Corona-Newsletter | Mittwoch, 26. Januar 2022 Impfpflicht: Gretchenfrage für den Bundestag

Alisa Sonntag
Bildrechte: MDR/Martin Paul

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Der Bundestag hat am Mittwoch zum ersten Mal über die Impfpflicht diskutiert. Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Ein Blick auf den Bundesadler, davor eine Tür, auf der 2G+ steht
Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

wenige Themen sind so heiß diskutiert wie die Impfpflicht. Meine Kollegin Sarah-Maria Köpf hatte letzte Woche schon zusammengefasst, welche Meinungen es dazu in Deutschland gibt und wie umliegende Nationen die Impfpflicht handhaben. Heute hat das Thema im Bundestag neue Wellen geschlagen. Wir halten Sie auf dem Stand der Dinge.

Außerdem soll es in diesem Update noch um neue Erkenntnisse zu Nebenwirkungen der Corona-Impfung gehen – und um Gewalt, die Impfärztinnen und -ärzte leider erfahren. Einen Überblick zur möglicherweise kommenden Impfpflicht bekommen Sie in diesem Video.

Ihnen gefällt der Newsletter? Empfehlen Sie ihn gern weiter. Wenn Sie in Zukunft den Newsletter bequem und regelmäßig in Ihrem Mailpostfach erhalten wollen, können Sie sich kostenlos hier dafür anmelden.

Bundestag diskutiert über Impfpflicht

Reichlich drei Stunden haben die Abgeordneten des Bundestages heute über eine Impfpflicht diskutiert. Es handelte sich um eine sogenannte Orientierungsdebatte, den Abgeordneten lag also kein konkreter Antrag vor. Allerdings zeichnen sich mindestens drei Tendenzen beziehungsweise fraktionsüberschreitende Gruppenanträge ab: ein Teil der Abgeordneten spricht sich für eine Impfpflicht ab 18 aus. Außerdem befürworten manche Abgeordnete einen Mittelweges mit Beratungen zur Impfung für alle Erwachsenen und einer verpflichtenden Impfung erst ab 50. Ein dritter Teil der Abgeordneten lehnt eine Impfpflicht komplett ab.

Um die Impfpflicht im Zweifel durchzusetzen, ist ein Bußgeld im Gespräch. Einen Impfzwang, bei dem die Menschen im Ernstfall mit Gewalt geimpft werden, schließen die Politikerinnen und Politiker aber aus.

Aktuell verlaufen die Konfliktlinien quer durch die Parteien, wer für oder gegen eine Impfpflicht ist, lässt sich nicht so einfach per Parteizugehörigkeit definieren. Allerdings haben sowohl die Unionsfraktion als auch die AfD-Fraktionen einen eigenen Antrag angekündigt.

Nach der Orientierungsdebatte sollen die verschiedenen Anträge ausgearbeitet werden, über die dann in der Sitzungswoche ab dem 14. Februar erstmals im Plenum beraten werden könnte. Eine Entscheidung dürfte im März fallen. Eine mögliche Impfpflicht könnte dann im Juli oder August in Kraft treten. Zuvor müsste man Ungeimpften genug Zeit für eine vollständige Impfung geben, also rund sechs Wochen (ohne Auffrischungsimpfung).

Für die Omikron-Welle wäre die Impfpflicht also auf jeden Fall zu spät, aber sie könnte bei der Vermeidung hoher Infektionszahlen im kommenden Herbst helfen. MDR WISSEN hat hier verschiedene Perspektiven der Wissenschaft auf eine Impfpflicht zusammengetragen.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 26. Januar 2022 bundesweit 164.000 neu positiv Getestete innerhalb eines Tages gemeldet worden (Stand 10:50 Uhr). Im Vergleich zum Mittwoch vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 50.000 höher.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+37.470), Bayern (+31.798) und Berlin (+17.412). Die niedrigsten Werte wurden aus Thüringen (+1.891) und dem Saarland (+2.025) gemeldet. Die höchste 7-Tage-Inzidenz laut RKI verzeichnet mit Abstand Berlin mit einem Wert von 1.796. Danach folgt Bremen mit 1.582 und Brandenburg mit 1.262.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 36.190 (+4.300 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,98 (+0,05)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 206 (-5), davon 135 beatmet, 297 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 37,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 65,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,7 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 41 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 14.058 (+17) 

