Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 6. Mai 2021 Corona-Impfung: Was tun als Schwangere?

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Während sich Risikopatienten und mittlerweile immer mehr Menschen aus anderen Gruppen impfen lassen können, steht über Schwangeren ein großes Fragezeichen. Wieso bekommen Sie bisher keine Impfung und wie geht es weiter? Ein Einblick.

Schwanger mit Corona
Große Debatte: Sollten sich Schwangere gegen das Corona-Virus impfen lassen? Bildrechte: MDR/IMAGO / Westend61

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

wie gestern bereits angekündigt, möchte ich heute gerne mit Ihnen über das Thema Schwangerschaft reden. Genauer:

  • Sollten und können sich Schwangere gegen Corona impfen lassen?
  • Welche Erfahrungen machen Schwangere gerade?
  • Was sagen Frauenärzte zur Corona-Impfung von Schwangeren?

Bevor wir diese Fragen beantworten, möchte ich Ihnen gerne dieses Video für einen ersten Einblick ins Thema zeigen:

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Was wir aus diesem Video-Einblick mitnehmen können:

  • Die Cronos-Studie erforscht derzeit, wie sich eine Corona-Infektion auf Schwangere auswirkt. Was sich herauskristallisiert hat: Der Verlauf der Erkrankung bei schwangeren Frauen ist deutlich schlimmer als bei nicht-schwangeren Frauen.
  • Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin an der Leipziger Frauenklinik, findet diese Erkenntnisse erschreckend – deshalb befürwortet er Impfungen für Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche. Stepan kommentiert: "Wir haben mittlerweile Daten von vielen tausenden Schwangeren, die bislang geimpft wurden, aus den USA und Kanada, die zeigen, dass Impfungen in der Schwangerschaft gegen COVID-19 absolut sicher ist. Es gibt kein Risiko für die Schwangerschaft, es gibt kein Risiko für das ungeborene Kind."

Wieso werden Schwangere dann nicht geimpft?

Wenn diese schweren Verläufe jetzt bekannt sind und langsam mit Studien erforscht werden, wieso werden dann nicht alle Schwangeren geimpft? Weil die Regelung dafür gar nicht so einfach ist. Virologe Alexander Kekulé fordertSchwangere sollten als Risikopatientinnen eingestuft werden, damit sie zeitnah geimpft werden können. Allerdings gibt es auch Kontra-Stimmen, die ein generelles Impfen der Schwangeren skeptisch sehen. Ein kleiner Überblick:

Was genau gilt denn aktuell für Schwangere?

Schauen wir auf die aktuelle Situation in Deutschland. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) rät Schwangeren derzeit im Allgemeinen von der Corona-Impfung ab. Die Begründung: Zur Anwendung der COVID-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft gebe es aktuell keine Daten. Bei Vorerkrankungen solle eine Risiko-Nutzen-Abwägung in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Andere Länder handhaben das anders: Die USA, Großbritannien, Israel und Österreich impfen Schwangere bereits regulär. Dabei kommen mRNA-Vakzine, wie beispielsweise von Biontech/Pfizer, zum Einsatz. Deshalb fordern mehrere Mediziner, dass die Stiko ihre Empfehlung ändert. 

Apropos Biontech/Pfizer: Bisher gibt es ja keinen zugelassenen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche. Der Hersteller hat jetzt eine Zulassung in Europa für Kinder ab 12 Jahren beantragt.

Eine Schwangere erzählt

Als wäre die aktuelle Pandemie-Situation nicht schon schwer genug, trifft es in meinen Augen Schwangere besonders hart: Sie wollen ihr noch ungeborenes Kind und gleichzeitig sich selbst beschützen. Sie müssen die Entscheidung treffen: Impfen – ja oder nein. Obwohl mögliche (Langzeit-)Folgen unklar sind, weil es dazu eben bisher kaum Daten gibt.

Gestern habe ich ja hier im Corona-Daten-Update dazu aufgerufen, dass Sie mir Ihre Geschichte erzählen. Ich freue mich sehr, dass sich Susann gemeldet hat, die Folgendes schreibt:

Ich bin selbst gerade schwanger, möchte mich gerne impfen lassen und darf nicht. Ich fühle mich mit der Situation unwohl, denn immerhin geht es um mich und mein Baby, wenn es zu einer Infektion kommt. Zudem könnten mir im Falle einer Infektion nicht die Medikamente zukommen, wie einer Nicht-Schwangeren. Ich fühle mich damit ziemlich allein gelassen. Ich hoffe auf baldige Impferlaubnis.

