Corona-Daten-Newsletter | Mitwoch, 29. September 2021 Infiziert trotz Impfung?

Volontärin Fabienne von der Eltz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im multimedialen Corona-Daten-Update von Mittwoch: Auch Geimpfte können sich noch mit dem Coronavirus anstecken. Das nennt man Impfdurchbruch. Dieser ist bekannt und relativ selten. Seit Verbreitung der Delta-Variante werden Impfdurchbrüche häufiger, machen aber nur einen geringen Anteil aller Infektionen aus. Schwere Krankheitsverläufe bei Geimpften komme selten vor. Besonders anfällig für Impfdurchbrüche sind Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Eine Frau drückt ein Pad auf ihren Oberarm, nachdem sie eine Spritze erhalten hat.
Auch Geimpfte können sich noch mit dem Coronavirus infizieren. Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend!

seit ich gegen Corona geimpft bin, gehe ich sorgloser und sicherlich auch etwas unvorsichtiger durchs Leben. Was ich oft vergesse: Trotz Impfung kann ich mich noch mit dem Virus anstecken. Impfdurchbruch nennt man das.

Wie es dazu kommen kann, wer besonders anfällig für Impfdurchbrüche ist und wie schwer die Krankheit bei Geimpften verläuft, lesen Sie heute in unserem Corona-Update.

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, dem 29. September 2021, bundesweit 11.780 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 7:45 Uhr), die meisten aus Bayern (2.692), Baden-Württemberg (2.200) und Nordrhein-Westfalen (81.841). Am vergangenen Mittwoch waren deutschlandweit 10.454 Neuinfektionen gemeldet worden. 

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz liegt laut RKI bei 61. Am höchsten ist sie in Bremen (115,9), Bayern (83,9) und Baden-Württemberg (80,3). 

In Sachsen (45,3) und Sachsen-Anhalt (33,2) ist die Inzidenz deutlich niedriger. In Thüringen hingegen liegt sie mit 70,6 über dem Bundesschnitt. 

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Sachsen
  • Aktive Fälle: 4.327 ↗ (+334 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 0,79 (-0,17)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 39 (-4), davon 19 beatmet (-2), 205 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 54,6 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 63,8 Prozent
  • 18-59 Jahre: 54,7 Prozent
  • 60+ Jahre: 77,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.288 (+5)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 2.465 ↗ (+128 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,64 (+1,18)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 17, davon 5 beatmet, 122 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 58,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 22,1 Prozent
  • 18-59 Jahre: 58,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 80,6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.459 (+/-0)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 1.393 (+55 zum Montag)
  • Hospitalisierungsrate*: 1,7 (+0,37)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 15, davon 8 beatmet, 108 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 60,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 19,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 61,4 Prozent
  • 60+ Jahre: 82,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.540 (+2)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Impfdurchbrüche: Krank trotz Impfung

Wenn sich Menschen trotz eines vollständigen Impfschutzes mit Corona infizieren, spricht man von einem Impfdurchbruch. Woran das liegt und wer besonders davon betroffen ist, haben die Kolleginnen und Kollegen der Tagesschau in einem FAQ zusammengefasst. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten: 

Warum gibt es Impfdurchbrüche?

  • Die Impfstoffe gegen das Coronavirus schützen zwar sehr gut vor einer Infektion, doch keiner hat eine Wirksamkeit von 100 Prozent. Daher kann es sein, dass sich Menschen anstecken, obwohl sie geimpft sind. Dass es zu solchen Impfdurchbrüchen kommen kann, wusste man schon nach den Zulassungsstudien. Sie sind bereits von anderen Impfstoffen bekannt.
  • Dass die Zahl der Impfdurchbrüche aktuell steigt, liegt daran, dass sich viele Menschen nicht mehr so streng an die Hygieneregeln halten, sagt Katherine O'Brien, Leiterin der Abteilung für Immunisierungen und Impfungen der WHO

Wie viele Impfdurchbrüche gibt es?

