Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 26. November 2021 Arztpraxen werden beim Impfen "ausgebremst"

Lächelnde blonde, junge Frau vor einer Backsteinwand
Bildrechte: Sabine Moser

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Die Deckelung der Biontech-Impfdosen könnte bald für Engpässe bei den Arztpraxen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sorgen. Außerdem: Antworten auf Fragen zur neuen Corona-Variante, die in Südafrika aufgetreten ist.

Eine Person bekommt eine Spritze, die Nadel dringt in die Haut am Oberarm ein.
In den Arztpraxen könnte es zu Engpässen beim Impfen gegen das Coronavirus kommen. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

heute haben wir gemeinsam eine Premiere: Ich schreibe meinen ersten Corona-Newsletter und Sie wiederum lesen zum ersten Mal ein Update von mir. Auch wenn ich mir einen erfreulicheren Anlass für die Premiere gewünscht hätte, beschäftigen wir uns heute mit dem knapper werdenden Impfstoff in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Außerdem schauen wir auf die neue Coronavirus-Variante und in den Landkreis Harz, wo ab Samstag in vielen Bereichen 2G+ gilt.

Wie genau das Corona-Virus unsere Körper schädigt, wissen wir noch nicht. Die Medizin hat dazu drei Hypothesen entwickelt, die wir im folgenden Video erklären:

Hauptsache Gesund 1 min
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Hauptsache gesund Do 25.11.2021 20:15Uhr 01:19 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind am Freitag, den 26. November 2021, bundesweit 76.414 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 6:25 Uhr). Im Vergleich zum Freitag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um 23.444 Fälle höher.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Bayern (+16.558)Sachsen (+12.500) und Baden-Württemberg (+11.430). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+385) und Schleswig-Holstein (+679) gemeldet.


Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnet Sachsen mit einem Wert von 1.192. Es folgen Thüringen mit einem Wert von 805 und Sachsen-Anhalt mit 686.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 95548 ↗ (+3.975 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,99 (+3,6)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 565, davon 270 beatmet, 41 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 28,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 59,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 79,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.951 (+65)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 32004 ↗ (+1.278 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 18,91 (+1,37)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 196, davon 103 beatmet, 29 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,3 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 32,5 Prozentt
  • 18-59 Jahre: 63,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 82,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4975 (+42)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 24.281 ↗ (+3.423 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 13,34 (+1,42)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 129, davon 70 beatmet, 24 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 64,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 30,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 66,8 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.766 (+13)


* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der Hospitalisierungen. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der Zeit, des Spiegel und des Hessischen Rundfunks zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Hospitalisierungsrate bestimmte Maßnahmen nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.
(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKI, Sozialministerium Sachsen, TMASGFF | Intensivpatienten: Divi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Droht riesige Lücke bei Impfstoff-Versorgung?

In Sachsen-Anhalt ist die Anzahl der Booster- und Erstimpfungen zuletzt deutlich gestiegen. So erhöhte sich die Zahl von Erstimpfungen im November nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auf 2.500. Das ist ein Drittel mehr als zu Monatsbeginn. Bei den Booster-Impfungen stieg die Zahl von 1.000 auf 11.000. In den kommenden Wochen könnten die Zahlen jedoch wieder sinken, denn deutschlandweit werden für die nächste Woche fast ein Drittel weniger Biontech-Impfdosen geliefert als in dieser Woche bestellt worden sind.

Grund dafür ist die Deckelung der Biontech-Lieferungen an Hausarztpraxen, die der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der vergangenen Woche angekündigt hatte. Hintergrund der Deckelung war, dass künftig vermehrt der Wirkstoff Moderna verimpft werden soll. Es müsse vermieden werden, dass die Dosen im ersten Quartal 2022 verfielen, argumentierte das Ministerium.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt, Jörg Böhme, beklagt den Engpass beim Impfstoff. Insgesamt werden nach Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung statt bestellter 8,5 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer rund 2,4 Millionen Dosen weniger verfügbar sein.

