Corona-Daten-Newsletter | Donnerstag, 8. April 2021 Sputnik V für Deutschland – ohne EU

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister angekündigt, dass er einen bilateralen Vertrag für den Einkauf von Sputnik V verhandeln will.

Eine Krankenschwester hält eine Ampulle mit Sputnik V Impfstoff in den Händen.
Der Gesundheitsminister will den Sputnik V-Impfstoff gegebenenfalls für Deutschland vorbestellen. Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

falls Sie in Sachsen wohnen, über 60 Jahre alt sind und sich impfen lassen wollen, habe ich gute Nachrichten: Seit heute Morgen gibt es im Freistaat Impftermine für Menschen ab 60 Jahren. Morgen sollen die ersten bereits geimpft werden. Alle wichtigen Infos finden Sie auf unserer Webseite

Hier in Magdeburg – generell in Sachsen-Anhalt – können über-60-Jährige ebenfalls einen Termin für eine Impfung mit Astrazeneca bekommen. In Thüringen ist eine Impfung für Menschen ab 60 Jahren in Hotspots möglich, etwa in Gera, in den Landkreisen Greiz, Schmalkalden-Meiningen, im Saale-Orla- und im Wartburgkreis. 

Alle Infos zum Impfen ab 60 in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hören Sie im folgenden Beitrag. Nach den aktuellen Zahlen geht es heute außerdem um die neuesten Entwicklungen in puncto Sputnik V für Deutschland. 


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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind innerhalb des vergangenen Tages 20.407 neue Corona-Fälle aus ganz Deutschland gemeldet worden, die meisten davon aus Nordrhein-Westfalen (4.120), Bayern (3.863) und Baden-Württemberg (3.112).

Die Inzidenz für ganz Deutschland liegt bei 106. In Thüringen ist sie mit 181 positiv Getesteten pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen am höchsten, gefolgt von Sachsen (143) und Sachsen-Anhalt (133). Die niedrigste Inzidenz verzeichnet Schleswig-Holstein mit dem Wert 63.

Das RKI weist weiterhin darauf hin, dass bei der Interpretation der Zahlen beachtet werden muss, dass über Ostern gegebenenfalls weniger Menschen zum Arzt gegangen sind, weniger Proben genommen wurden, weniger Laboruntersuchungen durchgeführt wurden und dass es zu Verzögerungen beim Melden kommen kann.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 16.379 ↗ (+455 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 349 (+1), davon 212 beatmet (+1)
  • Intensivbetten: 1.357 belegt, 82 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.600 (+38)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 206.900 (+1.550)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 231.879 (+2.043)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 10.425 ↗ (+543 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 210 (+6), davon 132 beatmet (+4)
  • Intensivbetten: 623 belegt, 69 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.485 (+25)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 86.319 (+605)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 100.229 (+1.173)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 6.020 ↗ (+58 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 123 (+4), davon 63 beatmet (+9)
  • Intensivbetten: 709 belegt, 101 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.820 (+17)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 68.413 (+635)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 77.253 (+710)

Thüringen hat heute am Vormittag die 100.000-Fälle-Marke überschritten.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Spahn will Sputnik V bestellen – auch ohne EU im Rücken

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bei einem Treffen der EU-Gesundheitsministerinnen und -minister angekündigt, dass er einen bilateralen Vertrag für den Einkauf von Sputnik V verhandeln will.

Die Voraussetzungen

Voraussetzung für einen Vertrag soll sein, dass der Impfstoff auf europäischer Ebene zugelassen wird. Dafür fehlen laut Spahn bisher aber Daten, die Russland liefern müsste. Der Minister sagte zudem, eine Lieferung müsste schon in den nächsten zwei bis fünf Monaten kommen, um hilfreich zu sein. "Ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff", sagte Spahn.

EU will nicht, aber Bayern

Die EU-Kommission will mit Russland keine Verträge für Sputnik V abschließen, wie sie es etwa für den Biontech/Pfizer-Impfstoff gemacht hat. 

Das Land Bayern will dafür lieber früher als später und will dafür aus der gemeinsamen Impfstoffbeschaffung des Bundes ausscheren und zusätzliche Impfstoffkapazitäten von Sputnik V sichern. Ministerpräsident Söder (CSU) hat angekündigt, einen Vorvertrag mit einer Produktionsfirma in Schwaben zu unterzeichnen.

