Corona-Daten-Newsletter | Montag, 18. Oktober 2021 Neue Erkenntnisse: Geimpfte Infizierte doch weniger ansteckend

Olga Patlan
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Im multimedialen Corona-Daten-Update: Gesundheitsminister Spahn spricht sich für ein Ende der epidemischen Lage aus. Und: Erste Studien aus den USA belegen, dass von Geimpften eine geringere Ansteckungsgefahr ausgeht.

Corona-Daten-Update: Frau mit Maske Mundschutz Corona-Schutzverordnung
Bildrechte: MDR/Panthermedia/Andriy Popov

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

so ist das manchmal, da recherchiert man den ganzen Tag, um für Sie die wichtigsten neuen Erkenntnisse zur Pandemie zusammenzufassen. Da kommt die wichtigste Meldung kurz vor Redaktionsschluss. Da mir keine Zeit blieb, diese für Sie ausführlicher aufzubereiten, folgt nun der direkte Verweis zu unseren Kollegen von der Tagesschau.

Und nun zum eigentlichen Inhalt unseres heutigen Updates. Wir starten in die neue Woche gleich mal mit Erkenntnissen, die Hoffnung geben. Die Erste: In den USA gibt es Hinweise darauf, dass Impfdurchbrüche weniger ansteckend sind als bisher angenommen. Die Zweite: Es gibt erste positive Ergebnisse aus einer Phase-III-Studie des europäischen Tot-Virus-Impfstoffs. 

Weiterhin möchte ich gern auf eine User-Mail antworten. Und wir schauen wie immer auf die aktuellen Corona-Zahlen. Vorher möchte ich aber auf ein anderes Thema hinweisen, die Grippeschutzimpfung. Ich weiß, das Thema hatten wir schon ein paar Mal, aber die Grippesaison rückt näher und damit wird das Thema auch aktueller. Die Kollegen von MDR um 2 haben alle wichtigen Fragen geklärt: Wo kann man sich impfen lassen? Kann man gegen Corona- und Grippe gleichzeitig geimpft werden? Wie hoch ist die Gefahr einer Grippewelle? Die Antworten gibts im Interview:

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 18. Oktober 2021 bundesweit 4.056 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:30 Uhr). Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 74,4. Damit ist die Inzidenz am fünften Tag in Folge gestiegen.

Für drei Bundesländer weist das RKI 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 100 aus: für Thüringen (138,9), Sachsen (123,3) und Bayern (112,9), mit teils dynamischen Entwicklungen im Vergleich zu den Vorwochenwerten.

Sachsen

  • Aktive Fälle: 9.377
  • Hospitalisierungsrate*: 2,79 (+1,04)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 106, davon 44 beatmet, 89 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 56 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 23,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 56,5 Prozent
  • 60+ Jahre: 78,2 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.333

Thüringen

  • Aktive Fälle: 5.275
  • Hospitalisierungsrate*: 3,82 (+0,14)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 37, davon 15 beatmet, 43 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 59,9 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 26,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 60,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 81,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.483 (+/-0)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 2.363
  • Hospitalisierungsrate*: 2,11 (+0,05)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 30, davon 13 beatmet, 38 freie 
  • COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,2 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 23,5 Prozent
  • 18-59 Jahre: 63,2 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19:3.566

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegell" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

User-Mail: Weitere Ursachen für Impfdurchbrüche

In unserem letzten Corona-Daten-Update ging es um die steigende Zahl der Impfdurchbrüche. Als Hauptgrund dafür nannte Gernot Marx, Präsident der DIVI, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, die Statistik. Ergo je mehr Geimpfte, desto mehr Impfdurchbrüche. Daraufhin erreichte uns folgende Mail eines Users:

"Wer sich – so wie ich – regelmäßig die Impfquoten in der  RKI Excel-Tabelle anschaut, der weiß, dass es hier seit Wochen kaum noch signifikante Fortschritte gibt - gegenüber der Zeit im Mai / Juni, als man praktisch kaum einen Termin bekommen hatte aufgrund der hohen Nachfrage. Die Begründung mit der Statistik scheint mir zu einfach. Ansonsten hätte der prozentuale Anteil vorher auch schon ähnlich sein müssen. Ich denke, dass weitere Effekte hinzukommen: z.B. nachlassende Wirksamkeit der Impfstoffe, saisonale Effekte (Sommer vorbei), wieder mehr private Treffen von Menschen und evt. mehr Nachlässigkeit weil man ja geimpft ist, wieder mehr Angestellte vor Ort in den Betrieben (zumindest beobachte ich das in unserer Firma so) - HomeOffice ist halt im Sommer vermutlich deutlich attraktiver als im Herbst/Winter, wo man dann auch selber mehr Heizkosten hat usw."

Da haben Sie natürlich recht, dass es weitere Faktoren gibt. Die Gründe für Impfdurchbrüche sind vielfältig. Die aggressive Delta-Variante kann zum Beispiel die Wirksamkeit von Impfstoffen mildern, da sie sich Antikörpern besser entziehen kann als andere Virus-Varianten. Auch die nachlassende Impfwirkung könnte ein Grund sein. Messungen aus Israel von Mitte Juli 2021 deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit der Biontech/Pfizer-Impfung bereits nach drei Monaten nachlässt. Auch der Immunologe Professor Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover sagte dem Deutschlandfunk, dass Immunantworten generell vergänglich seien. Außerdem spielt das Alter der Geimpften eine Rolle, das Immunsystem älterer Menschen sei generell schwächer, wie Marx begründet. Faktoren wie Nachlässigkeit bei privaten Treffen lassen sich schwer statistisch erheben und können daher an dieser Stelle nur Vermutungen sein. 

