Corona-Daten-Newsletter | Montag, 25. Oktober 2021 Corona-Impfungen im Profi-Sport

Eine junge Frau lächelt in die Kamera
Bildrechte: Sarah-Maria Köpf

Im multimedialen Corona-Daten-Update: Wie Experten auf die Aussagen von Profi-Fußballer Joshua Kimmich reagieren. Außerdem: Der Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Joshua Kimmich
Bildrechte: IMAGO / MIS

Guten Abend liebe Abonnentinnen und Abonnenten,

ganz Deutschland diskutiert momentan über die Aussage von Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich, der sich noch nicht gegen Corona hat impfen lassen. Er habe Bedenken wegen fehlender Langzeitstudien, sagte der 26-Jährige am Samstag in einem Interview mit dem TV-Sender Sky. Der FC Bayern-Spieler distanziere sich jedoch von Gruppen der Corona-Leugner und Impfgegner.

Das vorläufige Nein zur Impfung stößt bei Politikern, Sportlern und Wissenschaftlern auf Kritik. Wo Experten jetzt Aufklärungsbedarf sehen und wie es mit den Impfungen im Profisport in Mitteldeutschland aussieht, schauen wir uns gleich gemeinsam an. Natürlich habe ich wie immer auch die aktuellen Corona-Zahlen für Sie.

Zuvor möchte ich Ihnen aber dieses Audio empfehlen, denn seit vergangener Woche ist immer wieder die Rede vom Ende der epidemischen Lage. Doch was würde sich für uns dadurch konkret ändern? Die Antwort lautet: erst einmal gar nicht so viel. Masken und Abstandsregeln werden auch noch bis ins Frühjahr 2022 notwendig sein, denn die Corona-Lage bleibt weiterhin ernst.

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Auf einen Blick: Die aktuellen Zahlen

Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind am Montag, den 25. Oktober 2021 bundesweit 6.573 neu positiv Getestete innerhalb eines Tages gemeldet worden (Stand: 08:30 Uhr). Die 7-Tage-Inzidenz steigt damit auf 110,1.

In den Bundesländern liegen die Inzidenzen in Thüringen (224,3), Sachsen (196,8) und Bayern (179,1) weit über dem Bundesdurchschnitt. Die meisten Neuinfektionen zum Vortrag wurden in Bayern (+2.100), Baden-Württemberg (+1.224) und Sachsen (+927) verzeichnet.

Im Folgenden nun die Zahlen nach Angaben der Ministerien, von Behörden und der Landkreise. Die Werte können von denen des RKI abweichen, da sie etwas aktueller sind, dadurch jedoch durch Nachmeldungen korrigiert werden können. 

Sachsen


  • Aktive Fälle: 13.742
  • Hospitalisierungsrate*: 3,89 (+1,11)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 133, davon 63 beatmet, 71 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 56,4 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 24,4 Prozent
  • 18-59 Jahre: 56,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 78.4 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 10.365

Thüringen

  • Aktive Fälle: 8.162
  • Hospitalisierungsrate*: 7,74 (+3,91)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 53, davon 18 beatmet, 40 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 60,3 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 27,3 Prozent
  • 18-59 Jahre: 61,2 Prozent
  • 60+ Jahre: 81.6 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 4.517

Sachsen-Anhalt

  • Aktive Fälle: 3.574
  • Hospitalisierungsrate*: 2,25 (+0,14)
  • COVID-19-Intensivpatienten: 38, davon 19 beatmet, 36 freie COVID-19-Intensivbetten
  • Impfquote: 62,7 Prozent (vollständig geimpft)
  • 12-17 Jahre: 24,9 Prozent
  • 18-59 Jahre: 63,9 Prozent
  • 60+ Jahre: 83,7 Prozent
  • Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19: 3.574

* Die Hospitalisierungsrate beschreibt die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten COVID-19-Fälle. Durch Übermittlungsverzug wird die Rate in gewissem Maß unterschätzt werden, schreibt das RKI. Auch Recherchen der "Zeit" und des "Spiegell" zeigen das. Ein deutschlandweit gültiger Grenzwert dafür, welche Maßnahmen eine bestimmte Hospitalisierungsrate nach sich ziehen, wurde nicht festgelegt. Die Bundesländer beziehen die Rate derzeit in komplexe Berechnungen ein (Sachsen und Thüringen) oder überlassen die Entscheidung über Maßnahmen den einzelnen Landkreisen (Sachsen-Anhalt). Warum die Hospitalisierungsrate in der jetzigen Form als neue Corona-Kennzahl untauglich ist, erklärt MDR-Datenjournalist Manuel Mohr in diesem Artikel.

