Corona-Daten-Newsletter | Dienstag, 11. Mai 2021 Ganz viel Corona und eine Bienenzunge

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Ökonomen analysiseren die Kurzarbeit im vergangenen Jahr und prognostizieren einen Konsumboom. Ob der Patentschutz für Impfstoffe aufgehoben wird, darüber sprechen Weltpolitiker und Pharmakonzerne. Die Meinungen der Experten gehen dabei genauso weit auseinander wie Ihre. Und Experten erfreuen sich auch an den Zungen von Bienen.

Eine Hausärztin zieht in ihrer Praxis eine Spritze mit Comirnaty-Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer auf.
Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend! 

Heute ist so ein Tag, an dem ich gar nicht weiß, was ich Ihnen schreiben soll. Nicht, weil es nichts zu erzählen gibt, sondern im Gegenteil: Heute gibt es so viele spannende, interessante und auch launige Nachrichten rund um Corona – da würde eine E-Mail gar nicht ausreichen.

Die besten gibt es also gleich kurz und knapp: Forscher sagen, Kurzarbeit hat Millionen Jobs gerettet und manche glauben an einen Konsum-Boom im Sommer. Biontech schützt gut gegen die Südafrika-Variante und ist in den USA jetzt ab zwölf Jahren zugelassen. Außerdem Sie erfahren heute, warum wir froh sein können, wenn uns Bienen die Zunge rausstrecken. Und: Sie kommen zu Wort, mit Ihrer Meinung zum Patentschutz für Impfstoffe.

Vorher aber ein kurzer Film: Denn Thüringen hat ein bundesweites Pilotprojekt für einen elektronischen Impfnachweis gestartet. Sieht vielversprechend aus.

Impfnachweis 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie immer bei allem elektronischen: Papier funktioniert auch weiterhin. Der gelbe Impfpass reicht auch aus. Aber ich würde mir trotzdem auch einen QR-Code besorgen, der meine Impfung bestätigt.

Auf eine weitere digitale Lösung hat mich heute eine Kollegin und ein Leser hingewiesen: Auf www.sofort-impfen.de kann man sich quasi auf die Impf-Warte-Liste bei Ärzten seiner Umgebung setzen lassen. Wie viele Ärztinnen und Ärzte in Mitteldeutschland dabei mitmachen, war auf die Schnelle nicht herauszubekommen.

Und jetzt starten wir in den picke packe vollen Tag.

Ökonomen blicken zurück und nach vorn

2,2 Millionen Jobs hat die Kurzarbeit auf dem Höhepunkt der Pandemie im vergangenen Jahr gerettet. Das haben Ökonomen aus Düsseldorf, Kiel und Münster herausgefunden. In Sachsen waren auch im Januar 160.000 Menschen in Kurzarbeit. In Sachsen-Anhalt 60.000, in Thüringen 72.000. Der Chef der Arbeitsagentur Sachsen sagt: "Wir sind nicht durch, sondern noch mittendrin in der Krise. Aber ich hab Hoffnung für die nächsten Wochen und Monate."

Die Deutschen haben doppelt so viel gespart wie sonst. Und das nicht aus Angst vor Jobverlust oder höheren Steuern, sondern weil sie nichts hätten ausgeben können. Deshalb glaubt der Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, dass die Menschen in den kommenden Monaten mehr ausgeben. Welche Branchen davon profitieren, sei aber noch nicht klar. Außerdem sind die Ökonomen überrascht, sie hatten nämlich mehr Unternehmenspleiten erwartet.


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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 6.125 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:35 Uhr). Im Vergleich zum Dienstag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 1.400 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+1.409), Baden-Württemberg (+1.000) und Bayern (+608). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+25) und dem Saarland (+42) gemeldet.

Die deutschlandweit höchsten 7-Tage-Inzidenzen verzeichnen laut RKI Thüringen (175), Sachsen (168) und Baden-Württemberg (141) Sachsen-Anhalt hat einen Wert von 126.

Mittlerweile sind dem RKI zufolge in Deutschland 33,3 Prozent der Menschen einmal geimpft; 9,6 Prozent sind vollständig geimpft.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.) Und wie immer: Heute ist Montag; da können die Zahlen auch nicht ganz so exakt sein.

