Corona-Daten-Newsletter | Mittwoch, 12. Mai 2021 Corona bleibt, Medikamente und Impfung helfen

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Bundesgesundheitsminister Spahn, Bundesforschungsministerin Karliczek und RKI-Chef Wieler geben neue Einschätzungen zum Impfen für Kinder und Covid-Medikamenten. Außerdem dürfen in Mecklenburg-Vorpommern Kinder und Ungeimpfte im Sommer jetzt doch Urlaub machen. Und: Warum es Streit um die Kosten von PCR-Tests gibt und weshalb Lockerungen zu früh sein können.

Illustration von Antikörperreaktion auf Corona-Infektion
Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Einen schönen guten Abend! 

"Dieses Virus wird auf Dauer jeden Deutschen infizieren, der nicht durch eine Impfung geschützt ist", sagte RKI-Chef Lothar Wieler heute Mittag in der Bundespressekonferenz.

Einerseits bin ich überrascht über die Klarheit dieser Aussage. Auf der anderen Seite ist dieser Satz einfach die Übersetzung von "endemisch". Und dieses Wort haben wir schon häufiger gehört. Medizinisch heißt das, eine Krankheit bleibt zeitlich unbegrenzt (aber örtlich beschränkt).

Ich möchte Ihnen heute noch ein paar weitere Dinge aus der Pressekonferenz mit dem RKI-Chef, der Bundesforschungsministerin und dem Bundesgesundheitsminister mitgeben.

Als erstes empfehle ich Ihnen aber diese fünf Minuten aus unserer Fernsehsendung "MDR um 11" für Ihren nächsten Online-Einkauf.


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Wann kommen Impfungen für Kinder?

Diese Frage will noch niemand beantworten. Aber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat heute in der Bundespressekonferenz gesagt, jeder erlebe Corona in seinem Leben, als Impfung oder als Erkrankung.

Der Impfstoff von Biontech ist in der EU ab 16 Jahren zugelassen. In Kanada und den USA schon ab 12 Jahren. Biontech hat in der EU bereits die Zulassung ab 12 beantragt. Noch ist nicht klar, ob und wann sie erteilt wird.

Spahn schließt eine Notfallzulassung in der EU aus und betont, dass die Impfungen immer freiwillig bleiben werden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, für Kinder unter 12 wird es noch lange dauern mit einer Impfung. Deshalb würden mehr Impfungen in anderen Altersgruppen auch mehr Schutz für ungeimpfte Kinder bedeuten.

Lothar Wieler und Gesundheitsminister Jens Spahn
Lothar Wieler und Gesundheitsminister Jens Spahn Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

  • „Seit Ende der Osterferien haben die Ausbrüche an den Schulen - wie erwartet – rasch zu genommen“

Wieler sagte, dass etwa zehn Prozent der Infizierten Long-Covid-Symptome hätten. Bei drei Millionen Infizierten in Deutschland sind das 300.000.

Auch junge Menschen könnten Long-Covid haben, sagte Karliczek und kündigte eine Long-Covid-Forschungsförderung an. 

Aber Karliczek hatte schon heute Geld zu verteilen.

300 Millionen Euro für Covid-Medikamente

Die Bundesregierung will die Erforschung von Covid-Medikamenten mit 300 Millionen Euro für klinische Studien in den Phasen 2B und 3 unterstützen. Von dem Geld sollen auch Kapazitäten aufgebaut werden könne, um die Medikamente in Deutschland herzustellen. Firmen mit Sitz in Deutschland und Universitäten können die Förderung für anderthalb Jahre beantragen.

Karliczek erwartet keine Wunderpille, sondern verschiedene Medikamente.

Und die sind ja auch wichtig. Mir ist das vorhin deutlich geworden: Die Impfung hilft ja nicht, um die Krankheit zu bekämpfen. Dafür braucht es Medikamente, die an unterschiedlichen Stellen ansetzen: Sie können das Virus direkt bekämpfen oder die gefährliche Reaktion des Körpers darauf.

