Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 08. Juli 2021 So kann Schulunterricht ab Herbst aussehen

Volontärin Fabienne von der Eltz
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Heute im Corona-Daten-Update: Schülerinnen und Schüler fordern Impfangebot und Luftfilter fürs neue Schuljahr. Außerdem: Modellierung des RKI zeigt vierte Welle im Herbst. Und: Vier Millionen Menschen sind weltweit an einer Covid-Erkrankunge gestorben.

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

bald beginnen die Sommerferien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wenn es nach Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften und Eltern geht, dann soll die Politik diese Zeit nutzen, um das kommende Schuljahr vorzubereiten.

Mehrere Schülervertretungen fordern neben Impfangeboten für Kinder und Jugendliche auch Luftfilter für die Klassenräume. Eine Studie zeigt aber, dass diese Filter nur bedingt Wirkung gegen die Ausbreitung des Coronavirus zeigen. Auch die Finanzierung ist noch nicht geklärt. 

Eine Schule in Jena hat bereits Luftfilter in den Klassenräumen. Sie wurden von einer Stiftung zu Verfügung gestellt. Das THÜRINGEN JOURNAL hat die Schule besucht.

Ein großer Spezial-Luftfilter in einem Klassenraum. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 07.07.2021 19:00Uhr 01:30 min

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Vorweg ein Hinweis zum gestrigen Newsletter: Die Corona-Studie der Universität Mainz kam unter anderem zu dem Schluss, dass Kinder keine Pandemietreiber sind. Allerdings wurden Schulen und Kitas in der Studie nicht untersucht, wie die Mainzer Internetzeitung schreibt. Personen unter 25 Jahren waren demnach nicht unter den Probanden. Dies habe organisatorische Gründe gehabt, sagt der Studienleiter. Untersucht wurde nur, ob sich Erwachsene in Haushalten mit Kindern eher infizieren als in kinderlosen Haushalten. 

Vier Millionen Corona-Tote weltweit

Zu Beginn die traurige Nachricht: Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind weltweit mehr als vier Millionen Menschen nach einer Infektion gestorben. Außerdem gibt es bislang etwa 185 Millionen bestätigte Corona-Fälle. Das geht aus Daten der Johns Hopkins Universität in Baltimore hervor.

In Deutschland sind demnach bislang gut 91.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Das seien 2,4 Prozent der bestätigten Corona-Fälle. Expertinnen und Experten gehen bei Infektionen und Todesfällen aber von einer höheren Dunkelziffer aus.

In Sachsen-Anhalt waren im Dezember 18,3 Prozent aller Todesfälle auf die Folgen einer Covid-19-Infektion zurückzuführen. In dem Monat sind laut Statistischem Landesamt 703 Frauen und Männer an den Folgen des Virus gestorben. Bei weiteren 155 Verstorbenen sei das Virus festgestellt worden, aber nicht verantwortlich für den Tod gewesen.

In Thüringen sind nach Angaben des Statistischen Landesamts im vergangenen Jahr insgesamt 1.037 Menschen an einer Corona-Erkrankung gestorben. Bei weiteren 370 Todesfällen wurde Covid-19 als sogenannte Begleiterkrankung angegeben. Die meisten Corona-Todesfälle gab es im Dezember 2020.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Donnerstag, dem 8. Juli 2021, deutschlandweit 970 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 400 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+209), Bayern (+187) und Baden-Württemberg (+121). Die wenigsten Neuinfektionen wurden aus Bremen (+1) und Mecklenburg-Vorpommern (+3) gemeldet.

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz verharrt laut RKI bei 5. Am höchsten ist sie in Hamburg und Hessen (jeweils 8). Die niedrigsten Werte verzeichnen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 1). 

Nachrichten

Eine Frau wird geimpft. 4 min
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MDR AKTUELL Do 08.07.2021 06:25Uhr 03:50 min

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Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 672 (-12 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 32 (+1), davon 20 beatmet (+2)
  • Intensivbetten: 1.250 belegt, 227 frei, davon 102 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 49,1 Prozent (Erstimpfung), 38,5 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 10.186 (+4)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 275.670 (+25)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 286.528 (+17)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 179 (-8 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 16 (+1), davon 11 beatmet (+/-0)
  • Intensivbetten: 550 belegt, 106 frei, davon 45 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 53,1 Prozent (Erstimpfung), 38,7 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4397 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 124.877 (+15)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 129.453 (+7)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 54 (-1 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 7 (+/-0), davon 3 beatmet (-3)
  • Intensivbetten: 673 belegt, 98 frei, davon 54 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 54 Prozent (Erstimpfung), 39,2 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.434 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 95.830 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 99.318 (+4)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Der Mathematik-Professor Christian Fries hat auf Twitter die Wachstumsraten der Inzidenzen veröffentlicht. Demnach steigen die 7-Tages-Fallzahlen deutschlandweit und auch in einigen Bundesländern wieder.

Fries schlägt vor, die Corona-Maßnahmen nicht nur an die puren Inzidenzen, sondern auch an die Veränderung der Inzidenz zu binden.

Debatte: Wie kann das nächste Schuljahr aussehen?

