Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 21. April 2021 So leiden Kinder unter Schulschließungen

Fabian Frenzel
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Eine Studie zeigt, wie sehr Schülerinnen und Schüler unter den aktuellen Lern-Bedingungen leiden. Die Forscher fordern deshalb die Politik zum Handeln auf. Außerdem: Sachsen-Anhalt legt beim Impfen zu.

Ein Mädchen sitzt vor ihren Hausaufgaben.
Bildrechte: Hessischer Rundfunk

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

immer wieder wird völlig zurecht darüber diskutiert, wie sich die Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf Kinder auswirken.

Eine Studie der Universität München liefert dazu jetzt belastbare Zahlen. Zumindest was das Lernen während der Corona-Zeit angeht. Ich möchte Ihnen heute die wichtigsten Erkenntnisse der Studie vorstellen.

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Studie zeigt, wie Kinder unter Schulschließungen leiden

Was wurde gemessen?

Seit dem Frühjahr 2020 ist nun ein Jahr vergangen, doch Corona ist immer noch da. Damit einher gehen auch weiterhin Kontaktbeschränkungen, Lockdownsituationen und Schulschließungen. Schülerinnen und Schüler haben davon mittlerweile gleich mehrere hinter sich bzw. sind nach wie vor weit entfernt von einer normalen Unterrichtsform. Wie geht es den Kindern damit? Das Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München hat sich diese Frage gestellt und Anfang 2021 in einer deutschlandweiten Studie 2.000 Eltern befragt, wie ihre Kinder die Zeit der erneuten Schulschließung verbracht haben.

Die Ergebnisse

Die Studie liefert gleich mehrere Erkenntnisse. 76 Prozent der Kinder leiden darunter, dass sie ihre Freunde und Freundinnen nicht wie gewohnt sehen können. Das ist die eine Seite. Die soziale Komponente. Noch tiefgreifender beschäftigt sich die Studie mit der schulischen Ausbildung der Schülerinnen und Schüler. Und da zeigt sich, dass die Schüler im Durchschnitt nur 4,3 Stunden pro Tag mit schulischen Tätigkeiten verbrachten. Das sind drei Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor Corona. Und bei einigen war es noch weniger. Fast jedes vierte Kind hat sich weniger als zwei Stunden täglich mit der Schule beschäftigt.

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Stilisiertes Mauerwerk mit einem Videochat-Icon. Schrift: Herr Radtke allein zu Haus - Lehrer im Lockdown. Logo: MDR WISSEN 15 min
Lehrer im Lockdown Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Problem Eigenständigkeit

Die Studie zu den Auswirkungen auf die Kinder zeigt aber noch ein weiteres Problem. Die Kinder erhalten nicht die gleiche Unterstützung der Lehrkräfte wie im regulären Präsenzunterricht. Es fehlt an Rückmeldungen, Anregungen und Feedback. Das bedeutet, dass das Lernen auf Distanz den Kindern ein hohes Maß an Eigenständigkeit abverlangt. Sie müssen sich die Lerninhalte oft selbständig und ohne Unterstützung der Pädagoginnen und Pädagogen erarbeiten.

Um diese Distanz zu überbrücken, wäre Videounterricht ein Mittel. Doch 39 Prozent der Befragten gaben an, dass sie diesen nur maximal einmal pro Woche wahrnehmen konnten. Der Großteil des Lernens erfolgte also während der Schulschließungen über das eigenständige Erschließen des Lehrmaterials durch die Kinder selbst.

Und über die Hälfte der Eltern (56 Prozent) gab an, dass sie glauben, dass ihre Kinder in einer Stunde zu Hause weniger lernen als bei einer regulären Unterrichtsstunde vor Corona im Klassenzimmer. Die Autoren und Autorinnen der Studie nehmen deswegen an, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur effektive Lernzeit verlieren, sondern auch ein Wissensverlust entsteht.

