Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 21. Januar 2022 Wer hat noch den Durchblick?

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Neue Beschlüsse haben diese Woche für viel Verwirrung und Kritik gesorgt. Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Am Fenster einer Kneipe ist der Hinweis 2G + - geimpft o. genesen + Booster aufgemalt
Durch die neuen Regeln zum Genesenenstatus fielen viele Menschen ganz unerwartet aus der 2G- oder 2Gplus-Regel heraus. Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

vielleicht ging es Ihnen diese Woche ähnlich: Bei den aktuellen Regeln und Corona-Beschlüssen hat man immer weniger das Gefühl, durchzublicken. Bund, Länder, Städte und Landkreise kommunizieren unterschiedliche Auflagen, es gibt Verwirrungen um den Genesenenstatus und die Gültigkeit der Impfungen von Johnson & Johnson. Das Chaos ist also perfekt. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) räumte nun Mängel in der Kommunikation ein, machte dafür aber vor allem den Bund verantwortlich. Die Forderungen nach klareren Regeln im Umgang mit der Pandemie werden lauter.

Um diese Kritik soll es im heutigen Newsletter gehen und ich werde für Sie noch einmal die drängendsten Fragen zu den Regelungen dieser Woche aufgreifen. Außerdem ist Omikron mittlerweile die dominierende Virusvariante in den meisten Bundesländern. Was das für Konsequenzen hat, erfahren Sie gleich. Einen Überblick gibt es aber schon einmal in diesem Video:

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Neue Beschlüsse sorgen für Verwirrung

Diese Woche hatte ich nicht nur einmal Fragezeichen im Gesicht, als ich die aktuellen Corona-Regelungen verfolgt habe. Und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. So undurchsichtig wie im Moment war die Corona-Lage wohl selten in den vergangenen zwei Jahren der Pandemie. Im Folgenden ein kurzer Überblick:

Die Diskussion rund um die Verkürzung des Genesenstatus habe ich bereits im Update am Mittwoch angesprochen. Seit Sonnabend gilt dieser nur noch drei Monate. Das hat das Robert Koch-Institut (RKI) aufgrund der Besonderheiten der Omikron-Variante beschlossen. Damit fielen viele Menschen ganz unerwartet aus der 2G- oder 2Gplus-Regel heraus.

Sachsens Sonderweg beim Genesenenstatus

Sachsen geht nun allerdings als einziges Bundesland einen Sonderweg und hat entschieden, dass der Genesenenstatus von Geimpften nicht abläuft. Personen, die doppelt geimpft und zusätzlich genesen sind, dürfen damit ohne zusätzlichen Test Angebote mit 2G+ nutzen, auch wenn ihre Infektion länger als drei Monate her ist. In allen anderen Bundesländern wird die Genesung doppelt geimpfter Personen nicht als Ersatz für Tests bei 2G+ anerkannt.

MDR-Reporter Roland Kühnke hat sich in der Leipziger Innenstadt umgehört. Auch hier sind sich die Menschen einig: Niemand blickt mehr durch. Thomas Hofmann von der Industrie- und Handleskammer fordert deshalb klarere Regeln und eine Vereinfachung des Warnstufen-Systems.

Jürgen Prager aus Annaberg-Buchholz ist Arzt und Mitglied der Sächsischen Impfkomission. Auch er war über die neue Festlegung des RKI zum Genesenenstatus zunächst überrascht. Er betont, dass man aus der Menge an Antikörpern nicht automatisch auf den Schutz gegen das Virus schließen könne.

Was gilt bei Johnson & Johnson?

Auch über den Impfstatus von Menschen, die mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurden, gab es diese Woche Unklarheiten. Bislang galten Geimpfte nach der ersten Spritze als grundimmunisiert. Nun hat der Bund die Verordnung geändert. Nur eine Impfung mit Johnson & Johnson reicht nicht mehr aus. Für den vollständigen Impfschutz braucht es eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Eine dritte Impfung, die drei Monate nach der zweiten Impfung erfolgen sollte, gilt als Booster.

Wer muss nun in Quarantäne?

In der Bund-Länder-Konferenz am 7. Januar wurden zudem die Quarantäne-Regeln verändert. Unter anderem müssen sich Geboosterte sowie frisch Genesene und frisch zwei Mal Geimpfte nicht mehr in Isolation begeben. Für alle anderen wurde die Quarantäne-Zeit auf 10 Tage verkürzt - mit der Möglichkeit, sich bereits nach sieben Tagen freizutesten. Doch auch das wurde bisher nicht überall umgesetzt. In Magdeburg beispielsweise sind diese neuen Regeln erst heute in Kraft getreten. In Sachsen geschieht das erst am kommenden Montag.

Kritik an der aktuellen Pandemie-Organisation

In Thüringen sind die Schwimmbäder geschlossen, in Sachsen und Sachsen-Anhalt geöffnet. In den meisten Bundesländern gilt die 2G+ Regel in der Gastronomie, in Sachsen-Anhalt nicht. Während in Mitteldeutschland unter 2G-Bedingungen geshoppt wird, wurde diese Regelung in Bayern diese Woche gekippt.

