Corona-Newsletter | Montag, 1. August 2022 Die Welle ist noch nicht gestoppt

Bild einer jungen Frau
Bildrechte: Martin Neuhof

Im multimedialen Corona-Update: Die Corona-Fallzahlen sinken – jedenfalls im deutschlandweiten Schnitt. Doch laut RKI hat sich die 7-Tage-Inzidenz zunächst nur Richtung Osten verschoben. Covid-19 belastet das Gesundheitswesen weiterhin. Neue Erkenntnisse über Schutzmaßnahmen und Impfungen geben aber Hoffnung für die Zukunft.

Masken hängen an Leine
Deutschlandweit sinkt die Corona-Inzidenz. Doch laut Robert Koch-Institut verschieben die Fallzahlen sich eher, anstatt überall abzunehmen. Bildrechte: IMAGO / C3 Pictures

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

auf den ersten Blick könnte man meinen, die aktuelle Corona-Welle sei gestoppt. Seit Mitte Juli hat das Robert Koch-Institut (RKI) nach einem wochenlangen Anstieg der bundesweiten Fallzahlen erstmals wieder eine sinkende 7-Tage-Inzidenz registriert.

Das ist erst mal eine gute Meldung. Allerdings gehen die Fallzahlen nicht überall zurück. Das RKI spricht im aktuellen Wochenbericht nicht von einem Sinken, sondern von einer "Seitwärtsbewegung" – in Richtung Osten. Zudem sinke die bundesweite Inzidenz erst seit so kurzer Zeit, dass man neben der weiteren Entwicklung zunächst auch nachgemeldete Fälle beobachten müsse.

Es bleibt also die Frage: Wie können wir uns und unsere Mitmenschen vor einer Corona-Infektion schützen? Darauf liefert die Forschung neue Antworten und Hinweise. Und so viel kann ich schon verraten: Impfungen und Abstand helfen immer noch.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Bundesweit beträgt die 7-Tage-Inzidenz laut RKI derzeit 538,9. Die meisten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in sieben Tagen verzeichnete demnach das Saarland mit 770,2, gefolgt von Hessen mit 710,2 und Bayern mit 695,4.

Die Länder mit der niedrigsten 7-Tage-Inzidenz sind dem RKI zufolge Thüringen mit 339,3, Hamburg mit 347,2 und Berlin mit 375,0. In Sachsen-Anhalt (427,3) und Sachsen (433,6) befinden sich die Werte demnach ebenfalls im verhältnismäßig niedrigen Bereich.

Sachsen

  • Hospitalisierungsrate*: 4,41 (+0,91)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 102, davon 26 beatmet, 66 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 64,7 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 44,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 66,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 84,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 49,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 15.697

Thüringen

  • Hospitalisierungsrate*: 10,71 (+0,42)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 34, davon 15 beatmet, 43 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 69,8 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 52,6 Prozent
  • 18-59 Jahre: 71,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 88,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 53,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 7.442

Sachsen-Anhalt

  • Hospitalisierungsrate*: 10 (+1,56)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 38, davon 13 beatmet, 37 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 73,5 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 53,7 Prozent
  • 18-59 Jahre: 76,6 Prozent
  • 60+ Jahre: 91,3 Prozent
  • Auffrischungsimpfung: 57,3 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 5.481

* Mehr über die Zahlen und Quellen

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der Hospitalisierungen. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der Zeit, des Spiegel und des HR zeigen, dass ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich zieht, nicht festgelegt wurde. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Hospitalisierungsrate: RKI | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: RKI)

Wohin entwickelt sich die Inzidenz?

Seit Mitte Juli etwa ist die bundesweite Corona-Inzidenz leicht rückläufig. Für Mitteldeutschland gilt das noch nicht, denn ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern sind die Fallzahlen hier laut RKI weiter leicht angestiegen. Demnach sind in der Woche vom 18. bis zum 24. Juli in Sachsen acht Prozent mehr Infektionen festgestellt worden als in der Vorwoche, in Thüringen sieben Prozent mehr und in Sachsen-Anhalt drei Prozent mehr.

