Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 8. Dezember 2021 Endlich: Kinder rücken in den Fokus der Pandemiebekämpfung

MDR SACHSEN-ANHALT-Autor Hannes Leonard steht im Profil vor einer Wand
Bildrechte: MDR/Hannes Leonard

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Verstärkt wird sich nun endlich um die jüngsten Betroffenen der vierten Corona-Welle gekümmert, um die Kinder. Außerdem gibt's Infos zur neuen Omikron-Variante. Und: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Schüler einer Grundschule warten an einer Tür.
Der Schutz von Kindern rückt in den Mittelpunkt der Pandemiebekämpfung. Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend,

als Vater zweier Kinder möchte ich Ihnen zurufen: endlich! Endlich rückt in dieser vierten Welle der Schutz der Kinder vor dem Corona-Virus in den Mittelpunkt.


Aber ein Zeitpunkt zum Aufatmen ist das noch nicht, scheint mir. Die Situation in den Krankenhäusern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist immer noch dramatisch. Die Intensivstationen sind voll, es droht "Alarmstufe Rot", die Triage wird sicher kommen, befürchten Klinikchefs. Sprachlos angesichts der Leitung von Ärzten und Pflegern war ich bei diesem Video:

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Und dabei ist noch gar nicht die neue Corona-Variante Omikron eingepreist. Der Virologe Christian Drosten befürchtet auch hierzulande ab Anfang kommenden Jahres Schwierigkeiten mit dieser Variante. "Das Virus wird auch in Deutschland zuwachsen", sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité im Podcast "Coronavirus-Update" bei NDR Info: "Ich denke, ab Januar werden wir mit Omikron in Deutschland ein Problem haben."

Der Virologe meinte aber auch, dass es rund um die Variante noch viele offene Fragen gebe und mehr Daten abgewartet werden müssten. Mehrfach sprach Drosten von einer "Ratestunde". Er wolle auch nicht den Teufel an die Wand malen, halte aber Vorsicht angesichts der Veränderungen des Virus für geboten, sagte der Charité-Forscher im Podcast. Ich fürchte, angesichts dessen müssen wir weiter die Zähne zusammenbeißen.

Und auch Virologe Alexander Kekulé empfiehlt, angesichts von Omikron momentan abzuwarten und Daten auszuwerten. In Kekulés Corona-Podcast sagt er: "First things first. Also das, was zuerst erledigt werden muss, muss zuerst erledigt werden. Und das sind unsere Probleme hier und das ist Delta, das kann man nicht oft genug sagen. Das stimmt auch nach wie vor".

Positive Nachrichten für Eltern

Etwas positivere Nachrichten für Eltern kommen aber aus Thüringen. Der Freistaat bezahlt Coronatests für Kita-Kinder. Alle Thüringer Kindergärten sollen künftig für die Über-Dreijährigen zweimal pro Woche kostenlose Coronatests bereitstellen. Das hat das Thüringer Kabinett am Dienstag beschlossen. Die Finanzierung übernimmt das Land.

Und, ebenfalls erfreulich: In Thüringen können Eltern nun an Impftermine für ihre fünf- bis elfjährigen Kinder kommen. Auf dem Thüringer Corona-Impfportal sind die ersten Termine freigeschaltet worden. Geimpft wird ab nächster Woche in Leinefelde, Erfurt, Sömmerda und Gera. Nach Weihnachten sollen dann alle Thüringer Impfstellen Termine anbieten.

In Sachsen-Anhalt sind die Corona-Regeln in Horten und Kitas noch einmal verschärft worden. Ziel sei es, so heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT aus dem Gesundheitsministerium, "die Kita-Betreuung im Regelbetrieb an die pandemischen Bedingungen anzupassen, um Schließungen zu vermeiden". Neu ist: Kinder mit Corona-Symptomen dürfen nur mit negativem Corona-Test in die Einrichtung und die Kleinen werden wieder in Kohorten betreut.

Außerdem bereiten die Kinderärzte in Sachsen-Anhalt die Impfungen der Kleinen vor. Bis das so weit ist, sind noch einige Schwierigkeiten zu überwinden, wie der Chef der Kinderintensivmedizin am halleschen Elisabeth-Krankenhaus, Roland Haase, MDR SACHSEN-ANHALT sagte. So wisse man auch noch nicht genau, wo die Kinder geimpft würden und von wem. Weiter ist man da schon in Sachsen: Im Herzzentrum in Leipzig werden ab heute auch Kinder ab fünf Jahren gegen Corona geimpft.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 8. Dezember 2021, bundesweit 69.601 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 3:50 Uhr). Die 7-Tage Inzidenz gab das RKI mit 427 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 432,2 gelegen – allerdings gab es dabei technische Schwierigkeiten bei der Übermittlung der Zahlen aus Sachsen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 442,9 (Vormonat: 201,1).

In Sachsen betrug die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner 1.125,0, nachdem sie am Dienstag bei 1.082,1 gelegen hatte. Der Freistaat hat seit längerem die höchste Inzidenz in Deutschland. Am Mittwoch folgten die Nachbarländer Thüringen (1.028,0) und Sachsen-Anhalt (890,0) auf den Plätzen.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Behörden von Land und Kreisen. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 102.761 ↘ (-2.076 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 7,99 (+1,65)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 571, davon 302 beatmet, 171 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 29,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 59,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 79,8 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 14,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 11.334 (+27, Stand: 07.12.)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 47.370 ↗ (+1.785 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 9,43 (+2,78)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 213, davon 115 beatmet, 55 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 63,3 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 34,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 65,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,1 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 17,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5191 (+64, Stand: 07.12.) 