In dieser Woche seien in Sachsen-Anhalt rund 60.000 Impfungen in den Praxen verabreicht worden und damit 15.000 mehr als in der Woche davor, so Böhme. Durch die Engpässe würden die Haus- und Facharztpraxen nun wieder "ausgebremst“. Es werden in Sachsen-Anhalt aktuell rund 75 Prozent der Impfungen in Praxen verabreicht.

Auch die Kapazität der mobilen Impfteams könnte damit verringert werden. Nach Ansicht von Böhme kann das geplante komplette Boostern von 27 Millionen Menschen bis Weihnachten auf Grund der Lieferschwierigkeiten kaum mehr gewährleistet werden. Dafür wäre die vollständige Auslieferung der bestellten Biontech-Impfdosen erforderlich gewesen.

Ein Mediziner sitzt an seinem Schreibtisch.
Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen-Anhalt, Jörg Böhme, beklagt den Engpass beim Impfstoff. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Auch in Sachsen sorgt die Deckelung für Unmut. Wie Sebastian Michael, Vorstandsmitglied des Landesapothekerverbandes, am Freitag sagte, soll jeder Arzt kommende Woche nur 24 Biontech-Impfdosen erhalten. Das sei nur die Hälfte der ohnehin schon eingeschränkten Lieferzusage. Die Lücke könne auch nicht durch den Impfstoff von Moderna ausgeglichen werden, weil die Bestellfrist bereits abgelaufen sei.

"Katastrophales Signal"

Sachsens Sozialministerin Köpping (SPD) hat den fehlenden Biontech-Impfstoff in den Hausarzt-Praxen als "katastrophales Signal" bezeichnet. Das Vorgehen behindere die Impfkampagne und sei inakzeptabel. Es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Die Gesundheitsministerkonferenz habe den Bund bereits dringlich aufgefordert, die Lieferbeschränkungen schnellstmöglich zu beenden. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 1.192 verzeichnet Sachsen deutschlandweit die höchsten Zahlen.

Was wir bislang über die neue Virus-Variante "B.1.1.529" wissen

In Südafrika ist Wissenschaftlern zufolge eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden. Noch gibt es erst wenige Erkenntnisse über die Variante, deren wissenschaftliche Bezeichnung "B.1.1.529" ist. Wir fassen zusammen, was bislang bekannt ist:

Wo trat die Variante zuerst auf?
Das erste Mal nachgewiesen wurde die Variante B.1.1.529 vor kurzem in Botswana. Seitdem hat sie sich vor allem in Südafrika verbreitet. Aus diesem Grund wird die Bundesregierung Südafrika in der Nacht zu Samstag zum Virusvariantengebiet erklären. Laut Gesundheitsminister Spahn dürfen dann nur noch Deutsche per Flugzeug aus Südafrika nach Deutschland einreisen.

Wie ansteckend ist sie?
Noch ist es zu früh, um sichere Aussagen über die neue Variante zu treffen. Laut dem Virologen Tulio de Oliveira weist die Variante aber "eine sehr hohe Anzahl von Mutationen auf". Noch können Fachleute jedoch nicht sicher sagen, ob die Variante wirklich ansteckender ist als zum Beispiel die Delta-Variante und ob Menschen, die sich mit der neuen Variante anstecken, schwerer erkranken. Dafür gibt es noch nicht genügend Daten.

Wirkt der Impfstoff gegen die neue Variante?
Es ist bislang unklar, ob die Impfungen weiterhin effektiv gegen diese Variante schützen. Ein Unterschied der neuen Varianten zu den bisherigen ist, dass mehr als 30 Mutationen am Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus identifiziert. Das Spike-Protein spielt eine wichtige Rolle, damit das Virus in die menschlichen Zellen eindringen und sie so infizieren kann. Mutationen am Spike-Protein machten bereits die Delta-Variante ansteckender. Das führt zu einem weiteren Problem: Durch die aktuell zugelassenen Impfstoffe wird das Immunsystem darauf trainiert, das Spike-Protein zu erkennen. Wenn sich dieses Protein jedoch stark verändert, könnte das die Wirksamkeit der Impfungen reduzieren.

