Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 20. April 2021 Diskussion um Test-Freifahrtschein für Geimpfte

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Bundesgesundheitsminister Spahn will Geimpfte mit negativ getesteten Menschen gleichsetzen. Sie sollen nicht immer Coronatests vorlegen müssen, wenn sie zum Beispiel fliegen wollen. Mehr Hintergründe im Newsletter.

Eine Frau drückt ein Pad auf ihren Oberarm, nachdem sie eine Spritze erhalten hat.
Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, dass vollständig geimpfte Menschen mit denen gleichzusetzen sind, die tagesaktuell einen negativen Coronatest erhalten haben. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass Geimpfte beim Einkaufen oder bei Flugreisen nicht zwingend einen Coronatest vorlegen müssten.

Aber da es nur eine Empfehlung ist, kann jedes Bundesland anders damit umgehen. Inwiefern solch eine Regelung überhaupt sinnvoll ist, wie die mitteldeutschen Bundesländer dazu stehen und wann aus der Empfehlung vielleicht ein Gesetz wird, das möchte ich Ihnen im heutigen Newsletter erklären.

Außerdem gibt es ein neues YouTube-Format, auf das ich Sie aufmerksam machen möchte. Aber zunächst schauen wir auf die wichtigen Corona-Zahlen in unseren drei Bundesländern.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Dienstag, den 20. April 2021, bundesweit 9.609 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:15 Uhr). Im Vergleich zum Dienstag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 1.200 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+2.252), Bayern (+1.554) und Baden-Württemberg (+1.202). Die niedrigsten Werte wurden aus dem Saarland (+38) und Bremen (+66) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Thüringen (246) und Sachsen (221).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 21.577 ↗ (+1.343 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 390 (-3), davon 228 beatmet (-5)
  • Intensivbetten: 1.320 belegt, 147 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.876 (+26)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 219.200 (+850)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 249.653 (+2.219)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 10.270 ↘ (-1.215 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 216 (+/-0), davon 117 beatmet (-1)
  • Intensivbetten: 631 belegt, 71 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.713 (+25)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 95.219 (+1.827)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 109.202 (+637)
  • Der Landkreis Greiz in Thüringen meldet heute 1.223 Genesene nach. Dadurch kommt dort der starke Rückgang bei den aktiven Fällen zustande.

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 7.215 ↗ (+128 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 151 (+5), davon 74 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 704 belegt, 108 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.993 (+12)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 74.417 (+426)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 84.625 (+566)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Freifahrtschein für Geimpfte?

Sollen geimpfte Menschen von den Corona-Testpflichten befreit werden? Unter anderem über diese Frage soll am Mittwoch im Bundestag diskutiert werden, wenn über die "Bundesnotbremse" gesprochen wird. Doch wie stehen eigentlich unsere drei Bundesländer dazu und macht das überhaupt Sinn?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist dafür, dass vollständig geimpfte Menschen genauso behandelt werden wie tagesaktuell negativ getestete Menschen. Er könne sich vorstellen, dass die Corona-Testpflicht dann beim Einkaufen oder Flugreisen für Geimpfte wegfallen könnte. Er stützt sich dabei auf die Einschätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach ist nämlich das Risiko, dass vollständig geimpfte Personen das Coronavirus weitergeben, geringer als bei negativ Getesteten.

Sachsen

Bisher wird den Bundesländern lediglich empfohlen, Geimpfte mit Getestete gleichzustellen. Das Sozialministerium aus Sachsen erklärte auf Anfrage meiner Kollegen von MDR AKTUELL, dass man die Gleichstellung derzeit prüfe. Wenn es soweit käme, gebe es aber frühestens 14 Tage nach der zweiten Impfung eine Testbefreiung in Sachsen. Generell halte man in der Frage ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern für sinnvoll.

Thüringen

Auch in Thüringen spricht sich das Gesundheitsministerium für einen einheitlichen Weg aus. Zwar sehe man, dass einzelne Länder bereits in der Frage Regelungen erlassen hätten, aber eine bundesweite Entscheidung würde für mehr Akzeptanz sorgen, teilte das Ministerium dem MDR mit.

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt wird ebenfalls über die Gleichstellung von Geimpften nachgedacht. Und an einer Stelle ist man bereits diesen Schritt gegangen. Laut der aktuellen Landesverordnung entfällt hier in Schulen die Testpflicht für die, die einen vollen Impfschutz haben und keine Symptome zeigen.

