Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 16. Juni 2021 Überlastet und am Limit: Pflegekräfte in Corona-Zeiten

Sarah Peinelt
Bildrechte: MDR/Manuel Mohr

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Auch wenn die Inzidenzen hierzulande sinken, hat das Pflegepersonal auf Intensivstationen weiterhin viel Arbeit. Einige überlegen, den Beruf zu wechseln oder haben es bereits getan. Denn die Probleme in der Branche sind nicht neu.

Medizinisches Personal mit Masken und Schutzkleidung hinter Schläuchen und einem Bett
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT/Alisa Sonntag

Einen schönen guten Abend,

im heutigen Update soll es um die Pflegebranche gehen. Denn gerade den Pflegerinnen und Pfleger haben die vergangenen Monate allerhand abverlangt. Als sich die Zahlen der Intensivpatientinnen und -patienten häuften, waren die Beschäftigten auf den Covid-Stationen enormen psychischen wie körperlichen Belastungen ausgesetzt.

Um auf die aus ihrer Sicht dramatischen Lage im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen, sind daher heute bundesweit Pflegekräfte auf die Straße gegangen. Anlass war die heutige Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister zu verschiedenen Corona-Themen. Auch in Erfurt, Magdeburg und Dresden beteiligten sich hunderte Beschäftigte aus Krankenhäusern, Pflege- und anderen Gesundheitseinrichtungen an der Aktion der Gewerkschaft Verdi.

Wie aktuell die Lage auf den Corona-Stationen ist, möchte ich an einem Beispiel aus Sachsen zeigen. Schauen Sie dazu gerne direkt in den Film meiner Kollegen von exakt:

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, dem 16. Juni 2021, bundesweit 1.455 neu positiv Getestete gemeldet worden. Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 570 niedriger. Deutschlandweit liegt die 7-Tage-Inzidenz nun bei 16,6.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI verzeichnen Baden-Württem­berg und das Saarland mit je mit 19. Die Inzidenzen in unseren Ländern betragen 13 in Thüringen, 8 in Sachsen und 5 in Sachsen-Anhalt.

Hier nun die Zahlen aus unseren drei Bundesländern nach Angaben der Sozialministerien. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 1.761 ↘ (- 208 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 100 (-12), davon 77 beatmet (-1)
  • Intensivbetten: 1.245 belegt, 234 frei, davon 109 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 43,9 Prozent (Erstimpfung), 28,2 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 10.088 (+9)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 274.080 (+260)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 286.129 (+61)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 970 ↘ (-190 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 38 (-2), davon 23 beatmet (-4)
  • Intensivbetten: 555 belegt, 108 frei, davon 44 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 47,1 Prozent (Erstimpfung), 27,1 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.352 (+4)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 123.840 (+230)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 129.162 (+44)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 350 ↘ (-35 zum Vortag)
  • Covid-19-Intensivpatienten: 17 (-2), davon 11 (-2) beatmet
  • Intensivbetten: 675 belegt, 128 frei, davon 55 Covid-spezifisch
  • Impfquote: 46,7 Prozent (Erstimpfung), 27,2 Prozent (Zweitimpfung)
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.412 (+3)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 95.411 (+55)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 99.173 (+23)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Die belastende Arbeit auf den Intensivstationen

Anfang des Jahres traf die Pandemie den Landkreis Meißen in Sachsen besonders hart. Das RKI meldete im Januar für den Landkreis die bundesweit höchste 7-Tage-Inzidenz. Zu dieser Zeit waren die Betten auf der Intensivstation im Fachkrankenhaus Coswig, das im Landkreis Meißen liegt, ständig belegt.

Seitdem sind einige Monate vergangenen und die Inzidenzwerte deutlich abgefallen. Doch auch wenn die Infektionszahlen gesunken sind, ist die Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte auf der Intensivstation in Coswig weiter hoch. Pfleger Jan Günzel erzählt:

"Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass wir nicht so viele Covid-positive-Patienten haben. Demzufolge müssen wir uns nicht so oft umziehen, wir haben nicht so viele Isolierungspatienten. Aber der Pflegeaufwand ist nahezu fast derselbe."

Wie Pfleger Günzel aus Sachsen geht es vielen in der Branche. Sie berichten von extremer Belastung und befürchten, dass dadurch die Versorgung der Patientinnen und Patienten leiden würde. Für 31 Prozent der Pflegerinnen und Pfleger sind das Gründe, um über einen Berufswechsel nachzudenken. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin.