Der Impfstoff-Hersteller Biontech prüft bereits, ob sein Corona-Vakzin auch gegen die neue, in Südafrika aufgetauchte Virus-Variante wirkt. "Spätestens in zwei Wochen erwarten wir weiterführende Daten aus den Labortests", teilte Biontech am Freitag mit. Diese Daten würden Aufschluss darüber geben, ob eine Anpassung des Impfstoffs erforderlich sei.

In diesen Altersgruppen gab es bislang die meisten Infektionen

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren vor allem ältere Menschen stark betroffen. Danach verlagerten sich die Infektionen auch in immer jüngere Jahrgänge. Welche zwei Gruppen in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen durch besonders hohe Fallzahlen auffallen, erfahren Sie in unserem aktuellen Corona-Daten-Update.

Nachrichten

Eine Gruppe Jugendliche geht auf verlassenen Bahngleisen spazieren. mit Audio
Bildrechte: MDR/Unsplah/Anthony intraversato

Landkreis Harz führt flächendeckend 2G+ ein

Sollten Sie am Wochenende in den Landkreis Harz fahren, bedenken Sie bitte, dass dort ab Samstag in vielen Einrichtungen die 2G-Plus-Regel gilt. Davon sind unter anderem Gaststätten, Theater, Kinos, Sport- und Spielhallen sowie das Beherbergungsgewerbe betroffen. Zutritt haben dann nur noch Genesene und Geimpfte, die zusätzlich getestet sind. Grund für die Einführung der Regelung ist die hohe Inzidenz im Landkreis. Laut RKI hat der Harz inzwischen die 1.000er-Grenze überschritten.

Was heute außerdem wichtig war

Zum Schluss

Auch wenn wir auch in diesem Jahr größtenteils wieder ohne Märkte in weihnachtliche Stimmung finden müssen, wünsche ich Ihnen schon heute einen besinnlichen ersten Advent.

Das Gute ist ja: Glühwein und Plätzchen schmecken Zuhause genau so gut wie auf dem Weihnachtsmarkt. Und falls Sie noch ein paar Back-Ideen für das Wochenende brauchen, habe ich hier noch ein paar Rezepte für Sie.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende wünscht
Susann Lehmann

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR SACHSEN | 21. November 2021 | 17:20 Uhr

11 Kommentare

Horus vor 7 Wochen

Eigentlich könnte ich mich boostern lassen, mein Hausarzt macht nicht mit ,bei anderen komm ich nicht dran, im Impfzentrum kein Termin frei, mobiles Impfteam auch nichts zu machen . Fliege jetzt für drei Wochen nach Spanien und lass mich da boostern. ( Keine Ironie)

DermbacherIn vor 7 Wochen

Wie kann man den Impftag als vollen Erfolg feiern? 2,/3 waren ungeimpfte Personen. Diese Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz, werden durch die neuen Allgemeinverfügungen ausgegrenzt oder sind aufgrund der Rahmenbedingungen zur Nadel gelaufen. Das nennt man Impfzwang und nicht Erfolg!
Und wieso werden hier alle kritischen Kommentare gelöscht?! Ach ja… die Zeiten der Demokratie sind ja vorbei.

nasowasaberauch vor 7 Wochen

Die Impfzentren müssen wieder öffnen und diese bitte nicht vor Februar 2023 wieder abbauen. Das System mit mobilen Impfteams, Haus- und Fachärzte und neuerdings Impfstützpunkten den Ansturm zu bewältigen funktioniert nicht. Terminvergabe zu organisieren ist kein Hexenwerk, aber vermeidet Schlangen von 500 m Länge unter freien Himmel und jede Menge Unmut, wenn die Warterei umsonst war. (LVZ vom 27.11.)Viele Hausärzte machen nicht mit, weil der ganze organisatorische Aufwand, neben ihren normalen Aufgaben, bewältigt werden muss.

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