Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 30. März 2021 Was wir über Langzeitfolgen von Covid-19 wissen

Sarah Peinelt
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Müdigkeit, Schmerzen, Atemprobleme: Viele Menschen, die mit Corona infiziert waren, leiden auch Monate später noch an den Folgen der Erkrankung. Im Corona-Daten-Update geht es am Dienstag um die Dauer der Spätfolgen und um die Frage, wer von ihnen betroffen ist.

Ein Mann schaut auf CT-Aufnahmen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

heute möchte ich mit Ihnen auf die Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung schauen. Denn nicht nur Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, können unter längerfristigen Folgen leiden. Auch Menschen mit milderen Verläufen kann es treffen. Um folgende Fragen soll es in diesem Upate gehen:

  • Welche Spätfolgen können auftreten?
  • Was zeigt die Forschung?
  • Wer ist von Langzeitfolgen betroffen?

In diesem Video berichten Patientinnen und Patienten von den Folgen ihrer Erkrankung mit Covid-19:

Internist Prof. Andreas Stallmach im Studiogespräch 12 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Dienstag, dem 30. März 2021, bundesweit 9.546 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:15 Uhr). Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um mehr als 2.000 gestiegen.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen weiterhin Thüringen (238) und Sachsen (193). Danach folgt Sachsen-Anhalt mit einem Wert von 169.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 16.072 ↗ (+94 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 277 (+/-0), davon 166 beatmet (-2)
  • Intensivbetten: 1.156 belegt, 331 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.443 (+19)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 196.350 (+1.150)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 220.865 (+1.263)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 9.736 ↘ (-324 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 166 (-7), davon 99 beatmet (-5)
  • Intensivbetten: 624 belegt, 85 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.346 (+14)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 80.796 (+814)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 93.878 (+504)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 5893 ↘ (-61 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 95 (-2), davon 47 beatmet (+3)
  • Intensivbetten: 724 belegt, 101 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.735 (+8)
  • Schätzung der genesenen Patientinnen und Patienten: 63.967 (+451)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 72.595 (+398)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

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Was wir über Langzeitfolgen von Covid-19 wissen

Die meisten Menschen, die an Covid-19 erkranken, überstehen die Infektion ohne Probleme. Nach Angaben der WHO sind das etwa 80 Prozent der Patientinnen und Patienten. Ein geringer Teil der Erkrankten steckt die Infektion jedoch nicht so leicht weg, im schlimmsten Fall müssen die Betroffenen künstlich beatmet werden. Diese Patientinnen und Patienten leiden häufig an langwierigen Folgen, was bei schweren Erkrankungen nicht unüblich ist. Doch leiden teilweise auch Menschen, die milde Verläufe aufwiesen und Covid-19 quasi auf dem Sofa auskurierten, unter Spätfolgen. Fachleute nennen diese längerfristigen Folgen Post Covid oder Long Covid.

Welche Spätfolgen können auftreten?

Die Symptome sind vielfältig. Viele Patientinnen und Patienten berichten nach einer Covid-19-Erkrankung von starker Müdigkeit, die über mehrere Wochen anhalten kann. Andere leiden an Brust- oder Muskelschmerzen sowie Geschmacks- und Geruchsverlust.

Was zeigt die Forschung?

Um es direkt vorweg zu nehmen: Der Forschungsstand über die längerfristigen Folgen einer Infektion mit Sars-CoV-2 ist aktuell noch unbefriedigend. Vor allem wenn es darum geht, wie viele Menschen noch Wochen oder Monate mit den Folgen zu kämpfen haben, kommen die Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Experten gehen davon aus, dass ungefähr zehn bis 20 Prozent der Erkrankten mit Langzeitfolgen zu kämpfen haben. Manche Studien sprechen sogar von 70 Prozent, jedoch hängt dies vom Untersuchungszeitraum und der Methode zur Erhebung der Daten ab.