Allerdings: Im Vergleich zur Vorwoche ist der Anstieg der Fallzahlen geringer. Auch wenn die Kurve also nicht gefallen ist, ist sie zumindest vorerst flacher geworden. Die 7-Tage-Inzidenzen, die das RKI aktuell für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen meldet, liegen zudem unter denen der für Mitte und Ende Juli registrierten. Wie das RKI die Entwicklung bewertet, können Sie am Donnerstag im Wochenbericht lesen.

Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen in Deutschland hatten Ende 2021 Antikörper gegen das Coronavirus. Das zeigt eine repräsentative Studie des RKI. Einen optimalen Schutz durch Impfungen oder Genesung hatte jedoch nur etwa ein Drittel.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland eine gewisse Immunität gegen das Coronavirus aufgebaut hat. Aktuell drohe keine Überlastung des Gesundheitssystems. Im Herbst könnte die Lage sich jedoch erneut ändern.

Wie stark belastet Corona das Gesundheitssystem?

Dem RKI zufolge bleibt die Belastung des Gesundheitswesens durch die Corona-Pandemie hoch. In der Woche vom 18. bis 24. Juli seien in Deutschland rund 3.900 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 in Krankenhäusern aufgenommen worden. Diese Zahl sei insgesamt ähnlich niedrig wie im Sommer der Vorjahre. Allerdings gebe es deutlich mehr Menschen über 60 und vor allem über 80 Jahren, die stationär behandelt werden müssen, als noch 2020 und 2021.

In den kommenden Wochen müsse weiterhin damit gerechnet werden, dass vor allem ältere Menschen in Kliniken behandelt werden müssen, dass intensivmedizinische Behandlungen zunehmen und auch, dass es weitere Todesfälle gebe.

Wer eine Infektion mit einer Omikron-Variante des Coronavirus wie BA.1 oder BA.2 durchgemacht hat, ist besser vor einer erneuten Ansteckung geschützt, als Genesene früherer Varianten. Das zeigen Daten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Katar-Universität in Doha. Die Studie muss allerdings noch von anderen Forschenden begutachtet werden. Und: Woher genau die beobachtete Schutzwirkung kommt, ist noch unklar.

Können wir uns in Zukunft besser vor Corona schützen?

Wie schön wäre ein Wundermittel, dass die Corona-Pandemie sofort stoppt! Ich muss Sie (und mich selbst auch) allerdings enttäuschen: Das ist nicht in Sicht. Aber es ist ja nicht so, dass wir gar keine Schutzmöglichkeiten hätten. Und aus der Forschung gibt es zumindest Aussicht auf Besserung.

Das RKI empfiehlt weiterhin, sich gegen Corona impfen zu lassen. Auch bei Erkrankungen durch die Omikron-Variante des Virus schütze die Impfung gut vor einem schweren Verlauf. Insbesondere ältere Menschen ab 70 Jahren sollten sich eine zweite Auffrischungsimpfung holen. Für Kinder ab fünf Jahren ohne Vorerkrankung empfehle die Stiko eine einmalige Impfung.

Wer an Covid-19 erkrankt, soll sich laut aktuellen Leitlinien des RKI fünf Tage lang isolieren. Meist braucht es aber ein wenig länger, bis Patientinnen und Patienten nicht mehr ansteckend sind, zeigt eine Studie.

Eine mRNA-Impfung gegen Corona führt zu einer Immunantwort im Blut. Das schützt vor schweren Verläufen, aber nicht vor einer Ansteckung. Nasenspray-Impfstoffe könnten die Schleimhäute der Atemwege möglicherweise schützen.

