Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 20. Oktober 2021 Mögliches Ende der epidemischen Lage – das Für und Wider

Olga Patlan
Bildrechte: Ansgar Schwarz

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Was würde das Ende der epidemischen Lage bedeuten? Was spricht dafür und was dagegen? Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, besucht mit Atemschutzmaske das Medizinische Zentrum er Radboud-Universität, Niederlande.
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Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

ich hoffe, Sie haben eine schöne Woche. Heute zum Bergfest möchte ich gern ausführlicher auf die Meldung eingehen, die am Montag erst kurz vor Redaktionsschluss kam. Wir schauen uns also an, was es genau bedeuten würde und was dafür und was dagegen spricht, die epidemische Lage zu beenden. Natürlich schauen wir uns wie immer auch die aktuellen Corona-Zahlen an. Spoiler: Sie steigen.

Vorher möchte ich Ihnen aber folgendes Video empfehlen. Gerade Musikschulen haben unter der Corona-Pandemie stark gelitten, wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr durch Aerosole. In Sachsen-Anhalt haben Musikschulen deshalb jetzt Tablets vom Land bekommen, falls der Unterricht wieder ausfallen müsste.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 20. Oktober 2021 bundesweit 17.015 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Das sind 5.112 Fälle mehr als am Mittwoch vor einer Woche, als 11.903 gemeldet wurden.

Damit steigt die 7-Tage-Inzidenz den siebten Tag in Folge und liegt nun bei 80,4 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Am höchsten ist die Inzidenz in Thüringen mit 163,5, gefolgt von Bayern (128,6) und Sachsen (116,5).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 10.243 ↗ (+907 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 2,42 (-0,35)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 119, davon 49 beatmet, 80 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 56,1 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 23,9 Prozent
  • 18-59 Jahre: 56,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 78,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.344 (+6)

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.835 ↗ (+508 zum Vortag)
  • Hospitalisierungsrate*: 5,52 (+1,41)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 40, davon 15 beatmet, 43 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 60 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 26,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 60,8 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.502 (+8)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 2.776
  • Hospitalisierungsrate*: 2,25 (-0,83)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 27, davon 13 beatmet, 32 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 24 Prozent
  • 18-59 Jahre: 63,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,5 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.569

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegell" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Ende der epidemischen Lage – ja oder nein?

Was bedeutet es?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich am Montag bei der Gesundheitsministerkonferenz der Länder für ein Auslaufen der "epidemischen Lage nationaler Tragweite" ausgesprochen. Somit könnte die Corona-Notlage am 25. November 2021 auslaufen. Die Entscheidung liegt allerdings beim Bundestag. Dieser hatte die epidemische Lage Ende März 2020 erklärt und Ende August 2021 für weitere drei Monate verlängert. Wenn sie nicht vom Parlament verlängert wird, läuft sie automatisch aus.

Die "epidemische Lage" ist Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen in Deutschland. Sie ermöglicht es, Bundesregierung und Landesregierungen Maßnahmen anzuordnen ohne Zustimmung von Parlamenten. Der Hintergrund des Beschlusses war also ein schnelleres Handeln, da es das Bundesgesundheitsministerium ermächtigte, ohne große Abstimmung Verordnungen zu erlassen, um die Grundversorgung mit Medikamenten, Schutzausrüstung oder Laborkapazitäten sicherzustellen.

Mit dem Ende des Ausnahmezustands wären wieder die Länder für die Maßnahmen zuständig. Damit dürften sich folglich auch Unterschiede zwischen den Bundesländern bei den Maßnahmen verstärken. Wichtig zu erwähnen ist, dass damit nicht das Ende aller Schutzmaßnahmen gemeint ist, da sind sich die Länder mehrheitlich einig. 

Was spricht dafür?