Eine Untersuchung der britischen Gesundheitsbehörden hat sich die Symptome von Infizierten über Wochen und Monate angeschaut. Dabei traten vor allem auf:

  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Gliederschmerzen
  • Atemprobleme
  • Gedächtnisverlust
  • Konzentrationsstörungen

Die Ergebnisse zeigen, dass zehn Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer drei Wochen nach Erkankung noch über verschiedenste Symptome berichteten, fünf Prozent nach fünf Wochen und zwei Prozent nach mehr als neun Wochen.

Eine Studie aus Wuhan zeigt, dass Covid-Patienten sechs Monate nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus noch an Müdigkeit, Muskelschwäche, Schlafstörungen sowie Depressionen gelitten haben.

Wer ist von Langzeitfolgen betroffen?

Langzeitfolgen können einerseits Patienten treffen, die schwere Krankheitsverläufe haben. Diese Menschen haben laut der Medizinerin Carmen Scheibenbogen von der Berliner Charité oft mit anhaltenden Lungenproblemen, aber auch mit mentalen Problemen zu kämpfen.

Aber auch jüngere Patienten zwischen 20 bis 50 können unter Langzeitfolgen leiden. Die Symptome sind unterschiedlich und können von Mündigkeit und Antriebslosigkeit bis hin zu Gedächtnisstörungen gehen.

Auch wenn es noch weitere Forschung zu den Langzeitfolgen von Covid-19 braucht, zeigen die bisherigen Beobachtungen meiner Meinung nach doch deutlich: Mit der Erkrankung sollten wir nicht leichtfertig umgehen. Für jede und jeden kann das Coronavirus gefährlich sein. Letztlich kann sich vor Langzeitfolgen nur schützen, wer eine Infektion vermeidet.

Was heute außerdem los war

  • In Sachsen wird ab kommender Woche nicht mehr der Inzidenzwert als entscheidende Größe für Lockerungen herangezogen, sondern die Auslastung der Krankenhäuser. So können die Landkreise ab dem 6. April Regelungen unabhängig von der Inzidenz treffen – also beispielsweise die Öffnung von Zoos und Museen oder Termin-Shopping erlauben. Voraussetzung ist laut Gesundheitsministerium, dass die maximale Anzahl von 1.300 Corona-Patientinnen und -patienten auf den Stationen der Krankenhäuser nicht erreicht ist.

  • Sachsen-Anhalt hält an den geplanten Modellprojekten für Kultur, Sport und Gastronomie fest. Damit sollen Einrichtungen testen können, wie der Betrieb unter Corona-Bedingungen aussehen könnte. Voraussetzung ist laut Wirtschaftsministerium, dass der Inzidenzwert der betroffenen Region unter 200 liegt. Außerdem sollen Kontakte elektronisch nachverfolgt werden.

Zum Schluss

Über die Luca-App haben Sie hier in unserem Update schon mal gelesen. In Sachsen-Anhalt soll die App künftig zum Einsatz kommen. Über die Anwendung können Kontakte von Corona-Infizierten nachverfolgt werden. Alle Gesundheitsämter sollen nach Angaben des Sozialministeriums in den kommenden vier Wochen angeschlossen werden. Was die App kann, hat meine Kollegin Alisa Sonntag hier für Sie zusammengefasst. Oder schauen Sie direkt ins Video:

Der Rapper "Smudo" erklärt, wie die Luca-App funktioniert 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" ist Mitinitiator der App. Im Video erklärt er, wie die App funktioniert und warum er sich eine flächendeckende Nutzung wünscht.

Fr 05.03.2021 14:50Uhr 02:38 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/video-smudo-erklaert-luca-app-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Damit sage ich Tschüss für heute. Ich hoffe, ich konnte Ihnen noch einiges an Videos und Lesestoff für den Abend mitgeben. Ich freue mich, wenn Sie auch morgen wieder in das Update klicken.

Bis dahin verleibe ich mit besten Grüßen,
Sarah Peinelt

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | HAUPTSACHE GESUND | 25. März 2021 | 21:00 Uhr

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