(Quellen: Schätzung der aktiven Fälle: eigene Berechnung, LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen | Hospitalisierungsrate: RKISozialministerium SachsenTMASGFF | IntensivpatientenDivi | Impfquote: RKI | Todesfälle: LAV Sachsen-Anhalt, TMASGFF, Sozialministerium Sachsen, RKI)

Alle Grafiken und weiteren Zahlen finden Sie hier in den Übersichten der Kolleginnen und Kollegen.

Experten kontern Aussagen von Kimmich zu Covid-19 Impfung

Die Bedenken von Fußballprofi Joshua Kimmich haben einen Nerv getroffen und gezeigt: Es fehlt noch an Aufklärungsbedarf zum Thema Corona-Impfung. Zu viele Mythen und eine gewisse Skepsis sind bei vielen Menschen an der Tagesordnung. Thomas Mertens, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommisson (Stiko), äußert bei MDR Aktuell Verständnis für diese Bedenken. Gleichzeitig schätzt er sie als problematisch ein, denn für neue Mittel in der Medizin gebe es von Natur aus keine Langzeitergebnisse.

Allerdings wurden mittlerweile bereits sieben Milliarden Dosen an Covid-19-Impfstoff verabreicht, so Mertens. „Neben den Zulassungsstudien wissen wir aus den begleitenden Studien, dass es nur zu einigen Nebenwirkungen gekommen ist, die alle recht kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten sind." In der Wissenschaft sei man sich einig, dass später auftretende Nebenwirkungen "nicht vorkommen, beziehungsweise eine extrem seltene Rarität" seien.

Der Begriff der "Langzeitfolgen" werde in diesem Zusammenhang oft falsch verstanden. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfi) spricht von einem sich hartnäckig haltenden Missverständnis. Die Nebenwirkung, die auftreten, zeigen sich innerhalb von Wochen nach der Impfung. "Dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten", betont er.

Die Impfquote im Profisport

Die Aussagen von Kimmich werden besonders aufgrund seiner Vorbild-Funktion als problematisch gesehen. Doch wirft man einen Blick auf die Impfquote im Profisport, zeichnet sich ein anderes Bild.

  • Die Deutsche Fußball Liga (DFL) spricht von einer Impfquote von 94 Prozent, bezogen auf die Teams der Bundesliga. Eine offizielle Zahl ist das zwar nicht, da die Vereine ihre Impfquote freiwillig melden. Trotzdem hat auch die DFL eine klare Empfehlung zur Impfung ausgesprochen und an die "professionelle Verantwortung" der Spieler appelliert. Grundsätzlich gebe es aber auch für Profifußballer keine Impfpflicht, betont die Spielergewerkschaft. Die Klubs selbst halten sich bisher aus den Diskussionen zurück.
  • RB Leipzig teilte dem MDR schriftlich mit, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Nachwuchs- und Profisportler ein Impfangebot erhalten hätten. Man stehe im ständigen Austausch und habe eine hohe Impfquote erreicht. Sich impfen zu lassen unterliege dennoch der schutzwürdigen Privatsphäre eines jeden Einzelnen.
  • Auch im Tennis erhitzt die Impfdebatte momentan die Gemüter. Für die Australien Open im Januar 2022 ist eine Impfpflicht für die Teilnehmer und ihr Team im Gespräch. Nach Angaben der Tennisvereinigung ATP seien momentan rund 65 Prozent der Spieler geimpft. Bei den Spielerinnen hätten mehr als 60 Prozent den vollen Impfschutz, erklärte die WTA.

So hoch sind die Impfquoten bei Mitteldeutschen Sport-Klubs

Original Phiolen von Moderna und Comirnaty mit einer aufgezogenen Spritze.
Beim Drittligisten Hallescher FC herrsche nach eigenen Aussagen eine hohe Impfquote. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Wie die Impfquoten in mitteldeutschen Sportklubs aussehen, hat sich mein Kollege Daniel George ausführlicher angeschaut. Dem Fußball-Drittligist Hallescher FC sei "daran gelegen, aus dem Thema Impfung keinen Wettbewerb zu machen." Grundsätzliche herrsche aber eine hohe Impfquote. Auch Zweitligist FC Erzgebirge Aue erklärt, dass fast alle Spieler geimpft seien. In der Basketball-Bundesliga (BBL) gehen die mitteldeutschen Klubs transparenter mit dem Thema um. Der Syntainics MBC aus Weißenfels erklärt, dass die komplette Mannschaft geimpft sei. Die hohe Impfquote bringt neben dem gesundheitlichen Schutz der Spieler dem Verein dabei auch einen finanziellen Vorteil: Die Pflicht der mehrmaligen wöchentlichen Tests entfällt.

