Corona-Newsletter | Mittwoch, 23. Februar 2022 Schnelltests erkennen Omikron oft nicht

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Sarah Peinelt

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Heute steht das Neue dieser Woche im Mittelpunkt: Sachsen lockert die Corona-Regeln und Schnelltests erkennen Omikronviren häufig nicht. Ein Überblick.

Ein Corona-Schnelltest zeigt ein positives Ergebnis an
Ein Corona-Schnelltest zeigt ein positives Ergebnis an Bildrechte: dpa

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

leider muss ich diesen Newsletter mit einer schlechten, aber umso wichtigeren Nachricht beginnen. Viele der gängigen Corona-Schnelltests erkennen eine Omikron-Infektion oft nicht. Das haben Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität herausgefunden. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Sachsen lockert ab heute seine Corona-Regeln und israelische Forscher haben herausgefunden, dass eine Boosterimpfung für Genesene extrem wirkungsvoll ist.
Zunächst möchte ich Ihnen aber dieses Video ans Herz legen, das die Besonderheiten von Omikron gegenüber der Delta-Variante sehr anschaulich zeigt. Die Erklärungen helfen für das Folgende.

Trotz Omikron negativer Schnelltest

Acht der vom Paul-Ehrlich-Institut bereits für frühere Varianten des Virus geprüfte Tests wiesen eine Omikron-Infektion schlechter nach als eine Delta-Infektion. Das haben Forschende um den Münchner Virologen Oliver Keppler von der Ludwig-Maximilians-Universität bewiesen.

Untersucht wurden dazu 115 Abstriche. Bei sehr hoher Omikron-Viruslast (mit einem Ct-Wert kleiner 25) schlugen die Schnelltests bei nur 31 bis rund 78 Prozent der Abstrichproben an. Bei mittlerer Viruslast (mit Ct-Werten zwischen 25 und 30) lag die Trefferquote bei Omikron-Infektionen nur bei null bis gut acht Prozent. Delta-Infektionen erkannten bei sehr hoher Viruslast fast alle Tests zu mehr als 70 Prozent. Bei mittlerer Viruslast lag die Trefferquote hier allerdings auch nur noch bei null bis 28 Prozent. Um eine 95-prozentige Nachweiswahrscheinlichkeit zu erreichen, musste bei manchen untersuchten Tests die Viruslast in einem Abstrich bei Omikron bis zu hundertmal so hoch sein wie bei Delta.

"Das asymptomatische Testen mit Selbsttests macht aus meiner Sicht wenig Sinn", sagte Keppler.

Die Forschenden fordern deshalb, dass rasch eine kurze Liste mit gut für den Omikron-Nachweis geeigneten Tests vom Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht wird – immerhin seien mittlerweile 580 Schnelltests auf dem Markt. Etwa zehn problemlos verfügbare Tests würden hierfür ausreichen.

Zumindest ein erfreuliches Teilergebnis hat die Studie aber belegt: Es hat keine falsch positiven Test-Ergebnisse gegeben.

Omikron-Welle in Thüringen

Heute wurden in Thüringen erstmals seit Pandemie-Beginn über 5.000 Neuinfektionen gemeldet. Auch die 7-Tage Inzidenz erreicht mit 1.138 einen vorläufigen Höchststand. Thüringens Landeskrankenhausgesellschaft meldet, dass die Omikron-Welle nun deutlich spürbar ist.

Allerdings sei es bisher kein Vergleich zur Delta-Welle. Die Krankenhäuser sind laut der Vorsitzenden der Gesellschaft, Gundula Werner, derzeit in der Lage, die Belastung zu bewältigen. Allerdings seien Prognosen über die weitere Entwicklung schwierig, da die Zahl der Corona-Infektionen in Thüringen anders als in anderen Bundesländern kontinuierlich steige.

Noch können die Thüringer Kliniken Werner zufolge aktuell alle Patienten behandeln, "die jetzt behandelt werden müssen". Knackpunkt sei die Personalsituation. Auch medizinisches Personal könne sich infizieren und falle dann aus oder müsse zu Hause bleiben, um infizierte Kinder zu betreuen.

Auf die genaue Auslastung der Krankenhäuser und auf die 7-Tage Inzidenz gehe ich im folgenden Abschnitt genauer ein.

Auf einen Blick: die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Mittwoch, den 23. Februar 2022 bundesweit 209.052 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Im Vergleich zum Mittwoch vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 130.000 mehr.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+43.703), Bayern (+42.140) und Baden-Württemberg (+31.172). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+655).