Und weil Experten derzeit von einem Impfschutz ausgehen, der eben nicht das ganze Leben anhält, braucht es solche Medikamente.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 14.909 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:05 Uhr). Im Vergleich zum Mittwoch vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um rund 3.100 niedriger.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+3.108), Baden-Württemberg (+2.562) und Bayern (+2.232). Die niedrigsten Werte wurden aus Bremen (+106) und dem Saarland (+169) gemeldet.

Die deutschlandweit höchsten 7-Tage-Inzidenzen verzeichnen laut RKI Thüringen (168), Sachsen (144) und Baden-Württemberg (132). Sachsen-Anhalt hat einen Wert von 115.

Mittlerweile sind dem RKI zufolge in Deutschland 34,3 Prozent der Menschen einmal geimpft; 10,0 Prozent sind vollständig geimpft. In Sachsen-Anhalt sind schon ein Drittel der Menschen einmal geimpft. Alle Impfquoten wie jeden Tag im Zahlen-Block.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.) Und wie immer: Heute ist Montag; da können die Zahlen auch nicht ganz so exakt sein.

Sachsen

Aktive Fälle: 15.756 (-297)
COVID-19-Intensivpatienten: 368 (87), davon 230 (+3) beatmet
Intensivbetten: 1.308 belegt, 153 frei, davon 72 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 29,8 Prozent (Erstimpfung), 13,7 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 9.419 (+22)
Schätzung der genesenen Patienten: 251.350 (+1.750)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 276.525 (+1.475)

Thüringen

Aktive Fälle: 9.042 (-409)
COVID-19-Intensivpatienten: 165 (-6), davon 103 (+1) beatmet
Intensivbetten: 618 belegt, 86 frei, davon 45 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 31,2 Prozent (Erstimpfung), 14,4 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 4.041 (+11)
Schätzung der genesenen Patienten: 110.287 (+1106)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 123.370 (+708)

Sachsen-Anhalt

Aktive Fälle: 4.999 (-64 zum Vortag)
COVID-19-Intensivpatienten: 115 (+/-0), davon 75 beatmet (-3)
Intensivbetten: 715 belegt, 83 frei, davon 41 Covid-spezifisch

Impfquote (RKI): 33,6 Prozent (Erstimpfung), 10,0 Prozent (vollständig)

Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.189 (+5)
Schätzung der genesenen Patienten: 87.450 (+555)
Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 95.638 (+495)

Deutschlandweit wurden dem RKI in den vergangenen 24 Stunden 268 neue Tote gemeldet. 38 Tote entfallen dabei auf unsere drei Bundesländer.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Was heute noch wichtig war

Die Himmelsscheibe von Nebra. Die älteste konkrete Darstellung des Himmels. So kennen Sie sie:

Aber Sie müssen sie sich etwas anders vorstellen. Ursprünglich war der Himmel nämlich: schwarz.
Sie sah also noch viel lebensechter und beeindruckender aus. Schwarz mit goldener Sonne, Mond und Sternen.
Auf unseren Fernsehreporter bin ich etwas neidisch. Der war der echten Himmelsscheibe nämlich so nah, wie es sonst keiner schafft.

  • Hausärzte in Bayern und Baden-Württemberg können ab Montag alle Patienten mit allen Impfstoffen impfen. Die beiden Bundesländer heben die Priorisierung für alle Impfstoffe auf.
  • Ein Expertenkomitee im Auftrag der WHO kommt zu dem Schluss, dass die Pandemie vermeidbar gewesen wäre. Ein "toxischer Cocktail" aus Zaudern, fehlender Vorbereitung und schlechter Reaktion auf die Krise sei für das dramatische Ausmaß der Pandemie verantwortlich.
  • Die Bundesnotbremse und die Inzidenzzahlen: Die Lockerungen kommen mitunter zu früh, zeigt eine Datenauswertung des Bayerischen Rundfunks. Das liegt an den Nachmeldungen der Infiziertenzahlen. Gibt es viele Fälle, würden nicht alle Fälle am gleichen Tag gemeldet. Darauf weist Sachsen hin. Und aus Sachsen-Anhalt heißt es, die Länder meldeten die Daten vor Ablauf eines Tages an das RKI – so würde das RKI die Fallzahlen von etwa 6,5 Tagen auf sieben Tage berechnen.

