Corona-Daten-Newsletter | Montag, 22. März 2021 Der Inzidenzwert – das Maß aller Dinge

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Heute im multimedialen Corona-Daten-Update: Es ist eine leichte Forderung, nicht nur auf die Inzidenz zu schauen, sondern auch auf die Auslastung der Krankenhäuser, die Todesfälle und die Impfquoten. Nur: Besser stehen wir dann auch nicht da.

Krankenpfleger arbeiten in Schutzkleidung in einem Krankenzimmer auf der Intensivstation des Uniklinikums Essen.
Bildrechte: dpa

Einen schönen guten Abend!

Ich freue mich, dass ich Sie in dieser Woche mit dem Newsletter begleiten darf. Denn es ist für uns eine besondere Woche: Unsere erste E-Mail hat mein Kollege Martin Paul nämlich am 23. März 2020 an Sie geschrieben. Das ist morgen ein Jahr her

Martin hat mir deshalb vorgeschlagen, mit Ihnen in dieser Woche eine kleine Reihe zu machen: Was hat die Pandemie verändert zum Positiven und zum Negativen? An den Schulen, in der Kultur, der Wirtschaft, unsere Gesundheit und Politik? Ich möchte in dieser Woche also jeden Tag eine kleine Liste mit positiven und negativen Auswirkungen der Pandemie führen und hoffe auf Ihre Unterstützung. Ich fange heute mit dem Thema Schulen an. Schicken Sie mir also gern einen kurzen Satz.

corona-newsletter@mdr.de

Ansonsten können wir heute gemeinsam den Kopf schütteln. Zum einen, weil wir vermutlich erst am späten Abend erfahren werden, was Bund und Länder heute beschließen. Aber auch zum Beispiel darüber, wer wem was in der Corona-Pandemie eigentlich vorschreibt.

Dass das Thema auch viele Internetnutzer bewegt, habe ich gerade an den Kommentaren unter dem Radiobeitrag gesehen: Mehr als 150 stehen dort mittlerweile.

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Es ist ziemlich verlockend, was der Deutsche Städtetag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund da am Wochenende mit Blick auf die Sitzung von Bund und Ländern heute gefordert haben.

Städtetagspräsident Burkhard Jung forderte von Bund und Ländern, nicht nur auf die Inzidenzwerte zu schauen. "Wir sollten in Deutschland einen neuen Corona-Indikator einführen, der auch die Impfquote, die Belastung der Intensivstationen und die Fallsterblichkeit berücksichtigt."

Auch der Städte- und Gemeindebund mahnte, der Inzidenzwert sollte nicht der einzige Maßstab sein. Deren Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte in der "Welt am Sonntag": Es sollten "auch zusätzliche Aspekte wie etwa die Belastung der Krankenhäuser in der Region oder klar eingrenzbare Hotspots berücksichtigt werden können."

Der Inzidenzwert – das Maß aller Dinge

Auch der Generalsekretär der CDU Sachsen-Anhalts, Sven Schulze, äußerte sich in einem Interview mit der Bild-Zeitung (ab 16:00) entsprechend und wünscht sich einen "Corona-Indikator", der die Impfquote und die Zahl der Neuinfektionen und die Auslastung der Krankenhäuser vor Ort berücksichtigt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, wenn Sie so etwas lesen, hören oder sehen. Aber ich kann da nur den Kopf schütteln:

  • Die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen das ist: der Inzidenzwert.
  • Alle Entscheider sagen schon länger, dass sie natürlich auch in die Krankenhäuser blicken.
  • Und hier die aktuellen Impfquoten vom RKI: Sachsen (8,1 Prozent Erstimpfung, 4,5 Prozent mit Zweitimpfung), Sachsen-Anhalt (8,7 Prozent / 3,6 Prozent), Thüringen (10,2 Prozent / 4,7 Prozent).

Um Ihnen keinen Quatsch zu schreiben, habe ich die nächsten drei Sätze mit meinen beiden Kollegen Martin Paul und Manuel Mohr abgesprochen: Die Zahl der Neuinfektionen und also auch der Inzidenzwert ist die einzige harte Kennziffer, die wir frühzeitig haben. Nur aus ihm lassen sich Prognosen für die nächsten vierzehn Tage ableiten. Also auch die Auslastung der Intensivstationen. (*)

Auf welchen Wert sollen wir also sonst schauen?

