Corona-Daten-Newsletter | Freitag, 14. Mai 2021 Was kommt nach der Pandemie?

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Die Impfpriorisierung in Arztpraxen ist in vier Bundesländern aufgehoben. Britische Wissenschaftler haben untersucht, wie viele Fälle die Corona-Warn-App dort verhindert hat. Und: Impfdrängler gibt es auch in Mitteldeutschland.

Corona-Warn-App mit Check-in-Funktion
Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend! 

Unser Blick auf Zahlen ist schon merkwürdig, oder? Heute liegt die deutschlandweite 7-Tage-Inzidenz unter 100. Erstmals seit dem 20. März.

Was macht diese Zahl mit Ihnen? Mich lässt sie aufatmen. Nur: Was hätte diese Zahl mit uns vor einem Jahr gemacht? Sie hätte uns einen Riesen-Schreck eingejagt! Denn am 14. Mai 2020 lag die deutschlandweite Sieben-Tage-Inzidenz bei 6,3.

So neutral und faktenbasiert sie sind: Zahlen rufen Emotionen hervor.

Was macht die Zahl 1,35 Millionen mit Ihnen? 1,35 Millionen Spritzen wurden allein am Mimpfwoch gesetzt. Rekord. Und es gibt noch viele, die dran kommen wollen, aber noch nicht können.


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Ich bin da hin- und hergerissen: Wo wird aus einem Nachfragen ein Drängeln? Ab wann ist Drängeln nicht mehr gerechtfertigt?

Dass alle Impfwilligen ein Angebot bekommen, war von Anfang an die Aussage der Gesundheitspolitiker. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) ging in der vergangenen Woche davon aus, schon für Juli allen ein Impfangebot machen zu können.

Deswegen finde ich es unmöglich, wenn Menschen ohne Termin in Impfzentren gehen und dort aggressiv werden, die Beschäftigen beschimpfen oder beleidigen, wie es unsere Kollegen im Radiobeitrag berichten. Wenn allerdings eine Warteliste für alle geführt wird, damit kein Impfstoff am Ende eines Arbeitstages verloren geht, kann ich das nicht schlimm finden.

Vor allem, weil jetzt auch in manchen Bundesländern Haus- und Betriebsärzte ohne Priorisierung impfen können. Nachdem Bayern und Baden-Württemberg die Impf-Priorisierung bei den Hausärzten aufgehoben hat, hat das auch Berlin gemacht.

Und Sachsen:

Zum 24. Mai wird die Impfpriorisierung in den Arztpraxen auch in Sachsen aufgehoben, hat das sächsische Gesundheitsministerium entschieden. Um die Impfungen bei den Ärzten zügig voranzutreiben, sollen nicht unbedingt notwendige Arztbesuche bis zu den Sommerferien vermieden werden. Wer ärztliche Hilfe benötige, bekomme sie aber weiterhin, sagte Sachsens Gesundheitsministerin.

Haldenslebens Impfzentrum

... übernimmt 900 Zweitimpfungen für Magdeburg. Den Impfstoff stellt das Land Sachsen-Anhalt. Magdeburgs Oberbürgermeister Trümper (SPD) hatte Zweitimpfungen von so genannten Impftouristen aus anderen Bundesländern im April abgesagt. Gesundheitsministerin Grimm-Benne (SPD) sah den vollständigen Impfschutz in Gefahr und hält Trümpers Absagen für medizinrechtlich problematisch.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 11.336 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Im Vergleich zum Freitag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um mehr als 7.100 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+2.473), Baden-Württemberg (+2.040) und Bayern (+1.879). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+51) und dem Schleswig-Holstein (+139) gemeldet.

Die deutschlandweit höchsten 7-Tage-Inzidenzen verzeichnen laut RKI Thüringen (148), Sachsen (134) und Baden-Württemberg (119). Sachsen-Anhalt hat einen Wert von 103. Der Wert für ganz Deutschland ist 97.

