Corona-Newsletter | Freitag, 28. Januar 2022 Zwei Jahre Pandemie: Ein zweifelhaftes Jubiläum

Alisa Sonntag
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Zwei Jahre gibt es das Coronavirus jetzt schon in Deutschland. Wir schauen auf die Kennzahlen, die seitdem gekommen und gegangen sind. Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Mit rotem Stift steht geschrieben "Corona - wie lange noch", davor steht "Multimediales Corona-Daten-Update"
Seit zwei Jahren steckt Deutschland schon in der Corona-Pandemie. Bildrechte: MDR Sachsen-Anhalt

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

gestern haben wir ein eher zweifelhaftes Jubiläum gefeiert: Zwei Jahre Coronavirus in Deutschland. Anlässlich dessen schauen wir in diesem Update zurück auf die letzten zwei anstrengenden Jahre. Und weil wir ein Daten-Update sind, werfen wir vor allem einen Blick auf alle die Statistiken, die wir uns in den vergangenen zwei Jahren angeschaut haben – und auf alle Kennzahlen, die seit zwei Jahren kommen und gehen und unser Leben mitbestimmen. Einen ersten Überblick können Sie in diesem Audio bekommen:

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Am 27. Januar 2020 wurde in Bayern der erste Fall mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 in Deutschland nachgewiesen. Zwei Jahre später beläuft sich die Zahl der offiziell registrierten Infektionen deutschlandweit auf mehr als neun Millionen, allein am Donnerstag kamen erstmals über 200.000 neue Fälle hinzu. Je weiter sich das Virus in Deutschland ausbreitete, umso klarer wurde, dass die reine Meldung neuer Fälle allein nicht ausreicht, um das Ausmaß des Infektionsgeschehens abzubilden. 

Am Anfang war die Verdopplungszeit ...

Zuerst trat deswegen die Verdopplungszeit als Kennzahl in den Fokus des Geschehens – also die Zeit, die vergeht, bis sich die Fallzahlen verdoppeln. Sie ist in der Lage, das exponentielle Wachstum der Fallzahlen darzustellen.

Abgelöst wurde die Verdopplungszeit von der Reproduktionszahl R. Vereinfacht gesagt zeigt dieser Schätzwert an, wie vielen Menschen eine infizierte Person das Virus weitergibt. Liegt R über 1, steigen die Fallzahlen an. Liegt R hingegen unter 1, sinken die Fallzahlen in der Folge wieder.

Standbild aus Erklärvideo Exponentielles Wachstum 1 min
Standbild aus Erklärvideo Exponentielles Wachstum Bildrechte: mdr
1 min

Die Corona-Zahlen steigen und steigen, immer wieder hört man von einem exponentiellen Wachstum. Wir erklären, was das bedeutet.

Do 25.11.2021 09:54Uhr 00:50 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/video-grafik-exponentielles-wachstum100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

... dann kam die 7-Tage-Inzidenz ...

Seit Mai 2020 sprechen wir immer wieder von der die 7-Tage-Inzidenz. Errechnet wird der Wert für eine Region als Summe aller neuen Corona-Fälle innerhalb einer Woche, umgerechnet auf eine Bevölkerung von 100.000 Menschen. Damit ist es möglich, das Infektionsgeschehen auch überregional vergleichen und Maßnahmen zu dessen Eindämmung beschließen können. Allerdings hat das auch seine Grenzen. Denn wenn weniger Tests gemacht werden, wie es zum Beispiel bei den aktuell auftretenden Engpässen bei PCR-Tests der Fall ist, fällt auch die Inzidenz automatisch niedriger aus.

Was die Inzidenz nicht anzeigt, ist, wie stark das Gesundheitssystem belastet ist. Das zeigt vor allem das DIVI-Intensivregister. Um etwa zwei bis drei Wochen zeitversetzt zu einer Infektionswelle zeigt diese Statistik bis heute zuverlässig an, wie sich steigende oder sinkende Fallzahlen auf das Gesundheitssystem auswirken. Ein ähnliches Ziel hat die Hospitalisierungsrate. Sie gibt an, wie viele Menschen mit positiven Corona-Test – in Relation zu 100.000 Einwohnern – innerhalb einer Woche in einer bestimmten Region ins Krankenhaus aufgenommen wurden. Allerdings wird der Wert systematisch zu niedrig ausgewiesen und ist deshalb nur sehr bedingt aussagekräftig.

Deutlich aussagekräftiger und schonungsloser ist die Statistik der Corona-Sterbefälle. In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie über 117.300 Menschen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben. Seit Bekanntwerden des ersten Todesfalls im März 2020 waren das durchschnittlich 170 Sterbefälle, jeden einzelnen Tag. Der größte Teil von ihnen ist an und nicht mit dem Coronavirus gestorben. Wie sinnvoll die Unterscheidung zwischen beidem ist, hat meine Kollegin Fabienne von der Eltz hier umfangreich recherchiert.

... jetzt entscheidet vor allem das Gesamtbild.