PCR-Test: Was sie kosten und warum es deshalb Streit gibt

Ein Leser fragte mich heute, wie viel ein PCR-Test kostet, den er braucht, um nach Spanien einreisen zu können. Ich wusste das nicht. Aber jetzt schon: Er kostet 25 Euro. Oder 128.

Es kommt aber darauf an, wen man fragt. Denn Anbieter, die ihn für 25 Euro verkaufen, kriegen gerade Stress. Die Anwälte eines Labors in Sachsen werfen ihnen nämlich Preisdumping vor. Denn die jahrzehntealte Gebührenordnung der Ärzte sieht für PCR-Tests Preise ab 128 Euro vor. Eine Regelungslücke.

Die ganze Geschichte gibt es bei unseren Fernsehkollegen von der Umschau. (Aber Achtung: Wenn Sie dabei zu sehr den Kopf schütteln, wird Ihnen schwindelig.)

Corona-Service

Wichtige Links klickbereit zu haben, kann nie schaden. Deshalb:
Hier eine kurze Linkliste:

Kostenlose Schnelltests

PCR-Tests

sollte jeder Hausarzt oder private Anbieter organisieren können. Es gibt auch die Kassenärztlichen Vereinigungen mit einer Übersicht der Orte, an denen sich Menschen mit Symptomen PCR-testen lassen können:


Und für Thüringer: Impfbescheinigung als QR-Code, wenn Sie in einem Impfzentrum geimpft wurden.

Mein Gedankenexperiment

Ich will Ihnen noch einen Gedanken mitgeben, der mich heute beschäftigt hat. (Auch weil wir oben über einen großen US-Internetkonzern berichtet haben, der sich nicht an einige Regeln hält) Gestern hatte ich ja hier Ihre Standpunkte zum Patentschutz für Impfstoffe weitergegeben. Die Standpunkte hatte ich sortiert: Zuerst Ihre Argumente, die dafür sprechen, Patente zu schützen. Und danach dann die Argumente dagegen.

Zu dem Thema hatten wir auch heute ein paar E-Mails. Die meisten waren dagegen, in der Pandemie Patente zu schützen.

Was ich mich gefragt habe: Hat es eine Rolle gespielt, wie ich die Argumente sortiert habe? Hätten heute mehr Menschen geschrieben, dass sie für den Patentschutz sind, wenn ich diese Argumente gestern als letztes geschrieben hätte?

Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Aber: Ich könnte die Frage beantworten. Denn technisch ist es ja möglich, zwei verschiedene E-Mails zu verschicken und das zu testen.

Die Erkenntnis wäre zwar nicht weltbewegend. Aber ich könnte in Zukunft immer das Argument, das mir persönlich näher liegt, an die Stelle nehmen, an der es Sie am meisten überzeugt.

Wir machen das natürlich nicht. Aber wissen Sie, wer ganz selbstverständlich solche Versuche machen kann? Facebook und Co. Die ihren Nutzern ihr Angebot so sortiert vorlegen, dass die Nutzer dort so lange wie möglich bleiben. Je länger jemand dort ist, umso mehr Werbung kann man ihm oder ihr auch anzeigen.

(Viele von Ihnen wissen das sicher, aber mir ist vorhin erst klar geworden, dass man ja nicht mal eine Internetplattform braucht, um so ähnlich zu arbeiten.)

Und was ist mit Sommerurlaub?

Wann wird's mal wieder richtig Urlaub? Beim Zurückkommen aus dem Ausland jedenfalls gibt es neue Regeln, die es vielen einfacher machen.

Von den Regeln von Mecklenburg-Vorpommern waren in den vergangenen Tagen viele irritiert: Einreise nur für Geimpfte? Und was ist mit Kindern, für die es keinen zugelassenen Imfpstoff gibt?

Ich verabschiede mich dann mal schnell. Ich habe einen Ostsee-Urlaub zu planen. Oder komme ich schon zu spät, weil es Buchungs-Vordrängler gibt?

Alles Gute und einen schönen freien Tag morgen.
Marcel Roth

P.S. Den Mimpfwoch ganz oben haben Sie sicher bemerkt? Denn auch heute wurden wieder mehr als eine Millionen Impfspritzen gesetzt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 12. Mai 2021 | 11:00 Uhr

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