Mittlerweile sind dem RKI zufolge in Deutschland 35,9 Prozent der Menschen einmal geimpft; 10,6 Prozent sind vollständig geimpft.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.) Und wie immer: Heute ist Montag; da können die Zahlen auch nicht ganz so exakt sein.

Sachsen

Aktive Fälle: 14.460 ↘ (-2264 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 363, davon 221 beatmet
Intensivbetten: 1.261 belegt, 193 frei, davon 78 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 31,1 Prozent (Erstimpfung), 14,4 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 9.453 (+9)
Schätzung der genesenen Patienten: 254.200 (+2.850)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 278.113 (+595)

Thüringen

Aktive Fälle: 8.774 ↘ (-408 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 163, davon 105 beatmet
Intensivbetten: 579 belegt, 102 frei, davon 48 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 32.8 Prozent (Erstimpfung), 14,9 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.079 (+0)
Schätzung der genesenen Patienten: 111.477 (+764)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 124.330 (+356)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 4.468 ↘ (-327 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 104, davon 72 beatmet
Intensivbetten: 695 belegt, 94 frei, davon 38 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 34,5 Prozent (Erstimpfung), 10,3 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.220 (+3)
Schätzung der genesenen Patienten: 88.517 (+557)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 96.205 (+233)

Deutschlandweit wurden dem RKI in den vergangenen 24 Stunden 190 neue Tote gemeldet. 12 Tote entfallen dabei auf unsere drei Bundesländer.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Profis wollen Profis sein

Sie alle haben in höheren Ligen gespielt. Sie alle sind eigentlich viel zu gut für die Regionalliga, die vierthöchste Spielklasse, in der Basketball für die meisten ihrer Gegner nur ein Hobby ist. Doch für sie ist Basketball ihr Leben. Unser Kollege Daniel George hat die SBB Wolmirstedt Baskets mehrere Monate begleitet. Entstanden sind vier Doku-Folgen, die immer freitags auf dem Youtube-Kanal der Sportschau erscheinen.

Was kommt nach der Pandemie?

Diese Frage treibt viele um. Und es ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Frage.

Setzen wir nahtlos an der Stelle an, an der wir in der Pandemie die Pausetaste gedrückt haben? Oder wollen wir die Veränderungen des vergangenen Jahres mitnehmen? Welche sollen das sein? Welche eher nicht? (Stichworte sind da ja zum Beispiel Gesundheitswesen, Schule, Wirtschaft, Umwelt...)

Die Fragen müssen wir alle gemeinsam beantworten. Und damit sollten wir auch langsam beginnen. Denn es ist in der Ferne abzusehen, dass wir wieder "normaler" miteinander umgehen können. Aber Corona wird bleiben: Das Bundesgesundheitsministerium verhandelt zum Beispiel bereits über Impfstofflieferungen für 2022 und danach.

Bei diesen Plänen wird vermutlich auch über die indische Mutation des Virus gesprochen. Davon gebe es in Deutschland bislang nur Einzelfälle, hat heute ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums gesagt. In Großbritannien ist diese Variante etwas weiter verbreitet, in Indien sorgt sie für furchtbar viele Tote.

Digitale Helfer gegen Corona bleiben

Dass digitale Helfer bleiben, würde ich jedenfalls so einschätzen, nachdem ich heute auf eine Studie der Uni Oxford gestoßen bin, in Tweets, die einer der Forscher verfasst hat. Die Studie selbst soll in "Nature" erscheinen und steht in einer uneditierten Version bereits online.

In der Studie geht es darum, inwieweit die britische Corona-Warn-App einen Einfluss auf das Infektionsgeschehen hatte. Die App in Großbritannien funktioniert wie in Deutschland dezentral: Jeder positiv getestete Nutzer ist selbst verantwortlich, seine Kontakte per App zu warnen; das geht schneller, als es jedes Gesundheitsamt könnte.


Die Wissenschaftler haben die Wirkung der App für die Monate September bis Dezember 2020 in England und Wales erforscht. 16,5 Millionen Nutzer hatte die App, das sind 23 Prozent der Bevölkerung. 72 Prozent der positiv Getesteten haben ihr Ergebnis geteilt und sich isoliert.