Der Blick in die Krankenhäuser ist der Blick auf die Neuinfektionen vor zwei bis drei Wochen. Der Blick auf die Impfquote zeigt mir zur Zeit nur, wer nicht geimpft ist: die jüngeren Menschen.

In einem Newsletter im Februar hatte ich Ihnen einen Satz geschrieben, mit dem ich damals RKI-Chef Lothar Wieler zitiert habe: Mit weiter fortschreitenden Impfungen steige der Infektionsdruck auf die Nicht-Geimpfte, also auf die Jüngeren, sagte Wieler.

Der Blick in die Intensivstationen ist beunruhigend: Mit mehr als 3.100 belegten Betten ist die Belastung derzeit so hoch wie im Februar vergangenen Jahres. "Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau. Wir erwarten in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg", sagt der Präsident der Deutschen Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin dem ZDF.

In dem ZDF-Artikel finden Sie auch eine interaktive Grafik, die mich heute auch Kopf schütteln lassen hat: Sie zeigt die Auslastung der Krankenhaus-Intensivbetten in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Also das, was sich viele wünschen. 

In Sachsen ist sie in keinem Landkreis oder Stadt über 90 Prozent.

Über 90 Prozent ist die Auslastung der Intensivstationen in:

  • Sachsen-Anhalt in Magdeburg und im Salzlandkreis
  • Thüringen in Eisenach, Gera und in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen, und Kronach.

100 Prozent ausgelastet sind die Intensivstationen in:

  • Sachsen-Anhalt im Landkreis Börde
  • Thüringen im Kyffhäuserkreis, im Saale-Orla-Kreis und in den Landkreisen Sömmerda, Greiz, Sonneberg und Hildburghausen.

Auf unserer Internetseite können Sie die Grafik mit denselben Daten auch nach Ihrer Region durchsuchen.

All das lässt nur einen Schluss zu:

"Es werden leider wieder mehr Menschen sterben"

Susanne Johna
Bildrechte: dpa

Das sagte die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna, heute der Tagesschau. Und sie sagte auch noch:

  • "Der positive Frühjahrseffekt wird leider durch die ansteckendere britische Virusvariante B.1.1.7. nicht wirksam werden können. 
  • "Das Virus kennt leider keine Feiertage, insofern müssen wir jetzt handeln!"

Und das Virus unterscheidet auch nicht nach Alter: 

Denn obwohl Covid-19 bei den meisten Kindern mehr oder weniger harmlos verläuft, erkranken ein paar junge Patienten nach der eigentlichen Infektion sehr schwer an einer Überreaktion ihres Immunsystems: eines von etwa 1.000 bis 1.500 Covid-19-erkrankten Kindern.

Die Symptome treten zwei bis vier Wochen nach einer Corona-Infektion auf und sind hohes Fieber und starke Entzündungen an multiplen Organen. Warum es dazu kommt und wer davon besonders betroffen ist, wird aktuell noch erforscht. Daten dazu sammeln Forscher der TU Dresden. Es scheinen vor allem ältere Kinder und Jugendliche und dabei vor allem die Jungs betroffen zu sein. 

(*) Als ich Manuel und Martin die drei Sätze von oben per E-Mail vorhin geschickt habe, haben mich ihre Antworten kichern lassen und an Radio Eriwan erinnert: Im Prinzip ja.

Die haben mir nicht widersprochen, aber beide haben deutlich gemacht, dass es sehr wohl einen Grund geben kann, den Inzidenzwert zu vernachlässigen: Wenn klar ist, wo die Infektionen stattgefunden haben. Wenn sich also viele Menschen an einem bestimmten Ort infiziert haben und der Inzidenzwert im Landkreis dadurch nach oben schnellt. (Das sind die Hotspots und Cluster, von denen ab und an die Rede ist.) Das lässt sich derzeit aber nicht nachvollziehen. 

Und Martin schickte mir noch einen Link: Wie New York bei einer Inzidenz von 300 Restaurants, Geschäfte und Kinos öffnet. Aber beim Lesen wird schnell klar: Deutschland hat die Voraussetzungen für solche Öffnungen gar nicht.

Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind heute bundesweit 9.997 neu positiv Getestete gemeldet worden (Stand 8:05 Uhr). Im Vergleich zum Montag vor einer Woche ist die Zahl der gemeldeten Neuinfizierten um mehr als 1.100 gestiegen.

Die meisten Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag gab es heute in Nordrhein-Westfalen (+1.615), Bayern (+1.408) und Baden-Württemberg (+904). Die niedrigsten Werte wurden aus dem Saarland (+34) und aus Bremen (+76) gemeldet.