Kaum Beratung im Umgang mit Verschwörungsmythen

Verschwörungserzählungen gibt es nicht erst seit Corona. Trotzdem sind sie seit der Pandemie auffälliger geworden. Innerhalb von Familien oder im Freundeskreis können unterschiedliche Ansichten zum Thema Impfung, Maskenpflicht und Corona-Tests schnell zum Streit führen. In Deutschland gibt es bislang nur eine Beratungsstelle, die Menschen im Umgang mit Verschwörungsmythen unterstützt. Im Podcast von MDR Thüringen berichtet Tobias Meilicke, Leiter von Veritas, dass in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt der Anteil von Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, besonders hoch sei. Viele, die in der DDR groß geworden sind, hätten eine gewisse Skepsis gegenüber Staat und Medien aus ihren früheren Erfahrungen entwickelt. Diese bestehe bis heute fort, sodass sich Informationen aus informelleren Kreisen im Internet beschafft würden.

Querdenker demonstrieren gegen die Coronamaßnahmen der Regierung 22 min
Querdenker demonstrieren gegen die Coronamaßnahmen der Regierung Bildrechte: MDR/Peter Podjavorsek

Tot-Impfstoff laut Experten ideal für Booster-Impfung

Impf-Experten setzen Hoffnungen auf den neuen Totimpfstoff Valneva. Dieser enthält abgetötete Krankheitserreger und arbeitet ähnlich wie Impfstoffe gegen Grippe und Tetanus. Prof. Uwe Gerd Liebert, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig, sieht in Valneva aufgrund seiner günstigeren Herstellung und längeren Haltbarkeit eine große Chance, die Pandemie zu bekämpfen. Ein weiterer Vorteil des Vakzins: "Es werden nicht nur Antikörper gegen ein Eiweißbestandteil des SARS-CoV-2 gebildet, sondern gegen mehrere. Das erhöht die Immunreaktion in der Breite auch im Vergleich zu anderen Impfstoffen", erklärt Dr. Thomas Grünewald, Vorsitzender der sächsischen Impfkomission. Deshalb könnte Valneva eine Alternative beim Boostern sein.

Zum Schluss ...

Mussten Sie heute Morgen auch Ihre Autoscheibe freikratzen? Spätestens das ist wohl das Zeichen, dass der Winter naht. Vielerorts war es in der Nacht bereits so kalt, dass Frost Boden und Scheiben überzog, wie Sie im Video unten sehen können. Noch dazu sind sich Meteorologen einig: Uns steht ein besonders kalter Winter bevor.

In diesem Sinne: Machen Sie sich einen schönen Abend mit einer heißen Tasse Tee und wir lesen uns dann am Mittwoch wieder, wenn Sie mögen.

Alles Gute

Sarah-Maria Köpf

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 25. Oktober 2021 | 06:05 Uhr

6 Kommentare

Fakt vor 6 Wochen

@hansfriederleistner:

Wie ein Journalist seinen Job macht, dürfen Sie getrost ihm überlassen.
Und "kein Interview mehr geben" ist ein denkbar schlechter Rat. Sie kennen das Prinzip "geben und nehmen"? Der Journalist braucht sein Klientel, das Klientel braucht den Journalisten - ist so wie fast überall im Leben.

hansfriederleistner vor 6 Wochen

Wenn sich ein Reporter Sportreporter nennt, soll er auch über Sport berichten und zum Sport fragen. Im Privatleben des Sportlers hat er nichts verloren. Kimmich war zu höflich, um den sensationsgierigen Mann einfach stehen zu lassen. Und heute fallen alle über ihn her. An seiner Stelle würde ich keine Interviews mehr geben.Dann können die Herren ja Grimms Märchen vorlesen.

MDR-Team vor 6 Wochen

Liebe Dermbacherin, besonders bei älteren Menschen lässt die Schutzwirkung der Corona-Impfung (also der Schutz vor einem schweren Verlauf) nach einigen Monaten ab. Deshalb wird auch die dritte sogenannte Booster-Impfung empfohlen. Bei jüngeren Menschen ist die Schutzwirkung dagegen relativ hoch: "Bei vier von zehn Menschen in einer Gruppe, deren Durchschnittsalter in der Studie bei 82 Jahren lag, seien nach einem halben Jahr keine neutralisierenden Antikörper mehr gegen die Delta-Variante feststellbar. Im Vergleich dazu bestimmte die Forschungsgruppe auch den Antikörperspiegel bei Charité-Mitarbeitern, die im Durchschnitt 35 Jahre alt waren. Diese hatten immer noch zu mehr als 97 Prozent neutralisierende Antikörper gegen die Delta-Variante – obwohl beide Studiengruppen zur gleichen Zeit mit dem gleichen Vakzin (Biontech) geimpft worden waren." (Quelle: www.deutschlandfunk.de/debatte-ueber-booster-impfungen-wie-lange-haelt-der-corona.2897.de.html) Liebe Grüße

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