Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 03. Dezember 2021 Physische und psychische Belastungen in der Pflege

Nicole Franz
Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Pflegerinnen und Pfleger berichten über ihren Arbeitsalltag zu Corona-Zeiten. Außerdem: Wie der Bund seit Pandemiebeginn im März 2020 Unternehmen und Selbständige finanziell unterstützt hat.

Wiebke Bunzenthal, Gesundheits- und Krankenpflegerin, steht mit einer Infusion auf der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hinter einer Glastür.
Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten, 

die Krankenhäuser sind voll und das trifft eine Berufsgruppe besonders stark: Pflegerinnen und Pfleger. Sie müssen den ganzen Tag mit FFP2-Maske und zum Teil sogar Vollschutz arbeiten. Ich möchte Ihnen heute ein paar persönliche Geschichten aus Mitteldeutschland vorstellen und erzählen, wie die Menschen mit der physischen und psychischen Belastung in der Pflege umgehen. Zuvor aber der Blick auf die aktuellen Zahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Freitag, den 03. Dezember 2021 bundesweit 74.352 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:25 Uhr). Im Vergleich zum Freitag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 2.060 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Bayern (+13.966), Sachsen (+11.576) und Baden-Württemberg (+10.910).

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Sachsen (1.224,7), Thüringen (1.013,6) und Sachsen-Anhalt (757,2). Die bundesweite Inzidenz liegt bei 442,1.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 108.639 ↘ (- 1.356 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,87 (+0,62)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 587, davon 300 beatmet, 146 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 29,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 59,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 79,6 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 11,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 11.243 (+64)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 43.257 ↗ (+1.744 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 20,2 (-2,5)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 227, davon 134 beatmet, 48 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 33,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 64,8 Prozent
  • 60+ Jahre: 83 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 14,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.155 (+37)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 34.725 ↗ (+4.115 zum Mittwoch)
  • Hospitalisierungsrate*: 9,77 (-1,74)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 159, davon 73 beatmet, 63 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 65,3 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 31,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 67,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,1 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 13,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.846 (+11)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Die physische und psychische Belastung der Pflegerinnen und Pfleger

Katharina Merz ist 47 Jahre alt. Sie arbeitet in einer Magdeburger Klinik als Krankenschwester auf der Intensivstation. Sie beschreibt die Arbeit unter Corona-Bedingungen als besonders anstrengend. "Wir tragen die ganze Zeit Schutzkleidung. Man schwitzt darunter, kriegt schlecht Luft durch die FFP3-Maske, man kann stundenlang nicht einmal einen Schluck Wasser trinken, geschweige denn zur Toilette gehen. Ich habe mir sogar das Kaffeetrinken vorm Dienst abgewöhnt, damit ich nicht auf die Toilette muss." Durch die schwierige Zeit hat sie gemerkt, dass sie ein stabiles Umfeld braucht, um den Job machen zu können. Deshalb hat sie angefangen, mehrfach die Woche laufen zu gehen und dabei Musik zu hören, um den Kopf freizukriegen. "Denn ich bin selbst ziemlich angekratzt, weil die Situation so anstrengend ist, psychisch und körperlich." Dennoch macht Merz die Arbeit gerne und ist mit ganzem Herzen für die Patientinnen und Patienten da. Auch in ihrem Team herrsche ein großer Zusammenhalt. Aber: Das Team ist mittlerweile deutlich kleiner geworden und viele Kollegen und Kolleginnen wüssten nicht mehr, wie lange sie noch in der Pflege bleiben.

Berufseinstieg unter Corona-Bedingungen

Die 23-jährige Sophie arbeitet in einer psychiatrischen Pflege in Thüringen. Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin startete sie ins Berufsleben, kurz darauf kam die Corona-Pandemie. Das war für Sophie eine sehr prägende Zeit. Es herrschte zum Beispiel ein Mangel an Schutzmaterialien. Noch schwieriger war für sie aber, wie mit Menschen umgegangen wird, die mit einer Corona-Infektion verstorben sind. "Für mich war ganz schlimm, dass wir Menschen, die an Corona verstorben sind, nicht ihre letzte Waschung geben durften. Wir mussten sie in schwarze Leichensäcken packen. Das war für mich schlimm, weil es so ein Wegpacken war."

Psychiatrische Pflegerin Sophie 2 min
Bildrechte: MDR/Christian Franke
2 min

Pflegerin Sophie berichtet darüber, wie sie unter Corona-Bedingungen ins Berufsleben gestartet ist.