Spahn beruft sich bei seinem Vorstoß darauf, dass das RKI das Risiko für geimpfte Personen als moderat einstuft. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, bewertete die Ankündigung als folgerichtig. "Eine Vorlaufzeit von sechs bis sieben Wochen ist notwendig, damit sich mehr Menschen impfen lassen können", sagte Gassen. Ab Ende November könnten die staatlichen Corona-Regeln entfallen.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, unterstützt das Vorhaben. Seine Begründung: Die Mehrheit der besonders Gefährdeten sei geimpft und die Situation in Krankenhäusern stabil. Der Zeitung "Neue Westfälische" sagte er: "Auch wenn im Herbst und Winter die Zahl der Corona-Infektionen steigen wird, besteht zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund zur Panik."

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft – zu der die Landeskrankenhausgesellschaften, das Deutsche Rote Kreuz, der Bundesverband der Privatkliniken und der Städte- und Gemeindebund gehören – stimmten dem Vorschlag zu. Hauptgeschäftsführer Gerald Gaß sagte: "Ich kann den Schritt nachvollziehen und halte das auch für unproblematisch."

Auch aus der Politik kommt Zustimmung. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) beispielsweise sieht im möglichen Ende des Notstandes eine Chance: "Dann müssen wir nicht einheitlich mit anderen Ländern laufen, die völlig andere Bedingungen haben. Das haben wir in den letzten 18 Monaten öfters erlebt, dass wir uns unterwerfen mussten. Jetzt können wir nach unseren Realbedingungen entscheiden."

Was spricht dagegen?

Die Infektionszahlen steigen seit Tagen, wie wir schon in dem Block weiter oben gesehen haben. Auf diese Tatsache bezieht sich auch die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologe, Christine Falk, und nennt ein Ende der epidemischen Lage ein "kontraproduktives Signal": "Die Infektionszahlen dürften weiter steigen, die Impfquote ist zu niedrig. Es ist Konsens über mehrere Fachrichtungen hinweg, dass wir noch Disziplin und Motivation zum Impfen und zum Einhalten von Maßnahmen brauchen."

Auf die Impfquote geht auch Uwe Janssens ein, ehemaliger Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). "Rund drei Millionen Menschen über 60 in Deutschland sind noch nicht gegen Sars-CoV-2 geimpft", so Janssens. Auf die Intensivstationen könne noch viel Arbeit zukommen. Nicht unterschätzen dürfe man zudem  den hohen Druck, unter dem das Pflegepersonal stehe – schon derzeit sei der Krankenstand durch andere Erkrankungen als Corona hoch, und ein Teil der Intensivbetten könne wegen Personalmangels nicht belegt werden.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt auf Twitter: "Es klingt nach 'Freedom Day' durch den Minister." Der Winter werde als Covid-Problem unterschätzt. Es brauche mehr Schutz der Kinder, eine sinkende Inzidenz und mehr Erfolg beim Impfen.

Zum Schluss

Das wars von mir für heute. Am Freitag versorgt Sie meine Kollegin Johanna Daher mit allen Infos rund um die Pandemie. Zum Abschluss habe ich noch folgendes Video für Sie. Wie das Bild unten schon verrät, geht es um niedliche Eichhörnchen und mal nicht um fiese Corona-Viren. Ich verspreche Ihnen nicht zu viel, wenn ich Sage, dass Sie das Schauen sicherlich zumindest zum Schmunzeln bringt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend!


Herzlich
Ihre Olga Patlan

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. September 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

DermbacherIn vor 7 Wochen

Die Kurzatmigkeit zeigt sich darin, dass die Maßnahmen offenbar ohne Idee für ein Ausstiegsszenario verhängt werden. Aber was kommt dann? Darüber macht sich offenbar in der Politik noch niemand Gedanken, weil alle nur auf die Zahlen starren.

DermbacherIn vor 7 Wochen

An den Urteilen, die Gerichte jetzt sprechen, sieht man ja deutlich, dass viele der Maßnahmen über das notwendige Maß hinaus nicht begründete Einschränkungen brachten. Meine Hoffnung wäre, dass das Parlament da mehr Augenmaß beweist als die Regierungen.
Da Herr Spahn in den letzten Monaten nicht unbedingt als Verfechter von parlamentarischer Kontrolle aufgefallen ist, fürchte ich allerdings, dass sein jetziger Vorschlag eher dem Wunsch entspricht, den neu gewählten Bundestag mit einer merkwürdigen Diskussion starten zu lassen.

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