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 35.786 (Stand: 07.12.)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,93 (-1,28)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 569, davon 86 beatmet, 27 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 65,7 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 31,9 Prozent
  • 18-59 Jahre: 68,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 17,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3886 (+22)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Zwei Dutzend Corona-Todesopfer in Rudolstädter Pflegeheim

Bestürzt hat mich diese Geschichte: In einem Pflegeheim in Rudolstadt hat es einen massiven Corona-Ausbruch gegeben. Mit Stand Dienstag wurden dort 28 Todesopfer registriert, wie eine Sprecherin des Betreibers mitteilte. Insgesamt 22 von ihnen hätten keinen vollständigen Impfschutz gehabt. Insgesamt waren nach Angaben des Landratsamts ein Drittel der über 140 Bewohner nicht geimpft.

Corona-Infizierte im Salzlandkreis sollen selbst Kontakte informieren

Corona-Infizierte im Salzlandkreis müssen Kontaktpersonen ab sofort selbst über ihr positives PCR-Testergebnis informieren und dem Fachdienst Gesundheit eine vollständige Liste übersenden. Mit einer entsprechenden Allgemeinverfügung reagiert der Landkreis auf das anhaltend hohe Infektionsgeschehen. Die Behörde kann nach eigener Darstellung eine umfassende und schnelle Nachverfolgung zur Unterbrechung möglicher Infektionsketten innerhalb von 24 Stunden wegen der hohen Fallzahlen nicht mehr leisten, trotz zusätzlichen Personals und effektivster Prozesse.

Auf einem Brett liegen viele kleine Osterfiguren aus Holz. 5 min
Bildrechte: MDR/Grit Krause
5 min

80 Prozent ihres Jahresumsatzes machen viele Kunsthandwerker im Erzgebirge mit dem Weihnachtsgeschäft. Zwischen Neuorientierung und Traditionsbewusstsein - wie geht es der Branche in Krisenzeiten?

MDR KULTUR - Das Radio Do 25.11.2021 18:00Uhr 04:38 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Zum Schluss ...

Was mich besonders freut: Die 2G-Regeln führen zu mehr Erstimpfungen. Heißt: Der Ausschluss von ungeimpften Menschen erhöht einer Studie zufolge die Impfbereitschaft. Drei Wissenschaftler verglichen die Entwicklung der Erstimpfungen in Landkreisen an der deutsch-österreichischen Grenze von Anfang Oktober bis Anfang Dezember. Dabei habe sich gezeigt, dass die frühere Ankündigung und Umsetzung von 2G-Regeln in Österreich dort zu einem schnelleren Anstieg der Impfzahlen führte als in Deutschland.

Das soll es für heute gewesen sein, wenn Sie wollen, lesen wir uns am Freitag wieder.

Bleiben Sie gesund!

Hannes Leonard

Mit Bestätigung dieser Anmeldung zu diesem Service willigen Sie in die Speicherung der von Ihnen eingetragenen Daten ein. Diese werden vom MDR ausschließlich dazu verwandt, Ihnen den ausgewählten Service bereitzustellen. Sie werden von uns nicht an Dritte weitergegeben oder Dritten überlassen.

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, mit E-Mail an newsletter@mdr.de den Inhalt Ihrer Einwilligung abzurufen und zu verändern sowie die Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen. Nach Widerruf bzw. Deaktivierung/Abmeldung des Services werden Ihre Daten gelöscht.

Hinweise zum Datenschutz und Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in der Datenschutzerklärung des MDR.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 08. Dezember 2021 | 06:05 Uhr

7 Kommentare

Reuter4774 vor 7 Wochen

Ich bin doppelt geimpft und habe für 2022 meinen Boostertermin. Allerdings warte ich bei meinem Sohn erstmal ab. Herzmuskelentzündungen ausschließlich bei Jungen finde ich nicht prickelnd oder minimal. Zumal da nicht immer eine vollständige Ausheulung möglich ist und deutliche Folgeschäden zurück bleiben können. Da warte ich mindestens 6- 9 Monate praktische Erfahrung mit Kinderimpfungen ab.

MDR-Team vor 7 Wochen

Lieber Wo geht es hin, zur Impfung für Kinder gibt verschiedene Meinungen. Zusammengefasst ist das hier gut von den KollegenInnen des WDR: https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/kinder-jugendliche-gefahr-delta-variante-100.html Letztlich ist die Impfung für Kinder nur ein Angebot. Jeder kann selber entscheiden, ob er sein Kind impfen lassen möchte oder nicht. Liebe Grüße

Felix vor 7 Wochen

"als Vater zweier Kinder möchte ich Ihnen zurufen: endlich! Endlich rückt in dieser vierten Welle der Schutz der Kinder vor dem Corona-Virus in den Mittelpunkt."
Es ist erschreckend, wie Angst die Wahrnehmung vernebelt. Sie sprechen von Schutz für die Kinder? Welchen Schutz haben bitte schön Kinder bzgl. einer sie nahezu nicht betreffenden Krankheit nötig? Sie finden, dass Tests, Masken, Kontaktreduzierung, Impfung, ... die Kinder schützt? Diese ganzen Dinge sind so weit entfernt von den Bedürfnissen, die Kinder haben und deren Erfüllung für eine gute Entwicklung notwendig ist. Wir vermitteln den Kindern Angst, wo sie Geborgenheit benötigen. Wir verhindern ihnen eine unbeschwerte Kindheit - freies Spielen mit anderen Kindern usw. usf.. Und wir vergiften Sie ohne Not mit einer sogenannten Impfung, die extrem viele Nebenwirkungen und Gefahren für die Kinder haben kann. Das nennen Sie Schutz? Ich wünsche Ihnen, dass Sie von Ihrer Angst befreit werden.

Mehr aus Deutschland