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Münchner Studie sind ernüchternd. Der erste Lockdown 2020 und die damit verbundenen Schließungen haben das Schulwesen quasi kalt erwischt. Auf eine derartige Situation schnell zu reagieren, ist schwer. Doch ein Jahr später und mit relativ langem Vorlauf konnte das Schulsystem nicht viel abfedern oder besser reagieren. Die Folgen für die Kinder sind groß

Die Forschenden warnen: Wenn keine Distanzunterrichtskonzepte etabliert werden, die sicherstellen, dass die Kinder und Jugendlichen angemessen ausgebildet werden, können die bisher entstanden Lernverluste nicht nur nicht ausgeglichen werden, sondern sogar noch zunehmen. Deswegen fordern sie, dass die Anstrengungen im Bildungswesen ausgeweitet werden müssen. Denn – gestatten Sie mir diesen persönlichen, pathetischen aber auf der Hand liegenden Zwischenruf – unsere Kinder sind unsere Zukunft.

Wenn Sie die Ergebnisse der Studie im Einzelnen durchgehen möchten, verlinke ich sie Ihnen hier.

Außerdem können Sie die Ergebnisse gerne auch mit einer zweiten Studie vergleichen. Die Leipziger Universitätsmedizin hat schon im Frühjahr 2020 während der ersten Schulschließungen eine Befragung unter Familien durchgeführt – mit ähnlichen Ergebnissen. Diese Studie finden Sie hier.

Ich möchte Ihnen zum Thema rund um die Schulschließungen diesen Podcast empfehlen. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) stellt sich darin den Fragen von Schülerinnen und Schülern aus Halle (Saale).

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Und nun zu den Corona-Zahlen von heute. Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 21. April 2021, bundesweit 24.884 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Im Vergleich zum Mittwoch vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 3.200 Fälle höher.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+6.015), Bayern (+4.642)  und Baden-Württemberg (+3.839). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+196) und Hamburg (+227) gemeldet.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Thüringen (230) und Sachsen (201).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 21.530 (-47 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 388 (-2), davon 232 (+4) beatmet
  • Intensivbetten: 1.338 belegt, 137 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.919 (+43)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 221.250 (+2.050)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 251.699 (+ 2.046)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 10.338 (+68 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 217 (+1), davon 113 beatmet (-4)
  • Intensivbetten: 631 belegt, 75 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.726 (+13)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 96.046 (+827)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 110.110 (+908)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 7.339 (+123 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 147 (-4), davon 87 (+13) beatmet
  • Intensivbetten: 704 belegt, 108 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.007 (+15)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 75.003 (+586)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 85.349 (+724)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Was heute außerdem los war

  • Der Bundestag hat die Corona-Notbremse beschlossen. Diese soll bundesweit einheitlich greifen. Das bedeutet unter anderem eine Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr ab einer Inzidenz von 100. Außerdem müssen Schulen ab einem Inzidenzwert von 165 den Präsenzunterricht einstellen. Und es gelten ab einer Inzidenz von 150 dann verschärfte Maßnahmen in Geschäften. Mal wieder viele unterschiedliche Werte. Doch die Notbremse könnte frühestens ab Sonnabend gelten. Das Gesetz muss erst noch durch den Bundesrat. Geplant ist, dass es dann bis Ende Juni gelten soll.
  • Sachsen-Anhalt legt beim Impfen zu. Das zeigt eine Datenanalyse meiner Kollegen von MDR SACHSEN-ANHALT. Demnach hat jeder fünfte Sachsen-Anhalter bereits eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Damit liegt Sachsen-Anhalt bei den Erstimpfungen bundesweit auf Platz drei. Zum Vergleich: Thüringen und Sachsen liegen im Länderranking dort auf Platz zehn und elf.

Bis morgen

Zum Schluss möchte ich Sie noch auf die Ergebnisse der aktuellen Umfrage meiner Kolleginnen und Kollegen von MDRfragt hinweisen. Die wollten wissen, wie die Bevölkerung zu den aktuellen Corona-Maßnahmen steht. Das passt ganz gut zur heute vom Bundestag beschlossenen Notbremse. Die Ergebnisse verrate ich Ihnen hier nicht. Aber mit einem Klick sind Sie direkt dort.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und bis morgen.

Fabian Frenzel

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 21. April 2021 | 11:00 Uhr

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