Eine Umfrage von Verdi, an der Beschäftigte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen teilnahmen, zeigt ein ähnliches Bild: So gaben 52 Prozent der Befragten an, dass sie mit ihren Aufgaben innerhalb eines Arbeitstages nur eingeschränkt oder gar nicht fertig werden können. 78 Prozent der Pflegekräfte können sich nicht vorstellen, mit der derzeitigen Personalausstattung in ihrem Bereich bis zur Rente zu arbeiten. Im Krankenhausbereich sind es sogar 83 Prozent.

Probleme in der Pflege-Branche bestehen seit Jahren

Die Probleme in der Pflege sind seit Jahren bekannt. Im letzten Jahr haben Verdi, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Pflegerat errechnet, dass 40.000 bis 80.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern, bei Pflegediensten und in Altenheimen zusätzlich benötigt werden.

Eine tiefgreifende Reform hat die Bundesregierung lange verschleppt. Im Juni wurde nun die Pflegereform vom Bundestag beschlossen. Sie umfasst höhere Löhne und mehr finanzielle Entlastung für Heimbewohnerinnen und -bewohner. So sollen Pflegeeinrichtungen von September 2022 an nach Tarif bezahlen, sonst bekommen sie kein Geld von der Pflegekasse. An der Reform gibt es viel Kritik, unter anderem von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Aber auch die Frage, wer für die Mehrkosten aufkommen soll, ist unklar.

Dass die Beschäftigten in der Pflege-Branche weiterhin unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen und den Löhnen sind, haben sie erst heute wieder deutlich gemacht. Mein Kollege Fabian Frenzel hat zusammengetragen, was die Pflegerinnen und Pfleger kritisieren:

Auszeichnung für beliebtestes Pflegepersonal

Für die Arbeit der Pflegekräfte haben sich zu Beginn der Pandemie in Deutschland viele bedankt. Vielleicht erinnern Sie sich an die Bilder, als Menschen von ihren Balkonen klatschen. Auf die gute Arbeit des Pflegepersonals will auch der Verband der Privaten Krankenversicherung aufmerksam machen und hat einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Dabei soll das beliebteste Pflegeteam Deutschlands gekürt werden. Es konnten Teams aus ganz Deutschland vorgeschlagen werden. In unseren drei Bundesländern erhielten die meisten Stimmen:

Bis zum 31. Oktober können per Online-Abstimmung die Bundessiegerinnen und -sieger gewählt werden. Sie erhalten laut Verband je 2.000 Euro Preisgeld.

Zum Schluss: Ein Jahr Corona-Warn-App

Die Corona-Warn-App gibt es nun schon seit einem Jahr. Das RKI schätzt, dass durch die App 110.000 bis 230.000 Infektionsfälle entdeckt wurden. Mehr als 28 Millionen Mal wurde die App bereits heruntergeladen. Mein Kollege Marcel Roth, den Sie auch hier vom Newsletter kennen, hat sich die Anwendung nochmal genau angeschaut und erklärt unter anderem, wie man den Impfnachweis in die App lädt.

Damit verabschiede ich mich von Ihnen und wünsche noch einen schönen Abend.

Morgen schreibt meine Kollegin Julia Heundorf den Newsletter für Sie.

Bis zum nächsten Mal,
Sarah Peinelt

Warn App 3 min
Die Corona-Warn-App ist mittlerweile eine Multifunktions-App. Man kann dort zum Beispiel sein Testergebnis und seine Impfung registrieren. Bildrechte: MDR/Mike Heerdegen-Simonsen

Seit einem Jahr kann die Corona-Warn-App genutzt werden. Was die App kann, was neu ist und weitere Fragen beantwortet Technologie-Experte Marcel Roth.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 16.06.2021 10:40Uhr 03:03 min

https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/audio-fragen-antworten-corona-warn-app100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Ihr Feedback an uns

Sie haben eine Frage, wollen uns loben oder Feedback geben? Schreiben Sie uns an corona-newsletter@mdr.de

Sie wollen wissen, worum es in den vorherigen Newslettern ging? Kein Problem. Öffnen Sie einfach aus der nachfolgenden Übersicht den gewünschten Newsletter.

Mit Bestätigung dieser Anmeldung zu diesem Service willigen Sie in die Speicherung der von Ihnen eingetragenen Daten ein. Diese werden vom MDR ausschließlich dazu verwandt, Ihnen den ausgewählten Service bereitzustellen. Sie werden von uns nicht an Dritte weitergegeben oder Dritten überlassen.

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, mit E-Mail an webmaster@mdr.de den Inhalt Ihrer Einwilligung abzurufen und zu verändern sowie die Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen. Nach Widerruf bzw. Deaktivierung/Abmeldung des Services werden Ihre Daten gelöscht.

Hinweise zum Datenschutz und Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in der Datenschutzerklärung des MDR.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR EXAKT | 09. Juni 2021 | 20:15 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Deutschland