Sachsen

Aktive Fälle: 16.053 (-1.442 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 361 (-9), davon 227 (-2) beatmet
Intensivbetten: 1.310 belegt, 160 frei, davon 82 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 29,1 Prozent (Erstimpfung), 13,2 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 9.397 (+26)
Schätzung der genesenen Patienten: 249.600 (+2.200)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 275.050 (+784)

Thüringen

Aktive Fälle: 9.451 (-459 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 171 (-1), davon 102 (+1) beatmet
Intensivbetten: 604 belegt, 90 frei, davon 43 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 30,3 Prozent (Erstimpfung), 13,9 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.030 (+18)
Schätzung der genesenen Patienten: 109.181 (+796)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 122.662 (+355)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 5.063 (-212 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 115 (-10), davon 78 beatmet (-2)
Intensivbetten: 713 belegt, 81 frei, davon 51 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 32,7 Prozent (Erstimpfung), 9,5 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.184 (+6)
Schätzung der genesenen Patienten: 86.895 (+589)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 95.142 (+383)

Deutschlandweit wurden dem RKI in den vergangenen 24 Stunden 283 neue Tote gemeldet. 50 Tote haben unsere drei Bundesländer gemeldet.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Wenn an der Uni Magdeburg Biologen, Physiker und Maschinenbauer zusammenarbeiten, könnte am Ende ein Spray stehen, dass die Ausbreitung von Aerosolen verlangsamt. Ein spannender Filmbericht von den Kollegen von SACHSEN-ANHALT HEUTE. (Beeindruckend vor allem, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus so verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten!)

Ich gebe zu, ich habe heute noch nicht geschafft, reinzuhören. Aber die Fragen klingen spannend: Ist die dritte Welle gebrochen? Warum sind Genesene nur ein halbes Jahr immun und baut sich das Virus ins menschliche Erbgut ein?

Das sagen Sie zum Patentschutz für Impfstoffe

Sollen ärmere Länder das Wissen erhalten, wie man Impfstoffe gegen das Virus herstellt? Darüber diskutieren Handelsexperten und Pharmafirmen gerade.

Der Impfstoffhersteller Biontech (Adresse: An der Goldgrube 12 in Mainz) hat in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro gemacht. Die Firma hat 514 Millionen Euro Steuern gezahlt und hatte 375 Millionen Euro Fördermittel bekommen, schreiben die Kollegen vom Bayerischen Rundfunk.

Aber wie das im Geldkreislauf nun mal auch ist: Ein Teil der Steuern, die Biontech zahlt, wird für den Impfstoff ausgegeben und landet wieder bei der Firma. 

Ich hatte Ihnen gestern zwei unterschiedliche Standpunkte: Patente für Impfstoffe freigeben oder Patente schützen. Das ist ein Teil der Antworten:

  • Karola B. aus Möser schreibt: "(Ich war) viele Jahre in der Pharmaindustrie tätig und ich glaube behaupten zu können: Ich weiß, was die Entwicklung eines Produktes bedeutet! (…) Ich ziehe ehrfürchtig den Hut vor den jeweiligen Firmen. In so kurzer Zeit einen Impfstoff zu entwickeln, ist unglaublich. Meine Meinung deckt sich mit der unserer Bundeskanzlerin, auf keinen Fall das Patent nach so kurzer Entwicklungszeit abzugeben. Viel sicherer ist es, die Produktion hochzufahren und an die ärmeren Länder zu verkaufen. So bleibt die Qualität der Herstellung in Entwicklerhand, auch im Hinblick auf notwendig werdende Anpassungen durch Mutanten."


  • Marlies Czock meint: "Ich bin Laie. Aber mein Bauchgefühl (ist) absolut dagegen, Patente freizugeben.  Grund: es gibt in anderen Ländern nicht so strenge Normen und Techniken, da könnte schnell mal Missbrauch betrieben werden!!!"


  • Erika schreibt: "Meiner Ansicht nach sollte für die Zeit der Pandemie der Patentschutz aufgehoben werden. So könnten mehr Menschen einen Impfschutz erhalten."