Das Ziel für die Schulen ist klar: Präsenzunterricht nach den Sommerferien. Nur über den Weg dorthin ist man sich nicht einig. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler befürchten, dass die Politik die Sommerferien wieder verschläft. Dabei könne die Zeit für Vorbereitungen genutzt werden. Dazu gehören:

Impfungen

Luftfilter

  • Die Bundesschülerkonferenz fordert zudem die Anschaffung von Luftfiltern. "Wir werden nicht von jetzt auf heute alle Schulen ausstatten können", sagt Dario Schramm. Aber Schritt für Schritt sollte das möglich sein.
  • Auch Elternvertreterinnen und -vertreter fordern Luftfilter, vor allem für Klassenstufen, deren Kinder nicht geimpft werden können. 
  • Der Bund fördert den Einbau von Luftfiltern mit bis zu 500.000 Euro, allerdings nur in Einrichtungen, die von Kindern besucht werden, die jünger als zwölf sind. 
  • Laut einer Studie der Universität Stuttgart ist die Wirkung mobiler Luftfilter in Klassenräumen zum Schutz gegen das Coronavirus aber begrenzt. Das Bundesumweltamt empfiehlt immer noch das Lüften als einfachste und beste Lösung

Tests

  • Das RKI schlägt vor, in Schulen sogenannte Lolli-Tests einzusetzen. Dabei müssen die Kinder und Jugendlichen für circa 30 Sekunden an einem Wattestäbchen lutschen wie an einem Lolli.
  • Die Proben einer Schulkasse werden dann in einem gemeinsamen Röhrchen gesammelt, ins Labor gebracht und dort am selben Tag mithilfe der PCR-Methode ausgewertet. 
  • Dieses Testverfahren würde zwar insgesamt länger dauern, sei aber zuverlässiger als die bisher verwendeten Antigenschnelltests.

Modellierung des RKI: Ohne Impfungen vierte Welle im Herbst

Das Robert Koch-Institut hat ausgerechnet, wie sich die Pandemie im Herbst entwickeln könnte, wenn die Delta-Variante dominiert und die Zahl der Kontakte pro Person weiter steigt. 

Spoiler für alle, die keine Fans von Zahlen sind: Je niedriger die Impfquote, desto höher die Inzidenzen. 

Szenario 1

Bei 11,4 Kontakten pro Person und Tag, Dominanz der Delta-Variante, 90-prozentiger Impfquote bei den über 60-Jährigen und einer Impfquote von 65 Prozent bei den Zwölf- bis 59-Jährigen rechnet das RKI mit einem starken Anstieg der Inzidenzen von bis zu 400 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie mit circa 6.000 belegten Betten auf den Intensivstationen.

Szenario 2

Bereitsab einer Impfquote von 75 Prozent bei den Jüngeren zeigt das Modell deutlich niedrigere 7-­Tage-Inzidenzen von unter 150 Fällen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und eine ­Aus­lastung der Intensivstationen von circa 2.000 Betten. 

Szenario 3 und 4

Sowohl bei einer Impfquote von 85 Prozent unter den Jüngeren als auch bei einem Wert von 95 Prozent steigt die Inzidenz nicht mehr über 100 beziehungsweise 50 Fälle pro 100.000 Menschen und auf den Intensivstationen sind weniger als 1.000 Betten belegt. 

Hinweis: Die Szenarien sind nicht als exakte Prognosen zu verstehen, sondern als Abschätzung, wie groß der Einfluss der untersuchten Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen sein könnte.

Zulassung von Sputnik V zieht sich hin – wird der Impfstoff noch gebraucht?

Seit Monaten wird über den Kauf und die Produktion des russischen Corona-Impfstoffes Sputnik V debattiert. Die Zulassung in der EU steht immer noch aus. Und da immer mehr andere Impfstoff-Dosen verfügbar sind, stellt sich nun die Frage, ob eine Beschaffung überhaupt noch sinnvoll ist.

Während manche Politikerinnen und Politiker lieber auf Sputnik V verzichten wollen, ist die Zulassung aus Sicht von Forschenden langfristig wichtig, vor allem, da man nicht weiß, welche Virusmutationen noch auftreten werden.

Was heute außerdem los war

  • Japan schließt bei den Olympischen Spielen in der Hauptstadt Tokio Zuschauerinnen und Zuschauer aus. Hintergrund ist der verhängte Corona-Notstand in Tokio.
  • Ab heute ist es auch im Dresdner Impfzentrum möglich, sich ohne Termin impfen zu lassen. 

Immer mehr Menschen geben ihre Tiere ab

In der Corona-Pandemie haben sich mehr Menschen als gewöhnlich ein Haustier zugelegt. Jetzt, da die Fallzahlen sinken und sich die Lage immer mehr entspannt, landen viele Hunde, Katzen und Co. wieder im Tierheim. Die Folgen: Die Heime sind voll und die Tiere finden nur selten ein neues Zuhause.

Zum Schluss

Meine Feiernachricht des Tages: Im Herbst soll in Hamburg, Berlin und Stuttgart die Musical-Saison wieder starten. Neben Klassikern wie "König der Löwen" wird es auch vier Premieren geben, darunter "Die Eiskönigin".

Ich werde dann mal meine Karten für "Wicked" raussuchen, die seit über einem Jahr in irgendeiner Schublade liegen. 

Wer sich weniger für Musicals begeistern kann, freut sich vielleicht über diese Nachricht: Bei einem Modellprojekt zu coronasicheren Veranstaltungen ohne Maske und Abstand vor einigen Wochen in Leipzig hat sich nicht eine einzige Person angesteckt.

Schon im Oktober 2020 fanden Forschende der Uniklinik Halle bei einem Konzert von Tim Bendzko in Leipzig heraus, dass Großveranstaltungen in der Pandemie unter Auflagen möglich sind. 

Damit wünsche Ihnen einen schönen Donnerstagabend.

Freundliche Grüße
Fabienne von der Eltz

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Juli 2021 | 19:00 Uhr

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