Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 17. März 2021 Ist das die dritte Welle?

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Die Infektionszahlen steigen, Mitteldeutschland verzeichnet die deutschlandweit höchsten Inzidenzen, mit je dreistelligen Werten. Während Sachsen und Sachsen-Anhalt kaum die 100 überschreiten, nähert sich Thüringen der 200. Aber es gibt Hoffnung. Drei Faktoren könnten die Ausbreitung verlangsamen.

Grafik Entwicklung Corona-Zahlen plus Prognosen
Ein Mathematiker hat mögliche Infektionsgeschehen simuliert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

Sie beobachten es selbst: Die Corona-Zahlen steigen. Deshalb blicken wir heute wie gewohnt auf die aktuelle Lage und schauen dann, welche Infos und Hinweise es zum Thema "dritte Welle" gibt. 

Falls Sie in Thüringen wohnen und aktuell Anspruch eine Impfung haben, weise ich Sie darauf hin, dass im Freistaat heute 18.000 neue Termine für die Impfung mit Biontech/Pfizer für die kleineren Impfzentren freigeschaltet wurden. Dass es noch verfügbare Termine gibt, wenn dieser Newsletter bei Ihnen ankommt, kann ich Ihnen leider nicht versprechen. 

Mein Kollege Martin Paul hat gestern viele Argumente zum Astra-Zeneca-Stopp für Sie gesammelt. Die Diskussionen gehen weiter, aber Tatsache ist, dass Deutschland und andere europäische Länder weiterhin die Impfung mit dem britischen Impfstoff aussetzen. Im Herkunftsland kann man das nicht nachvollziehen. Großbritannien impft weiter mit dem in Oxford entwickelten Astra-Zeneca und kritisiert den Stopp in anderen Ländern.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

13.435 neue Corona-Fälle wurden dem Robert Koch-Institut seit gestern gemeldet, davon 2.808 in Nordrhein-Westfalen, 2.184 in Bayern und 1.960 in Baden-Württemberg.

Weiterhin liegen nur in unseren drei Ländern die Inzidenzen im dreistelligen Bereich: In Thüringen sind in den vergangenen sieben Tagen 173 Menschen pro 100.000 Einwohnern positiv auf Corona getestet worden, 109 in Sachsen und 105 in Sachsen-Anhalt. Zum Vergleich:

In der vergangenen Woche lagen die Inzidenzen bei 134 in Thüringen, 83 in Sachsen-Anhalt und 76 in Sachsen.

Die deutschlandweite Inzidenz liegt aktuell bei 86.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 9.520 ↗ (+361 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 203 (+5), davon 110 beatmet (-3)
  • Intensivbetten: 1.143 belegt, 355 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.247 (+18)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 188.100 (+650)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 205.867 (+1.029)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 6.899 ↗ (+179 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 142 (+16), davon 76 beatmet (+5)
  • Intensivbetten: 624 belegt, 82 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.189 (+27)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 74.630 (+579)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 84.718 (+785)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.106 ↗ (+128 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 73 (-4), davon 39 beatmet (-1)
  • Intensivbetten: 733 belegt, 97 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.641 (+15)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 59.532 (+331)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 66.279 (+474)

Thüringen ist weiter trauriger Spitzenreiter Deutschlands bei den Corona-Zahlen. In Sachsen-Anhalt schreiten indes die dezentralen Impfungen voran – neuerdings auch im Landkreis Börde. Aber der Stopp der Impfungen mit Astra-Zeneca führt auch in Mitteldeutschland dazu, dass zahlreiche Impftermine abgesagt werden mussten. Im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt betrifft das etwa die Hausarzt-Praxen, die erstmals Corona-Impfungen durchführen wollten.

Deutsche Intensivmediziner mahnen indes, die Lockerungen zurückzunehmen. Uwe Janssens vom Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sagte dem Deutschlandfunk, man müsse angesichts der Inzidenzwerte von über 100 bei den Lockerungen zurückrudern. 

Auch der Thüringer Intensivmediziner Michael Bauer berichtet von der Sorge, "dass wir jetzt von einem höheren Plateau aus in eine Welle starten, die auch Nicht-Covid-Patienten gefährdet, weil die Kapazitäten auf den Intensivstationen knapp werden." Er sagt, in Thüringen sei derzeit etwa jedes fünfte Bett mit einem Covid-Patienten belegt.

