Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 27. Oktober 2021 Ampel-Parteien einigen sich auf Ende der Notlage – Wie geht es weiter?

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
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Im multimedialen Corona-Daten-Update: Wie geht es nach Ende der epidemischen Notlage mit den Corona-Maßnahmen weiter und wie sehen die Reaktionen aus? Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

SPD, Grüne und SPD einigen sich auf Ender der Notlage
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Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

wir alle fragen uns schon seit Monaten, wann die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen ein Ende haben. Eine Antwort darauf kann niemand so einfach geben, denn das Coronavirus wird uns auch die kommenden Jahre noch beschäftigen. Virologen gehen allerdings davon aus, dass sich die Situation im Frühjahr 2022 entspannen wird.

Das Ende der epidemischen Lage war deshalb in den vergangenen Tagen ein wichtiges Gesprächsthema in der Politik. Heute haben sich dann SPD, Grüne und FDP darauf geeinigt, die Notlage zum 25. November auslaufen zu lassen. Was es konkret bedeutet, wenn diese Pläne umgesetzt werden, und wie die Reaktionen darauf aussehen, schauen wir uns nach den aktuellen Corona-Zahlen gemeinsam an. Einen ersten Überblick zum Thema können Sie sich aber bereits in diesem Audio verschaffen.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 27. Oktober 2021 bundesweit 23.212 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Das sind 6.197 Fälle mehr als am Mittwoch vor einer Woche.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Bayern (+5.660), Baden-Württemberg (+3.924) und Nordrhein-Westfalen (+3.507). Danach folgt Sachsen mit 2.028 Neuinfektionen.

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen weiterhin Thüringen (241,8) und Sachsen (200,8) sowie Bayern (191,3). Deutschlandweit liegt die Inzidenz momentan bei 118,0.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen

  • Aktive Fälle: 16.419 ↗ (+2.049)
  • Hospitalisierungsrate*: 4,39 (+1,97)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 160, davon 70 beatmet, 60 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 56,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 24,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 57,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 78,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.379 (+11)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 8.897 ↗ (+594 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 8,54 (+3,02)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 56, davon 21 beatmet, 29 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 60,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 27,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 61,3 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4983 (+13)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.926 ↗ (+272 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,48 (+0,23)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 38, davon 20 beatmet, 31 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 25,2 Prozent
  • 18-59 Jahre: 64,1 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.580 (+3)

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Das Ende der epidemischen Notlage: So geht es jetzt weiter

SPD, Grüne und FDP haben sich geeinigt: Sie wollen die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" zum 25. November auslaufen lassen. Bis 20. März 2022 soll sie dann durch eine laufende Übergangsregelung ersetzt werden, die es den Bundesländern ermöglicht, weiterhin bestimmte Corona-Maßnahmen durchzusetzen. Die möglichen Regierungspartner präsentierten dafür heute ein Eckpunktepapier, mit dem sie jetzt auf die anderen Fraktionen zugehen wollen. Aus diesem heraus soll ein Gesetzesentwurf vorbereitet werden, der eine Änderung des Paragrafen 28a des Infektionsschutzgesetzes beinhaltet. Der entsprechende Beschluss dazu muss im Bundestag getroffen werden.

Die wichtigsten Punkte des Entwurfs von SPD, Grünen und FDP

  • Die Bundesländer sollen weiterhin Maßnahmen anordnen können. Dazu zählen beispielsweise Maskenpflicht und Zugangsbeschränkungen mit 2G- oder 3G-Regel, Abstandsgebote in öffentlichen Innenräumen sowie die Verarbeitung von Kontaktdaten von Kunden und Gästen. Außerdem sind Auflagen für den Betrieb von Bildungseinrichtungen möglich. Insgesamt ist aber von "weniger eingriffsintensiven" Maßnahmen die Rede. Ein erneuter Lockdown, Ausgangsbeschränkungen oder das Verbot von touristischen Reisen seien somit nicht mehr möglich.
  • Soziale Maßnahmen, die im Zusammenhang mit Corona auf den Weg gebracht wurden, sollen erhalten bleiben. Dazu zählt beispielsweise der vereinfachte Zugang zur Grundsicherung und die Verlängerung der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Auch die Sonderregelung zum Kinderkrankentagegeld soll bis ins Jahr 2022 hinein verlängert werden. So erhalten Eltern weiterhin 30 statt zehn Kinderkrankentage bzw. 60 statt 20 Kinderkrankentage für Alleinerziehende.
  • Die Erhöhung der Impfquote bleibt eines der wichtigsten Ziele. Deshalb soll ein Praktiker-Panel "Impfen" einberufen werden, in dem Experten Wege finden sollen, um den Impffortschritt zu beschleunigen. Zudem soll die Datenlage für künftige Entscheidungen verbessert werden. Es sei beispielsweise geplant, mehr Daten über die Belegung von Intensivbetten in Krankenhäusern sowie den Impfstatus der Patienten zu erheben.

So begründen die Parteien ihre Entscheidung

Die "epidemische Lage" war erstmals im März 2020 vom Bundestag festgestellt worden und wurde seitdem immer wieder durch das Parlament verlängert. Sie ermöglichte es der Bundesregierung und den Landesregierungen, auf vereinfachtem Weg ohne Zustimmung von Parlamenten zentrale Corona-Maßnahmen anzuordnen. Vergangene Woche hat meine Kollegin Olga Patlan für Sie bereits ausführlich das Für und Wider eines möglichen Endes der epidemischen Lage dargelegt. Bundesgesundheitsminister Spahn war einer der Ersten, der sich für die Aufhebung des Ausnahmezustands aussprach. Er argumentierte mit der hohen Impfquote, die bereits erreicht sei.