Susann, Leserin des multimedialen Corona-Daten-Updates

Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Donnerstag, den 6. Mai 2021 bundesweit 21.953 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:35 Uhr). Im Vergleich zum Donnerstag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 2.783 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+4.913) und Baden-Württemberg (+3.911). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+169) und Hamburg (+226) gemeldet.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI verzeichnet Thüringen (207). Danach folgen Sachsen (180) und Baden-Württemberg (159).

Passend zu den aktuellen Corona-Zahlen möchte ich Ihnen diese Analyse meines Kollegen Manuel Mohr empfehlen:

Und so sehen die Zahlen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt derzeit aus:

Sachsen

Aktive Fälle: 18.460 ↘ ( -19 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 392 (-4), davon 226 beatmet (-5)
Intensivbetten: 1.310 belegt, 162 frei

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 9.317 (+41)
Schätzung der genesenen Patienten: 243.050 (+1.600)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 270.827 (+1.622)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 6.086 ↘ (-102 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 127 (+2), davon 82 beatmet (-1)
Intensivbetten: 698 belegt, 99 frei

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.162 (+10)
Schätzung der genesenen Patienten: 84.312 (+641)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 93.560 (+549)

Thüringen

Aktive Fälle: 10.293 ↘ (-191 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 181 (-7), davon 110 beatmet (-1)
Intensivbetten: 612 belegt, 82 frei

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.955 (+18)
Schätzung der genesenen Patienten: 106.184 (+934)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 120.432 (+761)

Wenn Sie sich die Entwicklung in Ihrem Bundesland anschauen wollen, dann folgen Sie einfach den Links. Hier haben die Kolleginnen und Kollegen alle wichtigen Zahlen und Grafiken zusammengefasst.

Bis morgen!

Für heute war es das schon wieder mit Ihrem Corona-Daten-Update. Ich hoffe, er hat Ihnen gefallen. Morgen möchte ich mit Ihnen auf die neuen Corona-Verordnungen in unseren drei Bundesländern schauen. 

Machen Sie es gut und bis dann!

Ihre Johanna Daher

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2 Kommentare

BineG vor 5 Wochen

Ich denke, mit dem Contergan-Skandal kann man die Corona-Schutzimpfung tatsächlich nicht vergleichen. Die Einnahme in der Frühschwangerschaft bewirkte, dass Organe oder Gliedmaßen der Kinder nicht ausgebildet waren, und deren Anlage ist nach 12 Schwangerschaftswochen abgeschlossen. Daher wird auch erst ab 13. SSW die Impfung empfohlen. Ich selbst bin schwanger in der 36. SSW und mein Ungeborenes ist fast ausgereift bis auf ein bischen Speck, dem wird nichts mehr abfallen. Ich sehe den Vorteil der Impfung auch darin, dass das Kind von meinen eigenen Antikörpern einen Nestschutz mitbekommt. Ich glaube, dass allzuviel des Impfstoffs nicht ans Kind kommt und dann ja auch nicht regelmäßig wie bei dem als Schlafmittel vertriebenen Contergan. Wer Sorge vor Langzeitschäden hat, muss die Impfung gerade bei Kindern generell in Zweifel ziehen. Es gibt ja derzeit bereits Studien für die Kleinen zwischen 1/2 und 12 Jahren. Da ist der indirekte Impfschutz durch die Schwangere wohl weniger invasiv.

Matthi vor 5 Wochen

Schwangere Impfen oder nicht müsste doch von den Experten geklärt werden ob es dem ungeborenen Kind vielleicht schadet. Aktuell wurde die Zulassung für Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren beantragt darunter nicht. Ich bin kein Arzt oder Experte aber wenn die Schwangere Frau geimpft wird kommt dann nicht auch das ungeborene Kind mit dem Impfstoff in Berührung ? Wie ist das zu beurteilen das es aktuell keinen Impfstoff mit Zulassung für Kleinkinder gibt ? Sollte man nicht erstmal das klären bevor man eine Impf Empfehlung gibt ? Vielleicht hinkt der Vergleich aber ich erinnere an den Contagan Skandal, da wurden auch Schwangeren Frauen ein vermeintlich sicherer Wirkstoff von Ärzten empfohlen.

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