Zum Vergleich: Die deutsche App hat nach den neuesten Zahlen 27,5 Millionen Downloads, das sind 33 Prozent der Bevölkerung. 62 Prozent der positiven Testergebnisse wurden per App als Warnung geteilt (bislang mehr als 457.000, steht heute in der Corona-Warn-App).

In England und Wales wurden mit einer Warnung per App innerhalb von vier Stunden durchschnittlich 4,4 Kontakte gewarnt. Der britische Gesundheitsdienst warnt durchschnittlich 1,8 Menschen innerhalb eines Tages per Anruf, schreiben die Forscher.

Klar ist also: Es werden auch Menschen gewarnt, die der Gesundheitsdienst nicht anruft, weil er das Risiko einer Ansteckung nicht so hoch einschätzt.

Die Wissenschaftler haben ziemlich viele Zahlen gegeneinander abgewogen und berechnet. Um es kurz zu machen:

  • Die Forscher schätzen, dass sechs Prozent der Gewarnten danach Symptome entwickelten und positiv getestet wurden.
  • Weil die Forscher zwei verschiedene Methoden nutzen, gibt es auch zwei Schätzungen für verhinderte Corona-Fällen: 284.000 und 594.000.
  • Sie schreiben: "Etwa ein Fall wurde für jeden Fall abgewendet, der der Benachrichtigung seiner Kontakte zustimmte."
  • Für jedes Prozent mehr App-Nutzer kann die Zahl der Fälle um 0,8 Prozent bzw. 2,3 Prozent (je nach Methode) reduziert werden, schätzen die Forscher.

In seinem Tweet schreibt einer der Forscher noch zwei Gedanken, die ich wichtig finde:

  • "Die digitale Epidemiologie wird ein Schlüssel zukünftiger Pandemiebekämpfung sein. Personalisierte Informationen auf einem Smartphone zu erhalten, kann ein entscheidender Bestandteil bei der Eindämmung zukünftiger Pandemien sein".
  • "Ein System kann bei ausreichender Voraussicht und Planung sowohl die Privatsphäre schützen, als auch eine sehr detaillierte Epidemiologie bieten. Die Leute wollen reichhaltige Daten. Die Menschen wollen wissen, was für sie gerade riskant ist und was nicht. Sie wollen das nur nicht zum Preis der Massenüberwachung haben."
  • Wie bei guter Pandemie-Reaktion geht es auch bei der digitalen Epidemiologie "um eine gute, klare Kommunikation, die Bekämpfung wirtschaftlicher Prekarität und die Verringerung des Misstrauens. Schwierige Probleme".

Das mit der Kommunikation halte ich auch rund um die Corona-Warn-App in Deutschland für verbesserungswürdig. Denn wissen Sie, wer seit Monaten der beste Fürsprecher der deutschen Corona-Warn-App ist: Nicht die Bundesregierung, sondern die Oppositionspolitikerin Anke Domscheit-Berg (Linke) erklärt die Vorzüge der App am besten. Erst heute wieder im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen".

Wegen eines Hackerangriffs hat Irlands Gesundheitsdienst alle IT-Systeme heruntergefahren. Der Angriff soll der Cyberattacke auf eine US-Pipeline ähneln.

Zum Schluss

Empfehle ich Ihnen wie jeden Freitag unsere Newsletter-Schwester "LTWLSA – das multimediale Update zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt". Heute hat es Thomas Vorreyer gestaltet. In meinem Postfach wartet es schon. Und Sie können es wie alle anderen Folgen auch online lesen und sich dafür anmelden, dann landet es auch in Ihrem Postfach.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, falls das Wetter nicht so mitspielt, zwei kurze Tipps:


Seien Sie morgen früh nicht überrascht, wenn Sie etwas vom Mars hören: Der chinesische Mars-Rover landet heute Nacht im kurz nach eins auf dem roten Planeten.

Am Montag übernimmt hier Julia Heundorf. Grüßen Sie sie von mir.

Alles Gute
Marcel Roth

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 14. Mai 2021 | 11:00 Uhr

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