Die höchsten 7-Tage-Inzidenzen laut RKI verzeichnen Bayern mit 1.763,3  Brnadenburg mit 1.544,6 und Baden-Württemberg mit einem Wert von 1.525,8.

Im Folgenden nun die Zahlen, auf die sich die Länderministerien beziehen und von Behörden und Landkreisen. Diese Werte können unter Umständen von denen des RKI abweichen, da sie meist etwas aktueller sind.

Sachsen

Aktive Fälle: 104.131 ↗ (+652 zum Vortag)

Hospitalisierungsrate*: 5,27  (-0,35 )
COVID-19-Intensivpatienten: 160, davon 62 beatmet , 237 freie COVID-19-Intensivbetten

Impfquote: 63,8 Prozent (vollständig geimpft)
12-17 Jahre: 40,8 Prozent
18-59 Jahre: 66,8 Prozent
60+ Jahre: 82,4 Prozent
Auffrischungsimpfung: 45,9 Prozent

Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 14.334 (+11)

Thüringen

Aktive Fälle: 43.206 ↗ (+1.462 zum Vortag)

Hospitalisierungsrate*: 10,42 (+2,22)
COVID-19-Intensivpatienten: 46, davon 22 beatmet, 127 freie COVID-19-Intensivbetten

Impfquote: 69,5 Prozent (vollständig geimpft)
12-17 Jahre: 48,2 Prozent
18-59 Jahre: 73,4 Prozent
60+ Jahre: 85,8 Prozent
Auffrischungsimpfung: 49,7 Prozent

Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 6.664 (+4)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 65.573 ↗ (+1.448 zu Montag)

Hospitalisierungsrate*: 8,16 (+1,33)
COVID-19-Intensivpatienten: 57, davon 24 beatmet, 96 freie COVID-19-Intensivbetten

Impfquote: 72,3 Prozent (vollständig geimpft)
12-17 Jahre: 46,2 Prozent
18-59 Jahre: 77,5 Prozent
60+ Jahre: 88,1 Prozent
Auffrischungsimpfung: 51,7 Prozent

Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.730

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegel" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium Sachsen, TMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Sachsen lockert Corona-Regeln

Noch am Montag hatte ich vermeldet, wie unzufrieden der sächsische Handel sei, da im Freistaat noch immer die 3G-Regel für den Einzelhandel galt. Zum Vergleich: Die Nachbarn aus Thüringen und Sachsen-Anhalt haben diese Regeln bereits aufgehoben. Nun hat Sachsens Landesregierung angekündigt, bereits heute einige Corona-Regeln zu lockern. Dafür werde die Corona-Notfallverordnung angepasst. Die Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel entfallen komplett.

Auch Kontaktbeschränkungen für Geimpfte und Genesene entfallen. In der neuen Verordnung ist demnach vorgesehen, dass es bei Treffen keinerlei Grenzen der Personenanzahl mehr gibt, wenn nur Geimpfte und Genesene anwesend sind. Sollte mindestens eine ungeimpfte Person anwesend sein, gelte die Regel ein Hausstand plus zwei weitere Person aus einem anderen Hausstand.  Lockerungen gibt es unter anderem für den Einzelhandel, die Gastronomie und private Treffen. Kommende Woche sind weitere Öffnungsschritte geplant.

Impfung für Genesene senkt Reinfektionsrisiko deutlich

Untersucht wurden 150.000 israelische Krankenversicherte, die Covid-19 überstanden hatten und zuvor nicht geimpft waren.

Rund 83.000 hatten nach ihrer Infektion eine Impfung erhalten. Davon steckten sich 354 innerhalb der folgenden neun Monate an (Das entsprach einer Tagesinzidenz von 2,46 Fällen pro 100.000 Einwohner). Von den rund 66.000 Personen, die sich nach der Infektion nicht hatten impfen lassen, erkrankten dagegen 2.168 (Das entsprach einer Tagesinzidenz von 10,21 Fällen pro 100.000 Einwohner). Die Impfung konnte das Risiko einer erneuten Ansteckung also um 75 Prozent reduzieren.

Damit verabschiede ich mich bis Freitag von Ihnen, bleiben Sie gesund!

Ihr Max Schörm

P.S.

Ok, eine gute Nachricht habe ich noch: Magdeburg hat gute Chancen, Standort der neuen Giga-Fabrik des Chip-Riesen Intel zu werden. Die Landeshauptstadt wird zumindest als heißer Kandidat gehandelt. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zu der möglichen Ansiedelung.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 22. Februar 2022 | 11:00 Uhr

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