Was bringt die vierte Corona-Impfung? Viel, zeigt eine Studie aus Israel. Demnach führten Dritt- und Viertimpfung bei Erwachsenen im Alter ab 60 Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Antikörperwerte. Zudem habe die vierte Impfung den Schutz vor einem Impfdurchbruch gesteigert. In Deutschland rät die Stiko älteren und vulnerablen Personen jetzt zu einer Booster-Impfung, anstatt auf den Omikron-Booster im Herbst zu warten.

Kekulé #323: Die Impfstoffe der Zukunft

Das sollten Sie außerdem wissen

  • Mehr Schutz, angenehmere Passform und bessere Sprachverständlichkeit: Zehn Fraunhofer-Institute in Deutschland, darunter auch das in Halle, haben neue Schutzmasken entwickelt.

  • Eine Impfpflicht für das Personal von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen kann die Impfquote unter Pflegenden erhöhen. Das zeigt eine Studie aus den USA. Zur befürchteten Personalknappheit führte die Impfpflicht nicht. In Deutschland könnte die Impfpflicht ab 2023 wieder wegfallen. Darüber wird aktuell diskutiert.

Was meinen Sie? Welche neuen Entwicklungen und Ideen machen Ihnen Hoffnung in der Corona-Pandemie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an corona-newsletter@mdr.de.

Zum Schluss

…würde es mir unpassend erscheinen, einen Newsletter über Corona am heutigen Tag zu beenden, ohne Lisa-Maria Kellermayr zu erwähnen. Die Ärztin, die sich für Corona-Impfungen engagiert hatte, war am Freitag nach einer monatelangen Hasskampagne tot aufgefunden worden. Mehr darüber lesen Sie bei der Tagesschau.

In mehreren österreichischen Städten finden heute Abend Mahnwachen in Gedenken an Kellermayr statt – und als Zeichen gegen den Hass.

Bitte bleiben Sie gesund, solidarisch und aufgeschlossen,
Ihre Maren Wilczek

Noch ein Hinweis: Bei Gedanken an Suizid und in persönlichen Krisen finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner bei der Telefonseelsorge unter folgenden Nummern: 08001110111 und 08001110222. Der Anruf ist anonym und taucht nicht im Einzelverbindungsnachweis auf. Weitere Hilfsangebote finden Sie auf der Website der Telefonseelsorge.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL – Das Nachrichtenradio | 28. Juli 2022 | 09:00 Uhr

7 Kommentare

DermbacherIn vor 26 Wochen

Ich bleibe dabei, für mich grenzt das schon an Hysterie und ich vermisse immer noch konkrete Vergleichszahlen zur echten saisonalen Influenza. Die dünnt nämlich tatsächlich in manchen Betrieben und Schulen die Reihen deutlich aus.

DermbacherIn vor 26 Wochen

Ich habe den Eindruck, es besteht hier eine etwas naive Erwartungshaltung, was die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse betrifft. Wenn eine bestimmte Genvariante das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes reduziert, bedeutet das für den durchschnittlichen Coronabefürworter erst einmal keine irgendwie gearteten Einschränkungen oder Vorteile. Es bedeutet "nur", dass ein möglicher Ansatz für die Entwicklung von neuen Therapieansätzen entstehen kann. Und ich meine hier ausdrücklich keine Gentherapie.

DermbacherIn vor 26 Wochen

Es wird Zeit, auch in Deutschland umzusteuern. Keine Quarantäne mehr. Wer krank ist, bleibt zu Hause, das war schon früher so und gilt jetzt immer noch. Wer sich schützen will, kann dies mit FFP2 Maske tun. Dies ist ausreichend. Long-Covid ist für Betroffene schlimm, kann aber nicht der Grund für die Beibehaltung der Maßnahmen sein, denn z. B. Long-Influenza hat auch niemanden interessiert. Deshalb ist es an der Zeit, Corona als weitere Viruserkrankung zu akzeptieren und damit zu leben. Das Virus ist in der Gesellschaft angekommen und bleibt!

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