Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 27. August 2021 Impfstoff auf Vorrat – Wie sinnvoll ist das?

Im multimedialen Corona-Daten-Update vom Freitag: 80 Millionen Impfdosen sollen in Deutschland auf Vorrat gelagert werden. Das zeigen Recherchen des ARD-Magazins Kontraste. Expertinnen und Experten bezweifeln den Sinn dieses Vorhabens.

Impfstoff + Newsletter-Grafik
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einen schönen guten Abend!

Zum Abschluss der Woche möchte ich Ihnen ein wenig Hör-Stoff fürs Wochenende mitgeben. Seit dieser Woche ist "Kekulés Corona-Kompass" aus der Sommerpause zurück und eines der Themen möchte ich heute im Update aufgreifen: die Einlagerungen von Impfstoffen. Wenn Sie direkt ins Thema starten wollen, geht’s hier zum Podcast. Wie gewohnt, folgt zunächst der Überblick auf die aktuellen Zahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Freitag, dem 27. August 2021, bundesweit 12.029 neu positiv Getestete gemeldet worden. Im Vergleich zum Freitag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 2.700 höher.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI verzeichnet Nordrhein-Westfalen (126), die niedrigste weist Sachsen-Anhalt mit einem Wert von 15 auf. In Thüringen und Sachsen liegt die Inzidenz am Freitag jeweils bei 19.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 1.947 ↗ (+26 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 23, davon 14 beatmet
  • Intensivbetten: 1.187 belegt, 262 frei, davon 117 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 54,6 Prozent (Erstimpfung), 51,2 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 10.241 (+1)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 277.400 (+100)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 289.588 (+127)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 650 ↗ (+3 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 7, davon 3 beatmet
  • Intensivbetten: 531 belegt, 122 frei, davon 47 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 57,8 Prozent (Erstimpfung), 55,1 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.445 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 125.724 (+91)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 130.819 (+94)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 591 ↗ (+30 zum Mittwoch)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 10, davon 4 beatmet
  • Intensivbetten: 638 belegt, 110 frei, davon 39 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 60,1 Prozent (Erstimpfung), 56,9 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.480 (+1)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 96.587
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 100.658 (+82)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Wie sinnvoll ist ein Vorrat an Impfstoff?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will offenbar Millionen von Impfdosen vorsorglich einlagern. Das haben Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" ergeben. Demnach soll eine Dosis für jede Bürgerin und jeden Bürger vorgehalten werden, sprich etwa 80 Millionen Dosen. Diese Zahl dementierte das Bundesgesundheitsministerium nach Veröffentlichung der Recherche. Dem Ministerium zufolge soll lediglich "genug Impfstoff vorhalten werden, um Auffrischungsimpfungen zu ermöglichen."

Sehen wir einmal ab von der Höhe der Impfdosen, so stellt sich die Frage danach, wie sinnvoll eine Einlagerung überhaupt ist. Der Virologe Alexander Kekulé sagt dazu im Podcast ganz klar: Zum jetzigen Zeitpunkt sei es nicht sinnvoll, Impfstoff einzulagern. "Der wichtigste Grund ist, dass wir damit rechnen müssen, dass die Impfstoffe sich weiterentwickeln," so der Virologe. Mit einer Einlagerung gehe die Gefahr einher, dass der Impfstoff in kürzester Zeit überholt sei. Schließlich verändert sich auch das Virus.

Ein weiteres Problem sieht Kekulé in der Lagerung des Impfstoffes. Gerade bei mRNA-Impfstoffen seien die Lagerfristen kritisch. Als Beispiel: Der Impfstoff von Biontec ist bei einer Lagertemperatur von -90 bis -60 Grad Celsius sechs Monate haltbar. Nach dem Auftauen – und ungeöffnet – darf er maximal einen Monat bei Kühlschranktemperatur gelagert werden.

Kritik an der Einlagerung von Impfstoffen gibt es auch von anderen Expertinnen und Experten. Sie verweisen vor allem auf die Länder im globalen Süden, wo der Impfstoff dringend benötigt wird. So sagte der Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule Berlin dem Magazin "Kontraste": "Den Impfstoff hier zu behalten und einzulagern, ist kurzsichtig und egoistisch". Er sei daher für eine schnelle Weitergabe.

Werden andere Impfstoff auch eingelagert?

Im Podcast weist Kekulé darauf hin, dass es nicht unüblich ist, Impfstoff auf Vorrat zu haben. So gebe es beispielsweise eine Notreserve für Pocken-Impfungen. Für den Fall, dass die Krankheit erneut auftreten sollte. Jedoch handele es sich hier um kleine Mengen von sehr haltbaren Impfstoffen.

Die Sorgen der Schülerinnen und Schüler

Die Sommerferien gehen in unseren drei Ländern dem Ende entgegen. Mittlerweile gibt es zwar gewisse Konzepte, dennoch befürchten viele Kinder und Jugendliche, dass die Schulen wieder schließen müssen. Felix Schopf, Vorsitzender des Landesschülerrates in Sachsen-Anhalt, sagt:

Homeschooling ist die große Sorge von uns allen. Die Abschlussjahrgänge, aber auch alle anderen. Es fängt ja in der Grundschule schon an. Wie soll man in der ersten Klasse jemandem beibringen, wie ich lese oder wie ich schreibe im Distanzunterricht. (…) Da fehlen immer noch Konzepte, wie man das gestalten kann, digitalen oder hybriden Unterricht.

Felix Schopf, Vorsitzender des Landesschülerrates

Wie Schopf die neuen Maßnahmen des Bildungsministeriums einschätzt und was sich der Landesschülerrat anders gewünscht hätte, können Sie sich hier anschauen:

Was sonst noch los war

  • In Sachsen wird in zwei Landkreisen die Maskenpflicht wieder verschärft. Wegen der gestiegenen Inzidenz in den Kreisen Zwickau und Mittelsachsen muss nun beim Einkaufen die Maske wieder getragen werden. 
  • Wenn Sie unseren Podcast "Was bleibt…" noch nicht kennen, dann hören Sie gerne in die aktuelle Folge rein. Meine Kollegen Julien Bremer und Manuel Mohr analysieren die aktuelle Corona-Lage und besprechen, warum bei einer 50er-Inzidenz zukünftig nicht mehr automatisch Einschränkungsmaßnahmen in Kraft treten.

Collage: Ein Gebäude mit Holzfassade, ein Coronavirus 55 min
Bildrechte: MDR/Annette Schneider Solis

Zum Schluss

Mit diesem Überblick auf die aktuelle Lage verabschiede ich mich für diese Woche von Ihnen.

Falls Sie noch keine Pläne für das Wochenende haben, dann haben Sie vielleicht Lust beim MDR HARZ OPEN AIR in Wernigerode vorbeizuschauen. Auf der Bühne stehen unter anderem Milow und Culcha Candela. Das erste Konzert musste am Freitagabend wegen Dauerregen jedoch schon abgesagt werden. Drücken wir die Daumen, dass es wenigstens morgen trocken wird.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Bis kommenden Montag,
Sarah Peinelt

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 26. August 2021 | 15:45 Uhr

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