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner bei einer Pressekonferenz 6 min
Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner ( Die Linke ) verkündet weitere Corona-Lockerungen Bildrechte: MDR

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) sagte dem MDR, die Impfstoffbeschaffung sei eine gesamtdeutsche Frage. Es dürfe nicht von der Finanzlage eines einzelnen Landes abhängen, ob man viel mehr impfen kann als in einem anderen Bundesland.

Schon im März hatten sich die mitteldeutschen Ministerpräsidenten für Sputnik V ausgesprochen, nachdem die Impfung mit Astrazeneca ausgesetzt worden war. Als Voraussetzung hatten sie die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) genannt.

Obwohl Reiner Haseloff, Michael Kretschmer und Bodo Ramelow schon früh für Sputnik V geworben haben, hat es bisher in Mitteldeutschland keine Verhandlungen mit Produzenten in Eigeninitiative wie in Bayern gegeben. Sie hatten stattdessen an den Bund appelliert. Ramelow hatte etwa im März gesagt: "Ich wünsche mir seit langem viel mehr Druck von der Bundesregierung, dass wir mehr alternative Vakzine zugelassen bekommen."

In Sachsen-Anhalt hatte Die Linke vergangene Woche gefordert, dass das Land eigenständig 2 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs sichern soll. Die Spitzenkandidatin der Oppositionspartei im Landtag, Eva von Angern, hatte MDR SACHSEN-ANHALT dazu gesagt: "Grundsätzlich bleiben wir bei unserer Auffassung, dass die Pandemie nur weltweit bekämpft werden kann. Allerdings ist deutlich geworden, dass aufgrund verschleppter Zulassung und fehlender Bestellung des Impfstoffs durch EU und Bundesregierung wertvolle Zeit verloren gegangen ist." 

Impfaffäre Halle: Oberbürgermeister vom Dienst suspendiert

Der Stadtrat in Halle hat in einer Sondersitzung gestern Abend den Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) vom Dienst suspendiert. Wiegand hatte sich vorzeitig gegen Corona impfen lassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen veruntreuender Unterschlagung von Impfdosen. Zudem läuft beim Landesverwaltungsamt ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Laut Stadtratsvorsitzender Katja Müller (Die Linke) hatte eine deutliche Mehrheit für die Supendierung gestimmt. Die Amtsgeschäfte übernimmt vorerst der erste Beigeordnete und Bürgermeister Egbert Geier (SPD).

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Impfpflicht zulässig

Das Gebäude des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg
Das Gebäude des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg. Bildrechte: IMAGO

Dieses extravagante Gebäude beherbergt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR). Der hat kürzlich eine wichtige Entscheidung zum Thema Impfpflicht getroffen: Mehrere Familien aus Tschechien hatten gegen eine Impfpflicht für Kinder geklagt. Der EMGR hat diese Klage abgelehnt: Eine Impfpflicht widerspricht demnach nicht den Menschenrechten. Es hieß im Urteil: "Die Maßnahmen können in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig angesehen werden."

In Tschechien müssen Kindergartenkinder verpflichtend gegen neun Krankheiten geimpft werden, darunter Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Masern. Mehrere Eltern, die wegen Verstoßes gegen die Impfpflicht eine Geldstrafe zahlen mussten oder deren Kinder nicht in den Kindergarten aufgenommen wurden, hatten dagegen geklagt.

Experten zufolge könnte das Urteil Auswirkungen auf die aktuellen Corona-Impfkampagnen haben. Hören Sie den Radiobeitrag mit weiteren Infos.

Was außerdem los war

  • In Dresden und Leipzig ist heute den Opfern die Holocausts gedacht worden. Die Gedenkveranstaltung war vom 27. Januar auf den 8. April verschoben worden.
  • Nach der Munitionsaffäre wurden in Sachsen der Chef des Landeskriminalamtes und der Abteilungsleiter für Spezialkräfte gefeuert. 
  • In Halle wurden erneut die Händelfestspiele abgesagt. Sie finden auch dieses Jahr nicht statt.

Zum Schluss

In zwei Monaten wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Einmal wöchentlich geben meine Kollegen Luca Deutschländer und Thomas Vorreyer einen Überblick über die wichtigsten politischen Entwicklungen – und ordnen sie ein. Sie können sich auf unserer Webseite anmelden. Klicken Sie auf das Bild oder den Button.

Morgen gibt es die nächste Ausgabe des multimedialen Updates – und das Corona-Update wieder von mir. 

Bleiben Sie gesund. 

Mit freundlichen Grüßen
Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 08. April 2021 | 11:00 Uhr

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