Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 7. April 2021 Mit Covid-19 im Krankenhaus: Das Durchschnittsalter sinkt

Julia Heundorf
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Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Die Zahl der Patienten in Thüringer Kliniken steigt derzeit. Behandelt werden im Durchschnitt jüngere Personen als in der zweiten Welle. Dadurch sinkt die Sterberate. Aber jüngere Patientinnen und Patienten belegen Betten länger.

Wiebke Bunzenthal, Gesundheits- und Krankenpflegerin, steht mit einer Infusion auf der Corona-Intensivstation im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hinter einer Glastür.
In einigen Teilen Mitteldeutschlands sind die Intensivstationen voll. Die Patienten werden jünger, aber die Belastung für das Personal ist hoch. Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

Fabian Frenzel hat Ihnen gestern aktuelle Infos zum Impfstart in Hausarztpraxen geschickt. In Kranichfeld in Thüringen hat derweil eine Kollegin vor Ort der Ärztin Tina Träger beim Impfen über die Schulter geguckt. Hören Sie, wie das ablief:

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Unsere Reporterin besuchte eine Praxis in Kranichfeld in Thüringen

MDR AKTUELL Mi 07.04.2021 12:48Uhr 01:41 min

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Heute gibt es aktuelle Infos zur Covid-19-Behandlung aus den Krankenhäusern in der Region. Die Unikliniken Mitteldeutschlands haben uns von ihren Erfahrungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff berichtet. In Thüringen hat sich mein Kollege Markus Wetterauer die aktuelle Situation auf den Intensivstationen genauer angeschaut. Aber zuerst blicken wir auf die aktuellen Zahlen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden im Laufe des gestrigen Tages 9.677 neue Corona-Infektionen aus Deutschland gemeldet, die meisten davon aus Bayern (2.280), Nordrhein-Westfalen (2.038) und Baden-Württemberg (829).

Den höchsten Inzidenzwert verzeichnet weiterhin Thüringen (188), gefolgt von Sachsen (150) und Sachsen-Anhalt (139). Die deutschlandweite Inzidenz liegt bei 110.

Die Inzidenzen sind im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Am 31. März lag die Inzidenz in Thüringen bei 242, in Sachsen bei 182 und in Sachsen-Anhalt bei 158. Die deutschlandweite Inzidenz lag bei 132.

Das RKI weist daraufhin, dass bei der Interpretation der aktuellen Fallzahlen beachtet werden müsse, dass über die Feiertage weniger Menschen zum Arzt gehen, dass weniger Proben genommen und Laboruntersuchungen durchgeführt werden, und dass es auch beim Meldeweg über die Gesundheitsämter und Länder zu Verzögerungen kommen kann.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 15.924 ↘ (-212 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 348 (+2), davon 211 beatmet (+4)
  • Intensivbetten: 1.275 belegt, 200 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.562 (+25)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 205.350 (+1.600)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 229.836 (+1.413)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 9.882 ↘ (-409 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 204 (-1), davon 128 beatmet (+2)
  • Intensivbetten: 619 belegt, 72 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.460 (+23)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 85.714 (+902) 
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 99.056 (+516)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 5.959 ↘ (-108 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 119 (-1), davon 54 beatmet (-7)
  • Intensivbetten: 705 belegt, 104 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.803 (+17)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 67.778 (+606)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 76.540 (+515)

Laut DIVI-Intensivregister sind derzeit in Sachsen-Anhalt im Durchschnitt 2,6 Intensivbetten pro Standort unbelegt. In der Realität sind aber einige Intensivstationen komplett voll, so etwa im Burgenlandkreis. Auch in den Nachbarlandkreisen gibt es laut Amtsärztin Ina Schmidt keine Kapazität mehr. Patientinnen und Patienten müssten in den Norden Sachsen-Anhalts transportiert werden. Der Transport mit Vorbereitung, Fahrzeit und Nachbereitung bindet aber wiederum Personal und Ressourcen, die dann vor Ort fehlen. 

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Corona in den Kliniken

Nach dem Hin und Her bei der Zulassung des Astrazeneca-Impfstoffs haben sich meine Kolleginnen und Kollegen in den mitteldeutschen Unikliniken umgehört: Sie wollten von den Krankenhäusern wissen, ob sie den Impstoff genutzt hatten und ob es gegebenenfalls Komplikation gegeben hat.

Umfrage in Unikliniken: Eine Komplikation nach Astrazeneca-Impfung in Mitteldeutschland

Leipzig: Das Universitätsklinikum Leipzig hat insgesamt 1.154 Erstimpfungen mit Astrazeneca durchgeführt. Geimpft wurde das Personal, sowie Medizinstudierende. Dabei ist eine einzige Komplikation aufgetreten: Eine 25-jährige Frau erlitt eine Hirnvenenthrombose – eben die Komplikation, weshalb die Impfungen mit Astrazeneca eingeschränkt wurden. 