Thüringen

  • Aktive Fälle: 13.345 (+689 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,38 (-0,47)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 79 (-7), davon 43 beatmet, 128 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 67,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 71,3 Prozent
  • 60+ Jahre: 85,1 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 44,8 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.472 (+22)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 18.473 (+2.265 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 4,45 (+0,78)
  • COVID-19-Intensivpatientinnen und -patienten: 73 (+/-0), davon 52 beatmet, 115 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 70,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 42,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 75 Prozent
  • 60+ Jahre: 87,4 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 45,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.561 (+17)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Jede zweite Nebenwirkung nur ein Placebo-Effekt

Ob eine Impfpflicht kommt – und falls ja, welche –, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen. Was allerdings aktuell schon vorliegt, sind neue Erkenntnisse zu Nebenwirkungen der Impfungen. Denn es hat sich gezeigt, dass jede zweite Impfnebenwirkung nur ein Placebo-Effekt ist.

Ein Team von Forscherinnen und Forschern aus Boston hat zwölf Impfstoffstudien ausgewertet. Insgesamt wurden dabei die Daten von jeweils über 22.000 Versuchspersonen, die echten Impfstoff bekamen mit denen der Placebo-Empfängerinnen und -Empfänger. Das Ergebnis: Im Schnitt klagten rund 35 Prozent der Personen, die eine Placebo-Impfung bekamen, danach über Nebenwirkungen, die den ganzen Körper betrafen und nicht nur die Einstichstelle. Bei den Impfstoffgruppen waren es 46 Prozent.

Die Anzahl beschriebener Nebenwirkungen ist zwar signifikant höher bei denjenigen, die echten Impfstoff erhalten hatten, im Vergleich zu denen, die nur einen Placebo bekamen. Dennoch waren die erlebten Nebenwirkungen in der Placebo-Gruppe so zahlreich, dass die Effekte in der Impf- und Placebogruppe sehr wahrscheinlich vergleichbar sind. Durch die rechnerische Analyse ergibt sich aus Sicht der Forscherinnen und Forscher ein Nocebo-Effekt von fast 52 Prozent. Im Klartext: Jede zweite Nebenwirkung bei den Geimpften hatte wahrscheinlich nichts mit dem Impfstoff zu tun.

Neue Studien gibt es außerdem zur einer vieldiskutierten, tatsächlichen Nebenwirkung der Corona-Impfung: der Myokarditis, also einer Entzündung des Herzmuskels. Sie tritt in sehr seltenen Fällen nach der Impfung auf. Zwei neue Studien aus den USA und aus Hong Kong haben gezeigt, dass sie vor allem bei jungen männlichen Personen nach der zweiten Impfdosis auftritt, selten ist und in keinem der untersuchten Fälle tödlich war. 

Zum Schluss ...

...möchte ich Ihnen noch eine gute Nachricht von der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg mitgeben. Dort untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nämlich gerade, warum es bei schweren Covid-19-Verläufen häufig zu Gefäßschädigungen kommt. Mit ihren Forschungen wollen sie auch zu neuen Therapiemöglichkeiten beitragen.

Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen einen schönen Abend!

Viele Grüße

Alisa Sonntag

Mit Bestätigung dieser Anmeldung zu diesem Service willigen Sie in die Speicherung der von Ihnen eingetragenen Daten ein. Diese werden vom MDR ausschließlich dazu verwandt, Ihnen den ausgewählten Service bereitzustellen. Sie werden von uns nicht an Dritte weitergegeben oder Dritten überlassen.

Sie haben jederzeit die Möglichkeit, mit E-Mail an newsletter@mdr.de den Inhalt Ihrer Einwilligung abzurufen und zu verändern sowie die Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft zu widerrufen. Nach Widerruf bzw. Deaktivierung/Abmeldung des Services werden Ihre Daten gelöscht.

Hinweise zum Datenschutz und Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in der Datenschutzerklärung des MDR.

Die mit einem * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. Januar 2022 | 06:05 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Deutschland