Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 10. Dezember 2021 Impfpflicht für Pflegekräfte kommt

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Die Impfpflicht für Pflegekräfte kommt. Bundestag und Bundesrat haben am Freitag einer entsprechenden Änderung des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt. Für wen die Impfpflicht gilt, wie sie durchgesetzt werden soll und wie sich Impfpflicht und Impfzwang unterscheiden.

Eine Patientin wird von einer Krankenschwester im Intensiv- und Überwachungsbereich einer Klinik medizinisch versorgt.
Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

Bundestag und Bundesrat haben heute eine Impfpflicht für Personal in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen beschlossen. Wie, wann und für wen diese Pflicht umgesetzt wird und was der Unterschied zwischen Impfpflicht und Impfzwang ist, erfahren Sie im Folgenden – nach den aktuellen Corona-Zahlen. Einen ersten Überblick über die aktuellen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes erhalten Sie im Audio von MDR AKTUELL.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Aus ganz Deutschland sind dem Robert Koch-Institut (RKI) zu heute 61.288 neue bestätigte Corona-Infektionen gemeldet worden. Die bundesweite Inzidenz beträgt 413,7.

Unsere drei Länder liegen deutlich über diesem Wert: In Sachsen beträgt die Inzidenz 1081,9, in Thüringen 1036,2 und in Sachsen-Anhalt 884,1. Es sind die höchsten Inzidenzen in ganz Deutschland. Alle anderen Länder außer Brandenburg haben Inzidenzen unter 500. Am niedrigsten ist der Wert in Schleswig-Holstein: 156,9.

Deutschlandweit haben sich bisher 57.729.749 Menschen vollständig impfen lassen. Das entspricht einer Impfquote von 69,4. Die Quote für die Auffrischungsimpfung beträgt 21,3.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 100.147 ↗ (-1.613 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 9,93 (+4,68)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 588, davon 305 beatmet, 51 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 30,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 60,2 Prozent
  • 60+ Jahre:79,9 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 17,2 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 11.654 (+119)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 49.719 ↗ (+120 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 18,82 (-1,7)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 211, davon 116 beatmet, 29 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 63,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 34,9 Prozent
  • 18-59 Jahre: 65,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,2 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 20,1 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.396 (+37)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 38.345 ↗ (+3.159 zu Mittwoch)
  • Hospitalisierungsrate*: 9,58 (-1,15)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 175, davon 95 beatmet, 14 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 65,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 32,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 68,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,4 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 19,9 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.955 (+21)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Impfpflicht für Pflegekräfte beschlossen

Bundestag und Bundesrat haben jeweils dafür gestimmt: Mit einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes kommt die Impfpflicht für Pflegekräfte.

Für wen wird die Impfpflicht gelten?

In Zukunft müssen alle geimpft – oder genesen – sein, die Menschen behandeln oder betreuen, die besonders durch Corona gefährdet sind, also Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, bei Rettungsdiensten sowie sozialpädagogischen Zentren.

Wann tritt die Impfpflicht in Kraft?

Die Regelung soll ab März 2022 gelten.

Was passiert bei Verstößen?

Wer sich trotz der Pflicht nicht impfen lässt, soll ein Bußgeld zahlen müssen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte am Freitag: "Ins Gefängnis muss niemand. Aber die Verhängung von Bußgeldern ist unvermeidbar."

Zudem soll 2022 im Bundestag über eine allgemeine Impfpflicht beraten und entschieden werden.

Kritik kam schon vor der Abstimmung vom Verband ambulanter Pflegedienste und stationärer Einrichtungen. Die Impfung halte man zwar für sinnvoll, es gebe aber Sorge, dass mit Einführung der Impfpflicht viele Beschäftigte kündigen würden. Bereits jetzt sei die Lage in vielen Betrieben angespannt.