Und er sagt: Seine Kolleginnen und Kollegen und er würden damit rechnen, dass die Bundes-Inzidenz erneut über 100 steigt. Sein Fazit: "Damit sind wir einfach in der dritten Welle."

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Die Entwicklung der Corona-Zahlen

Die Inzidenzen in unseren drei Ländern sind innerhalb von einer Woche deutlich gestiegen, in Thüringen sogar um 39. Aber auch der Deutschland-Wert ist stark gestiegen – von 65,4 auf 86,2. 

Nun könnte man denken, es läge daran, dass zahlreiche Menschen sich kürzlich private Schnelltests anschaffen konnten. Ein Faktencheck der Tagesschau zeigt aber: Das ist nicht der Fall. Demnach ist nämlich auch die Positivrate der PCR-Tests gestiegen. 

Auch die Ausbreitung der britischen Mutante deutet nicht auf Entspannung der Situation hin. Der Mathematik-Professor Kristian Schneider von der Hochschule in Mittweida sagt: Die Mutante kann man nicht mehr aufhalten. Schneider simuliert und modelliert Infektionsszenarien. 

Da kommt der R-Wert wieder ins Spiel. In den letzten Wochen lag der in Deutschland bei 0,8 und 0,9. Die britische Mutante ist 35 bis 40 Prozent ansteckender als die ursprüngliche Variante. Mit der Ausbreitung der ansteckenderen Variante, stiege auch der R-Wert an und die Infektionszahlen würden wieder deutlich ansteigen.

Aber: Auch heute kann ich gute Nachrichten nachschieben. Es gibt laut Schneider drei Faktoren, die das Infektionsgeschehen zu unseren Gunsten beeinflussen können.

Er sagt:
1. Das Wetter könnte helfen. 
2. Die Menschen können ihren Beitrag leisten.

(Indem wir Mund-Nasen-Schutz tragen und zwar richtig. Schneider: "Wichtig ist, dass Mund und Nase gut bedeckt sind und der Nasenbügel der Masken nicht nur gequetscht sondern der Nasenform angepasst wird.")

Und 3.: Die Impfkampagne kann etwas ändern. "Die Impfung ist die sicherste und kostengünstigste Strategie, das Virus wieder los zu werden", sagt der Mathematiker. 

Ein Jahr Pandemie: Bilanz einer Klinik

Das Helios-Klinikum in Zerbst war das erste Krankenhaus, dass im vergangenen Jahr wegen einer Corona-Infektion beim Personal die Notaufnahme schließen musste. Mittlerweile läuft der Betrieb wieder normal, das Haus hat einen Extra-Trakt für Corona-Patientinnen und -Patienten eingerichtet. Pfleger Philipp Schuster hatte im vergangenen zwischenzeitlich auf der Intensivstation aushelfen müssen. "Eine ganze neue Erfahrung", sei das für ihn gewesen. Er wünscht sich für die Zukunft, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen.

Was außerdem los war

Zum Schluss

Dieses Jahr bin ich früh dran und habe schon einen Termin für meinen Räderwechsel vereinbart. Sie wissen: "Von O bis O"! Und das eine "O" ist schon in knapp drei Wochen. Nützliche Hinweise rund um Sommer- und Winterreifen und den Räderwechsel finden Sie im Video unten. 

Morgen schreibt Ihnen Alisa Sonntag, am Freitag hören Sie dann noch mal von mir. Bleiben Sie gesund. 

Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 17. März 2021 | 11:00 Uhr

2 Kommentare

pwsksk vor 30 Wochen

Für mich ist der Anstieg der Inzidenzien eine logische Folge der erhöhten Testzahlen. Warum wird das jetzt als eine so schlimme 3. Welle verkauft? Die Menschen schützen sich und das Impfen sollte auch mit logischen und logistischen Verteilungsschlüsseln weiter gehen. Maskenverweigerer etc. konsequent zur Rechenschaft ziehen.
Und endlich mal auf Kreis- und Hausärzte hören.

eeee vor 30 Wochen

Das ist die 3.Welle. Die Pleite Welle

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