sollen nach einem Erlass von Staats- und Kulturminister Rainer Robra Modellprojekte in Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau anlaufen. Die drei kreisfreien Städte bekommen die Möglichkeit für kulturelle Veranstaltungen mit jeweils 100 Zuschauern pro Tag. Voraussetzung sei, dass der Inzidenzwert in der jeweiligen Stadt nicht über 200 liege.

Andere Bundesländer wie das Saarland knüpfen Öffnungen nicht an den Inzidenzwert, sondern lockern die Corona-Restriktionen für Gastronomie, Sport und Kultur sowie private Treffen pauschal nach Ostern.

Quelle: dpa/MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. März 2021 | 06:30 Uhr

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