Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 9. April 2021 Bund will ab Inzidenz 100 bestimmen

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Es soll bundesweit einheitliche Regelungen für die "Notbremse" geben. Bund und Länder sollen sich geeinigt haben, dass ab einem Inzidenzwert von 100 bestimme Maßnahmen ergriffen werden. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisiert das Geschehen scharf.

Das Kanzleramt in Berlin.
Ab Inzidenz 100 sollen einheitliche Regeln verbindlich gelten. So will es der Bund. Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

das Robert Koch-Institut (RKI) und Intensivmediziner warnen: Die Corona-Lage ist sehr ernst. Gesundheitsminister Spahn sagte, es gebe derzeit zu viele Menschen, die sich infizieren und die erkranken. Er mahnte, die Kontakte zu beschränken, das Impftempo anzuziehen und alle möglichen Maßnahmen auszuschöpfen.

RKI-Chef Wieler sagte, dass die Corona-Zahlen nach den Osterfeiertagen erst ab Mitte nächster Woche wieder verlässlich interpretierbar seien, dass die Krankenhaus-Surveillance aber zeige, dass immer mehr Menschen und immer jüngere Menschen wegen Covid ins Krankenhaus müssten. 

Hören Sie mehr dazu im Beitrag, bevor ich Ihnen die aktuellen Zahlen präsentiere und Ihnen berichte, warum die Konferenz der Ministerpräsidenten abgesagt wurde, die nächste Woche stattfinden sollte.


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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Deutschlandweit sind im Laufe des Vortages 25.464 neue Corona-Infektionen festgestellt und dem RKI gemeldet worden. Die meisten Fälle – in absoluten Zahlen – wurden aus Nordrhein-Westfalen (4.731) gemeldet, aus Bayern (4.553) und Baden-Württemberg (3.658). 

Die höchsten Inzidenzen auf Länderebene verzeichnen unsere drei Länder plus Bayern:

Thüringen: 187
Sachsen: 151
Sachsen-Anhalt und Bayern: je 129.

Die deutschlandweite Inzidenz liegt laut RKI bei 110. In ganz Deutschland sind seit Beginn der Pandemie 78.003 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 17.186 ↗ (+807 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 354 (+5), davon 202 beatmet (-10)
  • Intensivbetten: 1.373 belegt, 82 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.630 (+30)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 208.300 (+1.400)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 234.116 (+2.237)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 10.970 ↗ (+545 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 223 (+13), davon 128 beatmet (-4)
  • Intensivbetten: 613 belegt, 77 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.499 (+14)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 86.727 (+408)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 101.196 (+967)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 6.379 ↗ (363 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 128 (+5), davon 65 beatmet (+2)
  • Intensivbetten: 721 belegt, 87 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.839 (+19)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 68.968 (+555)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 78.186 (+937)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Bundeskanzlerin will Infektionsschutzgesetz verschärfen – Kritik von Ramelow

Es soll bundesweit einheitliche Regelungen für die "Notbremse" geben. Bund und Länder sollen sich geeinigt haben, dass ab einem Inzidenzwert von über 100 bestimme Maßnahmen ergriffen werden – bundesweit einheitlich.

Wirklich handeln können derzeit nur die Länder, wenn sie an diesen Punkt kommen. Das soll sich ändern: Wenn die Inzidenz über 100 liegt, soll in Zukunft der Bund die Maßnahmen festlegen. Unter der Inzidenz von 100 sollen die Länder ihre Zuständigkeiten behalten.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat das kritisiert und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schwere Versäumnisse vorgeworfen. Bis heute gebe es aus dem Kanzleramt keine Vorlage für bundesweit einheitliche Regeln. 

Ramelow kritisierte auch Bayerns Ministerpräsidenten Söder, weil der einheitliche Regeln fordere, aber dennoch Baumärkte öffne. Außerdem sagte er, er habe den Eindruck, dass man in einer Castingshow gelandet sei, bei der ein neuer Unions-Kanzlerkandidat gesucht werde.

Innerhalb der CDU wird das Vorhaben unterstützt. Unter anderem von der sächsischen Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas. In ihrem Wahlkreis im Vogtland, mit Grenzen zu Bayern und Thüringen, könnten "einheitliche Maßnahmen zu einheitlichem Vorgehen führen", sagte sie dem MDR.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) verteidigte die geplanten Kompetenzen für den Bund. Mit einheitlichen gesetzlichen Regeln müsse man nicht alle zwei Wochen neu verhandeln. Mit den neuen einheitlichen Vorgaben sollen laut Scholz etwa auch Schulen ab einer Inzidenz von 200 in den Wechselunterricht gehen.

Scholz sagte auch, man sei sich in den Ländern einig. Ramelow widerspricht dem und verteidigt die Ministerpräsidentenkonferenz als Gremium. 

Am Montag, den 12. April, sollte die Ministerpräsidentenkonferenz tagen. Sie wurde nun abgesagt. Bund und Länder hätten sich in Absprache mit den Bundestagsfraktionen auf die Änderungen verständigt, sagte eine Regierungssprecherin.

Modellprojekte starten: Gastronomie im Harz

Im Rahmen der Modellprojekte in Sachsen-Anhalt dürfen einige Teile der Gastronomie im Harz wieder öffnen. Zwei Hotels machen mit, eins davon ist das Hotel Schindelbruch in Stolberg.

Das Hotel muss umfangreiche Hygienemaßnahmen durchführen, Gäste müssen in vielen Bereichen FFP2-Maske tragen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden regelmäßig auf Covid-19 getestet. Aber: Der Wellness-Bereich des Hotels kann öffnen. Am Pool und in der Sauna kann die Maske abgenommen werden, wenn Abstand eingehalten wird. Und laut Geschäftsführer Clemens Ritter von Kempsky ist die Buchungslage gut.

Aus Sicherheitsgründen stellt er allerdings vorerst nur 70 Prozent der eigentlichen Kapazitäten zur Verfügung. Das ist nach Angaben des Hotels ein Minusgeschäft. Von Kempsky sagt: "Es geht darum zu zeigen, dass die Branche pandemiefähig ist."

Kekulés Corona-Kompass #167: Lage auf Intensivstationen bereitet Sorge

Was außerdem los war

Zum Schluss

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende! Das Wetter soll nicht soooo toll werden, aber wie sagt man so schön: Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung. 

Am Montag schreibt Ihnen hier Marcel Roth. Aktuelle Informationen und Entwicklungen finden Sie übers Wochenende auf unserer Webseite.

Bleiben Sie gesund! 

Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 09. April 2021 | 11:00 Uhr

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