  • Und ein Leser meint: "Nun kann man schön darüber streiten, ob ein Land einen höheren Anspruch auf Impfstoff hat, wenn es zum Beispiel die Firma mit Fördergeldern versorgt hat. (…) Aus meiner Sicht geht es dabei hauptsächlich um Profit. Und zwar um den Profit der Impfstoffhersteller. Damit ärmere Länder eine Chance haben, dauerhaft zu günstigen Preisen an ausreichend Impfstoff zu kommen, muss meines Erachtens der Patentschutz aufgehoben werden. Andererseits ist völlig klar: Wir reden hier über börsennotierte Unternehmen, deren Aktionäre maximale Rendite für ihr Investment sehen wollen. Und deshalb gehe ich davon aus, dass der Patentschutz nicht aufgehoben wird. Weil sich die Profitgier durchsetzen wird."

Ich habe an alle geantwortet, dass ich froh bin, das nicht entscheiden zu müssen. Denn das Ganze hat ja auch eine ethische Dimension (Geld vs. Menschenleben).

Und eines ist ja klar: Geld erzeugt weder Wissen noch Impfstoffe. Das tun Menschen. Und die haben ihre Gründe für das, was sie tun.

In 26 Tagen wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Zeit also für die Sachsen-Anhalter und Sachsen-Anhalterinnen unter Ihnen, mal genauer zu schauen, was die einzelnen Parteien so vorhaben, wenn es allein nach ihnen ginge. Bei MDR-SACHSEN-ANHALT haben wir Ihnen einen zackigen Überblick gebaut. In unserem Wahl-Programm-Check erfahren Sie die wichtigsten Aussagen der Parteien zu 14 Themen wie Wirtschaft, Klima, Digitalisierung oder Gesundheit.

Biontech und Kinder impfen

Neues aus der Impfstoffforschung: Der mRNA-Stoff von Biontech/Pfizer schützt auch vor der Mutation B.1.351, es gibt neue Konzepte wie Schluck- und Doppelimpfung und Biontech wird in den USA für Jugendliche zugelassen.

Das ist für mich die wichtigste Meldung: Ab Donnerstag könnten Jugendliche ab zwölf Jahren in den USA mit Biontech geimpft werden, in Kanada schon jetzt. Ein emotionales Thema, das eine Wissenschaftsredakteurin der Tagesschau ganz ruhig erklärt.

Zum Schluss: Die Geschichte von den Bienen

Geben Sie es zu: Sie haben direkt bis zum Ende der E-Mail gescrollt, um zu erfahren, warum es gut sein kann, wenn uns Bienen die Zunge raustrecken.

Das ist total in Ordnung.

eine Biene auf gelben Blüten
Ist die Biene trainiert, streckt sie die Zunge auch raus, wenn sie das Coronavirus wahrnimmt. Bildrechte: Colourbox.de

Forscher der niederländischen Universität Wageningen und des Start-Ups InsectSense haben Bienen trainiert, um Corona zu erkennen. Wenn sie das Virus erkennen, stecken die Bienen die Zunge raus.

Das Virus verursacht, wie andere Krankheiten auch, Stoffwechselveränderungen im Körper. Und die rufen einen Geruch hervorrufen. Und weil Bienen auch Blumen kilometerweit riechen können, erkennen sie auch das Virus. Darauf können sie innerhalb von Minuten trainiert werden, wenn man sie wie den pawlowschen Hund mit etwas belohnt (Zuckerwasser).

Bienen als Biosensor. Die Niederländer entwickeln gerade eine Maschine, mit der sich Bienen trainieren lassen und auch einer Biochip-Technologie mit Insekten-Genen, die solche flüchtigen Düfte erkennen.

Sachen gibt es.

Also: Bienen dürfen mir gern die Zunge rausstrecken. Sonst niemand, vielleicht noch Albert Einstein.

Der Physiker Albert Einstein streckt am 14.03.1951, an seinem 72. Geburtstag, die Zunge heraus.
An seinem 72. Geburtstag zeigt Albert Einstein der Welt seine Zunge. Bildrechte: dpa


Einen schönen Abend!

Alles Gute

Marcel Roth

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 11. Mai 2021 | 11:00 Uhr

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