MDR FERNSEHEN Fr 29.10.2021 10:56Uhr 01:41 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/audio-sophie-pflege-beruf-100.html

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Audio

Personalmangel spitzt sich weiter zu

Niklas ist 21 Jahre alt und arbeitet seit einem Jahr als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Notaufnahme einer großen halleschen Klinik. Er berichtet, dass die sowieso schon knappe Personaldecke seit Corona immer dünner wird. "Gerade die Nachtschichten sind eine Herausforderung. Nachts sind wir meist zu zweit auf einer Station. Dann ist ein Pfleger im Vollschutz bei einem Corona-Patienten. Der andere Pfleger oder die Pflegerin ist dann alleine für zwei oder drei andere Zimmer zuständig. Oder einer muss etwas ins Labor bringen und es gibt zwei Notfälle gleichzeitig. Gegenseitige Hilfe ist wegen der aufwendigen Schutzmaßnahmen eigentlich ausgeschossen. Nicht umsonst haben wir einen sehr hohen Krankenstand. Ich erlebe viele Kündigungen – ein schlimmer Zustand." Die aktuelle Situation sei sowohl für Pflegerinnen und Pfleger, als auch für Ärztinnen und Ärzte sehr belastend. "Neulich ist eine Kollegin weinend zu uns auf die Station gekommen und meinte zu mir: 'Niklas, in der Nacht haben da oben sechs Menschen ihre Augen geschlossen, die sind alle in einer Nacht an Corona verstorben.'" 

Den Personalmangel sieht auch der 39-jährige Krankenpfleger Tobias, der in einem Thüringer Krankenhaus arbeitet, als Problem. Doch sei die Abwanderung aus den Pflegeberufen kein neues Phänomen seit der Corona-Pandemie. Tobias hat aber das Gefühl, dass sich der Trend, den Berufszweig zu wechseln, durch die Pandemie weiter verschärft hat. "Viele Stellen bleiben dann auch unbesetzt", berichtet er. Dabei spiele auch der finanzielle Faktor eine große Rolle. "Gesundheit ist heute eine Ware und Personal kostet Geld."

Auch die Situation in Pflegeheimen ist schwierig. Hier beschreiben Enrico Sinkwitz aus Sachsen und Felix aus Thüringen ihren Arbeitsalltag als Altenpfleger:

Wirtschaftshilfen vom Bund: Wer bekommt wie viel?

Die Bundesrepublik hat seit Pandemiebeginn im März 2020 Gelder an Unternehmen und Selbständige gezahlt, um diese zu unterstützen. Die staatlichen Hilfen belaufen sich seitdem auf mehr als 120 Milliarden Euro und stammen aus verschiedenen Programmen. Ein Teil des Geldes ist in Sofort-und Überbrückungshilfen sowie in Kurzarbeitergeld geflossen. Der Staat hat aber zum Beispiel auch Kredite gewährt. Welcher Bereich wie viel Geld bekommen hat und welche Gelder zurückgezahlt werden müssen, können Sie sich hier anschauen:

Eine Tafel mit der Aufschrift zum Thema 1 min
Bildrechte: MDR
1 min

In der Pandemie wurden in Deutschland vom Bund bisher mehr als 120 Milliarden Euro Unterstützung an Firmen gezahlt. Wir zeigen, wie sich die Summe aufschlüsselt.

Do 02.12.2021 11:27Uhr 00:51 min

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/video-577820.html

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Video

Selbsthilfegruppe für Long-Covid-Patienten aus Thüringen

Vermutlich haben Sie mittlerweile schon mal etwas von Long-Covid oder Post-Covid gehört. Das sind die Langzeitfolgen, die eine Corona-Infektion mit sich bringen kann. Weit verbreitet ist zum Beispiel eine starke, anhaltende Erschöpfung. Betroffenen ist es aber oft unangenehm, darüber zu sprechen. Häufig haben sie erlebt, dass sogar Freunde und Kollegen ihnen zu verstehen gaben, dass es ja nicht so schlimm sein könne, sie hätten Corona schließlich selbst hinter sich. Um mit dem Leid nicht alleine zu sein und sich mit weiteren Betroffenen austauschen zu können, wurde in Gera nun eine Selbsthilfegruppe für Long-Covid-Patienten gegründet.

Was heute außerdem los war

  • Die Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen müssen sich voraussichtlich ab März 2022 gegen das Coronavirus impfen lassen. Eine entsprechende Gesetzesvorlage für die sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht soll bereits kommende Woche in den Bundestag eingebracht werden. Eine Woche später soll das Gesetz verabschiedet werden. 
  • Silvester wird auch in diesem Jahr wieder ruhiger ausfallen. Pandemiebedingt und wegen der höheren Verletzungsgefahr haben Bund und Länder erneut ein bundesweites Feuerwerks- und Versammlungsverbot zu Silvester beschlossen. Es dürfen also keine Feuerwerkskörper verkauft werden. Wer sich schon eingedeckt hat, darf die bereits gekauften Böller mancherorts zünden, aber nicht überall. 

Zum Schluss

Ich möchte Sie, im wahrsten Sinne des Wortes, mit einem Lichtblick ins Wochenende verabschieden. Ingo Ullrich, besser bekannt als "Lichterkönig von Bündorf", hat seinen Garten mit über 20.000 LEDs in ein leuchtendes Weihnachtsparadies verwandelt. 

Machen Sie’s gut und bleiben Sie gesund!

Beste Grüße
Nicole Franz

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN Hauptsache gesund | 25. November 2021 | 20:15 Uhr

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