Weitere Änderungen

Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes bekommen die Länder zudem die Möglichkeit anzuordnen, dass Clubs und Diskotheken, aber auch Restaurants, schließen müssen. Außerdem sollen in Zukunft auch Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker vorübergehend Impfungen gegen das Coronavirus verabreichen dürfen.

Long-Covid: Der lange Schatten einer Corona-Erkrankung

Ralf Voigtsberger lag über einen Monat wegen Covid-19 auf der Intensivstation. Das war ist neun Monate her. Noch heute leidet er unter den Nachwirkungen. Atmen fällt ihm schwer, er kann mittlerweile kurze Spaziergänge machen. Sein Arzt erklärt, welche Schäden Covid-19 im Körper angerichtet hat und wie das Virus die Organe angegriffen hat. Voigtsberger selbst spricht über die Angst, die ihm die Atemnot während der Erkrankung gemacht hat und wie ihn Long-Covid belastet.

Kekulé #254: Wir sind nicht wehrlos gegen Omikron

Wie gut schützen die Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante? Erste Studien geben Hinweise. Der Virologe spricht darüber, welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen. Brauchen nun alle eine Booster-Impfung?

Was außerdem los war

  • In Görlitz und Bautzen will der Zug- und Bahntechnikhersteller Alstom Hunderte Arbeitsplätze abbauen
  • Die Post hat für das Weihnachtsgeschäft das Personal aufgestockt. Allein in Sachsen-Anhalt sind 300 zusätzliche Arbeitskräfte im Einsatz.
  • Im Januar 2022 wird die Pfandpflicht erweitert. Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen sollen dann grundsätzlich pfandpflichtig sein. 

Zum Schluss

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende! Genießen sie den dritten Advent. Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch ein Video zeigen. Im Harz wurden Fledermäuse gezählt – eine spannende Aufgabe, auch weil sie im Dunkeln durchgeführt werden muss. 

Am Montag informiert Sie Marcel Roth im Newsletter über die wichtigsten Entwicklungen rund um Corona.

Viele freundliche Grüße
Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

KalterBrunnen vor 35 Wochen

Sicher wird es zu Kündigungen durch die Arbeitnehmer kommen. Je mehr desto besser. Meine Hochachtung vor jedem dem seine Gesundheit wichtiger ist als sein Job. Ich weiß wovon ich rede. Bin seit meiner 2. Impfung fast ununterbrochen krank.

O.B. vor 35 Wochen

Sie können sich sicher sein das die Zahlen bzw Prozente bekannt sind. Das die Zahl der ungeimpften hoch sein muss beweisst dieser Schritt. Hier nun von Coronaleugnern zu sprechen wäre mal eine ganz andere Dimension. Wo ist also die Motivation mich nicht impfen zu lassen wenn ich täglich schwerkranke oder Tote sehe? Ungeimpfte wird dieser Beschluss nicht gerade ermutigen sich impfen zu lassen.

O.B. vor 35 Wochen

Vorab fragt man sich warum soviele gerade in dem Bereich nicht geimpft sind. Sie haben täglich damit zu tun entscheiden sich aber dagegen 🤔. Dann kann man nur hoffen das diese Massnahme nicht weitere Betten kostet denn es wurden schon relativ hohe zahlen genannt von Personal das aufhören wird. Das man die Impfpflicht in Etappen macht ist vermutlich der Rechtslage oder politischem denken zu verdanken aber es erscheint mir ungerecht. Es ist bekannt das eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet wird. Das heisst tausende infizierte gehen täglich einkaufen. Warum werden nicht Discounter Angestellte einer impfpflicht unterzogen. Schließlich sind sie Systemrelevant und "nah" am potenziell infizierten Kunden. Warum geht man bei Politikern nicht mit gutem Beispiel voran mit Impflicht? Darf eigentlich der Hausarzt der sich gegen Impfen entscheidet nun noch Impfen bzw seine Patienten versorgen? Ich hoffe man hat das zu ende gedacht was ich aber bezweifle und deshalb glaube das macht es nur schlimmer.

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