Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 21. Juli 2021 To-do-Liste für die Politik

Julia Heundorf
Bildrechte: MDR/Kevin Poweska

Was während der Pandemie in der Wirtschafts- und Sozialpolitik hätte besser gemacht werden können, haben Wirtschaftswissenschaftler an der Leopoldina in Halle analysiert und aufgeschrieben. Unter anderem sollte es für Kommunen leichter sein, vorhandenes Geld zu investieren. Außerdem: Sachsen will Impfkampagne voranbringen.

Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften
Die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften befindet sich in Halle (Saale). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

die Corona-Krise hat Schwächen im System aufgezeigt. Ich denke – wie wahrscheinlich viele von Ihnen auch – zuerst an die medizinische Versorgung. Ökonominnen und Ökonomen der Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle haben die wirtschafts- und sozialpolitische Lage unter die Lupe genommen und geguckt: Was muss besser gemacht werden? Was muss die Politik machen, um fit für die nächste Krise zu sein?

Darauf gehe ich im Detail ein – nach dem Blick auf die aktuellen Zahlen und der wiederkehrenden Empfehlung des Corona-Kompass-Podcasts mit Professor Alexander Kekulé. In der aktuellen Folge beantwortet der Virologe wieder Fragen von Hörerinnen und Hörern.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind gestern aus ganz Deutschland 2.203 neue Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 11,4. Die meisten neuen Fälle sind aus Nordrhein-Westfalen (501), Bayern (333) und Baden-Württemberg (258) gemeldet worden. Die Inzidenz ist in Berlin am höchsten (21,8), gefolgt von Hessen (15,0) und Hamburg (14,9).

In unseren Ländern sind die Werte vergleichsweise niedrig: In Thüringen liegt der Wert bei 4,8, in Sachsen-Anhalt bei 3,0 und in Sachsen bei 2,9. 

Auch auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca steigt die Inzidenz derzeit. Gestern meldete das spanische Gesundheitsministerium eine Inzidenz von 335.

Betroffen sind laut MDR-Korrespondent Ingo Thor aber vor allem junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren. Diskos und Clubs sind zwar weiterhin geschlossen, aber es habe Feiern am Strand gegeben. Ab Samstag gelten deshalb wieder strengere Regeln, unter anderem für Restaurants. Mehr dazu im Radiobeitrag von heute Mittag.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 703 ↗ (+16 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 16, davon 10 beatmet
  • Intensivbetten: 1.234 belegt, 244 frei, davon 115 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 51,1 Prozent (Erstimpfung), 43,7 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 10.211 (+5)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 275.875 (+15)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 286.789 (+36) 

Thüringen

  • Aktive Fälle: 225 ↗ (+23 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 10, davon 10 beatmet
  • Intensivbetten: 569 belegt, 93 frei, davon 48 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 54,5 Prozent (Erstimpfung), 46,2 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.413 (+/-0)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 124.980 (+6)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 129.618 (+29)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 109 ↗ (+12 zum Montag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 3, davon 1 beatmet
  • Intensivbetten: 625 belegt, 115 frei, davon 51 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 56,0 Prozent (Erstimpfung), 45,6 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.453 (+12 zum Vortag)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 95.864 (+5)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 99.426 (+15)

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Leopoldina-Akademie der Wissenschaften in Halle haben die wirtschafts- und sozialpolitische Lage während der Corona-Krise analysiert und aufgeschrieben, was Verantwortliche in der Politik ändern müssen.

Das ist ihre To-Do-Liste:

- Mehr öffentliche Investitionen
- Gute Innovationspolitik
- Hürden für öffentliche Investitionen abschaffen
- Steuererleichterungen

Diese Aufgaben und To-dos greifen ineinander. Fördern müsse der Staat zum Beispiel Grundlagenforschung und unternehmerisches Handeln, sagte der Präsident der Arbeitsgruppe, Professor Christoph Schmidt MDR WISSEN.* Es müsse der öffentlichen Hand zudem leichter gemacht werden, tatsächlich zu investieren. Kommunen hätten nämlich in der Vergangenheit vorhandenes Geld teilweise nicht investiert, weil es zu aufwendig oder kompliziert gewesen sei.

Die Ökonominnen und Ökonomen, die die Situation gemeinsam analysiert und die Handlungsempfehlungen aufgeschrieben haben, haben dafür vier Themengebiete betrachtet: Strukturwandel und Wirtschaftswachstum, Verteilung und Ungleichheit, Leistungsfähigkeit von staatlichen Organisationen sowie Staatsfinanzen.

Christoph Schmidt ist Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Professor an der Ruhr-Universität Bochum. Im Gespräch mit MDR WISSEN hat er die wichtigsten Aspekte der ökonomischen To-do-Liste erklärt.

Schlusslicht bei Impfquoten: Wie Sachsen die Impfbereitschaft erhöhen will

Im Vergleich der Impfquoten der Länder ist Sachsen das Schlusslicht. Knapp mehr als die Hälfte der Menschen im Freistaat hat eine Impfung erhalten, etwa 44 Prozent sind zweitgeimpft. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte: "Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Verständnis. Wir brauchen Solidarität und Nächstenliebe." Materielle Anreize oder Pflichten lehnte er ab. Auf einem Impfgipfel diskutierten Politikerinnen und Politiker mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft und von Interessenverbänden über Möglichkeiten, die Impfkampagne voranzubringen.

Sowohl die USA als auch Israel sind bei der Impfung im Vergleich zu anderen Ländern, darunter Deutschland, vergleichsweise schnell vorangekommen. Trotzden steigen die Zahlen in beiden Ländern wieder. Der Anteil an Infektionen mit der Deltavariante ist jeweils hoch.

Die Deltavariante macht den Großteil der Corona-Infektionen in den USA aus, nämlich 83 Prozent. Die Zahl der Neuinfektionen steigt nach Angaben der Regierung derzeit im ganzen Land an, aber vor allem in Regionen mit niedriger Impfquote. Die USA machen viel Werbung für die Impfung, unter anderem mit Popstars wie Olivia Rodrigo.

Die Zahl der Neuinfektionen in Israel liegt bei etwa 1.400 – ähnlich viele wie in Deutschland. Israel hat aber circa neunmal weniger Einwohner als Detuschland. Auch hier breitet sich die Deltavariante aus. Die Zahl der schweren Verläufe bleibt aber niedrig. Israel hat die Corona-Regeln wieder verschärft. So müssen die Menschen zum Beispiel beim Einkaufen wieder Masken tragen. Die Maskenpflicht war zwischenzeitlich abgeschafft worden.

Zum Schluss

In Sachsen-Anhalt hat sich der Schnitt der Abitur-Noten trotz Corona verbessert. Viele Schülerinnen und Schüler erreichten in diesem Jahr die Bestnote von 1,0. Gleichzeitig gibt es junge Menschen, die mit Homeschooling und Distanzunterricht ihre Schwierigkeiten hatten und eine Klasse wiederholen möchten. Das ist prinzipiell möglich, man muss aber Voraussetzungen und Fristen beachten. Wie die Regeln in Sachsen,Sachsen-Anhalt und Thüringen sind, erfahren Sie bei #MDRklärt oder auf Instagram. 

Damit verabschiede ich mich. Das nächste Corona-Daten-Update erhalten Sie am Montag von Olga Patlan

Ich wünsche Ihnen weiterhin eine angenehme Woche und gute Gesundheit. 
Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. Juli 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Dachs vor 18 Wochen

Ich kenne viele welche sich nur mit SputnikV impfen lassen würden wenn er denn zugelassen und verfügbar wäre. Die Politik ist zum Handeln aufgerufen.

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