  • Laut aktuellem RKI-Wochenbericht kam es seit Beginn der Impfkampagne im Februar 2021 zu insgesamt 47.753 sogenannten "wahrscheinlichen Impfdurchbrüchen".
  • Die Daten des RKI zeigen auch, dass die Zahl der Impfdurchbrüche mit der Verbreitung der Delta-Varainte gestiegen ist. Demnach macht die Delta-Variante inzwischen 99,9 Prozent aller Corona-Infektionen in Deutschland aus.

Wer ist besonders anfällig für Impfdurchbrüche?

  • Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind besonders von Impfdurchbrüchen betroffen. Das kann zum Beispiel nach einer Organtransplantation der Fall sein oder während einer Krebsbehandlung, erklärt Immunologin O'Brien. Auch mit steigendem Alter wächst die Gefahr eines Impfdurchbruchs, da das Immunsystem unflexibler wird.
  • Die Daten des RKI zeigen, dass bei den zwölf- bis 17-Jährigen 0,5 Prozent aller Covid-Erkrankungen auf einen "wahrscheinlichen Impfdurchbruch" zurückzuführen sind. Bei den 18- bis 59-Jährigen sind es 4,2 Prozent und bei den über 60-Jährigen 5,6 Prozent.

Wie schwer ist der Verlauf nach einem Impfdurchbruch?

  • Geimpfte erkrankten im Falle einer Infektion nicht so stark wie Ungeimpfte. Viele nehmen die Infektion kaum wahr oder haben nur milde Symptome, erklärt O'Brien. 
  • Laut Daten des RKI ist der Anteil der Impfdurchbrüche an allen Covid-Fällen, die im Krankenhaus behandelt werden, zwischen 0,3 Prozent (zwölf- bis 17-Jährige), 1,5 Prozent (18- bis 59-Jährige) und 2,8 Prozent (über 60-Jährige).

Kritik an Lohnfortzahlung für Beamte

Vergangene Woche hat meine Kollegin Julia Heundorf Sie bereits darüber informiert, dass Ungeimpfte im Falle einer angeordneten Quarantäne keine Entschädigungen mehr bekommen sollen. Diese Regelung soll ab dem 1. November gelten, allerdings nicht für Beamtinnen und Beamte.

Der Grund dafür: Das Infektionsschutzgesetz gilt für sie nicht. Beamtinnen und Beamte arbeiten nämlich in einem Sonderrechtsverhältnis für Bund und Länder, erklärt Anna Leisner-Egensperger, Professorin für öffentliches Recht an der Uni in Jena. 

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert diese Ungleichbehandlung. "Menschen müssen in Quarantäne gehen, weil sie in ihrer Umgebung eine Ansteckung haben und da ist es völlig unerheblich, welchen Status sie haben", sagt Uschi Kruse, sächsische Landesvorsitzende der GEW. 

Corona-Ansteckung als Arbeitsunfall?

Eine Nachricht, die mich überrascht hat: Wer sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus infiziert hat, kann das unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall geltend machen. In diesem Fall hat man unter anderem höhere Ansprüche auf eine Reha und bekommt bei Arbeitsunfähigkeit eine höhere Rente.

Damit die Infektion aber als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit gilt, muss man nachweisen, dass es nicht ausgeschlossen ist, sich bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin angesteckt zu haben, erklärt Christoph Herrmann, Rechtsexperte von der Stiftung Warentest im Interview. Außerdem müsse die Infektion mit einem PCR-Test nachgewiesen werden und man brauche eine Krankschreibung für mindestens drei Tage. 

Zwei Pflegekräfte im Klinikum 5 min
Bildrechte: dpa

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 27.09.2021 10:10Uhr 05:26 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-corona-arbeitsunfall-berufskrankheit-rechtelage-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Zum Schluss...

... gebe ich zu, dass ich ein Nach-Wende-Kind und aus "dem Westen" zugezogen bin. In mir steckt also nicht besonders viel "Osten", würde ich sagen. Mit dem interaktiven Tool "Die DNA des Ostens" können Sie herausfinden, wie viel "Osten" in Ihnen steckt.