Um auf den von Ihnen angesprochen Zeitraum von Mai/Juni und den damit zusammenhängenden Zahlen einzugehen: In diesem Zeitraum war die Impfquote viel niedriger. Am 12. Mai beispielsweise lag der prozentuale Anteil der vollständig Geimpften bei gerade mal 10 Prozent. Schon Anfang des Jahres haben wir über Impfdurchbrüche in Altersheimen berichtet. Da nun im Oktober, da viel mehr Menschen geimpft sind, auch mehr Impfdurchbrüche zu verzeichnen sind, ist daher nur logisch. Hinzu kommen wie bereits oben erwähnt, die bei einem Teil der Bevölkerung ebenfalls länger zurückliegenden Impftermine.

Neue Erkenntnisse: Bei Impfdurchbrüchen wahrscheinlich wenig ansteckend

Im Zusammenhang mit den Berichten zu Impfdurchbrüchen wird auch immer wieder auf die Ansteckungsgefahr von infizierten Geimpften geschaut. Laut RKI kann es derzeit nicht genau quantifiziert werden, in welchem Maß die Impfung die Übertragung des Virus reduziert. Es gibt aber natürlich bereits erste Untersuchungen dazu. Wie zum Beispiel eine Studie aus Singapur, die zeigt, dass die Viruslast bei Geimpften deutlich schneller nachlässt.

Nun gibt es aus den USA neue Erkenntnisse, die ebenfalls darauf hindeuten, dass erkrankte Geimpfte deutlich weniger Viren übertragen. Laut Ross Kedl, einem Immunologen der University of Colorado School of Medicine, weist Grundlagen-Immunologie daraufhin, dass sich das Virus einer geimpften Person, die sich infiziert, von dem Virus einer ungeimpften Person unterscheidet. Kedl sagte NPR, einer Rundfunk-Kooperation aus den USA, das hänge mit den gebildeten Antikörpern zusammen. Auch wenn sie nicht immer vor einer Infektion schützen, so umhüllen sie die Coronaviren der Infizierten. Ein mit Antikörpern umhüllter Virus sei demnach weniger ansteckend.

In Princetown hat es laut NRP im Sommer eine Vielzahl an Impfdurchbrüchen gegeben. Kedl erwidert, dass in all solchen Fällen auch immer Ungeimpfte im Raum gewesen seien. Er beruft sich auf eine kürzlich erschienene Studie aus Israel, die sich auf infiziertes geimpftes Pflegepersonal bezieht. Alle Impfdurchbrüche stünden im Zusammenhang mit Kontakt mit ungeimpften Personen, so Kedl.

Michal Caspi Tal, Dozentin für Stammzell- und regenerative Biologie von der Stanford University, sagte NPR, dass mRNA-Impfstoffe eine besondere Wirkung haben. Aus einer Untersuchung geht hervor, dass mit mRNA Geimpfte über eine Vielzahl von Antikörpern in den Schleimhäuten der Nase und des Mundes verfügen, also den Eintrittstellen für das Corona-Virus.

Zu den gleichen Erkenntnissen ist auch Jennifer Gommermann von der University of Toronto gekommen. Sie sagt, dies sei der erste Beweis, dass eine intramuskuläre Impfung auch lokale Immunantworten auslöst, zum Beispiel in der Schleimhaut. Wenn in der Schleimhaut also Antikörper sitzen, so sei auch jeder Huster und Nieser weniger ansteckend, da die beim Husten und Niesen abgestoßenen Viren mit Antikörpern umhüllt seien, so Gommermann.

Tot-Virus-Impfstoff: Positive Studienergebnisse

Das österreichisch-französische Impfstoffunternehmen Valneva hat heute erste positive Phase-III-Ergebnisse in Großbritannien bekannt gegeben. Phase III ist die Phase, in der in einer klinischen Studie eine größere Zahl an Probanden den Impfstoff testet. In diesem Fall handelt es sich um 4.012 Probanden, die den neuen Impfstoff VLA2001 verimpft bekommen haben. Die Kontrollgruppe hat den Vektor-Impfstoff Astrazeneca bekommen. Laut Valneva konnte VLA2001 mehr Antikörper bilden als Astrazeneca. Die Daten wurden bislang allerdings noch nicht unabhängig geprüft, auch die vollständige Veröffentlichung der Studienergebnisse steht noch aus.

In Großbritannien hat das Zulassungsverfahren für den Impfstoff bereits begonnen. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA will Valneva das Verfahren demnächst anstoßen. 

Zum Schluss

möchte ich Ihnen folgendes Video empfehlen. Es geht um sichtbare Seife, die Kinder schulen soll, richtig Hände zu waschen. Die Idee entspringt übrigens der Erkenntnis, dass die Hände neun von zehn Mal von Erwachsenen nicht richtig gewaschen werden. Weil wir es ja eigentlich auch nie wirklich lernen. Deshalb soll die sichtbare Seife bei den Jüngsten bereits ansetzen.

Ansonsten wünsche ich Ihnen einen schönen Abend. Wir lesen uns am Mittwoch wieder, wenn Sie mögen.

Herzlich
Ihre Olga Patlan

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 21. September 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

DermbacherIn vor 6 Wochen

Ich glaub, da gibt es eher ein Problem mit den Meldungen. Die letzten Tage waren die Zahlen niedriger als in der letzten Woche, wo es auch schon einen recht hohen Peak gab und jetzt wieder ein hoher Peak, vielleicht wieder gefolgt von niedrigeren Zahlen?
Ich find's nur komisch, dass die Differenz zwischen dem Höchstwert und dem Rest immer größer zu werden scheint.

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