Wichtig waren, sind und bleiben laut meinem Kollegen, dem Datenjournalisten Manuel Mohr, vor allem folgende zwei Erkenntnisse:

  1. Eine Kennzahl allein kann niemals alle Dimensionen abbilden. Die 7-Tage-Inzidenz beispielsweise dient zwar als guter und schneller Gradmesser für die Intensität des Infektionsgeschehens, sagt aber nichts über die Belastung in den Kliniken aus. Daher ist es unerlässlich, alle zur Verfügung stehenden Kennzahlen in der Gesamtschau zu betrachten.
  2. Wiederholt hat die Vergangenheit gezeigt, dass Wochenenden, Feiertage oder Schulferien die Corona-Fallzahlen massiv beeinflussen. Große Sprünge in den Zahlen von einem Tag zum nächsten sind daher nicht ungewöhnlich, oftmals aber irreführend. Wichtig ist daher, die Entwicklung der Fallzahlen im Wochenverlauf zu betrachten und den Meldeverzug als Einflussfaktor nicht zu unterschätzen.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 42.632 ↗ (+3.032 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 3,2 (+0,02)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 185, davon 117 beatmet, 234 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 38 Prozent
  • 18-59 Jahre: 65,3 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,8 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 41,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 14.121 (+47)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 14.898 ↗ (+334 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,47 (+0,24)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 63, davon 35 beatmet, 131 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 68 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,9 Prozent
  • 18-59 Jahre: 71,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,2 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 45,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.488 (+15)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 24.681 ↗ (+6.208 zum Mittwoch)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,46 (+0,23)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 63, davon 39 beatmet, 101 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 70,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 42,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 74,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,5 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 46,6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.594 (+10)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Was sonst noch passiert ist

Immer mehr Städte setzen für die Kontrolle der 2G-Regeln auf Zugangsbändchen. Ähnliche Regelungen gibt es unter anderem in Leipzig, Halle, Wernigerode und Erfurt. Letzteres muss die Bändchen allerdings eine Woche nach dem Start wieder ändern. Das Thüringer Gesundheitsministerium verlangt nach Angaben der Stadtverwaltung, dass die Bändchen nur einen Tag gültig sind. Die Landeshauptstadt hatte sie gleich für eine Woche ausgegeben. 30.000 Stück lagen zunächst bereit. Das Erfurter City-Management teilte mit, die neuen Bändchen mit Datum würden ab nächstem Mittwoch ausgegeben. Kunden müssten dann täglich nachweisen, dass sie genesen oder geimpft seien.

Zum Schluss ...

Gestern stand außerdem ein weiteres trauriges Jubiläum an. Als der Tag, an dem Auschwitz befreit wurde, ist der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Falls Sie in der Hinsicht etwas dazulernen wollen, kann ich diese kurzen Filme von Studierenden aus Halle empfehlen, die auf kreative Weise Geschichten rund um Stolpersteine aus der Umgebung erzählen. Dabei geht es zum Beispiel um Bella Feuchtwanger. Wussten Sie, dass die Schwester des berühmten Malers Lion Feuchtwanger lange Zeit in Halle gelebt hat?

Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende!
Ihre Alisa Sonntag

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Januar 2022 | 06:05 Uhr

7 Kommentare

MDR-Team vor 15 Wochen

Es gibt - das ist wissenschaftlich wiederholt belegt - beim Impfstoffen keine Langzeitnebenwirkungen. So lang verbleibt der Impfstoff nicht im Körper.
Es gibt lediglich Nebenwirkungen, die so selten sind, dass sie erst nach einer langen Zeit der Anwendung eines Impfstoffes auffallen.

https://www.mdr.de/wissen/faktencheck/faktencheck-impfung-langzeitschaeden-100.html

Die MDR.de-Redaktion

MDR-Team vor 15 Wochen

Sie unterschlagen dabei drei Dinge.

1.) Das Datum der Pressemitteilung.
2.) Sie unterschlagen, dass Nachmeldungen nicht am Tag der Nachmeldung einfließen, sondern an dem Tag, an dem der Fall beim Gesundheitsamt einging. Solche Fälle treten zum Beispiel nach Wochenenden und Feiertagen auf. Somit steigt die Inzidenz nicht für den aktuellen Tag, sondern eine zu niedrig (!) gemeldete Inzidenz für einen zurückliegenden Tag wird korrigiert.
In dieser Hinsicht ist Ihre Darstellung grob falsch, DermbacherIn.
3.) Nachmeldung sind nichts neues. Diese gibt es seit Beginn der Inzidenzmessungen. Durch Nachmeldungen wie unter 2. genannt, wird die tagesaktuelle Inzidenz stets niedriger ausfallen, als die tatsächliche.

Die MDR.de-Redaktion

kleiner.klaus77 vor 15 Wochen

Für mich habe ich immer entschieden, mich zum jeweils schnellstmöglichen Zeitpunkt impfen zu lassen. Die erste "Genesenenimpfung" Biontech im Sommer war mir sehr schlecht bekommen, die "Boosterung" mit Moderna vor 2 Tagen war glücklicherweise nebenwirkungsfrei. Da bin ich erleichtert.
Allerdings bezweifle ich die Seriosität einiger der Argumentationen, mit denen die Impfkampagnen sowie einige Coronaschutzmaßnahmen begründet werden.
Generell ist es natürlich richtig, dass ältere und Gefährdete wegen des gesteigerten persönlichen Risikos eher geimpft werden sollten.
Es ist jedoch tatsächlich richtig, dass die mRNA Impfstoffe gegen Covid sehr neu und wenig erprobt sind. Daran ändert der Umstand, dass Milliarden geimpft wurden hinsichtlich schwer detektierbarer Langzeitwirkungen bisher nicht allzu viel.

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