Kommentar Lockerung der Corona-Regeln: Ein Punktsieg für "Team Freiheit"

Beim Tennis heißt es Punkt, Satz und Sieg. Angewendet auf die Corona-Pandemie und die Suche nach dem richtigen Maß bei den Schutzmaßnahmen hat das "Team Freiheit" heute einen Punktsieg erstritten, meint Berlin-Korrespondent Alexander Budweg. Offen ist, ob der Lockerung der Schutzmaßnahmen am Ende aber auch der Match-Gewinn folgt.

Kommentar von Alexander Budweg zu Corona-Maßnahmen
Kommentar von Alexander Budweg zum geänderten Infektionsschutzgesetz des Bundes. Bildrechte: Collage: Tanja Schnitzler/ARD Hauptstadtstudio / picture alliance/dpa

In der Ampel-Koalition haben sich jene durchgesetzt, die sich bei der Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit für Ersteres entscheiden. Und da wohl niemand erneut einen Corona-Herbst und -Winter mit Lockdowns oder anderen harten Einschnitten erleben möchte, wären ihnen auch der Satzgewinn und am Ende auch der Sieg zu wünschen. Doch so weit sind wir noch nicht.

Lauterbach setzt auf Impfpflicht – doch die ist ungewiss

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nennt in seiner Rede im Bundestag die Änderungen am Infektionsschutzgesetz einen Kompromiss. Dabei ist es dem Epidemiologen anzumerken, dass er sich nicht sicher ist, ob der dadurch gegebene Schutz ausreichen wird. Stattdessen verknüpft er das Ganze sogar mit der Notwendigkeit einer allgemeinen Impfpflicht. Nur damit ließe sich das Coronavirus besiegen.

Beim Tennis braucht es wenigstens vier Punktgewinne, um einen Satz zu holen. Was Lauterbach da macht, ist, als würde er den Satzgewinn ankündigen, noch bevor er den zweiten Ball spielt. Schließlich gibt es die Impfpflicht noch nicht, und aktuell ist es auch noch offen, ob sie überhaupt kommt. Dennoch stimmte der zuständige Minister und einer der profundesten Bundestagsabgeordneten auf diesem Gebiet für die neuen Regeln.

Länder bemängeln unsichere Rechtslage

Und dann gibt es da ja noch die Rufe von den Bundesländern, dass die neuen Regeln nicht rechtssicher seien. Jene Länder, denen die Bundesregierung eigentlich versprochen hatte, sie bei der Neugestaltung der Corona-Regeln zu beteiligen, um es am Ende aber doch nicht zu tun. Schlimmer noch ist, ihnen sogar jegliche Chance zur Reaktion zu nehmen. Zumindest ist der Zeitrahmen so eng gesteckt, dass die Länder im Bundesrat nur zustimmen können oder eine coronaregellose Zeit riskieren.

Beim Tennis entscheiden nur Punkt- und Satzgewinne über den Sieg. Auch bei der Corona-Pandemie wird es am Ende darum gehen, die entscheidenden Treffer zu landen. Doch nicht nur Tennisstar Alexander Zverev weiß seit seinem Ausraster in Acapulco, welchen Einfluss Stilfragen auf das eigene Spiel haben können. Seine Schläge mit dem Tennisschläger gegen den Stuhl des Schiedsrichters haben ihm das Leben zumindest nicht leichter gemacht.

Politik kann Eigenverantwortung nicht ersetzen

Dass Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau die Debatte im Bundestag unterbrechen muss, weil Abgeordnete der AfD sich nicht an die Maskenpflicht halten, wäre normalerweise nur eine Randnotiz. Allerdings geht es gerade um die Debatte zum Umgang mit dem Coronavirus. Ein Virus, das bereits viele Todesopfer gefordert hat, und das das öffentliche Leben seit mehr als zwei Jahren einschränkt.

Deshalb steht dieser Moment sinnbildlich für den Umgang mit Covid-19 in unserer Gesellschaft. Würden wir alle uns an die gebotenen Maßnahmen halten, würde ein jeder das in seiner Macht Stehende tun, um Übertragung, Ausbreitung und Folgen einer Corona-Infektion zu minimieren, dann hätten wir das Virus wohl weitaus besser im Griff. Doch es gibt es eine Minderheit, die meint, dass ihr Beitrag dazu nicht notwendig sei.

Über den Punktsieg für "Team Freiheit" dürfte sich diese Minderheit am meisten freuen. Was es ihnen und uns anderen nützt, wird wohl erst der kommende Herbst zeigen. Zu wünschen wäre allen auch der Satzgewinn und Sieg über das Coronavirus.

MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR RADIO | 18. März 2022 | 14:00 Uhr

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