Magdeburg: Das Uniklinikum Magdeburg hat nach eigenen Angaben 1.453 Impfungen mit Astrazeneca durchgeführt, ebenfalls am eigenen Personal. Dabei seien keine schweren Komplikationen aufgetreten. Es seien Nebenwirkungen gemeldet worden, die den Zulassungsstudien entsprächen, darunter örtliche Schmerzen und Schwellungen, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. 

Die Uniklinik in Dresden hat nach eigenen Angaben keine Impfungen mit Astrazeneca durchgeführt, die Unikliniken in Jena und Halle haben bisher nicht auf die MDR-Anfrage geantwortet.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat ihre offizielle Bewertung des Astrazeneca-Impfstoffs übrigens bisher nicht geändert. Laut EMA ist der Impfstoff sicher und kann verimpft werden. Der Chef für Impfstrategie der Agentur sagte nun aber der italienischen Zeitung "Messaggero", es sei klar, dass es einen Zusammenhang gebe zwischen Impfung und seltenen Fällen von Hirnvenenthrombose. Wie genau die Komplikation entstehe, sei aber ungeklärt. Mehr dazu können Sie im Folgenden anhören.  

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Chef der EMA-Impfabteilung sieht klaren Zusammenhang

MDR AKTUELL Di 06.04.2021 15:07Uhr 01:11 min

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Intensivstationen in Thüringen immer voller

Die Patienten, die auf den Intensivstationen in Thüringen wegen Covid-19 behandelt werden müssen, sind jünger als bei der zweiten Corona-Welle. Weniger Patientinnen und Patienten, die intensivmedizinsch behandelt werden müssen, sterben. Aber: Die Zahl der Intensivpatienten steigt und das Personal ist knapp.

Der Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Uniklinikum Jena, Michael Bauer, sagte dem MDR, dass momentan etwa ein Drittel aller Intensivpatientinnen und -patienten in Thüringen wegen Covid-19 behandelt werden müsse. 

Während der zweiten Welle sei das Durchschnittsalter der intensivmedizinisch Behandelten deutlich höher gewesen: Vor allem über 80-Jährige seien damals betroffen gewesen. Nun läge das Durchschnittsalter bei 61. Der Arzt vermutet die Impfung als Ursache für diese Entwicklung – vor allem ältere Menschen sind mittlerweile geimpft. 

Bauer geht davon aus, dass die Sterblichkeit immer noch bei 25 bis 30 Prozent liegt. Zuvor habe sie – mit vielen sehr alten Menschen auf den Intensivstationen – bei rund 50 Prozent gelegen. 

Thüringen könne bisher alle Covid-19-Intensivpatienten noch selbst versorgen. Allerdings müssten viele andere wichtige Operationen zum Teil verschoben werden, darunter Herz- und Krebsoperationen. Zudem würde die Belastung für das Personal immer höher. Das Personal sei seit einem Jahr im Dauerstress. 

Personal der Intensivstation der Waldklinik Gera berichtet, dass die jüngeren Covid-19-Intensivpatienten oft länger behandelt werden müssen. Ein Bett sei etwa drei bis vier Wochen belegt. Eindrücke aus der Klinik und Erfahrungen von Oberschwester Caterina Reuchsel gibt es im Video.

Eindrücke vom Impfstart beim Hausarzt

Sachsen-Anhalt: Wackelig ging es in Sachsen-Anhalt los: Hausärztin Yvonne Wilke war bereit, aber der Impfstoff noch nicht da. Wilke glaubt, dass die Impfung beim Hausarzt viele Vorteile hat, etwa, dass sich Patientinnen und Patienten in der Hausarztpraxis wohler fühlen.

Thüringen: Evelin Heinemann aus Thüringen hat die Corona-Impfung von ihrem behandelnden Arzt direkt zuhause bekommen. Insgesamt haben 20.000 Hausärzte in Thüringen Impdosen geliefert bekommen, die nun verimpft werden.

Was außerdem los war

  • Ab 2022 soll Dresden an eine Nachtzugverbindung von Prag nach Brüssel angeschlossen werden. 
  • Die öffentlichen Haushalte haben im vergangenen Jahr ein so großes Defizit aufgewiesen wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das zeigen aktuelle Angaben des Statistischen Bundesamtes.
  • Die NATO hat sich besorgt über Russlands militärische Aktivitäten in und um die Ukraine gezeigt. Seit einigen Wochen kommt es trotz vereinbarter Waffenruhe in der Ostukraine immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen

Zum Schluss

Ist bei Ihnen gestern auch noch Schnee gefallen? 

Über den vielen Schnee auf dem Fichtelberg haben sich ein paar Leute noch gefreut – zumindest haben sie das beste draus gemacht und sind nochmal den Hang runtergerutscht. Wer von den Flocken verschont wurde, kann im Video unten noch mal sehen, wie es im Erzgebirge aussah. 

Bleiben Sie gesund. 
Mit freundlichen Grüßen

Julia Heundorf

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 07. April 2021 | 11:00 Uhr

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