Macht das überhaupt Sinn?

Doch ist es überhaupt virologisch sinnvoll, dass vollständig Geimpfte von der Testpflicht befreit werden? Der Virologe Alexander Kekulé sagt dazu im MDR: "Bei jeder Impfung wird die Infektiosität herabgesetzt. Und bei keiner Impfung ist die Infektiosität hinterher null. Da kennen wir ein paar Ausnahmen, aber das können Sie an einer Hand abzählen. Bei ganz wenigen Impfungen ist quasi absolut sicher, dass Sie sich nicht mehr anstecken können." Deshalb gelten auch weiterhin die AHA-Regeln für vollständig Geimpfte. Also Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Maske tragen.

Und da auch Antigen-Tests versagen können oder man sich danach anstecken kann, schlussfolgert Kekulé: "Man kann aus einer Risikoabwägung heraus sagen, dass negativ-getestet im Antigen-Test oder Zustand nach Infektion oder Zustand nach Impfung gleichwertig ist."

Entscheiden muss das letztlich jetzt die Politik. Union und SPD haben sich in ihrem Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes bereits darauf verständigt, dass Geimpfte wie negativ Getestete behandelt werden sollen. Gesprochen wird über das Gesetz, wie bereits erwähnt, am Mittwoch im Bundestag. Danach könnte es die von den Ländern gewünschte einheitliche Regelung geben. Bis dahin gilt das, was in letzter zeit so häufig galt: Warten wir es ab.

Spezialfolge: Kekulés Corona-Kompass

Und wo wir gerade bei Kekulé waren. Hier sein aktueller Podcast. In der aktuellen Folge widmet er sich Fragen von Zuhörern und Zuhörerinnen: Was sollten Krebspatienten über eine Impfung wissen? Gibt es einen Schnelltest auf Antikörper? Und geben geimpfte Personen noch eine ansteckungsfähige Menge an Viren weiter?

Täglich bei YouTube: Einschätzungen aus den Intensivstationen

Seit genau einem Jahr sammelt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (kurz DIVI) aktuelle Daten zum Zustand der Intensivstationen in Deutschland während der Pandemie. Auch wir bedienen uns dieser Zahlen und sind dankbar für die Arbeit der DIVI. Seit gestern stellt die Organisation nicht nur die aktuellen Zahlen online, sondern veröffentlicht täglich Tagesupdates auf YouTube.

Dort schätzt Professor Gernot Marx (Präsident der DIVI) täglich die Lage auf den Intensivstationen ein. Laut Marx fällt auf, dass die Patienten aktuell auf den Intensivstationen jünger seien als in der ersten und zweiten Welle. "Der Druck ist immens groß, weil wir natürlich auch viele andere Notfälle auf den Stationen haben." Seine komplette heutige Einschätzung verlinke ich Ihnen hier.

Bis morgen

Das war es auch schon wieder für heute. Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend und Sie lesen morgen wieder von mir.

Fabian Frenzel

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 20. April 2021 | 11:00 Uhr

1 Kommentar

Matthi vor 3 Wochen

Testbefreihung für geimpfte ist ein zweischneidiges Schwert. Die ganzen Impfstoffe schützen nur max. 95% das man sich nicht infiziert und damit zum Überträger wird. Das würde sinn machen wenn sich jeder Impfen lasen könnte und es genug Impfdosen geben würde was nicht der Fall ist. Jetzt gibt es zwar in einigen Bundesländern die Aufhebung der Priorisierung für Astra. aber eben nicht überall es kommt darauf an, in welchem Bundesland man lebt. Ich erlebe es in Thüringen selbst, bin unter 60 bin in der Gruppe hohe Priorität und bekomme keinen Impftermin egal mit was für einen Impfstoff. Ich brauche einen Negativ Test wenn es vorgeschrieben ist um andere zu schützen aber wer schützt mich vor geimpften wenn sie keinen Negativen Test brauchen aber immernoch Überträger sein können. Bevor unsere Politiker jede Woche Schwachsinn Reden um in der Presse Präsent zu sein sollten sie sich lieber um die wirklichen Probleme kümmern wie Impfstoff u. Test Beschaffung.

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