Das Projekt befasst sich mit den Eigenheiten der Geschichte Ostdeutschlands und besonderen Prägungen der Ostdeutschen in verschiedenen Generationen. Der Film läuft am Freitag um 20:15 Uhr im MDR-Fernsehen und ist jetzt schon online. 

Ebenfalls am Freitag bekommen Sie das aktuelle Corona-Update von meinem Kollegen Martin Paul.

Bis zum nächsten Mal und viele liebe Grüße,
Fabienne von der Eltz

Ein Mann fährt auf einem alten Moped. 90 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

DNA des Ostens Fr 01.10.2021 20:15Uhr 89:30 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Ihr Feedback an uns

Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Mit Bestätigung dieser Anmeldung zu diesem Service willigen Sie in die Speicherung der von Ihnen eingetragenen Daten ein. Diese werden vom MDR ausschließlich dazu verwandt, Ihnen den ausgewählten Service bereitzustellen. Sie werden von uns nicht an Dritte weitergegeben oder Dritten überlassen.

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, mit E-Mail an webmaster@mdr.de den Inhalt Ihrer Einwilligung abzurufen und zu verändern sowie die Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen. Nach Widerruf bzw. Deaktivierung/Abmeldung des Services werden Ihre Daten gelöscht.

Hinweise zum Datenschutz und Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in der Datenschutzerklärung des MDR.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 29. August 2021 | 08:10 Uhr

8 Kommentare

DermbacherIn vor 8 Wochen

Schwurbler, Querdenker und Verschwörungsgläubige … sind für mich Politik und Medizinindustrie, denn es wird suggeriert, dass schwere Corona Nebenwirkungen durch Alter und Impfstatus bedingt werden. Da dies offensichtlich nicht allein richtig ist, haben für mich diese Institutionen ihre Glaubwürdigkeit betreffend Corona verloren.

DermbacherIn vor 8 Wochen

Die Natur ist klüger als die Politiker, positive Testergebnisse bei geimpften bedeuten eine Replikation des Virus in ihnen, es ist also eine Frage der Zeit, bis die resistente Mutation auftritt und dann das Spiel von Neuem beginnt. Damit wird auch der generelle Lockdown dorthin kommen, wo er auch hingehört- in die Geschichtsbücher. Das Bashing der ungeimpften ist die typische Reaktion von schwachen Menschen, die denken, dass man als große dominierende Gruppe zwangsläufig der klügste ist. Jeder sollte die Freiheit der Entscheidung über seine eigene Gesundheit haben. Allein der Gedanke, dass die nicht geimpften die Geimpften gefährden würden, sagt alles über die Logik der Kampagne aus.

Taf73 vor 8 Wochen

Liebe Frau Fabienne von der Eltz, Sie schreiben: "Auch Geimpfte können sich noch mit dem Coronavirus anstecken. Das nennt man Impfdurchbruch. Dieser ist bekannt und relativ selten. Seit Verbreitung der Delta-Variante werden Impfdurchbrüche häufiger, machen aber nur einen geringen Anteil aller Infektionen aus.", schon in der Einleitung zum Artikel zwei fehlerhafte Aussagen, ist das Absicht? Als Impfdurchbruch bezeichnet man eben nicht einen Geimpften der positiv getestet wurde (das macht man ja nur bei den Ungeimpften), sondern nur, wenn man als Geimpfter positiv getestet wurde,...und,...Achtung,...klinische Symptome aufweist. Auf Grund dieser Definition sollte es klar sein, warum man hierzulande unwidersprochen von "relativ selten" schreiben darf. Alle neueren Studien (Wisconsin, Massachusetts, CDC) berichten von ca. 75% an Infektionen bei doppelt Geimpften. Klar, bei der seit einem Jahr laufenden Dauergehirnwäsche können sich schon mal die Koordinaten verschieben.

Mehr aus Deutschland