Die deutschlandweit höchsten 7-Tage-Inzidenzen verzeichnen laut RKI Thüringen (210), Sachsen (159) und Sachsen-Anhalt (123).

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Sozialministerien und Landkreise aus unseren drei Bundesländern. (Die Werte weichen in der Regel von denen des RKI ab, da sie etwas aktueller sind. Außerdem ordnet das RKI nachgemeldete Zahlen dem tatsächlichen Erkrankungs- oder Meldedatum zu, auch wenn sie dadurch aus der Zeitspanne der sieben Tage herausfallen.)

Sachsen

  • Aktive Fälle: 12.184 ↗ (+45 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 239, davon 143 beatmet
  • Intensivbetten: 1.105 belegt, 366 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 8.320 (+20)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 190.350 (+450)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 210.854 (+515)

Thüringen

  • ktive Fälle: 8.338 ↘ (-177 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 152, davon 91 beatmet
  • Intensivbetten: 626 belegt, 90 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 3.230 (+4)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 76.591 (+447)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 88.159 (+274)

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 4.773 ↘ (-99 zum Vortag)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 87, davon 36 beatmet
  • Intensivbetten: 706 belegt, 119 frei
  • Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19: 2.667 (+6)
  • Schätzung der genesenen Patienten: 60.942 (+315)
  • Gesamtzahl aller positiv Getesteten: 68.342 (+22)

50 Menschen sind laut RKI deutschlandweit gestorben. 30 davon in Mitteldeutschland.

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Das vergangene Jahr: In den Schulen

Unseren Newsletter gibt es seit einem Jahr. Vieles hat sich rasant verändert. Und wir wollen in dieser Woche mit Ihnen kurz schauen, in welchem Lebensbereich welche Veränderung vielleicht gut und welche nicht gut war.

Ich fange heute einmal bei den Schulen an. (Vorab: Verzeihen Sie mir, dass ich dabei vor allem einen Blick auf das Digitale habe.)

Positiv ist,

  • wie viele gute digitale Lernangebote und Lehrinhalte es abseits von Schulen gibt.

Negativ ist,

  • dass davon noch nicht genug Gebrauch in den Schulen gemacht wird, damit Lehrerinnen und Lehrer nicht immer Unterricht vorbereiten müssen, sondern individuell auf Schüler und Schülerinnen zugehen können.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir gern jeweils einen Satz: Was hat die Pandemie verändert, zum Positiven und zum Negativen? An den Schulen, in der Kultur, der Wirtschaftunsere Gesundheit und Politik? Und wir tragen die spannendsten Sätze in den nächsten Tagen zusammen.

corona-newsletter@mdr.de

Über den Alltag eines Schuldirektors hat heute mein Kollege Stephan Bringezu für MDR AKTUELL berichtet. Stephan hat einen Schuldirektor in Weißenfels begleitet. Das besondere: Er ist erst 28 Jahre alt.

Als kleiner Service: Den Podcast gibt es schon länger auch zum Nachlesen. Unter jeder Folge gibt es einen Link zu einem PDF-Dokument. Hier ist der zur aktuellen Folge.

Zum Schluss

weise ich Sie auf das Angebot der Kollegen von MDR AKTUELL hin. Die sind nämlich den ganzen Abend und die ganze Nacht wach und werten die Beschlüsse aus, die Bund und Ländern heute für die nächsten Wochen fällen wollen und damit auch über unser Osterfest und die Osterferien entscheiden.

Auch bei der Tagesschau sind Sie immer aktuell informiert.

Ich schaue mir das erst morgen an und befürchte, dass wir morgen das ein oder andere noch zu besprechen haben.

Einen schönen Abend und alles Gute
Marcel Roth

P.S. Im Wikipedia-Eintrag zu Radio Eriwan habe ich am meisten über diesen Witz gelacht:
Frage an Radio Eriwan: "Stimmt es, dass Iwan Iwanowitsch in der Lotterie ein rotes Auto gewonnen hat?"
Antwort von Radio Eriwan: "Im Prinzip ja. Aber es war nicht Iwan Iwanowitsch, sondern Pjotr Petrowitsch. Und es war kein rotes Auto, sondern ein blaues Fahrrad. Und er hat es nicht gewonnen, sondern es ist ihm gestohlen worden. Alles andere stimmt."



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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 11 | 22. März 2021 | 11:00 Uhr

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