Auch SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese sagte heute bei der Vorstellung der Pläne, dass angesichts der steigenden Impfquote keine ernste Gefahr mehr für das Gesundheitssystem bestehe. Die Befugnisse der Regierungen, weiterhin in die Grundrechte einzugreifen, seien deshalb nicht länger gerechtfertigt. Trotzdem werde der 25. November "kein Freedom Day" sein. Es gelten weiterhin Schutzmaßnahmen.

Marco Buschmann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP, kritisierte die bisherigen Maßnahmen, die zu "einer absoluten Dominanz der Exekutive in der Gewaltenteilung geführt" hätten. Darunter sei das Vertrauen in die Politik verloren gegangen. Das solle sich nun wieder ändern, denn jetzt liege die Initiative wieder dort, wo sie hingehöre: beim Parlament.

Die Reaktionen auf das mögliche Ende der epidemischen Lage

Mit dem Auslaufen der epidemischen Lage ist nicht automatisch das Ende der Schutzmaßnahmen verbunden. Trotzdem steigt erneut die Möglichkeit eines "Flickenteppichs" innerhalb Deutschlands. Intensivmediziner warnen zudem davor, dass das Ende der epidemischen Lage als falsches Signal gesehen werden könnte.

Doch auch die einzelnen Bundesländer zeigten sich in den letzten Tagen skeptisch. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hatte sich dafür ausgesprochen, die epidemische Lage nicht zu beenden. Die Pandemie "gewinnt gerade wieder an Kraft und Gefährlichkeit", sagte er am Mittwoch der Deutschen-Presse-Agentur. Mit den steigenden Zahlen im Freistaat sieht er 2G zudem als "ein zwingendes Muss".

FDA empfiehlt Impfung für Kinder ab fünf Jahren

Eine Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für fünf- bis elfjährige Kinder in den USA rückt näher: Der Impfausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA empfahl am Dienstag, dem Vakzin eine Notfallzulassung für diese Altersgruppe zu erteilen. Die Experten sind der Auffassung, dass der Nutzen einer Impfung mögliche Risiken deutlich überwiegt. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, steht Covid-19-Impfungen für Kinder ab fünf Jahren weiter zurückhaltend gegenüber. "Je geringer die Krankheitslast in einer Gruppe, umso sicherer muss die Impfung sein", sagte Mertens der "Rheinischen Post". Die Krankheitslast bei Kindern in den USA "ist offenbar höher als in Deutschland".

Die Zahlen steigen Wie schützen wir jetzt am besten die Älteren?

Mit den steigenden Inzidenzen in den kälteren Monaten nimmt auch das Infektionsrisiko wieder zu. Betrachtet man die gemeldete Inzidenz nach Altersgruppe, so ist das Infektionsgeschehen bei den fünf- bis 19-Jährigen besonders hoch. Die größten Wachstumsraten gibt es derzeit aber in den Altersgruppen ab 50 Jahren. Diese machen fast 80 Prozent der COVID-19-Fälle auf den Intensivstationen aus. Damit stellt sich natürlich die Frage, wie wir diese Altersgruppe am besten schützen können.

"Für Risikogruppen und Personen ab 60 oder 70 Jahren sind Booster wohl langsam angebracht, je nachdem wann die zweite Impfung abgeschlossen wurde. Zusätzlich macht es natürlich Sinn, die gewohnten Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Also vielleicht nicht gerade das Geburtstagsfest mit ungeimpften Personen", erklärt Christian Althaus vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern.

Experten appellieren zusätzlich an das eigenverantwortliche Handeln, auch mit Blick auf die kommenden Feiertage. Maskenpflicht und die Einhaltung der Kontaktmaßnahmen, selbst wenn man geimpft ist, reduzieren das Risiko einer Infektion. Es "muss nicht die eigens gewählte Quarantäne daheim sein, aber man sollte sich schon fragen, mit wem man ein Familienfest plant", so Till Koch, Facharzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Experimente in Halle, wie Veranstaltungen in Corona-Zeiten möglich sein können

Wie können Ansteckungen mit Viren durch die Luft bei Veranstaltungen verhindert werden? Das wollen mitteldeutsche Wissenschaftler beim Projekt "Restart 2.0" ganz praktisch erforschen. Dafür werden im Puppentheater in Halle zwei Tage lang Messungen gemacht, die zeigen sollen, was eine gute Lüftung ausmacht und welche Faktoren im Raum wichtig sind.

Starker Anstieg der Inzidenz in Sachsen - Pflegepersonal wird knapp

Sachsen verzeichnet heute einen sprunghaften Anstieg der Neuinfektionen. Die Inzidenz liegt momentan bei 200,8. Die Verantwortlichen in den Krankenhäusern zeigen sich zunehmend besorgt, denn immer mehr Intensiv-Pflegekräfte haben ihre Belastungsgrenze erreicht. Die Folge: Es gibt weniger Betten, weil das Personal fehlt.

Zum Schluss ...

werfen wir einen Blick nach oben. Genauer gesagt ins Weltall. Denn dort wird der deutsche Astronaut Matthias Maurer am Sonntag hinfliegen, um auf der Internationalen Raumstation ISS zu arbeiten. Doch er ist nicht allein unterwegs. Für das Logo seiner Mission "Comic Kiss" hat sich Maurer von der "Himmelsscheibe von Nebra" inspirieren lassen und nimmt sogar eine kleine Nachbildung mit ins All. Nach seiner Rückkehr auf die Erde will er übrigens der Stadt Halle einen Besuch abstatten, um die Himmelsscheibe in echt zu sehen, erzählt er im unten stehenden Video.

Damit wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend und wir lesen uns am Freitag wieder.

Bleiben Sie gesund!

Sarah-Maria Köpf

Matthias Maurer 9 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 25. Oktober 2021 | 06:05 Uhr

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