Nicht nur wir Bürgerinnen und Bürger blicken bei den ganzen unterschiedlichen Regeln nicht mehr durch, auch Kommunen schlagen jetzt Alarm. Sowohl der Bund als auch das Land kommunizierten Regeln und Auflagen, die teilweise widersprüchlich und manchmal schwer nachvollziehbar seien, sagte der Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebunds, Ralf Rusch, MDR THÜRINGEN. Die thüringische Gesundheitsministerin Heike Werner räumte Mängel in der Kommunikation ein, machte dafür aber vor allem den Bund verantwortlich. Sie fordert mehr klare, bundeseinheitliche Regelungen.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach (SPD) soll sich diese Woche in einer Schalte für das Chaos entschuldigt und zugesichert haben, dass zeitnah eine Übersicht erstellt werde, was nun in Sachen Status wirklich gelte. Ob diese jedoch wirklich für Ordnung sorgen kann, das bleibt wohl abzuwarten. Der Flickenteppich, den Kritiker nach dem Auslaufen der "Epidemischen Notlage von nationaler Tragweite" im November befürchtet haben, liegt auf jeden Fall bereits über dem Land.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Freitag, den 21. Januar 2022 bundesweit 140.160 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 7:50 Uhr). Das sind rund 47.937 Infektionen mehr als am Freitag vor einer Woche.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+27.624), Bayern (+25.022) und Baden-Württemberg (+17.145). Die niedrigsten Werte wurden aus Thüringen (+1.240) und Bremen (+1.281) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Berlin und Bremen mit Werten von je 1.258. Danach folgt Hamburg mit 1.221,9. Die bundesweite Inzidenz liegt bei 706,3.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 27.327 ↗ (+1.375 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,34 (-0,47)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 233, davon 156 beatmet, 92 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,1 Prozent (vollständig geimpft)
  • 5-11 Jahre: 1,8 Prozent
  • 12-17 Jahre: 37,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 64,8 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,6 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 39,6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 14.004 (+40)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 13.118 ↗ (+120 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,24 (-0,14)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 105, davon 55 beatmet, 59 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 67,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 5-11 Jahre: 5,2 Prozent
  • 12-17 Jahre: 43,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 70,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,0 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 43,6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.426 (+19)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 14.674 ↗ (+1.285 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 3,99 (-0,69)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 82, davon 58 beatmet, 42 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 70,2 Prozent (vollständig geimpft)
  • 5-11 Jahre: 2,0 Prozent
  • 12-17 Jahre: 41,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 74,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,2 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 43,5 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.537 (+9)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Omikron dominiert in Mitteldeutschland

Omikron ist in Deutschland seit Anfang des Jahres die dominante Variante des Coronavirus. Das RKI gibt den Anteil aktuell mit 89,3 Prozent an. In Sachsen-Anhalt liegt er bei 85 Prozent, in Thüringen bei 80,1 Prozent und in Sachsen bei 65 Prozent. Die Daten stammen aus der zweiten Januar-Woche. In der ersten Kalenderwoche lag der Omikron-Anteil insgesamt noch bei 73 Prozent.

Diese Entwicklung verändert auch das Bild in den Krankenhäusern. "Mit Blick auf die Zahlen scheint zwar die Belastung auf der Intensivstation abzunehmen, die Belastung auf der Normalstation bleibt allerdings hoch oder steigert sich sogar deutlich", sagte Gerald Gaß, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Bundesgesundheitsminister Lauterbach rechnet für Mitte Februar mit mindestens 400.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag - im optimistischsten Fall. Das könnte die Krankenhäuser weiter belasten, auch bis in den März hinein.

Die Krankenhausgesellschaft Thüringen fordert deshalb schon jetzt, das Betretungs- und Beschäftigungsverbot für ungeimpfte Mitarbeiter auszusetzen. In einem Schreiben an das Sozialministerium heißt es, rund 17 Prozent der Beschäftigten hätten zum 16. März noch keinen Impfnachweis. Sanktionen könnten dann zu Personalausfällen führen.

Impfhersteller aus Dessau-Roßlau stellt Tot-Impfstoff Valneva her

Die Infektionszahlen steigen rasant. Der Impfstoffhersteller IDT Biologie aus Dessau-Roßlau drückt deshalb aufs Tempo. Die Firma hat angekündigt, den lang erwarteten Tot-Impfstoff Valneva herzustellen. Am Wochenende wurden dafür die Verträge unterschrieben. Die Herstellung soll bereits angelaufen sein, doch noch fehlt die offizielle Zulassung in der Europäischen Union.

Wie geht es Rettungsdienstlern nach zwei Jahren Corona?

Seit Corona ist auch für die Rettungsdienste die Arbeit schwerer geworden. Während über Pfleger, Ärzte und die Krankenhäuser viel geredet wird, bleiben die Notfallsanitäter meist außen vor. "Die Einsätze sind mehr geworden", erzählt Andreas Bayer, aus Eisenberg. Die Arbeit sei zudem stressiger und durch Schutzmasken und -anzüge beschwerlicher.

Zum Schluss ...

Die Himmelsscheibe von Nebra, die normalerweise im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu Hause ist, hat in den kommenden Monaten einen großen Auftritt. Zusammen mit anderen Ausstellungsstücken aus der ganzen Welt ist sie im British Museum in London zu sehen. Und obwohl die Scheibe nicht größer als eine Pizza ist, sind die Sicherheitsvorkehrungen beim Transport extrem hoch. Wie die Reise für die älteste astronomische Himmelsdarstellung abgelaufen ist, sehen Sie im folgenden Video.

Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende!

Viele Grüße

Sarah-Maria Köpf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Januar 2022 | 06:05 Uhr

1 Kommentar

Jan-Lausitz vor 16 Wochen

Wenn ich nur mich und mein Umfeld sehe, interessiert dieses politische Chaosgehabe alle nur noch einen feuchten Dr.... Vor allem wenn man die Chaostruppe in Berlin dazu hört und sieht. Hoffentlich bald Neuwahlen ...

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